Die Komplexität der Umwelt, mit der Unternehmen umgehen müssen, nimmt seit geraumer Zeit zu. So wurde bereits 1971 vom Deutschen Bildungsrat die Notwendigkeit permanenter Weiterbildung für die erfolgreiche Anpassung an sich verändernde Anforderungen aus der Umwelt erkannt. Heute sind Unternehmen stärker denn je einem ständigen wirtschaftlichen und technischen Wandel ausgesetzt. Die (Weiter-) Bildung von Mitarbeitern gewinnt dabei in Zeiten starker Veränderungen und ständigen Wandels auch weiterhin an Bedeutung für die Aufrechterhaltung und Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und damit die Zukunftssicherung des Unternehmens im weltweiten Wettbewerb.
Ziel dieser Arbeit ist es zu untersuchen, wie die Wirtschaftlichkeit von Weiterbildungsmaßnahmen sichergestellt werden kann. Soll die Wirtschaftlichkeit gewährleistet werden, sind zwei Entscheidungsprobleme gezielt zu adressieren. Ex ante ist die Entscheidungsfindung bei der Auswahl von Weiterbildungsmaßnahmen und die Bereitstellung von Kontrollgrößen auf eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung hin auszurichten. Ex post ist eine Bewertung der durchgeführten Maßnahmen mit dem Ziel der Identifikation von Optimierungspotenzialen zur Steigerung von Effizienz und Effektivität des Weiterbildungsangebots für die Zukunft vorzunehmen. Zur Bewältigung dieser Aufgaben ist zu klären, welche Daten wo erhoben und wie analysiert werden sollen. 6 Es wird daher untersucht, welche Ansätze zur Handhabung dieser Problematik existieren, und welche konkreten Methoden und Instrumente eingesetzt werden können.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
2 Systematisierung des Weiterbildungsbereichs
2.1 Weiterbildung - Begriffsklärung und Ziele
2.1.1 Abgrenzung des Weiterbildungsbegriffs
2.1.2 Ziele betrieblicher Weiterbildung
2.2 Weiterbildungsinhalte für die besonders bedeutsame Zielgruppe der Führungskräfte
2.2.1 Die besondere Relevanz der Führungskräfte-Weiterbildung
2.2.2 Mögliche Inhalte in der Weiterbildung von Führungskräften
2.3 Formen von Weiterbildungsmaßnahmen
2.3.1 Differenzierung von Weiterbildungsformen nach ihrer Nähe zum Arbeitsplatz
2.3.2 Differenzierung von Weiterbildungsformen nach dem Träger der Maßnahme
3 Theoretische Ansätze der Erfolgsermittlung in der Weiterbildung
3.1 Die pädagogisch-psychologische Perspektive
3.1.1 Prozessorientierte Ansätze
3.1.2 Ebenenorientierte Ansätze
3.1.3 Handlungsorientierte Ansätze
3.2 Die betriebswirtschaftlich-ökonomische Perspektive
3.2.1 Kostenanalytische Ansätze
3.2.2 Investitionstheoretische Ansätze
3.2.3 Kennzahlenorientierte Ansätze
4 Analyse der Kosten von Weiterbildungsmaßnahmen
4.1 Empirische Ermittlung der Weiterbildungskosten in der Literatur
4.1.1 Ansatz des Bundesinstituts für Berufsbildung
4.1.2 Ansatz des Instituts der deutschen Wirtschaft
4.2 Ermittlung der Weiterbildungskosten im Unternehmen
4.2.1 Ansatzpunkte für eine Weiterbildungs-Kostenrechnung
4.2.2 Identifikation der Weiterbildungskosten anhand des Weiterbildungsprozesses
4.2.3 Spezifische Kosten interner / externer Weiterbildungsmaßnahmen
4.3 Grenzen der Kostenermittlung
5 Analyse des Nutzens von Weiterbildungsmaßnahmen
5.1 Nutzenermittlung aus psychologisch-pädagogischer Sicht
5.1.1 Ermittlung des Weiterbildungserfolgs im Lernfeld
5.1.2 Ermittlung des Weiterbildungserfolgs im Funktionsfeld
5.2 Betriebswirtschaftlich orientierte Nutzenermittlung
