Anthony Downs hat in seinem Werk „Ökonomische Theorie der Demokratie“ ein umfangreiches Modell zur Erklärung des Wählerverhaltens auf der Basis der Rational-Choice-Theorie vorgestellt. Das zentrale Element seiner Aussage ist, dass eine Wahlbeteiligung bei einem Kosten-Nutzen-Kalkül des Wählers irrational ist, selbst dann, wenn der Wähler in Bezug auf den Wahlausgang nicht indifferent ist. Downs fügt hinzu, dass die Kosten, die der Wahlgang verursacht, höher sind als der Nutzen, den der Wähler aus der Wahlbeteiligung zieht, da die einzelne Stimme einen Tropfen auf einem heißen Stein darstellt (vgl.Downs1957:238). Folglich beeinflusst die einzelne Stimme den Wahlausgang nicht und der Wahlgang wäre irrational. Diese Aussagen über die Wahlbeteiligung stimmen nicht mit der Realität überein, dies beweist die hohe Wahlbeteiligung vieler Staaten. Ziel meines Essays ist es aufzuzeigen, welche Konsequenzen Downs aus Sicht des Erklärungsinstrumentalismus nach Friedman aus diesem Paradox ziehen muss.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. FRIEDMANS INSTRUMENTALISMUS
3. ÖKONOMISCHE THEORIE DES WÄHLERVERHALTENS
3. 1 ANNAHMEN
3.2 PARTEIDIFFERENZIAL
3.3 UNSICHERHEIT
3.4 INFORMATIONSKOSTEN
3.5 WAHLPARADOXON
4. ÖKONOMISCHE THEORIE – OLSON
5. EXPRESSIVE THEORIE DES WÄHLERVERHALTENS
6. FAZIT
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht das von Anthony Downs formulierte Modell des Wählerverhaltens auf Basis der Rational-Choice-Theorie und analysiert kritisch, wie dieses Modell aus Sicht des Erklärungsinstrumentalismus nach Milton Friedman mit dem Phänomen des Wahlparadoxons umgeht.
- Grundlagen des Erklärungsinstrumentalismus nach Milton Friedman
- Anwendung der Rational-Choice-Theorie auf das Wählerverhalten
- Analyse der Kernkonzepte Parteidifferenzial, Unsicherheit und Informationskosten
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Wahlparadoxon und Lösungsansätzen von Olson
- Diskussion der expressiven Theorie des Wählerverhaltens
Auszug aus dem Buch
3.4 Informationskosten
In seinem Modell geht Downs von einem vollständig informierten Bürger aus (vgl.Downs1957:202). Da dies nicht der Realität entspricht, führt Downs den Begriff der Informationskosten ein. Bei der Beschaffung von Informationen beispielsweise aus den Medien, entstehen die Informationskosten. Weitere Kosten entstehen, wenn der Wähler die für ihn wichtigen Informationen selektieren muss. Ferner ist die Informationsbeschaffung sehr zeitaufwendig und dem Wähler entstehen Opportunitätskosten, weil er diese Zeit nicht für andere Dinge des Alltags verwenden kann. Die Informationsbeschaffung verursacht Kosten und diese übernimmt der rationale Wähler nur dann, wenn der erwartete Nutzen aus ihnen die Informationskosten übersteigt. Daraus folgt, dass er sich bemüht die Informationskosten möglichst gering zu halten, weil er sich bewusst ist, dass seine Stimme wenig zählt und er auf kein Nutzeneinkommen von seiner Stimme hoffen kann. Der Wähler erscheint als ein „ignoranter Wähler“ (vgl.Hardin2006:183f.). Es ist schließlich völlig rational für den Wähler sich oberflächlich über das politische Geschehen zu informieren. Schließlich ist es irrational vollkommenes Wissen über die Politik zu verfügen (vgl.ebd.:184).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Rational-Choice-Theorie bei Anthony Downs und Formulierung der Forschungsfrage hinsichtlich des Wahlparadoxons.
