Die Lebenssituation von Lesben und Schwulen hat sich in den letzten Jahren zunehmend verbessert und gilt heutzutage weder als Krankheit, noch als Verbrechen. Nicht zuletzt durch die Streichung des Paragraphen 175 Strafgesetzbuch (StGB) im Jahr 1994 und das 2001 in Kraft getretene „Gesetz zur Beendigung der Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Gemeinschaften:
Lebenspartnerschaften (LPartG)“ wurde die rechtliche und gesellschaftliche Lage von Homosexuellen in der Bundesrepublik Deutschland gestärkt. Einhergehend mit einer Pluralisierung der Lebensentwürfe fand auch eine Pluralisierung der
sexuellen Lebensformen statt. Vornehmlich in Großstädten gehören Lesben und Schwule zum Alltagsbild und prägen durch mehr Präsenz und ein gesteigertes Selbstbewusstsein aktiv das öffentliche Leben mit.
In der Diplomarbeit soll geklärt werden, ob und wie die derzeitige Antidiskriminierungspolitik,
bestehend aus dem AGG auf der rechtlichen Ebene und Diversity
Management auf der organisatorischen Ebene, imstande ist Diskriminierungen der sexuellen Orientierung am Arbeitsplatz entgegen zu wirken.
Leithypothese:
„Arbeitnehmer/innen die mit ihrer sexuellen Orientierung offen umgehen können, müssen weniger Ressourcen auf die Geheimhaltung ihrer Orientierung verwenden, sind zufriedener mit ihrem Arbeitsplatz und weisen ein höheres Commitment mit ihrem Unternehmen auf.“
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Was ist Diskriminierung?
1.1 Definition von Diskriminierung
1.2 Rolle von Vorurteilen und Stereotypen
1.3 Strategien zum Abbau von Vorurteilen
2 Sexuelle Orientierung
2.1 Konzeptuelle Erfassung von Homosexualität
2.2 Studien zur Situation von Lesben und Schwulen in der Arbeitswelt
2.2.1 Grenzgänge – Schwule und Lesben in der Arbeitswelt
2.2.2 Out im Office
2.3 Zwischenfazit
3 Antidiskriminierungspolitik
3.1 Das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG)
3.1.1 Europarechtliche Hintergünde
3.1.2 Arbeitsrechtliche vs. zivilrechtliche Regelungen
3.1.3 Kritik am AGG
3.2 Diversity Management
3.2.1 Monokulturelle vs multikulturelle Organisationen
3.2.2 Umsetzung und Dimensionen des DiM
3.2.3 Betriebswirtschaftlicher vs. ideeller Nutzen
4 Beispiele zur Umsetzung von DiM
4.1 Bewertung der Maßnahmen
4.2 Diversity @ Ford
4.3 Bewertung der Selbstdarstellung
5 Kritische Anmerkungen
5.1 Möglichkeiten und Grenzen von Diversity Management
5.2 Fokus auf die sexuelle Orientierung
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die aktuelle Antidiskriminierungspolitik in Deutschland – konkret das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) auf rechtlicher und Diversity Management auf organisatorischer Ebene – geeignet ist, Diskriminierungen aufgrund der sexuellen Orientierung am Arbeitsplatz entgegenzuwirken.
- Psychologische Grundlagen von Vorurteilen und Stigmatisierung am Arbeitsplatz
- Analyse der Situation von Lesben und Schwulen anhand existierender Studien
- Bewertung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) als Instrument zum Schutz vor Diskriminierung
- Konzept, Bedeutung und Implementierung von Diversity Management in Organisationen
- Fallbeispiel: Umsetzung von Diversity Management am Beispiel der Ford-Werke AG
Auszug aus dem Buch
1.2 Rolle von Vorurteilen und Stereotypen
In der Alltagssprache werden Vorurteil und Stereotyp nahezu synonym gebraucht, obwohl sie in der wissenschaftlichen Erörterung klar voneinander abgegrenzt werden und ihre unterschiedlichen Komponenten herausgestellt werden können. Kein Mensch ist vorurteilsfrei und frei von Stereotypen, denn diese kognitiven Stützen entlasten die Psyche und erfüllen damit wichtige Funktionen. Sie entstehen bereits relativ früh im Rahmen der Sozialisation.
Die sozialpsychologische Vorurteilsforschung befasst sich mit der Entwicklung und Entstehung von Vorurteilen und Stereotypen. Die disziplinär übergeordnete Einstellungsforschung hingegen untersucht grundlegend Meinungen und Einstellungen und das Konzept der Einstellung stellt das theoretische Gerüst zur Analyse von Vorurteilen und Stereotypen dar.
