Die Ontologie der Vorsokratiker


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Thales und das Wasser als Urgrund der Dinge

3. Anaximander: Das Unendliche und was daraus wurde

4. Anaximenes und die Luft

5. Pythagoras und die Welt der Zahl

6. Xenophanes – Alles ist Eins

7. Heraklit: Das Feuer und das Weltgesetz

8. Parmenides und das Seiende

9. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Immer strahlender treten im Bereich der griechischen Philosophie [...] die Gestalten der sog. Vorsokratiker hervor, jener genialen griechischen Denker vor Sokrates, die als wahrhaft originale Pfadfinder, d. h. als wirklich schöpferische Köpfe im Bereich des reinen Denkens die Philosophie wie die Wissenschaft überhaupt für immer begründet haben.[1]

Doch was war es, das diese Menschen so besonders macht? Welche Ideen machten die Begründung der Wissenschaft aus? Die Philosophie wird oft als mit Thales beginnend beschrieben. In der Schule lernt man den Satz von Thales und auch von Pythagoras hat man schon einmal gehört. Aber der für diese Arbeit interessante Aspekt ist die Frage nach dem Sein der Dinge. Diese Arbeit befasst sich mit den philosophischen Theorien der Milesier, die davon ausgingen „daß es für alles Seiende einen gemeinsamen Urgrund (arché) gibt, der als einheitl. Urstoff der Vielheit der Dinge zugrundeliegt und als Ursache die erfahrbaren Veränderungen bewirkt“[2]. Zu diesen gehören Thales, Anaximander und Anaximenes.

Des weiteren wird auf die aufgrund der durch die Milesier gewonnenen Erkenntnisse, weiterentwickelten Thesen des Pythagoras, des Xenophanes, Heraklits und Parmenides eingegangen.

Das besondere, was diese Denker auszeichnet, ist, dass sie in ihren Gedankengängen für die damalige Zeit, im sechsten und fünften Jahrhundert vor Christus,[3] völlig neue Wege beschritten und somit den nachfolgenden Generationen neue Möglichkeiten des Denkens eröffneten. Sie lösten sich von der vor ihnen üblichen Erklärung der Welt durch den Mythos, der „von <ursprünglichen> Ereignissen, die für die jetzige Situation die Grundlage bilden und von denen der Mensch in dieser Situation folglich betroffe ist“[4] erzählte. Sie begannen wissenschaftliche Methoden zu entwickeln.

2. Thales und das Wasser als Urgrund der Dinge

Von denen, die zuerst philosophiert haben, haben die meisten geglaubt, daß es nur stoffliche Urgründe der Dinge gebe. Denn woraus alle Dinge bestehen, und woraus sie als Erstem <d. h. ursprünglich> entstehen und worein sie als Letztes <d. h. schließlich> vergehen, indem die Substanz zwar bestehen bleibt, aber in ihren Zuständen wechselt, das erklären sie für das Element und den Urgrund <Arché> der Dinge.[5]

Mit Thales beginnt im allgemeinen die Geschichte der abendländischen Philosophie. Er machte sich auf den Weg, die Welt ohne den Mythos zu erklären und somit eine erste Ontologie zu entwickeln – dieser Weg führte bei ihm über das Wasser. Thales suchte einen Urgrund der Dinge, also etwas, aus dem die Dinge entstehen und wohin sie wieder vergehen. Wenn man sich das Wasser als Urgrund denkt, so stellt sich die Frage, wie die Dinge miteinander zusammenhängen. Das Wasser bietet sich an, da es in allen Aggregatszuständen – flüssig, fest, gasförmig – vorkommt. Laut Pichot entsteht das Land bei Thales durch die Verlandung, die Verdichtung des Wassers zu Erde; die Luft entsteht durch Verdampfung und in einem letzten Schritt entsteht aus der gasförmigen Luft das Feuer:

All diese Wandlungen schließen sich zu einem Kreislauf: Die Sonne zieht Wasser aus dem Urmeer, verwandelt es in Luft und nährt sich von seinen Ausdünstungen; was davon übrig bleibt, fällt als Regen vom Himmel und verwandelt sich in Erde, Erde entsteht aber nicht nur aus den Ablagerungen, die mehr oder weniger unmittelbar aus dem Regen stammen, sondern auch durch Verdunstung des Meerwassers direkt; die Erde wird ihrerseits wieder zu Wasser (Tau, Nebel, Quellen), und so beginnt der Kreislauf von neuem.[6]

