Die vorliegende Forschungsstudie befasst sich mit dem im „Doing Business Project“ der Weltbank abgebildeten Regulierungs- bzw. Bürokratisierungsgrad. Aufgrund der Absenz von theoretisch fundierten Ursache-Wirkungsbeziehungen zwischen Einflussvariablen und dem Regulierungs- bzw. Bürokratisierungsgrad im „Doing Business Project“ werden im Rahmen dieser Studie relevante ökonomische, politische sowie sozio-kulturelle Determinanten identifiziert und in einem ersten logischen Wirkungsmodell integriert. Anschließend wird geprüft, inwieweit sich diese Determinanten einerseits auf den Regulierungs- bzw. Bürokratisierungsgrad auswirken, andererseits die bestehende Methodologie des „Doing Business Project“ ausreichend adäquat erscheint, um aus den dort generierten Ergebnissen zielführende Beurteilungen und Reformvorschläge für andere Länder ableiten und postulieren zu können. Die dieser Forschungsstudie zugrundegelegte Datengrundlage baut dabei auf den Informationsressourcen von Weltbank, International Monetary Fund, FAOSTAT, CIA-Factbook, Bertelsmann-Transformation-Index, Economic Freedom of the World, G. Hofstedes Kulturstudien und anderen wissenschaftlichen Quellen auf. Die empirischen Befunde, die mittels einer multiplen Regressionsanalyse generiert worden sind, zeigen hierbei auf, dass speziell bei einer globalen Betrachtung des Regulierungs- bzw. Bürokratisierungsgrades vielfältige ökonomische und politische Faktoren einen Einfluss ausüben, während diese Variablen bei der länderspezifischen Untersuchung durch weitere Faktoren ergänzt werden. Ferner indizieren die Resultate, dass im Rahmen des „Doing Business Project“ der Weltbank insbesondere wenig entwickelte Länder durch eine unausgewogene Betrachtung des Regulierungs- bzw. Bürokratisierungsgrades bedeutend benachteiligt werden. Insofern legen die Ergebnisse nahe, dass bei der Beurteilung des „Doing Business Project“ zukünftig die länderspezifischen Kontexte mehr Berücksichtigung finden müssen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen und Hypothesenbildung
2.1 Theoretische Grundlagen
2.2 Generelles Ausgangsmodell
2.3 Hypothesenbildung
3. Untersuchungsmaterial und Methodologie
3.1 Untersuchungsmaterial
3.2 Methodologie
4. Resultate
4.1 Deskriptive Analyse
4.2 Multiple Regressionsanalyse
5. Interpretation und Diskussion
6. Implikationen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch das "Doing Business Project" der Weltbank, um zu ermitteln, welche ökonomischen, politischen und sozio-kulturellen Faktoren den Regulierungs- bzw. Bürokratisierungsgrad in verschiedenen Ländern tatsächlich beeinflussen. Die zentrale Forschungsfrage hinterfragt, ob die Methodik des Projekts – aufgrund der fehlenden theoretischen Fundierung und der Missachtung länderspezifischer Kontexte – zu irreführenden Reformempfehlungen führt.
- Analyse der Wirkungskette und Validität des "Doing Business Project"
- Identifikation ökonomischer, politischer und sozio-kultureller Determinanten
- Empirische Überprüfung mittels multipler Regressionsanalyse
- Vergleich von Länderclustern zur Identifikation von Divergenzen
- Kritische Bewertung der Reformvorschläge der Weltbank
Auszug aus dem Buch
Generelles Ausgangsmodell
Das im Rahmen dieser Untersuchung zugrundegelegte generelle Ausgangsmodell baut auf der primären Überlegung auf, dass der Regulierungs- bzw. Bürokratisierungsgrad eines im DBP betrachteten Landes nicht nur durch ökonomische, sondern darüber hinaus durch politische und sozio-kulturelle Faktoren determiniert wird. Obwohl die theoretische Evidenz dieser Faktorenkombination aufgrund von fehlenden Studien keineswegs zweifelsfrei verifiziert werden kann, geben vergangene Einzeluntersuchungen ungeachtet dessen den Anlass dazu, diese hypothetischen Überlegungen zunächst beizubehalten.
Die Untersuchungen von F. Pryor (2001) stützen dabei in Teilen diese These, da nach ihm insbesondere ökonomische Einzelgrößen den Regulierungs- bzw. Bürokratisierungsgrad bestimmen. In diesem Zusammenhang skizziert er die Größe/Stärke der Volkswirtschaft, das erreichte Level der ökonomischen Entwicklung, die Bedeutung der Außenhandelsbeziehungen, die landesspezifischen Einkommensunterschiede und den Anteil an Unternehmen, die direkt von staatlichen Institutionen kontrolliert werden, als wichtige Determinanten des Regulierungsgrades eines Landes.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Diskrepanz zwischen ökonomischem Fortschritt und sozialer Ungleichheit und stellt das "Doing Business Project" der Weltbank als Instrument zur Messung staatlicher Regulierungsdichte vor, dessen Systematik kritisch hinterfragt wird.
