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Lebenswelten rechtsextremer Skinheads - Konsequenzen für die Soziale Arbeit im Kontext sozialräumlicher Ansätze

Title: Lebenswelten rechtsextremer Skinheads - Konsequenzen für die Soziale Arbeit im Kontext sozialräumlicher Ansätze

Master's Thesis , 2009 , 78 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Sebastian Willeke (Author)

Social Work
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Summary Excerpt Details

„Skin|head [...hεt] der; -s, -s <engl.>: Angehöriger einer Gruppe männlicher Jugendlicher, die äußerlich durch Kurzhaarschnitt bzw. Glatze gekennzeichnet sind u. zu aggressivem Verhalten u. Gewalttätigkeiten neigen [auf der Grundlage rechtsradikalen Gedankenguts]“ (Duden 2006: 962).

Die meisten Menschen würden einer solchen Definition wahrscheinlich zustimmen.
Aber entspricht diese im aktuellen Fremdwörterbuch des Duden enthaltene Umschreibung eines Skinheads tatsächlich der Lebenswirklichkeit?
Bei der Betrachtung dieser Definition bleiben jedoch einige Fragen offen: Sind nun alle Skinheads als rechtsradikal zu bezeichnen? Und was bedeutet „Rechtssein“ überhaupt? Man könnte sich zudem fragen, ob man einen Skinhead auf der Straße wirklich immer schon an seinem äußeren Erscheinungsbild erkennen würde. Spielt Gewalt im Leben von Skinheads tatsächlich so eine große Rolle, dass sie als konstituierendes Merkmal des „Skinhead-Seins“ angesehen werden kann und daher sogar in der Begriffsdefinition erscheint? Zu untersuchen wäre auch, ob dieses gewalttätige Verhalten, wie im Duden behauptet, wirklich einer politisch fundierten Ideologie entspringt.
In jedem Fall spiegelt die oben angeführte Begriffsbestimmung die vorherrschenden Einstellungen in unserer Gesellschaft wider.
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, ob das gezeichnete Bild von den meist jugendlichen Skinheads der Realität entspricht. Um dies beurteilen zu können, ist eine Analyse der Lebenswelt dieser Gruppierung vorzunehmen. Dabei werden die im Duden angesprochenen Bereiche der Kleidung und des Erscheinungsbildes, der Gewalt, des rechtsextremen Gedankenguts bzw. bestimmter ideologischer Orientierungen sowie die Bedeutung von Gruppenphänomenen genauer beleuchtet.
Dass Rechtsextremismus nicht an Aktualität verloren hat, verdeutlichen die aktuellen Ausschreitungen Rechtsextremer bei den Mai-Kundgebungen in verschiedenen deutschen Städten in diesem Jahr. Auch seitens der Regierung wird im neusten Verfassungsschutzbericht, der am 19.5.2009 durch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble vorgestellt wurde, mit Besorgnis auf die Zunahme rechtsextremistischer Taten in Deutschland im Jahr 2008 hingewiesen.
Vor diesem Hintergrund wird erneut die Frage nach Präventionsmaßnahmen laut.
Wie kann dem Einstieg in die rechte Szene und damit den rechtsextremistischen Straftaten vor-gebeugt werden?
Welche Möglichkeiten bestehen, um den Ausstieg aus der Szene zu fördern?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zur Methode der Lebensweltanalyse

