Präventionsmaßnahmen zur Vorbeugung und Reduzierung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in einem mittelständischen Unternehmen


Hausarbeit, 2021

33 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Anlagenverzeichnis

1 Einleitung

2 Modelle des Gesundheitsverhaltens
2.1. Beispiele für Prädiktionsmodelle
2.1.1. Das Modell gesundheitlicher Überzeugung (HBM)
2.1.2. Die Sozial-kognitive Theorie von Bandura (SKT)
2.2. Beispiel für ein Stadienmodell: das transtheoretische Modell (TTM)
2.3. Beispiel für ein integratives Modell: Das sozial-kognitives Prozessmodell gesundheitlichen Handelns (HAPA)
2.4. Die transaktionale Stresstheorie von Lazarus

3 Betriebliche Gesundheitsförderung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen
3.1. Unternehmenssituation und Vorhaben
3.2. Verhaltensprävention: Ernährung
3.2.1. Ernährungsberater
3.2.2. Betriebseigene Kantine
3.3. Verhaltensprävention: Bewegung
3.3.1. Jobrad
3.3.2. Betriebseigener Fitnessraum mit regelmäßiger Unterstützung eines Fitnesstrainers
3.3.3. Gruppenlauf - Walking oder Jogging
3.4. Verhaltensprävention: Stressbewältigungsprogramme
3.5. Maßnahmen zur Verhältnisprävention

4 Kritische Diskussion

5 Fazit und Ausblick

Anlagen

Literaturverzeichnis

Gender-Erklärung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[Die Abbildung 1 ist aus urheberrechtlichen Gründen nicht im Lieferumfang enthalten.]

Anlagenverzeichnis

Anlage 1: Todesfälle in Deutschland - Häufigste Todesursachen

[Die Anlage 1 ist aus urheberrechtlichen Gründen nicht im Lieferumfang enthalten.]

1. Einleitung

Die zunehmende Digitalisierung in der heutigen modernen Arbeitswelt führt zu einem Wandel von der Hand- zur Kopfarbeit. Das hat zur Folge, dass immer mehr Menschen ihre Arbeit im Sitzen verrichten. Hinzu kommen gesteigerte Anforde­rungen, was zusätzlich den Stresspegel erhöht. Bewegungsmangel, Übergewicht und Bluthochdruck sind die Folgen, die zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen, bis hin zu Schlaganfall und Herzinfarkt.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen im Jahre 2015 in Deutschland mit 46,4 Mrd. Euro anteilig die höchsten Krankheitskosten und waren die häufigste Todesursache (s. Anlage 1: Todesfälle in Deutschland - Häufigste Todesursa­chen).

[Die Abbildung ist aus urheberrechtlichen Gründen nicht im Lieferumfang enthalten.]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen höchste Kosten

(Quelle: Nier, Hedda (2017): Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen höchste Kosten. In: Sta­tista, 29.09.2017. Online verfügbar unter https://de.statista.com/infografik/11301/herz-kreislauf- erkrankungen-verursachen-hoechste-kosten/, zuletzt geprüft am 11.09.2021)

Viele Menschen sind sich ihres gesundheitlichen Risikoverhaltens bewusst und einige nehmen auch eine Verhaltensänderung vor. Jedoch ist es oftmals sehr schwierig, diese dauerhaft umzusetzen. An diesem Punkt setzt die gesundheitli­che Betriebsförderung an, um die Mitarbeiter tatkräftig bei ihrem Vorhaben zu motivieren und zu unterstützen, da gesunde und zufriedene Mitarbeiter auch leis­tungsfähiger sind. Fühlt sich der Mitarbeiter wertgeschätzt, wird die Unterneh­menskultur gefördert und das Zusammengehörigkeitsgefühl gesteigert. Dadurch, dass das Unternehmen sich nicht nur offen gegenüber der sozialen Verantwor­tung zeigt, sondern diese auch aktiv begleitet, steigert es zusätzlich seine Wett­bewerbsfähigkeit.

In dieser Hausarbeit werden verschiedene Präventionsmaßnahmen vorgestellt, die in einem mittelständischen Unternehmen langfristig umsetzbar und auch fi­nanziell tragfähig sind. Zuerst werden die verschiedenen Gesundheitsmodelle theoretisch erläutert, die zur Änderung von Gesundheitsverhalten beitragen. Je nach Schwerpunkten finden sie im Praxisteil bei den unterschiedlichen Interven­tionsmaßnahmen Anwendung. Dabei werden nicht nur verhaltenspräventive Ideen, sondern auch verhältnispräventive detailliertere Ansätze berücksichtigt.

