Die dynamische Entwicklung der Finanzmärkte in den vergangenen Jahren hat eine Vielzahl innovativer Finanzinstrumente hervorgebracht und stellt das nationale Steuerrecht vor neue und bisher nur teilweise gelöste Aufgaben. Infolge dessen hat es
sich der Gesetzgeber im Rahmen des JStG 2009 wieder einmal zur Aufgabe gemacht,eine Lösung für die Besteuerung der Aktienanleihe, und damit auch der unterschiedlichen
Behandlung im Vergleich zur Wandelanleihe, zu finden.
Allgemein handelt es ich bei Aktien– wie auch bei Wandelanleihen um strukturierte Finanzinstrumente (combined/compound instruments). Sie besitzen einen hybriden Charakter, da diese Instrumente aus zwei wirtschaftlichen Komponenten bestehen, von
denen eine ein Derivat (Option) und die andere eine klassische Anleihe ist. Wandel – und Aktienanleihen sind beide an ein Underlying (Aktie) gekoppelt, sie unterscheiden sich nur durch die unterschiedliche Zuteilung des Wandlungs- bzw. Andienungsrechts in Aktien. Im Falle der Wandelanleihe liegt das Recht zur Wandlung und somit zur Lieferung der Aktien, anstatt Zahlung des Nominalbetrags, beim Inhaber der Anleihe und für den Fall der Aktienanleihe liegt das Recht beim Emittenten oder der Emittentin der Anleihe.Nach derzeitiger Rechtslage werden beide Finanzprodukte steuerlich unterschiedlich behandelt, obwohl sie aus gleichen ökonomischen Komponenten bestehen. Im Zuge des
Jahressteuergesetzes 2009 wird nun versucht, eine Annäherung der Besteuerung zwischen Wandel- und Aktienanleihe zu erreichen. Wie schon dem Referentenentwurf für ein JStG 2009 zu entnehmen ist, soll ein neu eingefügter § 20 Abs. 4a S. 2 EStG-E die steuerneutrale Anschaffung von Aktien im Zusammenhang mit Umtausch- und Aktienanleihen regeln.
Zum Zeitpunkt einer möglichen Aktienandienung bei der Aktienanleihe entfällt die bisherige Regelung, entstandene Verluste mit Zinseinkünften zu verrechnen. Ein steuerlicher relevanter Vorgang wird erst zum Veräußerungszeitpunkt der Aktien ausgelöst. Der Inhaber kann Verluste geltend machen, insofern die Anschaffungskosten der Anleihe (fiktiver Kaufkurs der Aktien)
unter dem Veräußerungserlös für die Aktien liegen. Zudem wird die Problematik dadurch verschärft, dass Verluste, die ab 2009 entstehen, nur noch mit Gewinnen aus anderen Aktiengeschäften verrechenbar sind.
Inhaltsverzeichnis
EILEITUG
I. Problemstellung
II. Zielsetzung und Aufbau der Untersuchung
TEIL 1: FIAZWIRTSCHAFTLICHE UD STEUERLICHE GRUDLAGE
I. Überblick
II. Finanzwirtschaftliche Grundlagen
A. Der ökonomische Nutzen dieser Assets
B. Zivilrechtliche Struktur
C. Ökonomische Komponeten
1. Definition und Charakter einer Wandelanleihe
2. Definition und Charakter einer Aktienanleihe
3. Schematische Gegenüberstellung der Finanzinstrumente
III. Steuerliche Grundlagen
A. Einkommenssteuerrechtliche Einordnung von Finanzinnovationen
B. Neue Rechtssprechung des BFH
1. Emissions- und Marktrendite
2. Einschränkende Auslegung des § 20 Abs. 2 S. 1 Nr. 4 S. 2 EStG
3. Anwendbarkeit der Risikorechtssphärensprechung
C. Referenzsystem einer sachgerechten Besteuerung zur Beurteilung der Finanzinstrumente im nationalen Steuerrecht
1. Steuergerechtigkeit
a) Leistungsfähigkeitsprinzip
b) Nettoprinzip
2. Praktikabilität
3. Entscheidungsneutralität
4. Realisationsprinzip
IV. Zwischenfazit
TEIL 2: AALYSE DER BESTEUERUG VOR DEM JSTG 2009
I. Überblick
II. Abgrenzung zwischen Privat- und Betriebsvermögen
III. Steuerliche Behandlung der Wandelanleihe