3 Konkreter Gegenstand der Lebensweltanalyse: rechtsextreme Skinheads

3.1 Rechtsextremismus – eine Begriffsdefinition

3.2 Die Skinhead-Bewegung

3.2.1 Geschichte der Skinheadbewegung

3.2.2 Die unterschiedlichen Gruppierungen in der Skin-Szene

3.2.3 Zum Begriff der Subkultur /Szene

3.3 Zwischenfazit

4 Die Skinhead-Lebenswelt

4.1 Erscheinungsbild und Kleidung

4.2 Sozialstruktur innerhalb der Skinhead-Szene

4.2.1 Personenpotenzial

4.2.2 Alters- und Geschlechtsstruktur

4.2.3 Familiärer Hintergrund

4.2.4 Ausbildung/Bildung

4.3 Musik und andere Kommunikationsmedien

4.3.1 Rechte Musik – Einstiegsdroge, Propagandamittel, Vernetzungsinstrument?

4.3.1.1 Inhalte der Musik

4.3.1.2 Psychologische Wirkung und Funktion

4.3.2 Szenekommunikation: Vom Fanzine bis zum Internet

4.4 Gewalt, delinquentes Verhalten und Straftaten

4.4.1 Statistische Befunde

4.4.1.1 Grundlegende Problematiken

4.4.1.2 Ausgewählte Daten

4.4.2 Qualitative Untersuchungen

4.5 Gruppenprozesse – Das „Wir“- Gefühl

4.5.1 Die Psychologie der Gruppe

4.5.2 Die Bedeutung der Gruppe für rechtsextreme Skinheads

4.6 Ideologie und Weltanschauung

4.6.1 Szenespezifische Ideologiefragmente in der Eigendarstellung

4.6.1.1 Geschichte und Politik

4.6.1.2 Feindbilder und Rassen

4.6.1.3 Selbstverständnis und Tugenden

4.6.2 Haben rechte Skins eine fundierte Ideologie?

4.6.3 Fazit

5. Konsequenzen für die soziale Arbeit im Kontext sozialräumlicher Ansätze

5.1 Ein- und Ausstiegsmotive

5.2 Die Akzeptierende Jugendarbeit

5.2.1 Das Konzept der Akzeptierenden Jugendarbeit nach Krafeld

5.2.2 Die Bedeutung des Aufsuchenden Ansatzes

5.3 Jugendliche und ihre Sozialräume

5.4 Sozialraumanalyse am Beispiel „Distanz(ierung) durch Integration“

5.4.1 Grundsätzliche Überlegungen und Konzeptziele

5.4.2 Thematische Schwerpunkte und Arbeitsbereiche

5.4.3 Stellungnahme

5.4.3.1 Bewertung des Bremer Konzepts für die Arbeit mit rechten Skins

5.4.3.2 Bedeutung der Sozialraumanalyse

6. Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Lebenswelt rechtsextremer Skinheads, um zu klären, ob das in der Gesellschaft dominierende Bild dieser Gruppierung der Realität entspricht. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie die Soziale Arbeit durch sozialräumliche Ansätze präventiv wirken und Ausstiegswege fördern kann.

  • Analyse der Skinhead-Lebenswelt (Struktur, Ideologie, Gewalt)
  • Bedeutung der Szene-Kommunikation und Musik
  • Psychologische Dynamik von Gruppenprozessen
  • Ein- und Ausstiegsmotive in die rechte Szene
  • Sozialraumorientierung als methodisches Konzept der Jugendarbeit

Auszug aus dem Buch

4.3.1.2 Psychologische Wirkung und Funktion

Zwar existieren noch keine ausreichenden empirischen Erkenntnisse über die Wirkung rechter Musik, jedoch scheint diese in Abhängigkeit vom sozialen Umfeld, von der individuellen Situation und der Disposition jedes Jugendlichen zu stehen (vgl. Wörner-Schappert 2007: 100). Schon im Verfassungsschutzbericht 2003 wird erwähnt, der Reiz der Szene läge in der „[...] Unterhaltung und Aktion (Skinhead-Musik, Alkoholkonsum, Teilnahme an Konzerten und Demonstrationen) [...]“ (Verfassungsschutzbericht 2003: 42; vgl. auch 2. periodischer Sicherheitsbericht 2006: 147). So stellte Wahl in seinen Interviews mit fremdenfeindlichen Gewalttätern ebenso wie Farin/Seidel in Interviews mit Skinheads heraus, dass rechtsextremistische Musik besonders in Verbindung mit dem Konsum von Alkohol in Gesellschaft die Hemmschwelle für rechtsextreme Straftaten deutlich sinken lässt:

Auf die Frage, was „Skinhead sein“ bedeutet, antworteten: H. 21 Jahre: „Saufen, Konzerte, a way of life. Eine Randgruppe mit Stolz” (Farin/Seidel 2002: 6) und C. 22 Jahre: „Zusammenhalt, Spaß, gute Kleidung, gute Musik, gesellige Alkoholvernichtung.“ (Farin/Seidel 2002: 6)

Kevin: „Ja, Alkohol. Der hat mich halt mehr aggressiv gemacht, aufgeputscht. Und die Musik. [...] Ja. Die aggressiven Texte, die peitschen ja noch mehr hoch“ (Gaßebner 2003: 191) oder Ferdinand: „Die Musik macht aggressiv. Absolut. [...] wenn du da sitzt, und du trinkst mit deinen Kameraden [...] und dann noch die Musik dazu, dann kannst du raus gehen auf die Straße und kannst dir irgendein Opfer suchen [...]“ (Gaßebner 2003: 191).

Die Musik heizt mit ihren emotionalen Texten die Stimmung auf, fungiert als Katalysator, der Vorhandenes verstärkt und manifestiert und somit den Prozess der Ideologisierung antreibt (vgl. Wörner-Schappert 2007: 101, Wahl 2003: 191).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Diskrepanz zwischen der Duden-Definition von Skinheads und der gelebten Realität und leitet die Forschungsfrage nach den Möglichkeiten der Sozialen Arbeit ab.

