Vom Erz zum Eisen - Rohstofflagerstätten und ihr Kontext im eisenzeitlichen Italien


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

26 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsangabe

Einleitung

1. Antike Wirtschaft

2. Eisen
2.1.Charakteristika, Vorkommen
2.2.Metallgewinnung aus Oxiden
2.3.Eisenherstellung im Rennofen
2.4.Archäologische Eisenfunde
2.5.Untersuchung von Eisen
2.6.Restaurierung und Konservierung von Eisenfunden

3. Etrusker
3.1.Historischer Abriss
3.2.Bergbau, Distributionszentren und Metalle zu Beginn Etruriens
3.3.Golasecca-Kultur

4. Schlusswort

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Gesellschaften definieren sich über ihren Reichtum und die Machtmittel diesen zu verteidigen.Niklas Luhmann nach ist die Macht in der Systemtheorie das generativste Mittel – doch muss sich diese Macht erst einmal durch Grundlagen formen.

Reichtum kann evolutionäre Schritte erbringen, aber auch singulär als Prestigeinstrument für Oligarchen, Theokraten und sonstige Elemente im anthropogenen Elitesystem herhalten. Erst der Reichtum ermöglicht es, die Ambivalenzdenker zur vermeiden – gar zu vernichten – und führt sogar dazu, dass sich gewachsene Städte wie Berlin eine fiktive Geschichte erbauen (Abb.1). Die Historie wird somit zur Ahistorie, da sie zu sehr vom Reichtum geblendet ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Stella-Siegerentwurf für das Berliner Stadtschloss: „Langeweile des ital. Rationalismus.“ (Wolfgang Pehnt)

Mit der Kunst des Bergbaus und der Metallurgie wird das Interesse an ästhetisch schönen Dingen immer größer und diese momentane Camouflage bewirkt ein Staunen bei den Leuten und das Herausbilden eines ganzen Industriesektors: Die Metallindustrie.

Der Prozess der Entstehung von der präindustrialen Eisenverarbeitung entwickelt sich im italienischen Raum bereits in der Eisenzeit. Die reichen Erzvorkommen in den Bergen des westlichen Etruriens locken seit dem 9. und 8. Jahrhundert v. Chr. levantinisch-phönizische und griechische Seehändler an, in deren eigenen Ländern es kaum Eisen, Kupfer und Zinn gibt. Die Ausfuhr von hochwertigen Produkten führt zu anwachsenden Etruskerstädten, Reichtum, luxuriöser Lebensweise der Aristokratie und einer Ausweitung der Handelszentren bis nach Norditalien, am Lago Maggiore.1

In meiner Hausarbeit „Vom Erz zum Eisen – Rohstofflagerstätten und ihr Kontext im früheisenzeitlichen Italien“ untersuche ich primär die Eisengewinnung und-verarbeitung im etruskischen Raum sowie deren Verbindung zur Golasecca-Kultur in der Lombardei. Anknüpfend an die Golasecca-Kultur beschäftige ich mich damit, ob wir es hier mit einer eigenen Kultur, mit eigenen Produkten, oder „nur“ mit einem Logistikzentrum zwischen der klassischen Welt und dem keltischen „Hinterland“ zu tun haben.

Der erste Teil „Die antike Wirtschaft“ soll vorab erläutern, woher der Terminus „Ökonomie“ stammt und was mit ihm verbunden ist. Während ich im zweiten Teil „Eisen“ auf die Charakteristika, Vorkommen, die antike Herstellung sowie die Untersuchung von Eisen eingehe, möchte ich anschließend im dritten Teil „Etrusker“ einen kleinen historischen Einblick in jene vorrömischen Kultur geben. In diesem Teil nenne ich außerdem die Distributionszentren der Etrusker und die Problematik um die Deutung der Existenz der Golasecca-Kultur.

Im letzten Teil fasse ich die Ergebnisse meiner Recherche zusammen.

1. Die antike Wirtschaft

Das Wort >>Ökonomie<< ist griechischen Ursprungs und setzt sich zusammen aus oikos (Haushalt) und nem- (regeln, verwalten). Das Buch von Xenophon von Athen aus dem vierten Jahrhundert v. Chr. wird von den Wirtschaftswissenschaften als die Grundlage für jene Hauswirtschaft gesehen. Xenophon erläutert in ihm die hierarchischen Strukturelemente (Landbesitzer vs. Sklaven, Ehemann vs. Ehefrau), den Umgang mit dem >>Personal<< und die hausfraulichen Tugenden. Es ist sozusagen ein Buch zur Ethik bzw. Einführung in die Moralphilosophie.