Im Anschluss erfolgt eine Diskussion über mögliche Umsetzungsschwierigkeiten eines betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM). Das Fazit über die ge­wonnenen Ergebnisse und Anregungen bilden den Abschluss.

2. Modelle des Gesundheitsverhaltens

Gesundheitsmodelle wurden in den letzten Jahrzehnten entwickelt, um „besser zu verstehen, wieso bestimmte Einflüsse zum gewünschten Erfolg führen oder auch gerade nicht“ (Lippke & Renneberg, 2006, S. 35). Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Gesundheitsmodelle zu ordnen. Knoll et al. (2017b) unterteilen sie in verschiedene Gruppen (Knoll et al. 2017b, S. 26-27):

- Kontinuierliche Prädiktionsmodelle
- Dynamische Stadienmodelle
- Integrative Modelle

Bei kontinuierlichen Prädiktionsmodellen werden die generellen Faktoren (Prädiktoren) identifiziert, von denen angenommen wird, dass sie mit einer ge­wissen Wahrscheinlichkeit eine Verhaltensänderung herbeiführen. Es wird nicht auf einzelne Personen individuell eingegangen, auch befinden sich die Personen in einem Kontinuum. Das hat bei Interventionsprogrammen zur Folge, dass alle Personen am gleichen Programm teilnehmen.

Bei Stadienmodellen befinden sich die Personen, wie der Name es bereits im­pliziert, in verschiedenen Stadien mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Her­ausforderungen. Je nach Phase und Hindernis muss die Intervention individuell eingestellt werden (Knoll et al. 2017b, S. 27). Bei den integrativen Modellen werden Elemente der Prädiktions- und Stadienmodelle kombiniert und sind daher komplexer.

2.1. Beispiele für Prädiktionsmodelle

2.1.1. Das Modell gesundheitlicher Überzeugung (HBM)

In den 50er Jahren wurde das Modell gesundheitlicher Überzeugungen (Health Belief Model; HBM) entwickelt (Knoll et al. 2017b, S.31). Das HBM geht davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit einer Verhaltensänderung mit dem Grad der wahrgenommenen Gesundheitsbedrohung steigt. Je nach der empfundenen Verwundbarkeit (= subjektive Vulnerabilität) und Schweregrad einer Krankheit variiert die Bereitschaft zu einer Verhaltensänderung (Knoll et al. 2017b, S.31).

Neben der wahrgenommenen Gesundheitsbedrohung wird die Wirksamkeit der Gegenmaßnahme zusätzlich anhand einer Bilanz aus subjektivem Nutzen und den Kosten einer Maßnahme gemessen und bewertet (Knoll et al. 2017b, S.32). Will ein Individuum sich mehr bewegen, um fitter und gesünder zu werden, müs­sen im Vorfeld Ausgaben getätigt werden wie etwa für Beiträge im Fitnessstudio oder geeignete Laufschuhe zum Joggen. Der Nutzen einer Verhaltensänderung wäre eine Erhöhung der Herz-Kreislauf-Leistungsfähigkeit und damit eingeher­gehend die Reduktion des Risikos für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, da sportliche Aktivitäten gewichtsreduzierend, blutsenkend und cholesterinregelnd wirken.

2.1.2. Die Sozial-kognitive Theorie von Bandura (SKT)

Die sozial-kognitive Theorie von Bandura (SKT) ist eines der bekanntesten kon­tinuierlichen Prädiktionsmodelle. Bandura geht davon aus, dass Ziele relevant sind, um ein Verhalten zu ändern. Von zentraler Bedeutung ist die „Selbstwirk­samkeitserwartung“ (SWE), welche die Einschätzung der eigenen Kompetenzen und Fähigkeit beschreibt, ob eine bestimmte Verhaltensänderung erfolgreich ein­gehalten werden kann. Je höher die Einschätzung, desto wahrscheinlicher kann die Person ihr Ziel (= Verhaltensänderung) erreichen. Dabei spielen 4 Faktoren eine unterstützende Rolle (Knoll et al. 2017b, S.29-30):

1. Eigene Erfolgserfahrungen
2. Stellvertretende Erfahrungen (Vorbilder, die erfolgreich Ziele umgesetzt haben)
3. Verbale Verstärkung (Zuspruch durch das soziale Umfeld)
4. Physiologische und affektive Zustände (Freude, Stolz etc.)

