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„Was ist es denn mit den Gehirnen?“

Zur Bedeutung des zentralen Motivs ‚Gehirne’ in der gleichnamigen Erzählung Gottfried Benns

Title: „Was ist es denn mit den Gehirnen?“

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 24 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Anonym (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Unter dem Schlagwort „Gehirne“ brachte Gottfried Benn im Jahr 1916 fünf Novellen heraus. Die erste Erzählung aus diesem Band, ebenfalls Gehirne genannt, steht im Mittelpunkt dieser Arbeit. Der zentrale Begriff ‚Gehirn’ wird darin, außer im Titel, zwar erst fast am Ende der Erzählung beim Namen genannt, spielt aber für ihr Funktionieren eine entscheidende Rolle.
Das recht kurze Prosastück Gehirne handelt von Rönne, einem Arzt, der sich den Zerfall seiner Großhirnrinde diagnostiziert. Der Fakt, dass der Autor Gottfried Benn selbst Arzt war, erscheint unter diesem Gesichtspunkt besonders interessant. In der Sekundärliteratur lag es da auch häufig nahe, Rönne mit Benn gleichzusetzen. Doch dies ist zu oberflächlich. Hinter den ‚Gehirnen’ steckt mehr als nur eine Anspielung auf Benns Biographie. – Inwiefern Benns „anderes“ Leben, das als Arzt, seine Erzählung Gehirne nicht nur um einen fundierten medizinischen Wissenskontext bereicherte, sondern dadurch auch (wissenschafts-)kritische Elemente mit einflossen, soll im Folgenden aufgezeigt werden. Es gilt dabei, eine Interpretationsmöglichkeit zu finden, welches Programm von der zentralen Metapher ‚Gehirn’ in Hinblick auf den Text ausgeht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Wissensstand der Hirnforschung um 1900

3 Zerfallsprozess und Gegenmaßnahmen

3.1 Gehirn-Dissoziation als Ich-Dissoziation

3.1.1 Verlust von Gedächtnis und Zeitgefühl

3.1.2 Veränderte Wahrnehmung

3.1.3 Verlust des Realitätsbewusstseins und des Raumgefühls

3.1.4 Verlust der Kommunikationsfähigkeit

3.1.5 Erschöpfung, Bewegungsrückgang und Trägheit als Konsequenz

3.2 Maßnahmen Rönnes gegen die Ich-Dissoziation

3.2.1 Aufschreiben und Dokumentation – (Be)greifbar bleiben

3.2.2 Problembewältigungsversuche mit Hilfe von (wissenschaftlicher) Routine

4 ‚Gehirn’ als Prinzip – Das Programm der Erzählung

4.1 Zerfall und Genese in der Erzählung Gehirne

4.1.1 „[...] und muss immer darnach forschen, was mit mir möglich sei...“

4.1.2 Sinnbildlicher Ausbruch aus dem „Kristall“

4.2 Von der Rationalität zurück zur Instinktivität – Wider die Großhirnrinde

4.3 Flucht in die Sprachwelt

4.4 Wissenschaftskritik

5 Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der zentralen Metapher ‚Gehirn’ in Gottfried Benns Erzählung Gehirne. Dabei wird analysiert, wie der Zerfallsprozess der Großhirnrinde des Protagonisten Rönne als Ich-Dissoziation dargestellt wird und welche wissenschaftskritischen Implikationen sich aus der Gegenüberstellung von rationalem Bewusstsein und instinktiver Naturverbundenheit ergeben.

  • Analyse von Hirnforschung und Lokalisationslehre um 1900 im Kontext der Erzählung.
  • Untersuchung der physiologischen und psychologischen Zerfallsprozesse von Rönnes Identität.
  • Bewertung der Rönneschen Problemlösungsversuche durch wissenschaftliche Routine.
  • Erforschung der Bedeutung des Gehirns als Prinzip und dessen symbolischer Auflösung.
  • Vergleichende Interpretation mit Gottfried Benns Prosatext Unter der Großhirnrinde.

Auszug aus dem Buch

3.1 Gehirn-Dissoziation als Ich-Dissoziation

Die Hauptfigur Rönne unterliegt einem Prozess der Ich-Dissoziation. Der Begriff ‚Dissoziation’ wurde der Naturwissenschaft entlehnt: In der Chemie z. B. versteht man darunter den Zerfall eines Moleküls in seine Bestandteile. Bei einer dissoziativen Störung aus psychologischer Sicht handelt es sich um eine vielgestaltige Störung, bei der es zu einer teilweisen oder völligen Abspaltung von psychischen Funktionen wie des Erinnerungsvermögens, eigener Gefühle, der Wahrnehmung der eigenen Person sowie der Umgebung kommt. Dies lässt sich bei Rönne eindeutig feststellen.

