Die zentralen Bezugspunkte für Jugendliche, an denen, wie zu zeigen sein wird, die Geschlechterstereotype von Männlichkeit reproduziert werden, sind die Schule, die Familie und Freunde bzw. die Peergroup. Der Bedeutung dieser Bezugspunkte für die Beratung sowie die Kontextualisierung im Rahmen der adoleszenten Entwicklung und Krise soll diese Arbeit herausstellen.
Die Adoleszenz wird in der Entwicklungspsychologie als Phase der Destabilisierung bezeichnet. Jugendliche müssen die Veränderung ihres nun sexuellen Körpers in ihre Identität integrieren und sich außerhalb der Familie neu orientieren. Ein nicht unwesentlicher Faktor spielen dabei die Geschlechterstereotype, die in der Gesellschaft vorherrschen. Das „Doing Gender“, also die soziale Konstruktion von Geschlecht, gilt selbstredend auch für Männer. Während jedoch die (vor allem empirische) Forschung ein klares Bild von der „Konstruktion von Weiblichkeit“ hat, mangelt es an Forschungsergebnissen zur Männlichkeit, was Baur zufolge überwiegend daran liege, dass Männer als „das Normale“ gelten und diese Normalität nicht näher definiert bzw. erforscht wird. In der Psychoanalyse mag dieses Missverhältnis anders ausfallen, da gerade die Gewordenheit der Normalität im Zentrum der Theorie steht und sich Freud überwiegend mit der Entwicklung von Männern auseinandergesetzt hat, was wiederum zur Folge hatte, dass die ihm zahlreich folgenden Analytikerinnen umso intensiver auch die Entwicklung der Frau und die Bedeutung von Weiblichkeit in den Blick nahmen.
Heutzutage sind sich überwiegend alle sozialwissenschaftlichen Theorien sind darüber einig, dass das biologische Geschlecht sozial überformt ist; die Natur des Mannes oder der Frau ist „Natur durch Gesellschaft“. Besonders bei jungen Männern herrscht ein sozialer Druck zum Entwickeln von Männlichkeit. Diese Herstellung von Männlichkeit geschieht aktiv und orientiert sich an kollektiven Normen, was als Männlichkeit gilt.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Theoriegeschichtliches
- Entwicklung und Adoleszenz
- Zur Entwicklungspsychologie
- Krisen in der Adoleszenz
- Bedeutung für die Praxis
- Suizidalität in der Adoleszenz
- Normative Geschlechterstereotype im Bezugsrahmen Adoleszenter
- Schule
- Familie
- Freundschaften, Peers
- Diskussion
- Literatur
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Bedeutung normativer Geschlechterstereotype in der psychodynamischen Beratung adoleszenter Jungen. Sie beleuchtet, wie diese Stereotype in verschiedenen Lebensbereichen der Jugendlichen präsent sind und welche Auswirkungen sie auf die Entwicklung von Männlichkeit haben.
- Die Relevanz von Geschlechterstereotypen für die Entwicklung von Männlichkeit in der Adoleszenz.
- Der Einfluss sozialer Konstruktion von Geschlecht auf die Selbstwahrnehmung von Jungen.
- Die Rolle der Schule, Familie und Peergroup bei der Reproduktion von Geschlechterstereotypen.
- Die Bedeutung von psychodynamischer Beratung im Kontext der Adoleszenzkrise und den damit verbundenen Herausforderungen.
Zusammenfassung der Kapitel
- Die Einleitung führt in das Thema ein und beleuchtet die Bedeutung der Adoleszenz als Phase der Destabilisierung. Die Geschlechterstereotype als wichtiger Faktor in der Entwicklung und der soziale Konstruktion von Geschlecht werden erläutert.
- Das Kapitel "Theoriegeschichtliches" setzt sich kritisch mit Freuds phallischem Monismus auseinander und betrachtet die Entwicklung der psychoanalytischen Theorie in Bezug auf Geschlechterrollen.
- Das Kapitel "Entwicklung und Adoleszenz" beschäftigt sich mit der Entwicklungspsychologie der Adoleszenz, den Krisen in dieser Phase und der Bedeutung für die Beratungspraxis.
- Das Kapitel "Normative Geschlechterstereotype im Bezugsrahmen Adoleszenter" analysiert die Reproduktion von Geschlechterstereotypen in Schule, Familie und Peergroup.
Schlüsselwörter
Die Arbeit konzentriert sich auf die Themen Adoleszenz, Geschlechterstereotype, Männlichkeit, psychodynamische Beratung, Familie, Schule, Peergroup, soziale Konstruktion von Geschlecht, Entwicklungspsychologie, Freud.
- Citation du texte
- Benjamin Dittrich (Auteur), 2017, Die Bedeutung normativer Geschlechterstereotype in der psychodynamischen Beratung adoleszenter Jungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1324378