Iranische Revolution - Chronologie und Ereignisse


Essay, 2008
23 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Die Iranische Revolution – Chronologie und Ereignisse
Ursachen
Die Modernisierung
Der Ölboom
Die Diktatur des Schahs
Abhängigkeit vom Ausland
Der Schah

Der Sturz des Schahs

Vom Sieg über den Schah zum Sieg des Fundamentalismus

Internationalisierung und Radikalisierung

Der Krieg mit dem Irak

Das Ende der Revolution

Die Iranische Revolution – Chronologie und Ereignisse

Ursachen

Wie jede Revolution hat auch die iranische eine komplexe Ursachenstruktur. Ich beschränke mich hier – etwas simplifizierend – auf die kurze Schilderung von fünf Faktoren, welche zur Auslösung und zum Ablauf der Revolution beitrugen. Diese Faktoren lassen sich nicht immer klar voneinander abgrenzen und sind interdependent, d.h., sie beeinflussen und verstärken sich gegenseitig. Es sind dies die Konsequenzen der forcierten Modernisierung Irans; damit eng verbunden die besonderen Auswirkungen des Ölbooms der siebziger Jahre; die Diktatur des Schahs; die Abhängigkeit des Regimes vom Ausland, insbesondere von den USA; und schliesslich die Persönlichkeit des Schahs selbst.