Weitere Einflussfaktoren sind die Ergebniserwartung und soziokulturell behin­dernde und unterstützende Faktoren (Knoll et al. 2017b, S.27-31). Beispiel: Eine übergewichtete Person verliert aufgrund einer Verhaltensänderung, verbunden mit einer Ernährungsumstellung, an Gewicht. Die Ergebniserwartung ist einge­troffen, weil dadurch der Blutdruck sinkt und das Risiko für ein Schlaganfall mini­miert wird. Auf der einen Seite erfährt die Person Zuspruch und Bestärkung aus dem sozialen Umfeld, weiterzumachen. Andererseits kann die Umstellung auf gesunde Lebensgewohnheiten vom Umfeld als Übertreibung wahrgenommen und als solche betitelt werden, weil dies einhergeht mit Einschränkungen des Soziallebens bei vermeintlich ungesunden Aktivitäten wie Pizza-Abende mit Freunden.

2.2. Beispiel für ein Stadienmodell: das transtheoretische Modell (TTM)

Unter den Stadienmodellen ist das transtheoretische Modell (TTM) das bekann­teste. Beim TTM werden die Kriterien aus verschiedenen Theorien abgeleitet, worauf der Name bereits hinweist.

Ursprünglich in den 80er Jahren von den beiden Psychologen Prochaska und DiClemente zur Raucherentwöhnung entwickelt, findet das TTM heutzutage auf verschiedenste Gesundheitsverhaltensweisen Anwendung (Prochaska & DiCle­mente, 1983).

In diesem Phasenmodell gibt es 6 verschiedene Phasen, die das Individuum zeit­lich durchlaufen muss, um eine dauerhafte Verhaltensänderung zu erreichen (Knoll et al., 2017b, S. 53).

1. Präkontemplation

In dieser Phase haben die Menschen keine Absicht, ihr Verhalten zu ändern. Sie sind sich nicht bewusst, dass Ihr Verhalten zukünftig Probleme verursachen kann (z.B. Rauchen oder übermäßiger Alkoholkonsum können Bluthochdruck verursa­chen.)

2. Kontemplation

Hier werden sich die Menschen der Problematik bewusst und denken ernsthaft über eine Verhaltensänderung nach (z.B. mit dem Rauchen aufzuhören oder den Alkoholkonsum zu reduzieren).

3. Vorbereitung

Planung und Vorbereitung stehen im Mittelpunkt, um die Verhaltensänderung durchzuführen (z.B. die Anzahl der Zigaretten wird reduziert bzw. die Anlässe, an denen Alkohol getrunken werden darf, fixiert und schriftlich festgehalten).

4. Handlung

In diesem Zeitabschnitt lassen die Menschen Ihrem Plan Taten folgen. Die Ver­haltensänderung wird umgesetzt.

5. Aufrechterhaltung

Von Aufrechterhaltung wird gesprochen, sobald die Menschen mehr als 6 Mo­nate die Verhaltensänderung konsequent befolgen. Darüber hinaus versuchen sie, mögliche Rückfälle vorzubeugen und zu stabilisieren. Der Zeitraum dieser Phase beginnt ab dem 6sten Monat und dauert bis zu 5 Jahre.

6. Termination

Nach 5 Jahren befinden sich die Menschen, die ihr Problemverhalten komplett aufgegeben haben, in der letzten Phase der Termination. Mit Beginn dieser Phase besteht auch keine Gefahr von Rückfall mehr, da die Verhaltensänderung zur Gewohnheit geworden ist.

Das TTM integriert sowohl Einstellungs- als auch Verhaltensänderungen. Die beiden ersten Phasen beeinflussen die Einstellung, während Phase 3, 4 und 5 eine Verhaltensänderung nach sich ziehen. Bei der 6. Und letzten Phase ist hin­gegen wieder die Einstellung ausschlaggebend.

Da die Reize und Ziele in den unterschiedlichen Phasen unterschiedlich sind, müssen die Interventionen auf die Situationen in der jeweiligen Phase angepasst sein. Allerdings sind die Reize und Gedanken der Menschen, die sich in der glei­chen Phase befinden, ähnlich.