5.2.1 Auf monetären Größen beruhende Verfahren der Nutzenermittlung
5.2.2 Auf nicht-monetären Größen beruhende Verfahren der Nutzenermittlung
5.3 Grenzen der Nutzenermittlung
6 Analyse der Wirtschaftlichkeit von Weiterbildung - Integration der Kosten- und Nutzendaten
6.1 Wirtschaftlichkeit entlang des Weiterbildungs-Managementprozesses
6.2 Ex ante – Kosten- und Nutzenschätzung
6.3 Ex post – Evaluation und Kostenermittlung
7 Kritische Würdigung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht, wie die Wirtschaftlichkeit von Weiterbildungsmaßnahmen in Unternehmen durch fundierte Entscheidungsfindung und Erfolgsbewertung sichergestellt werden kann. Das primäre Ziel ist es, ein ganzheitliches Konzept zu entwickeln, das Unternehmen bei der Auswahl (ex ante) und der Bewertung (ex post) von Weiterbildungsmaßnahmen unterstützt, um Ressourcen effizient einzusetzen.
- Systematisierung des betrieblichen Weiterbildungsbereichs unter besonderer Berücksichtigung von Führungskräften.
- Gegenüberstellung pädagogisch-psychologischer und betriebswirtschaftlich-ökonomischer Ansätze zur Erfolgsermittlung.
- Detaillierte Analyse und Identifikation von Kostenfaktoren innerhalb des Weiterbildungsprozesses.
- Methoden zur Nutzenermittlung (monetär und nicht-monetär) zur fundierten Entscheidungsfindung.
- Entwicklung eines ganzheitlichen Modells zur Integration von Kosten- und Nutzendaten im Weiterbildungsmanagement.
Auszug aus dem Buch
4.2.3 Spezifische Kosten bei intern erbrachten bzw. extern eingekauften Weiterbildungsmaßnahmen
Die Höhe der Weiterbildungskosten wird wesentlich vom Bereitstellungsweg beeinflusst, d. h. der Entscheidung für interne Erbringung oder externen Einkauf der Weiterbildungsleistung. Im Sinne wirtschaftlicher Weiterbildungsaktivitäten ist die Frage des optimalen Bereitstellungsweges daher gezielt zu adressieren.
Im Rahmen einer Entscheidungsfundierung auf Basis von Kostendaten müssen zunächst die entscheidungsrelevanten, d. h. von den unterschiedlichen Alternativen funktional abhängigen Kosten ermittelt werden. Make-or-buy-Entscheidungen werden dann über einen Vergleich der bei Fremdbezug entstehenden Kosten mit den entscheidungsrelevanten Eigenfertigungskosten getroffen.
Zur Ermittlung der entscheidungsrelevanten Kosten ist zunächst der Zeithorizont der Entscheidung zu bestimmen. Ist die Entscheidung kurzfristig, werden die im Unternehmen vorhandenen Kapazitäten als unveränderlich betrachtet. In diesem Falle ist zunächst das Ausmaß der freien Kapazitäten zu ermitteln. Sind ausreichend freie Kapazitäten verfügbar, sodass die Weiterbildungsmaßnahme ohne Verdrängung anderer Aktivitäten stattfinden kann, sind lediglich die variablen Kosten entscheidungsrelevant. Müssten andere Aktivitäten zugunsten der Maßnahme verdrängt werden, sind die engpassbezogenen Opportunitätskosten zu berücksichtigen. Bei langfristigen Entscheidungen ist das Ausmaß der benötigten Kapazitäten zu beurteilen. Wird bspw. zusätzliches Weiterbildungspersonal eingestellt, sind neben den variablen Kosten diese zusätzlichen Personalkosten sowie ggf. eingesetzte Sachanlagen als entscheidungsrelevante Kosten mit anzusetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung: Einleitung in die Relevanz der Weiterbildung angesichts ständigen Wandels und der Notwendigkeit einer wirtschaftlichen Investitionsbetrachtung.
