Im September 2022 veröffentliche Disney den ersten offiziellen Trailer zur Real-Life-Verfilmung von „Arielle, die kleine Meerjungfrau“ mit der Schwarzen Schauspielerin Halle Bailey in der Hauptrolle. Mit engelsgleicher Stimme singt die PoC-Darstellerin den Titelsong „Part of your world“. In der digitalen Welt folgte tobender Applaus, denn eingefleischte Disney-Fans haben lange auf den Moment gewartet, in dem die kleine Meerjungfrau endlich zum Leben erwacht. Es dauerte aber nicht lange bis auf den digitalen Plattformen eine Rassismus-Debatte aufkeimte, in der Diversitätsgegner*innen sich darüber echauffierten, dass „ihre Arielle“ plötzlich nicht mehr weiß sei. Der Film wird Mitte Mai, also rechtzeitig zum 11. Deutschen Diversity-Tag am 23. Mai, veröffentlicht.
Die Debatte spiegelt auch die Ergebnisse der quantitativen Medienanalyse „Children’s TV worldwide“ wieder, in der das Kinderfernsehen in 24 Ländern untersucht wurde. Die Frage wie Vielfalt weltweit repräsentiert ist, führt zu einem eindeutigen Ergebnis: Kinderfernsehen ist überwiegend weiß.
Diese Arbeit macht sich auf die Spurensuche nach Diversität in Disney-Filmen anhand ausgewählter Beispiele. Es wird zudem der Versuch unternommen eine Definition von Diversität sowie eine Einordnung der Bedeutung von Diversität in Kinderfilmen vorzunehmen. Dabei soll ein besonderer Fokus auf Aspekten der kulturellen Vielfalt liegen. Abschließend soll ein Fazit formuliert werden, dass ausgehend von der medienpädagogischen Relevanz die Erfordernisse für einen zeitgemäßen Umgang mit Diversität auch in Disney-Filmen aufzeigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wichtige Fakten zu Disney
3. Was ist Diversität?
4. Diversität in ausgewählten Beispielen
4.1 Cinderella
4.2 Pocahontas
4.3 Vaiana
5. Die Bedeutung von Diversität in Kinderfilmen
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung kultureller Vielfalt in ausgewählten Kinderfilmen der Walt Disney Company, um aufzuzeigen, wie das Unternehmen auf gesellschaftliche Forderungen nach einer inklusiveren Repräsentation reagiert und welche medienpädagogische Bedeutung dies für die kindliche Entwicklung hat.
- Historische und aktuelle Repräsentation von kultureller Vielfalt bei Disney
- Definition und soziologische Einordnung des Begriffs Diversität
- Kritische Analyse spezifischer Disney-Filme hinsichtlich Stereotypen und Inklusion
- Auseinandersetzung mit der medienpädagogischen Relevanz für Kinder im Vorschul- und Grundschulalter
- Reflektion über die unternehmerische Verantwortung für ein zeitgemäßes Diversitätsmanagement
Auszug aus dem Buch
4.2 Pocahontas
Anders die Filme „Pocahontas“ (1995), „Der Glöckner von Notre Dame“ (1996) oder „Küss den Frosch“ (2009), die in ihrem Figurenensemble verschiedene Hautfarben aufweisen. Der 1995 erschienene Disney-Film „Pocahontas“, der auf wahren Begebenheiten beruht, gilt als „erster politisch korrekter Film von Disney“10. Thematisiert werden die unterschiedlichen Welten der mit der Natur im Einklang lebenden indigenen Völker Nordamerikas und den materiell und auf technischen Fortschritt ausgerichteten Kolonialist*innen. Pocahontas, die Heldin des Filmes, wird als intelligent und mutig dargestellt. Es gelingt ihr ihren Gegenpart John Smith, einen britischen Siedler, davon zu überzeugen, das neben seiner Kultur auch die der Native Americans ihre Existenzberechtigung haben. John Smith ist aufgeschlossen und baut seine Vorurteile ab. So gelingt es, beide Welten zu vereinigen und aufzuzeigen, dass zwischen unterschiedlichen Kulturen nur dann Frieden herrschen kann, wenn man sich kennenlernt und gegenseitiges Verständnis füreinander entwickelt. Jedoch kommt auch dieser Film nicht ohne Stereotype aus, denn die ganz überwiegende Zahl der britischen Siedler*innen wird als tyrannisierende und grobe Menschen dargestellt, die Native Americans hingegen als magische Wesen mystifiziert, die mit Bäumen und Tieren sprechen können.11
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt das Thema in den Kontext aktueller gesellschaftlicher Rassismus-Debatten um Disney-Neuverfilmungen und definiert den analytischen Rahmen der Arbeit.