Beim Lesen der Erzählung fällt ebenfalls auf, dass Rönnes Ich-Dissoziation ein mit dem Zerfall seines Gehirns „auf das Engste verknüpfter Prozess“ ist. Einen Beweis hierfür liefert die zentrale Textstelle „Es schwächt mich etwas von oben. [...] Zerfallen ist Rinde, die mich trug.“ Als ‚Rinde’ wird hier die Großhirnrinde abgekürzt, die zur Zeit Gottfried Benns als Sitz des Bewusstseins betrachtet wurde.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Bennschen Erzählung ein und stellt die Relevanz des Motivs ‚Gehirn’ als zentrales Programm des Textes vor.

2 Wissensstand der Hirnforschung um 1900: Dieses Kapitel beleuchtet den damaligen medizinischen Kenntnisstand über die Lokalisation von Hirnfunktionen und die Bedeutung der Großhirnrinde als Sitz der Seelentätigkeit.

3 Zerfallsprozess und Gegenmaßnahmen: Hier wird der Prozess der Ich-Dissoziation bei der Hauptfigur Rönne detailliert analysiert, inklusive seiner verschiedenen Versuche, durch Routine und Dokumentation Stabilität zu wahren.

4 ‚Gehirn’ als Prinzip – Das Programm der Erzählung: Dieses Kapitel interpretiert den Zerfall als notwendigen Prozess, der Rönne aus der rationalen Welt befreit und seine Rückkehr zu instinktiven, naturverbundenen Daseinsformen ermöglicht.

5 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass der Zerfall der Großhirnrinde in Benns Erzählung nicht bloß pathologisch, sondern als innovative Katharsis und Geburt eines neuen Bewusstseins zu verstehen ist.

Schlüsselwörter

Gottfried Benn, Gehirne, Rönne, Ich-Dissoziation, Großhirnrinde, Hirnforschung, Wissenschaftskritik, Moderne, Identitätsverlust, Bewusstsein, Rationalität, Instinktivität, Sprachwelt, Literaturanalyse, Unter der Großhirnrinde

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Erzählung Gehirne von Gottfried Benn und analysiert die Darstellung des psychischen und physischen Zerfalls des Protagonisten Rönne im Kontext zeitgenössischer wissenschaftlicher Diskurse.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Schwerpunkte liegen auf der Ich-Dissoziation, dem Verhältnis von Wissenschaft und Natur, der Rolle des Gehirns als menschliches Steuerungszentrum sowie der kritischen Auseinandersetzung mit dem Positivismus.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, das in der Metapher des ‚Gehirns’ verborgene Programm der Erzählung freizulegen und aufzuzeigen, wie Benn den Zerfall der rationalen Identität in eine literarische Neuerfindung überführt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die medizinhistorische Kontexte der Hirnforschung um 1900 sowie den Vergleich mit Benns Text Unter der Großhirnrinde als interpretative Grundlage nutzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Symptomatik von Rönnes Identitätszerfall, seiner gescheiterten wissenschaftlichen Gegenstrategien und einer philosophischen Deutung des finalen Ausbruchs aus dem rationalen Weltbild.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Identitätsverlust, Wissenschaftskritik, Bewusstseinswandel, Dissoziation und die spezifische Bennsche Motivik definiert.

Inwiefern beeinflusst Benns eigene Biografie die Erzählung?

Die Arbeit thematisiert Benns Tätigkeit als Arzt kritisch und weist darauf hin, dass die Gleichsetzung von Autor und Figur zwar naheliegt, jedoch die komplexen wissenschaftskritischen und literarischen Absichten der Erzählung unterkomplex verkürzen würde.

Welche Bedeutung kommt der Rolle der Sprache bei Rönnes Zerfall zu?

Rönne flüchtet in eine neue Sprachwelt, um die durch die Logik und Vernunft geprägte „intellektuelle Befleckung der Welt“ zu überwinden und eine unmittelbare, assoziative Wahrnehmung der Natur zu erreichen.

Warum wird das Werk Unter der Großhirnrinde zum Vergleich herangezogen?

Es dient als eine Art „Gebrauchsanweisung“ für Gehirne, da es die kritische Haltung gegenüber der naturwissenschaftlichen Überheblichkeit expliziter formuliert und Parallelen zum psychischen Zustand der Figur Rönne liefert.

Was schlussfolgert der Autor über das Verhältnis von Mensch und Gehirn?

Die Analyse gelangt zu dem Schluss, dass der Mensch sich nicht anmaßen sollte, das Leben und das Gehirn vollständig zu durchschauen, sondern sich wieder auf die Natürlichkeit und den Platz innerhalb des Kosmos zurückzubesinnen hat.

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Details

Title
„Was ist es denn mit den Gehirnen?“
Subtitle
Zur Bedeutung des zentralen Motivs ‚Gehirne’ in der gleichnamigen Erzählung Gottfried Benns
College
Free University of Berlin  (Institut für Deutsche und Niederländische Philologie)
Course
Hauptseminar „Prosaexperimente der Moderne“
Grade
2,3
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2007
Pages
24
Catalog Number
V132424
ISBN (eBook)
9783640418091
ISBN (Book)
9783640418541
Language
German
Tags
Gehirnen Bedeutung Motivs Erzählung Gottfried Benns
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2007, „Was ist es denn mit den Gehirnen?“ , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132424
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