2. Theoretische Grundlagen und Hypothesenbildung: Es wird ein Wirkungsmodell entwickelt, das ökonomische, politische und sozio-kulturelle Faktoren als Determinanten des Regulierungsgrades postuliert, und es werden entsprechende Hypothesen über deren Einfluss und Konstanz abgeleitet.
3. Untersuchungsmaterial und Methodologie: Dieser Abschnitt beschreibt die Datengrundlage von 175 Ländern sowie die statistische Methodik, bestehend aus einer deskriptiven Analyse und einer multiplen Regressionsanalyse zur Identifikation signifikanter Einflussfaktoren.
4. Resultate: Die empirischen Ergebnisse werden präsentiert, wobei Mittelwertunterschiede zwischen Länderclustern und die prädiktive Kraft der untersuchten Einflussvariablen auf den Regulierungs- bzw. Bürokratisierungsgrad detailliert dargestellt werden.
5. Interpretation und Diskussion: Die Ergebnisse werden im Hinblick auf die aufgestellten Hypothesen interpretiert, wobei die Bedeutung verschiedener Einflussfaktoren im Gesamtmodell sowie länderspezifische Divergenzen analysiert werden.
6. Implikationen: Die Arbeit schließt mit der kritischen Feststellung, dass das "Doing Business Project" aufgrund der Vernachlässigung ex-ante vorliegender Determinanten ein unvollständiges Bild zeichnet und Reformvorschläge ohne länderspezifische Differenzierung zu Fehlentwicklungen führen können.
Schlüsselwörter
Doing Business Project, Ease of Doing Business, Ländercluster, multiple Regressionsanalyse, Regulierungsgrad, T-Test, Weltbank, ökonomische Faktoren, politische Determinanten, sozio-kulturelle Einflussvariablen, Reformvorhaben, Bürokratisierung, statistische Signifikanz, Governance, Wirtschaftsperformanz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit untersucht das "Doing Business Project" der Weltbank kritisch auf seine wissenschaftliche Fundierung und die Angemessenheit seiner Methodik bei der Messung von Regulierungs- und Bürokratisierungsgraden weltweit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die ökonomische Entwicklung, politische Rahmenbedingungen, sozio-kulturelle Prägungen (nach Hofstede) sowie deren messbaren Einfluss auf staatliche Regulierungsdichte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, ein logisches Wirkungsmodell zu identifizieren, das erklärt, welche Determinanten den Regulierungsgrad eines Landes tatsächlich beeinflussen, und ob die methodische Vorgehensweise der Weltbank hierbei zu problematischen Schlussfolgerungen führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Zur Analyse wurden eine deskriptive Statistik sowie eine multiple Regressionsanalyse auf Basis eines Datensatzes von 175 Ländern durchgeführt, um Wirkungsstärke und Signifikanz der Variablen zu prüfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung eines Modells, die Vorstellung des Untersuchungsmaterials (Datenquellen), die deskriptive Auswertung der Länderschwerpunkte sowie die multiple Regressionsanalyse als Kernstück der empirischen Untersuchung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben dem "Doing Business Project" und der "Regulierungsdichte" sind die "multiple Regressionsanalyse", "Ländercluster" sowie "ökonomische und politische Determinanten" für die inhaltliche Ausrichtung entscheidend.
Warum hinterfragt der Autor die Reformvorschläge der Weltbank?
Der Autor argumentiert, dass die Weltbank ex-ante vorhandene "Wirkungstreiber" vernachlässigt und somit fälschlicherweise "Äpfel mit Birnen" vergleicht, was zu einer "Fiktion" im Ranking führt, statt länderspezifische Realitäten adäquat abzubilden.
Welche Rolle spielen die Kulturdimensionen nach Hofstede in der Arbeit?
Die Kulturdimensionen werden als sozio-kulturelle Einflussvariablen in das Modell integriert, um zu prüfen, ob Faktoren wie Machtdistanz oder Individualismus den Regulierungsgrad eines Landes maßgeblich mitbestimmen.
- Quote paper
- Dipl. Betriebswirt (Univ.) Thomas Martin Fojcik (Author), 2009, Doing Business Project der Weltbank - Fakt oder Fiktion?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132410