Das Unternehmen im Laufe ihres Bestehens nicht jederzeit ihre Ziele erreichen, ist nicht ungewöhnlich. Ob sich aus der Verfehlung dieser Ziele eine Krisensituation ergibt, hängt vom Grad der Existenzbedrohung infolge einer dauerhaften Zielverfehlung der Unternehmung ab. Ist die Überlebensfähigkeit des Unternehmens gefährdet, befindet es sich in einer Krisensituation. Um eine Krise zu bewältigen, ist es erforderlich die langfristige Überlebensfähigkeit der Unternehmung wieder herzustellen. Dieser Prozess wird als Sanierung bezeichnet und bedarf intensiver Planung und Koordination von Maßnahmen, die ihren Rahmen im Sanierungskonzept finden. Damit die Geschäftsführung eines Krisenunternehmens die Krise bewältigen kann, ist eine Unterstützung sinnvoll, die den Sanierungsprozess mit geeigneten Methoden begleitet.
In dieser Arbeit wird untersucht, ob der Einsatz eines auf Sanierung spezialisierten Controllings die Geschäftsführung bei der Krisenbewältigung unterstützen kann und wie es organisatorisch im Unternehmen eingeordnet werden sollte. Die Sanierung im Rahmen eines Insolvenzverfahrens ist nicht Gegenstand der Untersuchung.
Dazu werden die verschiedenen Krisenarten abgegrenzt, Krisenphasen systematisiert und Krisenursachen vorgestellt. Anschließend wird der Beitrag des Sanierungscontrollings bei der Erstellung eines Sanierungskonzeptes dargestellt. Es werden Controllinginstrumente skizziert, die bei der Strategie-, Erfolgs- oder Liquiditätskrise einen Beitrag zur Erreichung des Sanierungsziels leisten können und anschließend beurteilt.
Es lässt sich feststellen, dass das Sanierungscontrolling mit seinen Controllingfunktionen und -instrumenten eine sinnvolle Unterstützung für die Geschäftsführung darstellt, die durch das Controlling eines „gesunden“ Unternehmens nicht geleistet werden kann. Nicht alle Controllinginstrumente sind geeignet die Sanierung zu begleiten. Es werden in dieser Arbeit Instrumente vorgestellt, deren Anwendung zur Sanierung bei bestimmten Krisenarten besonders zu empfehlen ist. Durch Informationsversorgung der Geschäftsführung, Planung, Kontrolle und Steuerung der Sanierungsmaßnamen ist das Sanierungscontrolling in der Lage den Sanierungsprozess so zu begleiten, dass die Geschäftsführung bei der Krisenbewältigung unterstützt wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
2 Systematisierung von Unternehmenskrisen
2.1 Krisenarten
2.2 Krisenphasen
2.3 Krisenursachen
2.4 Krisenbewältigung
2.4.1 Sanierungsfähigkeit und Sanierungswürdigkeit
2.4.2 Verantwortung der Geschäftsführung
2.4.3 Unterstützung des Krisenmanagements durch Controlling
3 Institutionelle Eingliederung des Sanierungscontrollings in die Unternehmenshierarchie
3.1 Eingliederung in die Aufbauorganisation
3.2 Einbindung in die Ablauforganisation
3.3 Anforderungen an den Sanierungscontroller
4 Erstellung eines Sanierungskonzeptes
5 Instrumente in der Strategiekrise
5.1 Einführung
5.2 Stärken-Schwächen-Analyse
5.3 Portfolio-Analyse
5.4 Balanced Scorecard
6 Instrumente in der Erfolgskrise
6.1 Einführung
6.2 ABC-Analyse
6.3 Benchmarking
6.4 Target Costing
7 Instrumente in der Liquiditätskrise
7.1 Einführung
7.2 Cash Management
7.3 Verkauf von Vermögenswerten
7.4 Rationalisierung
8 Kritische Würdigung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob der Einsatz eines auf Sanierung spezialisierten Controllings die Geschäftsführung bei der Krisenbewältigung unterstützen kann und wie dieses organisatorisch sinnvoll im Unternehmen eingeordnet werden sollte.
- Systematisierung und Abgrenzung von Unternehmenskrisen sowie deren Ursachen.
- Analyse der institutionellen Einbindung des Sanierungscontrollings in die Unternehmensstruktur.
- Darstellung und kritische Beurteilung von Controllinginstrumenten in verschiedenen Krisenphasen (Strategie-, Erfolgs- und Liquiditätskrise).
- Bedeutung der Kommunikation und Motivation der Mitarbeiter für den Sanierungserfolg.
Auszug aus dem Buch
3.1 Eingliederung in die Aufbauorganisation
Die Durchführung von Aufgaben eines Sanierungscontrollings im Sinne einer objektiven Gestaltung und Begleitung des Krisenmanagements setzt eine strikte Trennung zwischen der Entscheidungsvorbereitung und Entscheidungsfindung voraus. Weiterhin sollte das Sanierungscontrolling aufgrund der Wichtigkeit der Sanierung für den Fortbestand des Unternehmens eine hohe hierarchische Eingliederung erfahren. In der Literatur werden zwei Arten der Eingliederung des Controllings im Allgemeinen befürwortet. Zum einen ist die Einbindung als eigene Abteilung neben anderen gleichrangigen Unternehmensbereichen sinnvoll. Zum anderen wird die Ansiedelung als Stabstelle der Geschäftsführung empfohlen. Vor dem Hintergrund der in der Sanierung notwendigen Maßnahmen mit hohem Komplexitätsgrad und abteilungsübergreifender Problemstellung ist eine Eingliederung des Sanierungscontrollings als Stabstelle bei der Geschäftsführung besonders geeignet.