2 Zur Methode der Lebensweltanalyse: Dieses Kapitel erläutert die theoretische Basis der Lebensweltanalyse nach Husserl, Schütz und Luckmann als Instrument zur Erforschung individueller sozialer und räumlicher Bezugspunkte.

3 Konkreter Gegenstand der Lebensweltanalyse: rechtsextreme Skinheads: Hier werden Definitionen des Rechtsextremismus diskutiert und die Skinhead-Bewegung sowie deren Geschichte, Gruppierungen und der Subkultur-Begriff analysiert.

4 Die Skinhead-Lebenswelt: Dieses Kapitel beschreibt das Erscheinungsbild, die Sozialstruktur, die Bedeutung von Musik, Gewalt und Ideologie innerhalb der Szene sowie die gruppendynamischen Prozesse.

5. Konsequenzen für die soziale Arbeit im Kontext sozialräumlicher Ansätze: Das Kapitel verknüpft die Erkenntnisse der Lebensweltanalyse mit praktischen Ansätzen wie der Akzeptierenden Jugendarbeit und dem Bremer Modell der Sozialraumanalyse.

6. Schlussbemerkung: Die Arbeit resümiert, dass Skinheads kein homogenes rechtsextremes Gefüge bilden und unterstreicht die Relevanz sozialräumlicher Konzepte für die Arbeit mit dieser Zielgruppe.

Schlüsselwörter

Rechtsextremismus, Skinheads, Soziale Arbeit, Lebensweltanalyse, Sozialraumorientierung, Jugendarbeit, Gewaltprävention, Gruppendynamik, Identitätsbildung, Aufsuchender Ansatz, Subkultur, Fremdenfeindlichkeit, Radikalisierung, Distanzierung, Integration

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Lebenswelten rechtsextremer Skinheads, um die Hintergründe ihres Verhaltens zu verstehen und Konsequenzen für die Soziale Arbeit abzuleiten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?

Neben der Struktur und Ideologie der Skinhead-Szene werden die Rolle von Musik, Gewalt, Gruppenprozesse sowie moderne sozialraumorientierte Konzepte der Jugendarbeit behandelt.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, ein umfassendes Bild der Skinhead-Lebenswelt zu zeichnen, um zu prüfen, ob pädagogische Konzepte, speziell sozialraumorientierte Ansätze, für den Umgang mit dieser Gruppe wirksam sind.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin oder der Autor?

Die Arbeit nutzt die Methode der Lebensweltanalyse, um die subjektiven und objektiven Wirklichkeitsregionen der Skinheads zu untersuchen und darauf basierend pädagogische Handlungsfelder zu erschließen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Lebenswelt (Erscheinungsbild, Sozialstruktur, Kommunikation, Gewalt) und eine darauffolgende Untersuchung konkreter Konzepte der Sozialen Arbeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Rechtsextremismus, Skinheads, Soziale Arbeit, Lebensweltanalyse, Sozialraumorientierung, Jugendkultur und Gewaltprävention bilden den Kern der terminologischen Ausrichtung.

Wie unterscheidet sich die Skinhead-Szene heute von früheren Beschreibungen?

Die Arbeit zeigt, dass die Szene heute sehr heterogen ist und sich durch staatliche Kontrolle und gesellschaftliche Veränderungen in ihrem Erscheinungsbild und ihrer Kommunikationsform stark angepasst hat.

Warum spielt die Gruppe für die rechtsextremen Skinheads eine so große Rolle?

Die Gruppe fungiert als Ersatzfamilie und bietet Schutz sowie ein Gefühl der Anerkennung, das den Jugendlichen in ihrem oftmals schwierigen familiären oder sozialen Umfeld fehlt.

Welche Bedeutung hat die Sozialraumanalyse für die Soziale Arbeit mit rechten Jugendlichen?

Sie ermöglicht es Sozialarbeitern, die Lebenssituation der Jugendlichen besser zu verstehen, Ressourcen im Umfeld zu identifizieren und passgenaue, nicht-konfrontative Angebote zu entwickeln.

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Details

Title
Lebenswelten rechtsextremer Skinheads - Konsequenzen für die Soziale Arbeit im Kontext sozialräumlicher Ansätze
College
Bielefeld University
Grade
1,0
Author
Sebastian Willeke (Author)
Publication Year
2009
Pages
78
Catalog Number
V132341
ISBN (eBook)
9783640380626
Language
German
Tags
Lebenswelten Skinheads Konsequenzen Soziale Arbeit Kontext Ansätze
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Willeke (Author), 2009, Lebenswelten rechtsextremer Skinheads - Konsequenzen für die Soziale Arbeit im Kontext sozialräumlicher Ansätze, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132341
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