A. Besteuerung im Privatvermögen
1. Besteuerung der Zinserträge
2. Wandlung im Privatvermögen
3. Anschaffungskosten der eingelösten Aktien
4. Besteuerung der Aktien nach Optionsausübung
5. Kapitalertragssteuer
B. Besteuerung im Betriebsvermögen
III. Steuerliche Behandlung der Aktienanleihe
A. Besteuerung im Privatvermögen
1. Besteuerung der Zinserträge
2. Tilgung durch den Emittenten
a) Rückzahlung des Nominalbetrags
b) Aktienandienung am Laufzeitende
3. Anschaffungskosten der angedienten Aktien
4. Veräußerungsbesteuerung der angedienten Aktien
5. Kapitalertragssteuer
B. Besteuerung im Betriebsvermögen
IV. Gegenüberstellung
V. Zwischenfazit
TEIL 3: ÄDERUG DURCH DAS JSTG 2009 UD KRITISCHE WÜRDIGUG UD VERBESSERUGSVORSCHLÄGE
I. Überblick
II. Relevante Änderungen durch die Unternehmenssteuerreform 2008
III. Steuerliche Behandlung der Aktienanleihe nach dem JStG 2009
A. Besteuerung im Privatvermögen
B. Besteuerung im Betriebsvermögen
IV. Ökonomische Würdigung der Analyse
V. Analyse einzelner steuerlicher Problemstellungen
VI. Besteuerung der ökonomischen Komponenten der Wandelanleihe
A. Finanzwirtschaftliche Bewertung der Wandelanleihe
B. Besteuerungsmodell: Besteuerung der einzelnen Komponenten
1. Besteuerung im Privatvermögen
2. Besteuerung im Betriebsvermögen
C. Steuerliche Behandlung der Aktienanleihe
1. Besteuerung im Privatvermögen
2. Besteuerung im Betriebsvermögen
VII. Beurteilung
VIII. Zwischenfazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die bisherigen steuerlichen Regelungen für Wandel- und Aktienanleihen sowie die durch das Jahressteuergesetz 2009 eingeführten Änderungen. Ziel ist es, die steuerlichen Konsequenzen aus ökonomischer Sicht zu vergleichen, die Problematik der gesetzlichen Neuregelungen zu identifizieren und diese kritisch vor dem Hintergrund verfassungsrechtlicher Prinzipien wie der Steuergerechtigkeit und dem Leistungsfähigkeitsprinzip zu bewerten.
- Finanzwirtschaftliche Grundlagen und ökonomische Komponenten strukturierter Finanzprodukte
- Steuerliche Behandlung von Wandel- und Aktienanleihen vor und nach dem JStG 2009
- Kritische Analyse der Besteuerungsprinzipien im Kontext der Abgeltungssteuer
- Entwicklung eines alternativen Besteuerungsmodells für Wandelanleihen
Auszug aus dem Buch
Die ökonomische Bedeutsamkeit strukturierter Finanzprodukte
Die ökonomische Bedeutsamkeit strukturierter Finanzprodukte wurde nun anhand einzelner Gesichtspunkte kurz angerissen. Risikoallokation und Marktvervollständigung durch neue Auszahlungsstrukturen strukturierter Produkte werfen neue Fragen bzw. Problemstellungen der Besteuerung für den Gesetzgeber auf. Anhand der Finanzinstrumente Wandel- und Aktienanleihe soll einer dieser Problembereiche analysiert werden. Dazu wird das Augenmerk der Analyse auf die einzelnen ökonomischen Komponenten dieser Finanzinstrumente gelegt.
Zivilrechtlich charakterisiert werden Wandel- als auch Aktienanleihen insofern, dass bei Wandelung bzw. Andienung aus dem Forderungsrecht des festverzinslichen Wertpapiers ein Teilhaberrecht wird. Zinsanspruch und Rückzahlungsanspruch, welche aus dem Forderungsrecht resultieren, erlöschen.
Zusammenfassung der Kapitel
EILEITUG: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen, die innovative Finanzinstrumente für das nationale Steuerrecht darstellen, und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die Besteuerung von Wandel- und Aktienanleihen zu vergleichen.