Dieser Kreislauf erschließt sich aus Beobachtung. Wenn man das Verhalten und die Zustandsänderungen des Wassers in der Welt beobachtet, so kann man zu dem Schluss gelangen, dass wirklich alles aus Wasser besteht – Wasser ist ein ständiger Begleiter alles Lebenden (der Mensch muss Wasser trinken, scheidet Wasser aus, etc.). Jedoch gelangt man über diese Überlegung zu der Frage, ob Thales nun einen Mythos entwickelt, oder schon Philosophie betreibt? Jaeger sieht Parallelen zu Homer „wo vom Okeanos als Ursprung aller Dinge die Rede ist“[7] und erkennt eine metaphysische Dimension des Urgrunds Wasser aufgrund des Ausspruchs von Thales: „alles ist voll von Göttern“[8]. Thales nennt als Beleg für diese Tatsache „Magnet und Bernstein: der eine zieht Eisen an, der andere kleine leichte Teilchen, wenn er durch Reiben mit statischer Elektrizität aufgeladen ist“[9]. Laut Krafft gilt der Quellenlage für Thales ein besonderes Augenmerk, da seine Werke nur fragmentartig und durch Berichte anderer Philosophen – dies gilt für viele Vorsokratiker und frühe Philosophen – überliefert sind. Wenn man sich bei der Betrachtung des Thales auf Aristoteles stützt, muss man darauf achten, dass Thales keine „aristotelische stoffliche ‚arche’“[10] angenommen hat.

Das besondere an Thales Urgrund Wasser ist, dass das Wasser mit Bezug auf Okeanos und die alten Mythen und in Bezug auf die Aussage, alles sei belebt, einen metaphysischen Aspekt erhält. Allerdings zeigt die Beobachtung der Welt, des Lebenden, des Wassers und ihre Verbindungen (der Wasserverbrauch der Lebewesen, die formende Wirkung des Wassers) einen weiteren Grund auf, warum das Wasser – von allen Legenden entledigt – auch rational als der Urgrund für die Dinge erkannt werden könnte.

Das besondere Verdienst des Thales ist also darin zu sehen, dass er sich von dem Mythos als Erklärung der Welt abwandte und versuchte, sie in den natürlichen Erscheinungen – wie zum Beispiel den Aggregatszuständen des Wassers – zu finden.[11] Hierbei ist der Einfluss der Mythen in seinen Überlegungen und in seinen Erläuterungen immer noch deutlich. Man muss bedenken, dass Thales noch in einer Welt mythologischer Terminologie lebte und dass sich sein Denken somit auch in dieser Terminologie abspielte. Da sollte es nicht überraschen, dass er, obwohl kritisch, auf die ihm bekannten Erklärungen der Welt zurückgriff, um seine Thesen zu entwickeln und somit deren Einfluss ausgesetzt war.

[...]


[1] Capelle, Wilhelm: Die Vorsokratiker. Stuttgart 1968, S. V.

[2] Kunzmann, Peter, Franz-Peter Burkard und Franz Wiedmann: dtv-Atlas Philosophie. 11. aktual. Aufl., München 2003, S. 31.

[3] Vgl. ebd., S. 31 f.

[4] Hügli, Anton und Poul Lübcke (Hg.): Philosophielexkikon: Personen und Begriffe der abendländischen Philosophe von der Antike bis zur Gegenwart. Reinbeck bei Hamburg 1995, S. 402.

[5] Capelle, S. 71.

[6] Pichot, André: Die Geburt der Wissenschaft. Frankfurt/ New York 1995, S. 292.

[7] Jaeger, Werner: Die Theologie der frühen griechischen Denker. Stuttgart 1964, S. 31.

[8] Jaeger, S. 31.

[9] Pichot, S. 293.

[10] Krafft, Fritz: Geschichte der Naturwissenschaft I. Freiburg 1971,S. 81.

[11] Vgl. Pichot, S. 294.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Ontologie der Vorsokratiker
Hochschule
Universität Trier  (Fachbereich I Philosophie)
Veranstaltung
Bausteine der Wirklichkeit
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V132516
ISBN (eBook)
9783640387830
ISBN (Buch)
9783640388219
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vorsokratiker, Ontologie, Antike Philosophie, Thales, Pythagoras, Anaximander
Arbeit zitieren
Christoph Höbel (Autor), 2007, Die Ontologie der Vorsokratiker, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132516

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