Der Friedensschluss des Commodus ist der in Forschung viel diskutierte erste Akt in der Regentschaft des jungen Kaisers Commodus. Betrachtet man jedoch die Vorgeschichte dieses Friedensschlusses, so hat bereits sein Vorgänger Marc Aurel Friedensverhandlungen mit germanischen Stämmen geführt. So stellt sich die Frage wieso die Entscheidung des jungen Commodus als Bruch mit der Politik des Vaters angesehen wird und ob diese Bewertung überhaupt zutreffend ist. Für die Beantwortung dieser Frage ist es daher zunächst von Interesse zu ergründen, wie die allgemeine Darstellung der beiden Kaiser in den Quellen aussieht. Dabei wird der Fokus auf die charakterlichen Eigenschaften der Kaiser und ihr Verhältnis zum Senat gesetzt. Anschließend wird der Friedensschluss unter Einbezug der Darstellung in den Quellen und der Einschätzung der Forschung diskutiert. Abschließend wird der Vergleich der jeweiligen Herrschaftsbilder in Bezug zum Friedensschluss des Commodus gesetzt und der Einfluss der Herrscherbilder auf die antike Bewertung des Friedensschlusses diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Schatten Marc Aurels
2.1. Ein idealisierter Kaiser
2.2. Marc Aurel und der Senat
3. Die Darstellung des Kaiser Commodus
3.1. Feigheit, Grausamkeit, Unwürdigkeit
3.2. Commodus Verhältnis zum Senat
4. Der Friedensschluss mit den Germanen
4.1. Die Vorgeschichte und die Bewertung in den Quellen
4.2. Kriegsziele Marc Aurels und Bewertung des Friedens aus heutiger Sicht
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch, warum der Friedensschluss des Kaisers Commodus mit den Germanen in der antiken Geschichtsschreibung als Bruch mit der Politik seines Vaters Marc Aurel und als Zeichen von Feigheit gewertet wurde, und hinterfragt die Objektivität dieser Überlieferungen vor dem Hintergrund der jeweiligen Herrscherbilder.
- Analyse antiker Quellen (Cassius Dio, Herodian, Historia Augusta)
- Gegenüberstellung der Herrscherbilder von Marc Aurel und Commodus
- Verhalten der Kaiser gegenüber dem römischen Senat
- Kriegsziele und politischer Handlungsspielraum in den Markomannenkriegen
- Historische Einordnung des Friedensschlusses als bewusste Fortführung väterlicher Politik
Auszug aus dem Buch
Die Darstellung des Kaiser Commodus
In den Quellen finden wir eine durchweg negative Darstellung der Charaktereigenschaften des Commodus. Herodian sieht eine allmähliche Entfremdung des Commodus von der Linie seines Vaters, durch den stärker werdenden Einfluss der Hofbediensteten. Der Bruch mit den väterlichen Vertrauten erfolgte nach einem vereitelten Mordanschlag auf ihn. Dieser Bruch wird in Herodians Werk damit manifestiert, dass Commodus öffentlich als Herakles, Sohn des Zeus auftrat. Am Beispiel des Commodus versuchte Herodian die Entstehung tyrannischer Herrschaft allgemeingültig zu erschließen und erkannte Commodus diesem Ansatz folgend „als Objekt der Einflussnahme seiner Umgebung“. Herodian hob bei der Beschreibung der Szenerie an Marc Aurels Totenbett vor allem das besonders junge Alter Commodus’ hervor, der immerhin schon fünf Jahre zuvor die Männertoga anlegte. Das genaue Alter wird dabei jedoch nicht genannt, wodurch er dem Leser jünger erscheint als es tatsächlich der Fall ist. Damit betonte Herodian die Beeinflussbarkeit des jungen Herrschers.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob der Friedensschluss des Commodus als tatsächlicher politischer Bruch oder als voreingenommene Interpretation der antiken Quellen zu werten ist.
2. Der Schatten Marc Aurels: Dieses Kapitel analysiert das idealisierte Bild des "Philosophenkaisers" Marc Aurel und sein als vorbildlich beschriebenes, freundschaftliches Verhältnis zum Senat.
3. Die Darstellung des Kaiser Commodus: Hier wird der Kontrast zu Marc Aurel verdeutlicht, indem Commodus als charakterlich labil, feige und als Tyrann dargestellt wird, der sich zunehmend vom Senat distanzierte.
4. Der Friedensschluss mit den Germanen: In diesem Kapitel wird aufgezeigt, dass der Friedensschluss des Commodus inhaltlich in der Tradition seines Vaters stand und eine Fortführung der bestehenden Germanienpolitik darstellte.
5. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Commodus der Ruf eines "Aktes der Feigheit" primär durch senatorische Propaganda und die bewusste Konstruktion eines Gegenbildes zu Marc Aurel anhaftet.
Schlüsselwörter
Marc Aurel, Commodus, Friedensschluss, Markomannenkriege, Cassius Dio, Herodian, Historia Augusta, Römischer Senat, Antike Geschichtsschreibung, Herrscherbild, Germanenpolitik, Propaganda, Usurpation, Machtwechsel, Historische Quellenanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Kernthema der Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Bewertung des Friedensschlusses von Kaiser Commodus mit den Germanen und prüft, ob die antike Kritik an diesem Ereignis sachlich begründet oder politisch motiviert war.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Publikation?
Im Zentrum stehen die Charakterisierungen der Kaiser Marc Aurel und Commodus, ihr jeweiliges Verhältnis zum Senat sowie die historische Bewertung ihrer Außenpolitik.
Was ist die Hauptforschungsfrage?
Die Untersuchung geht der Frage nach, warum Commodus' Friedensschluss als Bruch mit der Politik seines Vaters Marc Aurel angesehen wird und ob diese Bewertung den tatsächlichen historischen Gegebenheiten entspricht.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Arbeit stützt sich auf eine quellenkritische Analyse antiker Geschichtswerke wie Cassius Dio, Herodian und der Historia Augusta, ergänzt durch moderne historische Forschungsliteratur.
Was deckt der Hauptteil ab?
Der Hauptteil gliedert sich in die Quellenkritik, den Vergleich der Herrscherbilder, die Interaktion mit dem Senat und eine detaillierte Prüfung der Kriegsziele Marc Aurels im Vergleich zu den Handlungen seines Sohnes.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Analyse?
Begriffe wie "Idealisierter Kaiser", "senatorische Propaganda", "Kaiserbild", "Friedensschluss" und "Bruch mit der Tradition" bilden den Kern der Argumentation.
Warum wird Herodian in der Arbeit kritisch hinterfragt?
Die Arbeit stellt heraus, dass Herodians Werk weniger auf realistische historische Wiedergabe als auf erzählerische Effekte und literarische Aufhübschungen abzielte, was ihn als zuverlässige Quelle problematisch macht.
Wird Commodus in der Publikation rehabilitiert?
Die Autorin oder der Autor zeigt auf, dass der Friedensschluss aus militärischen und finanziellen Gründen sinnvoll war und Commodus lediglich das umsetzte, was unter Marc Aurel bereits gängige Praxis war, um das Reich vor Überbelastung zu schützen.
- Quote paper
- David Djamalpour (Author), 2021, Der Friedensschluss des Commodus. Kritische Betrachtung der überlieferten Perspektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1323083