2 Systematisierung des Weiterbildungsbereichs: Einordnung der Begriffe, Ziele und Formen der Weiterbildung sowie Fokussierung auf die spezifische Zielgruppe der Führungskräfte.
3 Theoretische Ansätze der Erfolgsermittlung in der Weiterbildung: Vorstellung pädagogisch-psychologischer und betriebswirtschaftlicher Perspektiven zur Bewertung des Bildungserfolgs.
4 Analyse der Kosten von Weiterbildungsmaßnahmen: Detaillierte Untersuchung von Kostenstrukturen, empirischen Ermittlungsansätzen und Methoden zur Kostenidentifikation im Unternehmen.
5 Analyse des Nutzens von Weiterbildungsmaßnahmen: Erörterung von Ansätzen zur Ermittlung des Bildungsnutzens aus qualitativer, pädagogischer und ökonomischer Sicht.
6 Analyse der Wirtschaftlichkeit von Weiterbildung - Integration der Kosten- und Nutzendaten: Zusammenführung von Kosten- und Nutzenaspekten zu einem ganzheitlichen Weiterbildungs-Managementprozess.
7 Kritische Würdigung: Reflexion über die Anwendbarkeit der Konzepte in der Praxis und den Umgang mit dem "weichen" Faktor Bildung.
Schlüsselwörter
Weiterbildung, Wirtschaftlichkeit, Bildungscontrolling, Weiterbildungskosten, Nutzenermittlung, Führungskräfteentwicklung, Investitionstheorie, Personalentwicklung, Evaluation, Make-or-buy, Weiterbildungsprozess, Nutzwertanalyse, Entscheidungsfundierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Sicherstellung der Wirtschaftlichkeit bei der Weiterbildung von Führungskräften durch die Fundierung betrieblicher Entscheidungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Systematisierung der Weiterbildung, die Analyse von Kosten und Nutzen sowie deren Integration in ein ganzheitliches Managementkonzept.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Methoden und Instrumente aufzuzeigen, mit denen Unternehmen die Wirtschaftlichkeit ihrer Weiterbildungsinvestitionen ex ante planen und ex post bewerten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine theoretisch fundierte Literaturanalyse, die bestehende Ansätze aus Pädagogik, Psychologie und Betriebswirtschaftslehre kombiniert, um ein praktisches Analysekonzept für das Weiterbildungsmanagement abzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Kostenseite (Kapitel 4), die Analyse der Nutzenseite (Kapitel 5) und die Integration beider Bereiche im Weiterbildungs-Managementprozess (Kapitel 6).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Wirtschaftlichkeit, Weiterbildungscontrolling, Kosten-Nutzen-Analyse und Nutzwertanalyse.
Wie lassen sich externe und interne Weiterbildungskosten differenzieren?
Interne Kosten beinhalten Ressourcen wie Mitarbeitergehälter und Anlagen, während externe Kosten vor allem Kursgebühren, Referentenhonorare und Reisekosten umfassen.
Was bedeutet das "Zurechnungsproblem" bei der Nutzenermittlung?
Es bezeichnet die Schwierigkeit, nachzuweisen, dass ein bestimmter Erfolg oder eine beobachtete Verhaltensänderung tatsächlich kausal auf die Weiterbildungsmaßnahme und nicht auf andere Einflussfaktoren zurückzuführen ist.
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- Anja Schmitt (Author), 2003, Wirtschaftlichkeit der Weiterbildung von Führungskräften - Methoden zur Fundierung betrieblicher Weiterbildungsentscheidungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13253