2. Wichtige Fakten zu Disney: Gibt einen Überblick über die Unternehmensgeschichte und die marktbeherrschende Stellung des Medienkonzerns.
3. Was ist Diversität?: Erläutert den soziologischen Diversitätsbegriff und die damit verbundenen gesellschaftlichen Chancen und Herausforderungen.
4. Diversität in ausgewählten Beispielen: Analysiert kritisch die Darstellung von kultureller Vielfalt und Rassismus in den Filmen Cinderella, Pocahontas und Vaiana.
5. Die Bedeutung von Diversität in Kinderfilmen: Beleuchtet die medienpädagogische Wirkungsweise auf Kinder und die Bedeutung von Vorbildfunktionen bei der Identitätsbildung.
6. Fazit und Ausblick: Resümiert kritisch, dass Disneys Bemühungen um Diversität oft oberflächlich bleiben und fordert mehr Verantwortung von Medienschaffenden für eine inklusive Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Diversität, Disney, Kinderfilme, Kulturelle Vielfalt, Repräsentation, Stereotype, Medienpädagogik, Sozialpsychologie, Inklusion, Rassismus-Debatte, Identitätsbildung, Walt Disney Company, Pocahontas, Vaiana, Cinderella
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Darstellung kultureller Vielfalt in ausgewählten Disney-Kinderfilmen und bewertet den Umgang des Unternehmens mit Inklusion und Stereotypen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Unternehmensgeschichte von Disney, die Definition von Diversität, die kritische Filmanalyse und die Auswirkungen der Mediennutzung auf die kindliche Entwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es zu hinterfragen, inwiefern Disney kulturelle Vielfalt abbildet und welche medienpädagogische Relevanz diese Art der Darstellung für Kinder hat.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer medienwissenschaftlichen und medienpädagogischen Literaturanalyse sowie der Untersuchung spezifischer Filmbeispiele.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil analysiert, wie Disney durch teils stereotype Darstellungen kritisiert wurde und kontrastiert dies mit dem Anspruch auf politische Korrektheit in moderneren Produktionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Diversität, kulturelle Vielfalt, Repräsentation, Stereotypisierung und medienpädagogische Verantwortung.
Wie reagiert Disney laut Arbeit aktuell auf Kritik zu älteren Klassikern?
Disney reagiert auf rassistische Klischees in älteren Filmen mittlerweile mit entsprechenden Warnhinweisen (Disclaimern) oder durch die Sperrung in Kinderprofilen seines Streamingdienstes.
Was ist das zentrale Ergebnis der Analyse von "Vaiana"?
Während der Film Bemühungen um kulturelle Sensibilität zeigt, wurde er dennoch für Aspekte wie kulturelle Aneignung und unangemessenes Merchandising kritisiert.
Welche Rolle spielt die Altersgruppe bei der Medienrezeption laut Arbeit?
Da Kinder bereits ab dem Vorschulalter Fernsehen konsumieren, können sich stereotype Weltbilder laut der zitierten Experten nachhaltig verfestigen, weshalb Sensibilität bei der Auswahl von Inhalten entscheidend ist.
Welche Forderung stellt die Autorin/der Autor an Disney am Ende der Arbeit?
Es wird gefordert, dass Disney als globaler Medienkonzern seine gesellschaftliche Verantwortung wahrnimmt und Diversität als Mainstream-Thema statt als Nische begreift.
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- Lena Manthey (Author), 2022, Diversität in Disneyfilmen. Kulturelle Vielfalt in Kinderfilmen von Disney, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1323076