TEIL 1: FIAZWIRTSCHAFTLICHE UD STEUERLICHE GRUDLAGE: Dieser Teil legt die finanzwirtschaftlichen Grundlagen dar, analysiert die ökonomischen Komponenten der Anleihen und schafft einen Referenzrahmen zur Beurteilung der Besteuerung anhand ökonomischer Prinzipien.
TEIL 2: AALYSE DER BESTEUERUG VOR DEM JSTG 2009: Hier erfolgt eine detaillierte deskriptive Analyse der Besteuerungspraxis von Wandel- und Aktienanleihen vor Inkrafttreten des JStG 2009 unter Berücksichtigung von Privat- und Betriebsvermögen.
TEIL 3: ÄDERUG DURCH DAS JSTG 2009 UD KRITISCHE WÜRDIGUG UD VERBESSERUGSVORSCHLÄGE: Der letzte Teil untersucht die Auswirkungen des JStG 2009, kritisiert die resultierende steuerliche Praxis und entwirft ein alternatives Besteuerungsmodell, das die ökonomischen Gegebenheiten besser widerspiegelt.
Schlüsselwörter
Wandelanleihe, Aktienanleihe, JStG 2009, Abgeltungssteuer, Steuergerechtigkeit, Leistungsfähigkeitsprinzip, Finanzinnovationen, Nettoprinzip, Realisationsprinzip, Betriebsvermögen, Privatvermögen, Besteuerung, Kapitalerträge, Strukturierte Finanzprodukte, Entscheidungsneutralität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der steuerlichen Behandlung von Wandel- und Aktienanleihen unter Berücksichtigung des deutschen Steuerrechts, insbesondere der Auswirkungen des Jahressteuergesetzes 2009.
Welche sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der finanzwirtschaftlichen Analyse hybrider Finanzinstrumente, der Abgrenzung von Privat- und Betriebsvermögen im Steuerrecht sowie der kritischen Prüfung steuerlicher Neuregelungen durch das JStG 2009.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, die steuerlichen Konsequenzen für Wandel- und Aktienanleihen zu vergleichen und zu untersuchen, inwieweit die gesetzlichen Änderungen den Prinzipien einer sachgerechten Besteuerung, wie der Steuergerechtigkeit, entsprechen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive Analyse der aktuellen Rechtslage sowie eine kritische Würdigung anhand eines ökonomischen Referenzrahmens, der aus grundlegenden Besteuerungsprinzipien abgeleitet wird.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Besteuerung vor und nach dem JStG 2009 in Privat- und Betriebsvermögen, führt einen Vergleich der Anleiheformen durch und entwickelt ein alternatives Besteuerungsmodell basierend auf der Zerlegung der Anleihekomponenten.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die wesentlichen Begriffe sind Wandelanleihe, Aktienanleihe, JStG 2009, Abgeltungssteuer, Steuergerechtigkeit, Leistungsfähigkeitsprinzip und Finanzinnovationen.
Wie unterscheidet sich die Besteuerung von Wandelanleihen von der von Aktienanleihen vor dem JStG 2009?
Vor dem JStG 2009 wurden beide Produkte steuerlich unterschiedlich behandelt, da Aktienanleihen als Finanzinnovationen eingeordnet wurden, während Wandelanleihen diese Einstufung nicht erfuhren.
Was kritisiert der Autor an der Neuregelung durch das JStG 2009?
Der Autor kritisiert unter anderem die Schedularisierung der Verlustverrechnung und die steuerliche Behandlung von Andienungsverlusten, die zu Verzerrungen der Steuerbemessungsgrundlage und Verstößen gegen das Leistungsfähigkeits- sowie Nettoprinzip führen.
Welchen Lösungsvorschlag bringt der Autor für die Besteuerungsproblematik?
Der Autor schlägt ein Besteuerungsmodell vor, das auf der Zerlegung der Wandelanleihe in ihre ökonomischen Komponenten (Anleihe und Option) basiert, um eine sachgerechte Verrechnung von Aufwendungen und Einnahmen zu ermöglichen.
- Citation du texte
- Florian Schelter (Auteur), 2009, Wandelanleihen und Aktienanleihen im Ertragssteuerrecht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132781