2.3. Beispiel für ein integratives Modell: das sozial-kognitives Prozess­modell gesundheitlichen Handelns (HAPA)

Wie bereits im Punkt 2 erwähnt, kombiniert das integrative Modell die Theorien der Prädiktions- und Stadienmodelle. Das sozial-kognitive Prozessmodell ge­sundheitlichen Handelns (H eath A ction P rocess A pproach; HAPA) von Schwar­zer (2004) ist ein solches Modell (Schwarzer, 2004).

Abbildung 2 gibt einen ersten Überblick über die einzelnen Komponenten des HAPA-Modells.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Das sozial-kognitive Prozessmodell gesundheitlichen Handelns nach Schwarzer.

(Quelle: Lippke und Renneberg 2006, S. 57)

Wie bei einem Stadienmodell unterscheidet HAPA unterschiedliche Phasen, die der Mensch nacheinander durchläuft. Erst nach einem Entscheidungs- und Mo­tivationsprozess erfolgt die Zielsetzung, die eine Verhaltensänderung nach sich zieht.

„Non-Intender“ oder auch „Unmotivierte“ befinden sich in der ersten Phase = präintentionale bzw. motivationale Phase (Lippke und Renneberg, 2006, S. 56). Sie haben noch keine Gedanken daran verschwendet, ihr Verhalten zu ändern. Meist liegt es daran, dass sie sich des Risikos nicht bewusst sind. Um eine Än­derung herbeizuführen, werden 3 Faktoren herangezogen: Selbstwirksamkeits­erwartung, Handlungsergebniserwartung und die Risikowahrnehmung.

Durch die Risikowahrnehmung nimmt das Individuum die Gefahren wahr, die sein eigenes Verhalten hervorruft und schätzt subjektiv ab, welche Auswirkungen und in welchem Ausmaß sie für ihn relevant sein können. Damit wird der Ent­scheidungsprozess angestoßen und die Motivation, das risikobehaftete Verhal­ten zu ändern. Bei der Handlungsergebniserwartung wägt die Person die positi­ven und negativen Konsequenzen einer Verhaltensänderung gegeneinander ab. Eine Person will z.B. mehr Sport aktiv in ihrem Leben integrieren, weil Bewegung das Übergewicht reduzieren und dadurch Kreislauferkrankungen vorgebeugt werden können. Dafür muss sie jedoch ihr Tagesablauf anders gestalten, was Überwindung kostet.

Wichtig für diese Entscheidung ist daher vor allem die Selbstwirksamkeitserwar­tung. Je höher die eigene Erwartung und Selbstvertrauen, eine Verhaltensände­rung umzusetzen und auch durchzuhalten, desto wahrscheinlicher wird das Ziel erreicht. Dadurch werden auch indirekt die Planung und Handlung beeinflusst, da Barrieren den Veränderungswillen nicht so leicht aus dem Konzept bringen können und Ressourcen an den richtigen Stellen eingesetzt werden.

Mit der aktiven Entscheidung zur Verhaltensänderung wird das Individuum von „Non-Intender“ zum „Intender“. Der „Motivierte“ tritt in die postintentionale bzw. volitionale Phase ein. Der erste Schritt in der präaktionalen Phase beginnt mit der Planung. Hier ist es sehr wichtig, den Ablauf so konkret wie möglich zu definieren, um auf alle Eventualitäten und Hindernissen vorbereitet zu sein. Am Beispiel Sport muss die Person die Planung mit Angabe des Zeitpunkts, der Sportart, Dauer sowie Häufigkeit präzisieren. („Ich werde jeden Montag und Donnerstag ab 19 Uhr 40 Minuten joggen.“) Wichtig in dieser Planungsphase gehört - neben den Interventionsmaßnahmen - auch die Planung von Bewältigungsstrategien. („Wenn es regnet und Joggen nicht möglich ist, dann gehe ich ins Schwimmbad und ziehe 20 Bahnen.“) Eine zentrale Rolle nimmt hier die SWE ein. Die Person muss davon überzeugt sein, dass die Pläne realistisch umsetzbar sind.