Dennoch bietet die Antike keine genaue Entsprechung für den Schlüsselbegriff in seiner Definition von Ökonomie2, die „die Rechte und Pflichten innerhalb einer Familie behandelt“3. Die lateinische familia hat eine weitgespannte Bedeutung: Alle Personen, die sich unter dem Schirm des pater familias (Hausvater) befinden oder alle Nachfahren eines gemeinsamen Vorfahren. Der pater familias ist hierbei nicht der biologische Vater, sondern die Autorität des Haushalts. Das römische Recht untertei]lt diese drei Autoritäten in drei Elemente:

1. potestas (Gewalt über Kinder, Kindeskinder und Sklaven)
2. manus (Gewalt über die Ehefrau und die Ehefrauen der Söhne)
3. dominum (Gewalt über den Besitz)

Auf diese Dreiteilung baut Xenophon im Oikonomikos auf und man kann sagen, dass sie „eine Grundlage der europäischen Zivilisation bis weit ins 18. Jahrhundert [...]“4 bleibt.

Tatsächlich fehlen die begrifflichen Voraussetzungen für das, was wir >>Wirtschaft<< nennen. Obzwar Produkte hergestellt und verhandelt werden, sehen die Menschen in der Antike ihre einzelnen Aktivitäten nicht als Einheit einer „differenzierten Unterfunktion der Gesellschaft“5. Dennoch spricht man eindeutige von einer Wirtschaftsordnung, was sich anhand von damaligen Löhnen und Zinsen verfizieren lässt. Löhne als auch Zinsen bleiben in der griechischen und römischen Zeit relativ stabil. Zinssätze, wie die Seedarlehen, die zu den stabilsten Finanzprodukten im antiken Finanzmetier gehören, stellen die frühste Form einer Versicherung dar und gehen auf das späte fünfte vorchristliche Jahrhundert zurück.

Es gibt bis dato keine ausreichenden Zahlen und Daten, die uns Aufschluss bzw. Tendenzen und Statistiken über den antiken Wirtschaftsalltag liefern. Unbestritten ist aber, dass mathematisches Wissen vorhanden ist, seit Appollonius von Perge die Kegelschnitte im dritten Jahrhundert v. Chr. entdeckte. Zwar gibt es Daten über Steuereinkünfte, jedoch setzt das Beurteilen von Zahlen und Daten eine Vorstellung von „Relationen und Tendenzen voraus.“6 Es gibt somit in der Antike (bis auf einige Ausnahmen) weder im privaten noch im öffentlichen Sektor Zahlenrelationen für einen längeren Zeitraum, was somit keine Argumentationen erlaubt.

Der Aspekt der Bevölkerungsverteilung in der Antike verdient besondere Beachtung: Fast alle großen Zentren – Populonia, Athen, Syrakus, Alexandria – liegen nur wenige Kilometer von der Küste entfernt. Das Hinterland dient zumeist als Rückzugsgebiet zur Beschaffung von Lebensmitteln, Metall, Sklaven oder zu Verteidigungszwecken. Das gesamte Mittelmeergebiet bildet eine einheitliche klimatische Region, in der es angenehme Siedlungsmöglichkeiten, gute Böden, ausreichende Erträge an den Hauptgetreidearten, Gemüse und Früchte gibt. Oliven sind in erster Linie der Rohstoff für Speiseöl, Seife und Lampenöl und bilden daher den Meilenstein für die berühmten Lebensweisen der Menschen im Mittelmeerraum. Obwohl es auch bewohnte Gebiete in Griechenland, Mittel- und Norditalien gibt, ist zu betonen, dass der Mittelmeerraum sein Gewicht stark auf die Küstengebiete beschränkt und konzentriert. Erst mit der Ausdehnung der griechisch-römischen Welt gewinnt das Binnenland an Bedeutung für den Handel. Die vier wichtigsten Handelswaren sind Getreide, Wein, Öl und Sklaven.

2.Eisen

2.1.Charakteristika, Vorkommen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Abb.2)

Das Wort Eisen leitet sich vom keltischen Wort »isara« ab und bedeutet stark und fest. Eisen (Fe) ist ein metallisches Element der achten Nebengruppe des Periodensystems (Abb.2), von dem vier natürliche Isotope (54Fe-58Fe) bekannt sind. Dies sind Elemente mit unterschiedlicher Masse aber gleicher Kernladungszahl (nämlich 26 Protonen). Eisen bildet neben den Elementen Cobalt und Nickel die Eisengruppe und wird an feuchter Luft in O2- und CO2-haltigen Wasser leicht oxidiert. Es tritt zumeist als Erz und sehr selten als Mineral auf. Der Schmelzpunkt von Eisen liegt bei 1535°C und sein Siedepunkt bei 2750°C. Während die obersten 16 Km der festen Erdkruste nachweisbar zu nur etwa 5% aus Eisen bestehen, wird der Eisenanteil des ganzen Erdballs auf 37% geschätzt.7 Wegen der hohen Ansprüche der modernen Eisenindustrie in Bezug auf die Qualität und den Preis von Eisen, verschiffen nur wenige große Bergbauzentren (Abb.3) ihre Eisenerze in die ganze Welt. Eine der größten Eisenprovinzen liegt in Australien. Anfang 1960 entdecken Geologen das Eisengebiet Mount Tom Price (Abb.4), welches die Maße 8 x 1,2 Kilometer misst und einige hundert Tonnen Erz mit durchschnittlich 64% Eisengehalt enthält.8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3

