Die Arbeit analysiert die Erzählung "Nevskij Prospekt" vom russischen Schriftsteller Nikolaj Gogol'.
Zunächst werden im Kapitel 2 Gogol's Beschreibungen von Petersburg analysiert. In den Kapiteln 3 und 4 wird der bestimmende Einfluss der Atmosphäre der Großstadt und ihres Innenlebens auf das Schicksal der Hauptfiguren der Geschichte betrachtet. Somit ist der 3. Abschnitt dem Idealismus Piskarevs gewidmet und der 4. dem Pirogovs Konformismus. Außerdem wird eine Parallele zwischen Piskarev und Dostojevskijs „Träumer“ aus dem Werk „Weiße Nächte“ gezogen und das Thema des Selbstmordes kurz berührt. Und im letzten Kapitel wird ein Fazit gezogen.
Ziele der Arbeit sind:
- Sich auf Gogol's Geschichte stützend durch das Außengestalt der Großstadt näher an seine „Seele“ heranzukommen und Petersburg als „lebendes“ Wesen mit seiner eigenartigen Atmosphäre des Innenlebens wahrzunehmen;
- Einfluss der Großstadt auf das Leben und Schicksal der Hauptfiguren der Geschichte zu bewerten, sowie auf die Bildung ihrer Persönlichkeiten, was zu Kompromissen oder zu Rebellionen als den polaren Seiten des menschlichen Lebens führt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Petersburg und Nevskij Prospekt in Gogol's Beschreibungen. „Jahrmarkt der Eitelkeiten“
3. Ein neuer Menschentypus in der Großstadt – „Träumer“
3.1. Gleichgültigkeit einer riesigen Stadt den Schicksalen der „kleinen Menschen“ gegenüber. Einsamkeit in der Großstadt. „Ein ewiger Zwiespalt zwischen Traum und Wirklichkeit!“
3.2. Ein Blick auf den Selbstmord von heute. Dienst am Mitmenschen als Alternative zur Rebellion
4. Großstadt als „Nährboden“ zur Entwicklung des Konformismus
4.1. Erfolg des Konformismus mit Gesichtsverlust oder Demütigung, die man nicht mehr bemerkt
4.2. „Wenn ich früher auf dem Mond oder auf dem Mars gelebt hätte“
5. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht in Nikolaj Gogols Novelle „Nevskij Prospekt“, wie die Großstadt Petersburg als atmosphärischer und sozialer Raum die Persönlichkeitsentwicklung ihrer Bewohner beeinflusst, wobei insbesondere die polaren Lebenshaltungen des Idealismus und des Konformismus im Zentrum der Analyse stehen.
- Darstellung von Petersburg als „lebendes“ Wesen und zentraler Einflussfaktor.
- Analyse der Schicksale der Hauptfiguren Piskarev und Pirogov.
- Gegenüberstellung von Idealismus (der „Träumer“) und Konformismus (der „Philister“).
- Deutung der Großstadt als „Nährboden“ für menschliche Entfremdung und soziale Maskeraden.
- Vergleich von Gogols Figuren mit Dostojevskijs „Träumer“-Typus.
Auszug aus dem Buch
3. Ein neuer Menschentypus in der Großstadt – „Träumer“
Der Ozean ist riesig. Er ist wunderschön und großartig, bedrohlich und schrecklich. Aber er ist ebenso gleichgültig denjenigen gegenüber, die ihn bewundern und denjenigen, die Angst vor ihm haben. Es ist schön, darin zu schwimmen, aber gefährlich – man kann ertrinken. Petersburg ist eine „Ozean-Stadt“.
Es sind so viele Menschen darin, dass man sie einfach nicht bemerkt. Wenn zwei Menschen eine lange Zeit nebeneinander gehen, werden sie sich schließlich kennenlernen und miteinander ins Gespräch kommen. Aber wenn sich eine Menge bewegt, dann ist dies nur eine Menge, in der jeder einsam und allein ist und keiner kein Interesse an anderen hat. Menschen in der Großstadt, die nebenan wohnen, verlassen die Hauseingänge von Mietshäusern, gehen vorbei und grüßen sich nicht. In der Großstadt ist ein Mensch isolierter von der Kommunikation mit anderen (außer eines kleinen Kreises von Freunden und Verwandten) als in einer kleinen Provinz, in der jeder vor aller Augen ist und jeder über jeden alles weiß (vielleicht mehr als jeder möchte!). In der Großstadt ist ein Mensch einsam. Das betrifft vor allem unspektakuläre, erfolglose Menschen, denn Petersburg ist facettenreich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet Gogols „Nevskij Prospekt“ im Zyklus der „Petersburger Erzählungen“ und definiert das Forschungsziel, den Einfluss der Großstadt auf die Persönlichkeitsbildung und die Wahl zwischen Konformismus und Idealismus zu untersuchen.
