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Verantwortungsübernahme im Judosport. Eine empirische Studie mit Trainerinnen und Trainern im verbandlichen Qualifizierungssystem

Titel: Verantwortungsübernahme im Judosport. Eine empirische Studie mit Trainerinnen und Trainern im verbandlichen Qualifizierungssystem

Masterarbeit , 2017 , 112 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Lutz Chrobok (Autor:in)

Sport - Sportsoziologie
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Frage, der diese Arbeit zu Grunde liegt, und die sie zu beantworten sucht ist folgende: Inwieweit wird die an Trainer:innen im Judosport gestellte Verantwortungsübernahme als Anforderung wahrgenommen? Dafür bedarf die Beantwortung weiterer Fragen, nämlich: 1. Was gehört für Trainer:innen zu ihrer Verantwortung? 2. Sind sich die Trainer:innen der an sie gestellten Anforderungen bewusst?

Um diese Fragen zu beantworten muss erläutert werden, was mit Verantwortung gemeint ist und welche Anforderungen an den Trainer gestellt werden. Zunächst werden daher der Verantwortungsbegriff und seine Dimensionen näher beleuchtet. Dabei soll eine mehrperspektivische Betrachtung helfen, die Vielfältigkeit des Begriffes zu verdeutlichen. Teilweise entspringen die Anforderungen an den:die Trainer:in bereits seiner Rolle.

Eine Betrachtung der Trainer:innenrolle im System des Sports ist daher unerlässlich. Dabei soll gezeigt werden, was der:die Trainer:in leisten muss und kann. Auch wird dies als Einstieg dienen um die Verantwortung, die aus dem Trainerstand erwächst, zu vertiefen und zu verstehen, welche Prinzipien den:die Trainer:in in der Ausübung seiner:ihrer Tätigkeit leiten sollten. Eine weitere Quelle die Anforderungen an den:die Judotrainer:in stellt, ergibt sich aus der Zugehörigkeit der Sportart Judo zum Olympischen Dachverband (IOC) und damit zur olympischen Idee. Eine Betrachtung des Olympismus und der olympischen Erziehung ist dabei notwendig, um zu verstehen, was die olympische Idee für die Trainerhandlung bedeutet.

Als letzte Anforderungsquelle neben der Rolle des:der Trainers:in, sowie der olympischen Idee, gilt das Judo selbst. Da der Judosport eher zu den Randsportarten gehört, und sich in seiner Tiefe der Kenntnis der meisten Leser entzieht, soll eine historische wie philosophische Abhandlung den Einstieg in das Thema erleichtern. Hierbei sollen vor allem die Gedanken des Judogründers Jigoro Kano zum Erziehungswert von Judo betrachtet werden, um zu verstehen, wie die heute gültigen Judowerte, deren Vermittlung sich die Trainer verpflichten sollen, entstanden sind. Aus den drei Bereichen lässt sich ein Anforderungskatalog erstellen. Im Anschluss sollen Judotrainer:innen in Gruppen über ihre Verantwortungswahrnehmung diskutieren. Ihre Aussagen werden dann mit den Anforderungen verglichen, um die Forschungsfragen beantworten zu können.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Verantwortung im Zentrum von Moral und Ethik

