Die schriftliche Gestaltung und Form der internetbasierten Alltagsschriftlichkeit unterscheiden sich von Texten, die im Deutschunterricht verfasst werden. Die Aufgabe des Deutschunterrichts besteht nun darin, dieses Phänomen zu reflektieren. Die vorliegende Arbeit nimmt vor diesem Hintergrund eine Reflexion der internetbasierten Alltagsschriftlichkeit als Aufgabe des Deutschunterrichts vor.
Im zweiten Kapitel wird die deutschdidaktische Verortung dieses Themenschwerpunkts aufgegriffen. Zunächst wird die Mediennutzung der Heranwachsenden thematisiert, woraufhin im nächsten Schritt die Kompetenzen des Deutschunterrichts und die von der Kultusministerkonferenz formulierten digitalisierungsbezogenen Kompetenzen gegenübergestellt werden, um zu verdeutlichen, welche Kompetenzen des Deutschunterrichts die Kompetenzen für die digitale Welt adressieren. Anschließend wird ein authentisches Datenbeispiel im Hinblick auf die sprachlichen Besonderheiten der Chatkommunikation analysiert. Zuletzt werden Anregungen für die Behandlung dieses Themas im Deutschunterricht gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. INTERNETBASIERTE KOMMUNIKATION IN DER DEUTSCHDIDAKTIK UND NEUE ASPEKTE FÜR DEN DEUTSCHUNTERRICHT
2.1 DIE MEDIENNUTZUNG DER HERANWACHSENDEN
2.2 EINORDNUNG IN DIE BILDUNGSSTANDARDS
2.3 KMK- „BILDUNG IN DER DIGITALEN WELT“
2.4 „BILDUNG IN DER DIGITALEN WELT“ – „KOMPETENZEN DES DEUTSCHUNTERRICHTS“
3. SACHANALYSE
3.1 BEZUG AUF DIE VORKOMMUNIKATION
3.2 INTERAKTIONSORIENTIERTES SCHREIBEN
3.3 SCHNELLSCHREIBPHÄNOMENE
3.4 ANREGUNGEN FÜR DEN DEUTSCHUNTERRICHT
4. SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung und Thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit reflektiert die internetbasierte Alltagsschriftlichkeit von Heranwachsenden als relevante Aufgabe des modernen Deutschunterrichts, um die Diskrepanz zwischen Freizeitkommunikation und schriftsprachlichen Anforderungen zu überbrücken und didaktisch fruchtbar zu machen.
- Analyse der Mediennutzung von Jugendlichen (JIM-Studien)
- Verortung digitaler Kompetenzen in den KMK-Bildungsstandards
- Untersuchung von WhatsApp-Interaktionen mittels des Modells "Interaktionsorientiertes Schreiben"
- Reflexion von Schnellschreibphänomenen und sprachlicher Variation
- Entwicklung konkreter didaktischer Anregungen für den Unterricht
Auszug aus dem Buch
3.3 Schnellschreibphänomene
Die Kurznachrichten werden spontan und schnell produziert, denn „die Funktion der Nachricht“ (Beißwenger 2015: 20) ist von größerer Relevanz als die Beachtung „sämtlicher Konventionen der geschriebenen Standardsprache“ (ebenda: 20). Kommunizierende erleichtern sich die Produktion der Nachrichten. Demnach tauchen Schnellschreibphänomene wie die Auslassung, irrtümliche Vertauschungen oder eine unabsichtliche Produktion von Buchstaben bei der Eingabe auf (vgl. ebenda: 20). Somit ist „ein eher liberaler Umgang mit den Regeln der deutschen Rechtschreibung“ (ebenda: 20) festzustellen. Auch schnelle Produzenten beziehungsweise Tipper präferieren Schnellschreibphänomene, da die Produktion der Schriftsprache zeitintensiver ist als eine Äußerung im mündlichen Gespräch (vgl. ebenda: 11).
Nachfolgend werden Schnellschreibphänomene aus dem ausgewählten Datenbeispiel untersucht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung thematisiert die Allgegenwärtigkeit digitaler Kommunikation und deren Einfluss auf die Mediensozialisation Jugendlicher, woraus sich die Notwendigkeit für den Deutschunterricht ableitet, eben jene Phänomene zu reflektieren.
2. INTERNETBASIERTE KOMMUNIKATION IN DER DEUTSCHDIDAKTIK UND NEUE ASPEKTE FÜR DEN DEUTSCHUNTERRICHT: Dieses Kapitel betrachtet die Mediennutzung Heranwachsender im Kontext der Corona-Pandemie und ordnet dies kritisch in die KMK-Bildungsstandards sowie den Medienkompetenzrahmen ein.
2.1 DIE MEDIENNUTZUNG DER HERANWACHSENDEN: Hier erfolgt eine detaillierte Analyse der veränderten Medienbeschäftigung während der Pandemie, wobei insbesondere die Rolle von WhatsApp als zentrales Kommunikationsmedium beleuchtet wird.