Die Modernisierung

Am Vorabend der Revolution galt der Iran vielen als die modernste und aufgeschlossenste, wenn Sie so wollen, als die westlichste Gesellschaft im Nahen Osten – wenigstens erschien es oberflächlich so. Wie im Falle von anderen Gesellschaften und Staaten ausserhalb des europäisch-nordamerikanischen Raums hatte die Regierung des Irans auf die zunehmende Ausbreitung der Kolonialmächte im 19. Jahrhundert mit dem Versuch der eigenen Modernisierung reagiert – mit dem Ziel, dank einer Reform des Staatsapparats, inklusive der Armee, und einem Anschluss an westliche Technologie sich soweit selbst zu stärken, um dieser Expansion widerstehen zu können. Das Ziel, nicht kolonisiert zu werden, wurde wenigstens ansatzweise erreicht, da Iran formell nie zur westlichen Kolonie wurde – wobei dies allerdings weniger der Stärke Irans, als vielmehr den Interessengegensätze der Kolonialmächte Russland und Grossbritannien zu verdanken war, in deren beider Interesse es letztlich lag, eine neutrale Pufferzone zwischen den jeweiligen Reichsgrenzen zu belassen – Iran war, wie Afghanistan, eine dieser neutralen Pufferzonen. Die Modernisierung von Staat und Gesellschaft blieb im Iran, nicht zuletzt wegen den Intrigen und Einmischungen der Kolonialmächte, in Ansätzen stecken. 1925 putschte sich gegen den schwachen König der Dynastie der Kadscharen, welche den Thron seit dem Ende 18. Jahrhunderts besetzte, ein Armeeoffizier namens Reza Khan an die Macht. Er war von den Reform- und Modernisierungsidee Mustafa Kemal Atatürks in der benachbarten Türkei begeistert und wollte sein Land gleichermassen einer forcierten Erneuerung unterziehen. Er war dabei nicht ohne Erfolg, doch 1941 musste Reza Khan, der sich nun Reza Schah nannte, auf britischen und sowjetischen Druck abdanken, weil er pro-deutsch eingestellt war. Knapp 20 Jahre später kündigte sein Sohn und Nachfolger Mohammad Reza ein neues Modernisierungsprogramm an. Er nannte es die „Weisse Revolution“ – „weiss“, weil von ihm, einem Monarchen ausgelöst, im Gegensatz zu der „roten“ Revolution, welche die Kommunisten anstrebten. Ausgangspunkt dieser Revolution war eine umfassend Landreform; denn über ein Drittel des bebaubaren Landes im Iran – und das sind knapp 20 % der Fläche – befand sich in den Händen von wenigen Familien, darunter auch jener des Schahs selbst. Die Weisse Revolution wurde aber schnell zu mehr als „nur“ eine Landreform: es ging um die Wiederaufnahme einer forcierten Modernisierung des Landes, verbunden mit der Gewährung des Stimmrechts an Frauen, die Bekämpfung des Analphabetentums, den Aufbau einer modernen Landwirtschaft und Industrie, Ansätze zu einer unentgeltlichen medizinischen Betreuung. Die Weissen Revolution löste im Land wenigstens bei Teilen der Bevölkerung echte Begeisterung aus und machte den vorher wenig beliebten Schah für eine Zeitlang populär. Aber es gab auch Widerstand, etwa seitens der Geistlichkeit, welche viele Landgüter besass und die ihr wirtschaftliche Unabhängigkeit vom Staat garantierten. Diese Unabhängigkeit war nun bedroht. verlor, die ihr bislang wirtschaftliche Unabhängigkeit vom Staat gesichert hatte. Ziel des Schahs war, Iran innert weniger Jahrzehnte aus dem – wie er es sah – Mittelalter in die Neuzeit zu katapultieren. Als nach 1973 noch ein scheinbar unermesslicher Finanzstrom durch die steigenden Öleinnahmen dazu kam, prahlte er damit, Iran werde im Jahr 2000 unter den führenden Industrienationen sein. Oberflächlich schien er Erfolg zu haben – das Bruttosozialprodukt des Landes stieg in den sechziger Jahren pro Jahr um 8 %, in den siebziger um über 13 %. Aber die Modernisierung hatte auch ihre Schattenseiten, und die waren beträchtlich. Die Landreform hatte nicht etwa zu einem Boom der Landwirtschaft geführt, im Gegenteil: viele der im Zuge der Landreform mit Boden beschenkten Bauern waren mit der Aufgabe überfordert und wanderten in die Städte ab. Teheran wuchs von 1960 bis 1980 von 1 auf 4.5 Millionen Einwohner. Die iranische Industrie hatte eine überaus geringe Produktivität und musste mit hohen Zöllen vor Importen geschützt werden. Die Wirtschaft des Landes war zunehmend auf das Öl ausgerichtet und damit viel stärker den Launen und Schwankungen der internationalen Preisbewegungen ausgeliefert. Vor allem aber hatte der Schah mit seiner forcierten Modernisierung weite Teile des Volkes überfordert. Es blieb kaum Zeit, die rasanten Veränderungen zu verdauen. Die Modernisierung führte zu Verunsicherung und Verwirrung. Die Geringschätzung der traditionellen Kultur durch den Schah und eine Clique neureicher Teheraner Parvenus, die protzig ihren Reichtum und ihren schlechten Geschmack zur Schau stellten, entfremdete das Regime einem Grossteil der auf ihre Geschichte und Kultur stolzen Bevölkerung. Die in die Städte gezogenen Bauern fanden oft keine Arbeit und keinen Lebensunterhalt und lebten unter ärmlichsten Bedingungen, die dem Anspruch des Schahs, das Land zu den entwickelten Nationen aufschliessen zu lassen, Hohn sprachen.

Der Ölboom

Führte die Modernisierung langfristig zu einem geistig-moralischen und ökonomischen Malaise für grosse Teile der Bevölkerung, wurde dies noch akzentuiert durch die negativen sozialen Auswirkungen des Ölbooms, der nach 1973 anbrach. Die Dollarschwemme führte zur Überhitzung der Wirtschaft und einer Inflationsrate, die zeitweise über 30 % lag. Der Graben zwischen Arm und Reich – immer schon ausgeprägt im Iran – verbreiterte und vertiefte sich weiter. Während die neureiche Oberschicht ungemein profitierte, frass die Inflation die Einkommen der Mittel- und Unterklasse auf. Im gleichen Ausmass breitete sich die Korruption aus und nahm immer groteskere und unverschämtere Züge an. Der Schah selbst führte einen mondänen Lebenswandel, mit regelmässigen Skiferien in St. Moritz, Frühlingsferien in St. Tropez und Sommerferien in Miami. Seine Popularität , welche er in den sechziger Jahre gewonnen hatte, löste sich zusehends auf.