Dass Eisen auch beim Aufbau der übrigen Himmelskörper in starkem Maße beteiligt ist, geht aus Meteoriten hervor, von denen etwa die Hälfte vorwiegend aus Eisen besteht. Auf der Erde enthält das hauptsächlich aus Granit bestehende Grundgebirge etwa 2,5% Eisen in Form von Verbindungen. Da Eisen zu den unedlen Metallen gehört, kommt es in der Natur fast nie gediegen, sondern überwiegend in Verbindungen vor. Die wichtigsten Bestandteile der verschiedenen Eisenerze sind die Mineralien Magnetit, Hämatit, Goethit und Limonit.9

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.4: Mount Tom Price

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.5: Vorkommen von Raseneisenerz im Bundesland Brandenburg, Alte Stiche von Förderung und Transport des Raseneisensteins im Mittelalter .

Eisen kann jedoch auch, wie auf der Karte im Bundesland Brandenburg markiert (Abb.5), als Raseneisenerz vorkommen, welches durchschnittlich drei bis sechs dm unter der Rasensohle liegt. Es tritt darunter in Form von rundlichen Blöcken, schalenförmigen Bänken oder Knollen auf. Raseneisenerz entsteht in frei- bis mittel- körnigem Sand bzw. Torf (Abb.6) feuchter und sumpfiger Niederungen, die von eisenhaltigem Grundwasser durchströmt werden. Das mit dem Grundwasser gefüllte

Eisen fällt durch Oxidation oberflächennah aus und verfestigt sich mit dem Mineralboden zu Raseneisenerz. Die Hochbildungsphase des Raseneisensteins liegt zwischen dem Ende des Boreal und dem Beginn des Atlantikums (vor 9000 bis 4500 Jahren) – dieser Prozess ist bis heute nicht abgeschlossen.10

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.6

2.2. Metallgewinnung aus Oxiden

Sämtliche Metalle kommen in der Natur als Oxide vor und werden aus diesen gewonnen. Sie liegen somit nicht als Reinstoff, also als Mineral vor, sondern mit anderen Stoffen vermengt im Gestein. Es lässt sich daher schlussfolgern, dass ein Mineral im Gegensatz zum Oxid aus dem (fast) vollständig gewünschten Stoff besteht.

[...]


1 Vgl. Haynes, Sybille: Die Etruskerin, Mainz am Rhein 2008.

2 Vgl. Finley, Moses I.: Die antike Wirtschaft, München 1977.3

3 Hutcheson, Frances: Moral philosophy, Glasgow 1764, S274.3

4 Finley, Moses I.: Die antike Wirtschaft, München 1977, S.11.3

5 Parson, T.; Smelser, N.L.: Economy and Society, London 1956.

6 Finley, Moses I.: Die antike Wirtschaft, München 1977, S.20.3

7 Vgl. www.Mineralienatlas.de, 28.03.09, 20:33.

8 Vgl. Trueb; Lucien F.: Die chemischen Elemente, Ebenatingen 2005.2

9 Vgl. www.Mineralienatlas.de, 28.03.09, 20:33.

10 Vgl. Ministerium für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung Brandenburg: Gley mit Raseneisenerde, Potsdam 2003.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Vom Erz zum Eisen - Rohstofflagerstätten und ihr Kontext im eisenzeitlichen Italien
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte )
Veranstaltung
Rohstoffe in der Ur- und Frühgeschichte
Note
1,7
Jahr
2009
Seiten
26
Katalognummer
V132765
ISBN (eBook)
9783640395712
ISBN (Buch)
9783640396191
Dateigröße
1715 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Das Thema wird unter verschiedenen Aspekten sachkundig bearbeitet. Die Arbeit lässt eine breite Herangehensweise an das Thema erkennen.
Schlagworte
Eisen, Rohstofflagerstätten, Kontext, Italien
Arbeit zitieren
Anonym, 2009, Vom Erz zum Eisen - Rohstofflagerstätten und ihr Kontext im eisenzeitlichen Italien , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132765

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