2.2 EINORDNUNG IN DIE BILDUNGSSTANDARDS: Dieser Abschnitt expliziert, wie der Deutschunterricht Schülern vermitteln soll, ihre Sprachverwendung kontextbewusst an unterschiedliche Kommunikationsbedingungen anzupassen.
2.3 KMK- „BILDUNG IN DER DIGITALEN WELT“: Die Digitalisierung wird hier als Bildungsherausforderung beschrieben, die eine kritische Neugestaltung von Lernformen erfordert, um notwendige Schlüsselqualifikationen zu fördern.
2.4 „BILDUNG IN DER DIGITALEN WELT“ – „KOMPETENZEN DES DEUTSCHUNTERRICHTS“: Hier wird anhand einer Synopse analysiert, wie fachspezifische Kompetenzen des Deutschunterrichts zur Förderung digitaler Kompetenzen beitragen können.
3. SACHANALYSE: In der Sachanalyse wird WhatsApp-Kommunikation als Gegenstand für eine kritische Reflexion des Sprachgebrauchs im digital-dialogischen Schreiben aufbereitet.
3.1 BEZUG AUF DIE VORKOMMUNIKATION: Dieses Teilkapitel untersucht, wie Nutzer in WhatsApp durch gemeinsamen Wissenshintergrund und Kontextbezüge kommunikative Effizienz erreichen.
3.2 INTERAKTIONSORIENTIERTES SCHREIBEN: Es wird die Haltung beim interaktionsorientierten Schreiben beleuchtet, die durch schnelle, dialogische Reaktionen geprägt ist und sich von textorientierten Normen abhebt.
3.3 SCHNELLSCHREIBPHÄNOMENE: Dieses Kapitel identifiziert typische Merkmale wie Auslassungen oder Vertauschungen, die durch den Wunsch nach schneller Kommunikation bei gleichzeitigem Verzicht auf standardisierte Rechtschreibung entstehen.
3.4 ANREGUNGEN FÜR DEN DEUTSCHUNTERRICHT: Abschließend werden praktische didaktische Arbeitsaufträge entwickelt, die den Schülern helfen, die Besonderheiten der internetbasierten Kurzschrift zu verstehen und zu analysieren.
4. SCHLUSSBETRACHTUNG: Die Schlussbetrachtung resümiert die Integration von digitaler Kommunikation in die offiziellen Lehrpläne und betont die neuen Anforderungen an Lehrkräfte im Zeichen der digitalen Transformation.
Schlüsselwörter
Digitale Kommunikation, Internetbasierte Alltagsschriftlichkeit, Deutschunterricht, Medienkompetenz, WhatsApp, Interaktionsorientiertes Schreiben, Schnellschreibphänomene, Kultusministerkonferenz, Mediensozialisation, Sprachdidaktik, Sprachvariation, Mediennutzung, Digitale Welt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die internetbasierte Chat-Kommunikation (insbesondere WhatsApp) als Lerngegenstand für den Deutschunterricht und leitet daraus didaktische Reflexionsmöglichkeiten ab.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Medienpraxis Jugendlicher, die medienlinguistische Analyse digitaler Kurzschrift sowie die Anpassung fachbezogener Bildungsstandards an die digitale Welt.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der informellen, internetbasierten Alltagssprache und den normativen Anforderungen an Standardsprache im Unterricht zu beleuchten und Wege zur didaktischen Einbindung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt Literaturanalysen zu medienpädagogischen Studien und eine qualitative Sachanalyse von authentischen WhatsApp-Interaktionsverläufen anhand linguistischer Konzepte (u.a. interaktionsorientiertes Schreiben).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine didaktische Verortung (Bildungsstandards) und eine linguistische Sachanalyse, die Phänomene wie Interaktionsbezug und Schreibökonomie untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Digitale Kommunikation, Internetbasierte Alltagsschriftlichkeit, Medienkompetenz, Interaktionsorientiertes Schreiben und didaktische Sprachreflexion.
Wie unterscheidet sich "interaktionsorientiertes Schreiben" vom Standard-Deutschunterricht?
Im Gegensatz zum textorientierten Schreiben, bei dem normgerechte Textproduktion im Fokus steht, priorisiert das interaktionsorientierte Schreiben die Schnelligkeit und den Austausch in Echtzeit, was oft einen liberaleren Umgang mit Rechtschreibung zur Folge hat.
Welche Rolle spielt der Kontext bei der Datenanalyse im Anhang?
Da WhatsApp-Nachrichten häufig situativ eingebettet sind, ist der Kontext (Vorwissen der Kommunizierenden, bisheriger Chatverlauf) essenziell, um die verkürzte oder elliptische Sprache überhaupt interpretieren zu können.
- Arbeit zitieren
- Sündüz Ilgaz (Autor:in), 2022, Reflexion über internetbasierte Alltagsschriftlichkeit. Eine Aufgabe des Deutschunterrichts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1324269