Die fehlende Weisungsbefugnis gegenüber den verschiedenen Unternehmensbereichen sollte durch eine enge Kopplung des Controllings an die Geschäftsführung kompensiert werden. Sandfort schlägt vor dem Sanierungscontrolling ein Vetorecht bei Fehlern im Entscheidungsprozess einzuräumen, um damit die Autorität der Funktion zu erhöhen. Die Mitgliedschaft des Sanierungscontrollers als beratendes Mitglied der Führungsgremien scheint geboten, damit der Controller ohne „Reibungsverluste“ über Entscheidungen informiert ist und der Wirkungsgrad seiner Entscheidungsvorbereitung erhöht wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung: Einführung in die Thematik der Unternehmenskrisen, Definition der Begriffe Krise und Sanierung sowie die Relevanz des Controllings im Sanierungsprozess.
2 Systematisierung von Unternehmenskrisen: Erläuterung verschiedener Krisenarten, Phasen und Ursachen, um ein Verständnis für die Ausgangssituation eines Krisenunternehmens zu schaffen.
3 Institutionelle Eingliederung des Sanierungscontrollings in die Unternehmenshierarchie: Diskussion der organisatorischen Verankerung des Sanierungscontrollings sowie der Anforderungen an das Anforderungsprofil eines Sanierungscontrollers.
4 Erstellung eines Sanierungskonzeptes: Darstellung der inhaltlichen Bestandteile und der Bedeutung eines Sanierungskonzeptes als Grundlage für sämtliche Maßnahmen.
5 Instrumente in der Strategiekrise: Vorstellung strategischer Methoden wie der Stärken-Schwächen-Analyse, Portfolio-Analyse und Balanced Scorecard zur Bewältigung strategischer Fehlentwicklungen.
6 Instrumente in der Erfolgskrise: Analyse von Maßnahmen wie ABC-Analyse, Benchmarking und Target Costing zur Senkung von Kosten und Steigerung der Rentabilität.
7 Instrumente in der Liquiditätskrise: Beschreibung operativer Instrumente wie Cash Management, Verkauf von Vermögenswerten und Rationalisierung zur Sicherung der kurzfristigen Zahlungsfähigkeit.
8 Kritische Würdigung und Ausblick: Zusammenfassende Betrachtung der Rolle des Sanierungscontrollings unter Berücksichtigung von Erfolgsfaktoren wie Kommunikation, Motivation und der Notwendigkeit juristischer Expertise.
Schlüsselwörter
Sanierungscontrolling, Unternehmenskrisen, Krisenmanagement, Sanierungskonzept, Strategiekrise, Erfolgskrise, Liquiditätskrise, Controllinginstrumente, Sanierungsfähigkeit, Sanierungswürdigkeit, Cash Management, Kostenoptimierung, Unternehmensführung, Krisenbewältigung, Sanierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle eines spezialisierten Sanierungscontrollings bei der Unterstützung der Geschäftsführung während einer Unternehmenskrise und beleuchtet die organisatorische Eingliederung dieses Bereichs.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Autor?
Die Arbeit deckt die Systematisierung von Krisen, die organisatorische Positionierung des Controllings, die Erstellung von Sanierungskonzepten sowie den Einsatz spezifischer Instrumente in Strategie-, Erfolgs- und Liquiditätskrisen ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu untersuchen, ob und wie Sanierungscontrolling effektiv eingesetzt werden kann, um Krisen zu bewältigen und die langfristige Überlebensfähigkeit eines Unternehmens wiederherzustellen.
Welche wissenschaftliche Methodik wird primär verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf einer umfassenden Auswertung der einschlägigen Fachliteratur und Controlling-Methodik basiert, um diese für die Krisensituation zu adaptieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die organisatorische Eingliederung, die Anforderungen an den Controller, die Konzeptentwicklung und die detaillierte Vorstellung von Instrumenten für die drei Stufen der Krise (Strategie, Erfolg, Liquidität).
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt am besten charakterisieren?
Kernbegriffe sind Sanierungscontrolling, Unternehmenskrise, Sanierungskonzept, Krisenbewältigung, Liquiditätssicherung, Strategiekrise, Erfolgskrise und Controllinginstrumente.
Warum ist laut der Arbeit eine spezielle Trennung von Entscheidungsvorbereitung und -findung notwendig?
Eine strikte Trennung wird als Voraussetzung für eine objektive Gestaltung und Begleitung des Krisenmanagements angesehen, wobei die hohe hierarchische Anbindung des Controllings entscheidend für die Wirksamkeit ist.
Welche Bedeutung misst die Arbeit der Rolle der Mitarbeiter in der Sanierung bei?
Die Arbeit betont, dass Maßnahmen ohne die Unterstützung der Mitarbeiter kaum zum Erfolg führen; daher müssen Motivation, Kommunikation und der Erhalt von Schlüsselpersonal aktiv in das Sanierungskonzept integriert werden.
Wie unterscheidet sich die Strategiekrise laut der Arbeit von anderen Krisenarten?
Sie wird als nicht existenzbedrohend eingestuft, solange noch Handlungsspielraum besteht, während Erfolgskrisen und Liquiditätskrisen eine deutlich höhere zeitliche Dringlichkeit und Bedrohung aufweisen.
- Citation du texte
- Andreas Fieker (Auteur), 2009, Darstellung und Beurteilung des Sanierungscontrollings, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132414