2. FRIEDMANS INSTRUMENTALISMUS: Darstellung des wissenschaftstheoretischen Ansatzes von Friedman, bei dem die Nützlichkeit und Vorhersagekraft von Theorien über deren Realitätsnähe gestellt werden.
3. ÖKONOMISCHE THEORIE DES WÄHLERVERHALTENS: Analyse der zentralen Annahmen und Mechanismen von Downs, wie das Parteidifferenzial, Informationskosten und das Wahlparadoxon.
4. ÖKONOMISCHE THEORIE – OLSON: Kritik an Downs' Lösung des Wahlparadoxons unter Bezugnahme auf Mancur Olsons Theorie der Kollektivgüter und Trittbrettfahrerproblematik.
5. EXPRESSIVE THEORIE DES WÄHLERVERHALTENS: Vorstellung der expressiven Nutzenkomponente nach Brennan und Lomansky als alternative Erklärung für die Wahlbeteiligung.
6. FAZIT: Zusammenfassende Bewertung, dass die ursprünglichen Homo-Oeconomicus-Annahmen von Downs das Wahlverhalten nur bedingt erklären können und expressive Elemente hierbei eine entscheidende Rolle spielen.
Schlüsselwörter
Rational-Choice-Theorie, Anthony Downs, Milton Friedman, Erklärungsinstrumentalismus, Wählerverhalten, Wahlparadoxon, Parteidifferenzial, Informationskosten, Kollektivgut, Mancur Olson, expressive Theorie, Nutzenmaximierung, Homo Oeconomicus, politische Theorie, Wahlbeteiligung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen des rationalen Wählerverhaltens nach Anthony Downs und prüft diese im Kontext der instrumentalistischen Methodologie nach Milton Friedman.
Welches zentrale Problem steht im Fokus?
Im Mittelpunkt steht das sogenannte Wahlparadoxon, welches besagt, dass eine Wahlbeteiligung aus der Perspektive eines rein ökonomischen Kosten-Nutzen-Kalküls irrational erscheint.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, welche logischen Konsequenzen Downs aus Sicht des Erklärungsinstrumentalismus ziehen muss, um das Wahlparadoxon innerhalb seines Modells zu adressieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die verschiedene politikwissenschaftliche und ökonomische Ansätze (Rational-Choice, Instrumentalismus, Kollektivguttheorie) synthetisiert und kritisch vergleicht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit deckt die Themen methodologischer Individualismus, Parteidifferenzial, Unsicherheit bei Wahlentscheidungen, Informationskosten und die Unterscheidung zwischen instrumentellem und expressivem Handeln ab.
Welche Rolle spielt die Theorie von Mancur Olson?
Olsons Theorie dient als kritische Instanz, die verdeutlicht, warum Downs' Modifikationen zur Lösung des Wahlparadoxons (wie der Demokratieerhalt als Nutzen) aus logischen Gründen der Kollektivgutproblematik nicht ausreichen.
Warum ist das Kriterium der "Realitätsnähe" für Friedman zweitrangig?
Für Friedman ist die empirische Gültigkeit einer Hypothese primär an der Genauigkeit ihrer Vorhersagen zu messen; die Annahmen selbst müssen nicht zwingend realistisch sein, solange das Modell fruchtbare Ergebnisse liefert.
Was unterscheidet den "expressiven Wähler" vom "instrumentellen Wähler"?
Während der instrumentelle Wähler rein zweckgerichtet auf ein politisches Ergebnis abzielt, leitet der expressive Wähler seinen Nutzen direkt aus dem Akt der Teilnahme selbst ab, ähnlich wie ein Fußballfan, der durch Jubel seine Verbundenheit ausdrückt.
- Quote paper
- Maxim Kimerling (Author), 2009, Welche Konsequenzen muss Downs aus Sicht des Erklärungsinstrumentalismus nach Friedman aus dem Wahlparadoxon ziehen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132708