„Eine Einstellung ist ein mentaler und neuraler Bereitschaftszustand, der durch die Erfahrung strukturiert ist und einen steuernden oder dynamischen Einfluß auf die Reaktionen eines Individuums gegenüber allen Objekten und Situationen hat, mit denen dieses Individuum eine Beziehung eingeht.“
Alternativ wird unter einer Einstellung auch die relativ stabile Tendenz von Menschen verstanden, auf bestimmte Objekte mit ganz bestimmten Wahrnehmungen, Meinungen, Vorstellungen, Gefühlen und Verhalten zu reagieren. Das heißt Menschen die Homosexuelle nicht mögen, werden bei einem weiteren Zusammentreffen mit einer homosexuellen Person die gleichen negativen Assoziationen haben. Vorurteile und Stereotype basieren auf diesem Schema und daran zeigt sich die Konstanz beziehungsweise die Schwierigkeit beim Abbau von eben diesen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung erläutert die rechtliche und gesellschaftliche Verbesserung der Situation von Lesben und Schwulen, führt das AGG ein und stellt die zentrale Forschungsfrage zur Wirksamkeit der Antidiskriminierungspolitik.
1 Was ist Diskriminierung?: Dieses Kapitel definiert Diskriminierung, erläutert psychologische Mechanismen von Vorurteilen und Stereotypen sowie deren Entstehung und die Rolle der Stigmatheorie.
2 Sexuelle Orientierung: Hier werden Begrifflichkeiten geklärt, identitätstheoretische Perspektiven beleuchtet und Studien zur realen Arbeitssituation von Lesben und Schwulen ausgewertet.
3 Antidiskriminierungspolitik: Dieses Kapitel analysiert das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz sowie das Managementkonzept Diversity Management auf theoretischer Ebene.
4 Beispiele zur Umsetzung von DiM: Hier wird die Praxis des Diversity Managements anhand von Beispielen, insbesondere der detaillierten Fallstudie zu Ford, untersucht.
5 Kritische Anmerkungen: Dieses Kapitel hinterfragt die Möglichkeiten und Grenzen von Diversity Management, vergleicht es mit anderen Konzepten und fokussiert spezifisch auf die sexuelle Orientierung.
Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, betont die Notwendigkeit ganzheitlicher Ansätze und mahnt einen gesellschaftlichen Wertewandel an.
Schlüsselwörter
Diskriminierung, Antidiskriminierungspolitik, AGG, Diversity Management, Homosexualität, sexuelle Orientierung, Vorurteile, Stereotype, Stigmatisierung, Arbeitswelt, Unternehmenskultur, Vielfalt, Chancengleichheit, Ford-Werke, Minderheiten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Diskriminierung von Lesben und Schwulen in der deutschen Arbeitswelt und untersucht, wie rechtliche Rahmenbedingungen und organisatorische Diversity-Konzepte dem entgegenwirken können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Konzepte Diskriminierung, sexuelle Orientierung, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und Diversity Management (DiM) als Instrument der Unternehmenskultur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, ob und wie die aktuelle Antidiskriminierungspolitik – bestehend aus dem AGG und Diversity Management – effektiv in der Lage ist, Diskriminierungen der sexuellen Orientierung am Arbeitsplatz zu reduzieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit ist als theoretische Analyse angelegt, die soziologische und psychologische Erklärungsansätze (z.B. Stigmatheorie) mit der Auswertung vorhandener empirischer Studien und der Analyse von Unternehmensdarstellungen kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Diskriminierung, die Auseinandersetzung mit sexueller Orientierung, eine detaillierte Analyse der Antidiskriminierungspolitik, die Anwendung von Diversity Management in der Praxis am Fallbeispiel Ford sowie eine kritische Reflektion der Ansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Diskriminierung, Antidiskriminierungspolitik, AGG, Diversity Management, sexuelle Orientierung, Vorurteile und Unternehmenskultur.
Wie unterscheidet sich die Situation von Lesben und Schwulen laut den in der Arbeit zitierten Studien?
Beide Gruppen sind gleichermaßen von Diskriminierungen am Arbeitsplatz betroffen, wobei die Ähnlichkeit der Diskriminierungsstrukturen darauf hindeutet, dass die Homosexualität an sich der entscheidende Faktor für die Benachteiligung ist.
Welche Rolle spielt das Unternehmen Ford in der Untersuchung?
Ford dient als Fallbeispiel für die praktische Umsetzung von Diversity Management, wobei analysiert wird, wie der Autohersteller das Thema durch diverse Mitarbeitergruppen und Programme als Pfeiler seiner Unternehmenskultur integriert hat.
- Arbeit zitieren
- Dipl. Soz.Wiss. Nadine Döbler (Autor:in), 2008, Das Merkmal der sexuellen Orientierung in der Arbeitswelt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132538