Sobald die gefassten Pläne aktiv angegangen und umgesetzt werden, befindet man sich in der aktionalen Phase und wechselt vom Status „Intender“ zum „Akti­ven“. Knoll unterteilt diesen Prozess der Handlung in 3 Unterphasen: die Initiie­rung, Aufrechterhaltung und Wiederherstellung (Knoll et al. 2017, S. 51). Nach der Handlungsausführung (= Initiierung) muss permanent kontrolliert werden, ob die Planung auch eingehalten wird. Wenn dem nicht so ist, so sollte mit Hilfe von Durchhaltestrategien und Ressourcen die Ziele aufrecht- bzw. wiedergestellt werden. Eine wichtige Ressource ist die soziale Unterstützung der Partner, ent­weder passiv verbal oder mittels eigener aktiver Beteiligung.

Abschließend wird in der postaktionalen Phase die Handlung nach Erfolg oder Misserfolg bewertet. Bei Erfolg steigt natürlich die Motivation und das Selbstver­trauen, was die SWE erhöht und weitere „neue“ Verhaltensweisen erleichtert. Im Fall von Misserfolg kann ein Abbruch des „neuen“ Gesundheitsverhalten nach sich ziehen (Disengagement). Daher ist es wichtig, hier Rückfallinterventions­maßnahmen zur Verfügung zu stellen, um zu einer Wiederaufnahme des ur­sprünglichen Ziels zu motivieren (Knoll et al. 2017, S. 50).

2.4. Die transaktionale Stresstheorie von Lazarus

Der Begriff Stress wird heutzutage in der Gesellschaft sehr undifferenziert einge­setzt und umschreibt oftmals eine momentane Befindlichkeit, in der sich die Men­schen überfordert fühlen. Sie empfinden „Stress“ oder reagieren „gestresst“ auf eine bestimmte Situation.

In der Psychologie gibt es verschiedene Theorien und Herangehensweisen, um „Stress“ zu beschreiben und ihre Entstehung zu erklären. Die bekannteste und einflussreichste ist die transaktionale Stresstheorie, die von Richard Lazarus und Kollegen entwickelt wurde (Lazarus und Folkmann 1984a).

In der transaktionalen Theorie wird die Interaktion zwischen dem Menschen und der Umwelt als Prozess gesehen. Ein weiterer Einflussfaktor bildet die Erfahrun­gen des Menschen, die er einfließen lässt, um einen Reiz (= Stressor) oder be­stimmte Situationen zu bewerten. Eine Stresssituation entsteht erst dann, wenn der Betroffene dem nichts entgegensetzen kann. Das Zusammenspiel zwischen Menschen und Situation, bei dem sich beide gegenseitig beeinflussen, in dem sie sich verändern und entwickeln, wird als Transaktion verstanden.

Lazarus unterscheidet dabei zwei Bewertungsprozesse: die Primärbewertung und die Sekundärbewertung. Dabei werden „primär“ und „sekundär“ nicht unbe­dingt zeitlich eingestuft, denn auch wenn die Bewertungen sich gegenseitig be­einflussen, können sie zeitgleich erfolgen.

In der Primärbewertung wird die Relevanz der Situation für das eigene Wohlbe­finden - momentan und zukünftig - beurteilt. Bei Bestätigung der Relevanz für die Person wird anschließend in der Sekundärbewertung überprüft, welche Mög­lichkeiten und Ressourcen zur Verfügung stehen, um den Anforderungen zu begegnen. Entsprechend der subjektiven Wahrnehmung entstehen durch die Be­wertung unterschiedliche Beurteilungen, wie Verlust, Bedrohung, Herausforde­rung oder Gewinn, die objektiv schwer messbar sind. Um Stresssituation zu be­wältigen, unterscheidet Lazarus beim Coping die problem- als auch die emotion­sorientierten Formen der Bewältigung. Bei dem problemorientierten Coping greift die Person aktiv handelnd in die Situation ein, um das Problem zu lösen. Voraus­setzung dabei ist, dass sie die Kontrolle über die Situation hat. Wenn dem nicht so ist, kann die Nutzung der emotionsorientierten Bewältigung sinnvoll sein, die auf Emotionen und Kognitionen basiert (Schwarzer, 2004, S. 153-158).

Trotz der Kritik, dass die beiden Bewertungskomponenten objektiv sehr schwer messbar und daher nicht voneinander zu unterscheiden sind, lassen sich aus der Stresstheorie von Lazarus sehr gut Bewältigungsstrategien ableiten, die mittler­weile in vielen Interventionsprogrammen integriert wurden (Baumann, R., Daniel, 5., Jansen, L., 2020).