2.1 Der Verantwortungsbegriff

2.2 Von Ethik, Moral, Werten und Normen

2.3 Verantwortungstypen und Zuweisungsproblematik

2.4 Moralische Dilemmata und moralische Kompetenz

3 Anforderungsdimensionen

3.1 Der Trainer und seine Rolle im System

3.1.1 Rollenanforderungen

3.1.2 Sportsystem

3.1.3 Kommerzialisierung

3.1.4 Politisierung

3.2 Leitbild/ Trainerethos

3.2.1 Verantwortung

3.2.2 Gerechtigkeit

3.2.3 Fairness

3.2.4 Mündigkeit

3.2.5 Freiheit

3.3 Der olympische Gedanke und seine Bedeutung

3.4 Judo und seine Erziehungsfunktion

3.4.1 Entstehung und Philosophie

3.4.2 Erziehungsanspruch und Werte

3.5 Untersuchungsziele

4 Methode

4.1 Erhebungsverfahren

4.2 Untersuchungsdesign

4.3 Auswertungsverfahren

5 Darstellung der Ergebnisse

5.1 Verantwortung

5.2 Gerechtigkeit

5.3 Fairness

5.4 Mündigkeit

5.5 Freiheit

5.6 Friedensgedanke und Völkerverständigung

5.7 Sei-Ryoku-Zen-Yo

5.8 Ji-Ta-Kyo-Ei

6 Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die pädagogische Erziehungsverantwortung von Judotrainern im Kontext des organisierten Sports. Die zentrale Forschungsfrage lautet, inwieweit die an Trainerinnen und Trainer im Judosport gestellte Verantwortungsübernahme als Anforderung wahrgenommen wird, um ein tieferes Verständnis für das Trainerhandeln zu entwickeln.

  • Analyse des Verantwortungsbegriffs und ethischer Grundlagen im Sport
  • Untersuchung der Traineranforderungen und des Trainerethos
  • Einordnung der Sportart Judo und deren spezifische Erziehungsfunktionen
  • Empirische Erhebung mittels Gruppendiskussionen unter Trainern
  • Identifikation von Chancen und Hindernissen bei der Umsetzung pädagogischer Konzepte

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Rollenanforderungen

Anforderungen und Erwartungen werden in der Literatur vor allem in der Form einer Rollenpluralität des Trainers diskutiert. Zunächst sollen beispielhaft einige Rollen genannt werden:

Der Trainer als Fachmann: Voraussetzung für eine erfolgreiche Trainertätigkeit ist sicherlich ein umfangreiches Wissen innerhalb der Sportart, in der die Trainertätigkeit ausgeübt wird.

Der Trainer als Lehrer: Es genügt nicht, lediglich Fachmann zu sein. Vielmehr gilt es, das Wissen so zu vermitteln, dass es von den Athleten verarbeitet werden kann.

Der Trainer als "Motivationsvermittler": Die Leistungsvoraussetzungen der Athleten (Kenntnisse, Fähigkeiten, körperliche Fitness u. a.) müssen so beeinflusst werden, dass die Athleten in der Lage sind, diese Leistungsvoraussetzungen im Wettkampf optimal in Leistungen umzusetzen. Vom Trainer wird erwartet, dass er mittels entsprechender Motivierung im Training, vor und (je nach der Sportart) auch im Wettkampf dazu beiträgt.

Der Trainer als Betreuer: In den meisten Sportarten hat der Trainer die Aufgabe, dem Athleten während des Wettkampfs durch Beratung, Hilfestellung, taktische Entscheidungen, u.Ä. zur Seite zu stehen. Dabei wird von ihm nicht nur erwartet, dass er stets richtige Ratschläge gibt und Entscheidungen trifft, sondern seine eigenen Gefühle auch stets voll unter Kontrolle hat.

Der Trainer als „Motivationsbekräftiger": Auch nach dem Wettkampf fällt dem Trainer eine wichtige Aufgabe zu. Es wird von ihm erwartet, dass er den Athleten je nach dessen Leistungsergebnis so bekräftigt (z. B. lobt, tadelt), dass dieser im Hinblick auf die zukünftigen Leistungsziele optimal motiviert bleibt.

Der Trainer als Funktionär: Es reicht jedoch nicht aus, dem Athleten gegenüber das Leistungsergebnis zu bewerten. Vom Trainer wird auch erwartet, dass er dem Verein, dem Verband und der allgemeinen Öffentlichkeit gegenüber das Leistungsergebnis bewertet und gegebenenfalls gemeinsam mit verschiedenen Gremien aufgrund dieser Bewertung größere Planungen und Organisationsmaßnahmen durchführt (Gabler & Hahn, 1975, S. 186).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die erzieherische Bedeutung der Trainerrolle im Sport und identifiziert eine Forschungslücke in Bezug auf die Wahrnehmung von Erziehungsverantwortung durch Trainer im Judosport.

2 Verantwortung im Zentrum von Moral und Ethik: Dieses Kapitel definiert und differenziert grundlegende Begriffe wie Verantwortung, Ethik, Moral, Werte und Normen als theoretisches Fundament.

3 Anforderungsdimensionen: Hier werden die verschiedenen Faktoren, die Anforderungen an den Trainer stellen – wie das Sportsystem, das Trainerethos, olympische Ideale und die Spezifik des Judo – detailliert analysiert.