2. Petersburg und Nevskij Prospekt in Gogol's Beschreibungen. „Jahrmarkt der Eitelkeiten“: Dieses Kapitel analysiert die Stadt als Kompositionszentrum der Novelle, in der die soziale Fassade der Pracht die innere Leere der Bewohner und die Verdinglichung des Menschen unterstreicht.
3. Ein neuer Menschentypus in der Großstadt – „Träumer“: Es wird die soziale Isolation in der Metropole thematisiert, die einen neuen Menschentypus – den Träumer – hervorbringt, der sich in eine eigene Welt flüchtet.
3.1. Gleichgültigkeit einer riesigen Stadt den Schicksalen der „kleinen Menschen“ gegenüber. Einsamkeit in der Großstadt. „Ein ewiger Zwiespalt zwischen Traum und Wirklichkeit!“: Der Unterabschnitt vertieft die Problematik des verlorenen Individuums in der Anonymität der Großstadt und zeigt den Konflikt zwischen dem idealisierten Lebensentwurf und der prosaischen Realität auf, der oft in den Untergang führt.
3.2. Ein Blick auf den Selbstmord von heute. Dienst am Mitmenschen als Alternative zur Rebellion: Hier wird der Idealismus problematisiert, der bei Piskarev im Suizid endet, und dieser mit moderneren Sichtweisen sowie möglichen Alternativen zum Scheitern in der Metropole kontrastiert.
4. Großstadt als „Nährboden“ zur Entwicklung des Konformismus: Der Fokus liegt auf der negativen Anpassung an die städtischen Verhältnisse, die durch opportunistisches Verhalten und den Verzicht auf moralische Prinzipien gekennzeichnet ist.
4.1. Erfolg des Konformismus mit Gesichtsverlust oder Demütigung, die man nicht mehr bemerkt: Dieses Kapitel untersucht die opportunistische Lebensstrategie am Beispiel des Pirogov, dessen Mangel an moralischem Kompass ihm ein Überleben in der Stadt sichert, während er gleichzeitig seine Identität verliert.
4.2. „Wenn ich früher auf dem Mond oder auf dem Mars gelebt hätte“: Durch den Rückgriff auf Dostojevskijs „Der Traum eines lächerlichen Menschen“ wird die absolute Schamlosigkeit und moralische Gleichgültigkeit des Konformisten in der Anonymität der Großstadt dekonstruiert.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Petersburg sowohl als Ort der trügerischen Pracht als auch als Nährboden für soziale Gegensätze fungiert, die sowohl idealistische Träumer als auch opportunistische Konformisten unausweichlich prägen.
Schlüsselwörter
Nikolaj Gogol, Nevskij Prospekt, Petersburg, kleiner Mensch, Großstadt, Konformismus, Idealismus, Träumer, Rebellion, soziale Kontraste, Identität, Piskarev, Pirogov, Entfremdung, Phantasmagorizität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der Großstadt Petersburg auf das Schicksal und die Persönlichkeit der Hauptfiguren in Gogols Novelle „Nevskij Prospekt“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind der Gegensatz zwischen Idealismus und Konformismus, das Bild des „kleinen Menschen“ und die korrumpierende oder deformierende Wirkung der städtischen Atmosphäre.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es wird untersucht, wie die Großstadt als „Nährboden“ fungiert, der Menschen entweder in eine tragische Rebellion (Idealismus) oder in einen erfolgreichen, aber gesichtslosen Opportunismus (Konformismus) treibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung von Sekundärliteratur und komparatistischen Ansätzen zu Dostojevskij.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die unterschiedlichen Lebenswege von Piskarev und Pirogov, die Rolle der Stadt als aktiver Akteur sowie die psychologische Entwicklung des Träumer-Typs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Petersburg, Konformismus, Idealismus, soziale Kontraste und die Entfremdung in der Metropole charakterisiert.
Warum spielt die Person Piskarev eine zentrale Rolle?
Piskarev verkörpert den idealistischen „kleinen Menschen“, dessen Unfähigkeit, die Diskrepanz zwischen seinem Traumideal und der verkommenen Realität zu ertragen, ihn zum tragischen Scheitern und Selbstmord führt.
Was unterscheidet den Konformisten Pirogov vom Träumer?
Pirogov agiert als eiskalter Zyniker, der sich opportunistisch an die gesellschaftlichen Regeln anpasst, um materielle Vorteile zu erlangen, während der Träumer keine Distanz zur Realität wahren kann und emotional daran zerbricht.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Stadt Petersburg?
Die Arbeit versteht Petersburg als eine „Ozean-Stadt“ und einen „Nährboden“, der menschliche Charaktere entweder verschlingt oder für ihre eigenen Zwecke, oft auf Kosten ihrer Würde, formt.
- Arbeit zitieren
- Anastasiia Zabrodska (Autor:in), 2020, Nikolaj Gogol's Novelle "Nevskij Prospekt". Konformismus und Idealismus als zwei extreme Pole bei der Persönlichkeitsbildung des "kleinen Menschen" in der Großstadt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1326248