3. Betriebliche Gesundheitsförderung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen

3.1. Unternehmenssituation und Vorhaben

Krankheitsbedingte Abwesenheit bedeuten für ein Unternehmen nicht nur orga­nisatorische Probleme im Hinblick auf den Aufwand für Mitarbeiter-Vertretungen, sondern sind auch mit erheblichen Kosten verbunden.

Laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin verzeichnete die Wirt­schaft in 2019 durch Arbeitsunfähigkeit einen Produktionsausfall von 88 Mrd. Euro, Tendenz steigend (Volkswirtschaftliche Kosten durch Arbeitsunfähigkeit 2019 (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin [Baua])).

Daher ist Gesundheit nicht nur ein privates Thema von Mitarbeitern. In den letz­ten 20 Jahren hat die betriebliche Gesundheitsförderung nicht nur durch ein ver­ändertes Bewusstsein für Gesundheit und Wohlbefinden, sondern auch durch Aktivitäten der WHO und Gesetze auf europäischer und nationaler Ebene an Be­deutung gewonnen. Seit 25.07.2015 trat das Präventionsgesetz - PrävG zur

Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention in Kraft. „Denn Präven­tion und Gesundheitsförderung sollen dort greifen, wo Menschen leben, lernen und arbeiten: In der Kita, der Schule, am Arbeitsplatz und im Pflegeheim.“ (www.bundesgesundheitsministerium.de)

Einer der häufigsten Gründe für krankheitsbedingtes Fehlen ist auf Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen zurückzuführen. Darunter werden sämtliche Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße zusammengefasst. Dabei spielen die Koronare Herzkrankheit (KHK) und der Schlaganfall die größte Rolle (RKI: Gesundheit in Deutschland 2015: Kapitel 02. Wie steht es um unsere Gesundheit).

Werden diese Erkrankungen frühzeitig durch Vorsorgeuntersuchungen oder erste Symptome erkannt, können sie sehr gut medikamentös behandelt werden. Heutzutage gibt es viele erfolgreiche Behandlungsmethoden, sodass hier die Sterberate seit 1970 um 25 Prozent zurückgegangen ist (RKI: Gesundheit in Deutschland 2015: Kapitel 02. Wie steht es um unsere Gesundheit).

Das Tückische an Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist nicht nur die schleichenden Symptome-Erscheinungen, die von den Betroffenen oftmals nicht bemerkt wer­den und dauerhaft wie bei Bluthochdruck zu Schäden an lebenswichtigen Orga­nen wie Herz, Gehirn, Nieren und Augen führen können. Im schlimmsten Fall können Herzinfarkte zu irreversiblen Folgeschäden und Lähmungen führen, die nicht behandelt werden können und die Lebensqualität langfristig negativ beein­flussen.

Es gibt eine Vielzahl von Risikofaktoren, die zu einer Herz-Kreislauf-Erkrankung führen können. Dabei werden zwischen modifizierbaren und nicht modifizierba­ren Faktoren unterschieden. Erkrankungen wie Bluthochdruck, eine Volkskrank­heit, von der in Deutschland ca. 20 Millionen der erwachsenen Menschen betrof­fen sind, Diabetes mellitus, Adipositas durch gesundheitsschädigende Verhal­tensweisen wie Bewegungsmangel, Nikotin und übermäßiger Alkoholkonsum, ungesunde Ernährung und Stress stellen beeinflussbare Risikofaktoren dar. Un­ter nicht modifizierbaren Faktoren gehören beispielsweise das Alter, Geschlecht und die genetische Disposition (RKI: Gesundheit in Deutschland 2015: Kapitel 02. Wie steht es um unsere Gesundheit; Knoll et al. 2017, S. 184).

[...]

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Präventionsmaßnahmen zur Vorbeugung und Reduzierung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in einem mittelständischen Unternehmen
Hochschule
SRH Hochschule Riedlingen
Note
1,7
Autor
Jahr
2021
Seiten
33
Katalognummer
V1326051
ISBN (Buch)
9783346813343
Sprache
Deutsch
Schlagworte
präventionsmaßnahmen, vorbeugung, reduzierung, herz-kreislauf-erkrankungen, unternehmen
Arbeit zitieren
Thi Nga Nguyen (Autor:in), 2021, Präventionsmaßnahmen zur Vorbeugung und Reduzierung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in einem mittelständischen Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1326051

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