4 Methode: Das Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen: die Wahl der Gruppendiskussion als Erhebungsverfahren und die Anwendung der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring zur Auswertung.

5 Darstellung der Ergebnisse: Die Ergebnisse aus den Gruppendiskussionen werden anhand der theoretischen Kategorien dargestellt und im Hinblick auf die gelebte Trainerpraxis kritisch diskutiert.

6 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, reflektiert die gewählte Methodik und gibt einen Ausblick auf notwendige weiterführende Forschung sowie Verbesserungen in der Trainerausbildung.

Schlüsselwörter

Trainerrolle, Erziehungsverantwortung, Judosport, Moralische Kompetenz, Sportethik, Trainerethos, Olympiade, Wertevermittlung, Gruppendiskussion, Qualitative Inhaltsanalyse, Mündigkeit, Fairness, Sportpädagogik, Leistungssport, Breitensport

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die pädagogische und erzieherische Verantwortung von Trainerinnen und Trainern im Judosport und erforscht, wie diese Anforderungen von den Trainern selbst in der Praxis wahrgenommen werden.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Vordergrund?

Die Arbeit befasst sich mit der Rolle des Trainers als Pädagoge, Moralist und Sachverständiger sowie den Auswirkungen des Sportsystems, wie Leistungsdruck und Kommerzialisierung, auf die erzieherische Arbeit.

Was ist das primäre Ziel der Studie?

Das primäre Ziel ist es, ein differenziertes Bild der Erziehungsverantwortung im Judo zu zeichnen und zu ergründen, ob Trainer sich der komplexen Anforderungen an ihre Vorbildfunktion bewusst sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird eingesetzt?

Es wird ein qualitativer Ansatz gewählt. Daten werden durch Gruppendiskussionen mit B-Lizenz-Trainern erhoben und anschließend mittels der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Neben der theoretischen Herleitung relevanter Begriffe und Anforderungen (wie Ethik, Normen und Judoprinzipien) steht die Analyse der Diskussionen im Zentrum, in denen Trainer ihre praktischen Erfahrungen in verschiedenen Verantwortungsbereichen reflektieren.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit maßgeblich?

Verantwortung, Trainerethos, Mündigkeit, Gerechtigkeit, Judo-Prinzipien (Sei-Ryoku-Zen-Yo und Ji-Ta-Kyo-Ei) und pädagogische Erziehung sind die zentralen Begriffe der Arbeit.

Wie spielt das Prinzip "Sei-Ryoku-Zen-Yo" (Siegen durch Nachgeben) in die Ergebnisse hinein?

Die Ergebnisse zeigen, dass Trainer dieses Prinzip zwar als technisch wichtig anerkennen, bei der praktischen Umsetzung jedoch häufig der sportliche Erfolg und die Ausbildung zum Leistungssportler in den Vordergrund rücken.

Welche Bedeutung kommt der "Judo-Etikette" in der Untersuchung zu?

Die Studie deckt eine Diskrepanz auf: Während die Etikette theoretisch ein Fundament bilden sollte, zeigt die Untersuchung, dass viele Trainer diese kaum explizit thematisieren, was auf einen erheblichen Nachholbedarf in der fachlichen Ausbildung hindeutet.

Welche Rolle spielt die emotionale Distanz für das Trainer-Athlet-Verhältnis?

Die befragten Trainer betonen die Wichtigkeit eines persönlichen Bezugs für den Trainingserfolg einerseits, sehen aber die Gefahr emotionaler Abhängigkeit, weshalb eine "professionelle Distanz" als Schutzmaßnahme konsensual als notwendig erachtet wird.

Ende der Leseprobe aus 112 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Verantwortungsübernahme im Judosport. Eine empirische Studie mit Trainerinnen und Trainern im verbandlichen Qualifizierungssystem
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Sportwissenschaft)
Note
1,7
Autor
Lutz Chrobok (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
112
Katalognummer
V1324496
ISBN (PDF)
9783346814708
ISBN (Buch)
9783346814715
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sport Sportmoral Moral Ethik Sportethik Verantwortung im Sport Trainer Trainerethik Judo Kampfsport Qualitative Inhaltsanalyse
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Lutz Chrobok (Autor:in), 2017, Verantwortungsübernahme im Judosport. Eine empirische Studie mit Trainerinnen und Trainern im verbandlichen Qualifizierungssystem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1324496
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