Die Diktatur des Schahs

Die forcierte Modernisierung wäre wurden vollzogen durch eine zentralisierte, bürokratische und militarisierte Diktatur. Gerade die Weisse Revolution beseitigte auch zahlreiche intermediäre Machtträger, welche bislang die Herrschaft des Schah eingeschränkt und beschränkt hatten – die Grossgrundbesitzer, die Stammesfürsten, die traditionelle Kaufmannsschaft des Bazars und natürlich den Klerus. Den Widerstand gegen die Weisse Revolution, vor allem eine 1963 von der Geistlichkeit getragene Revolte, wurde von der Regierung gewaltsam und mit Hilfe der Armee unterdrückt. Der Absolutismus des Schahs war nun ungebrochen, und er regierte mit eiserner Faust. Zehntausende wurden ins Gefängnis geworfen, oft auch gefoltert. Die Liste der Gegner des Schahs war lang: Kommunisten, Nationalisten, Islamisten, Vertreter ethnischer Minderheiten, wie der Kurden; seit der Weissen Revolution zudem grosse Teile der Geistlichkeit. Zwar war das Regime, bei aller Brutalität im Einzelnen, sicherlich nicht das grausamste, das damals existierte. Wer sich nicht um Politik kümmerte, und über das nötige Kleingeld verfügte, konnte ein relativ unbehelligtes Leben führen. Das waren allerdings nicht allzu viele, und der gefürchtete Geheimdienst SAVAK war fast omnipräsent.

Abhängigkeit vom Ausland

Wie bereits erwähnt, war Iran nie offiziell eine westliche Kolonie. Der Einfluss ausländischer Mächte war dennoch immer beträchtlich gewesen, und die Stellung Irans als gewichtiger Ölproduzent und –exporteur förderte das Interesse der Grossmächte im 20. Jahrhundert noch mehr. 1951 verstaatlichte der iranische Ministerpräsident Mohammad Mossadegh das Öl, das vorher aufgrund einer noch von den Kadscharen erteilten Lizenz weitgehend in den Händen der britischen Gesellschaft Anglo-Iranian Oil Company (der heutigen BP) gelegen hatte. Mossadegh war kein Kommunist, wohl aber ein Nationalist; seine Aktion führte zum Konflikt mit den Briten, aber auch mit dem Schah. Letzterer flüchtete schliesslich aus dem Land. 1953 putschte, mit britischer und amerikanischer Unterstützung, die Armee erfolgreich gegen Mossadegh; dieser wurde gestürzt und der Schah kehrte zurück. Die USA gewannen ab jetzt zunehmend an Einfluss und der Schah stellte sich im Kalten Krieg ins westliche Lager, unterstützte die amerikanische Politik in jeder Hinsicht. Mit den Einnahmen aus dem Ölexport verfügte er auch über die Mittel, um die eigene Armee hochzurüsten. Eine Zeitlang figurierte der Iran unter den wichtigsten Waffeneinkäufern der Welt; seine Streitkräfte wurden mit dem modernsten westlichen Material ausgerüstet. Um dieses Material zu warten bzw. die oft nach wie vor aus einfachen Verhältnissen stammenden Soldaten an den komplizierten Geräten auszubilden, wurden amerikanische militärische und zivile Berater ins Land geholt. 1977 waren 41'000 von ihnen mit ihren Familien, und mit diplomatischer Immunität versehen, im Iran stationiert. So sehr viele Iraner auch über den Aufstieg ihres Landes stolz waren, so wenig behagte ihnen die Rolle eines Erfüllungsgehilfen des Westens. Und angesichts andauernder Armut zuhause fragten sich viele, ob die Milliardenkäufe von Waffen wirklich notwendig waren.

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Details

Titel
Iranische Revolution - Chronologie und Ereignisse
Hochschule
Universität Zürich
Veranstaltung
Master of Advanced Studies in Applied History
Autor
Jahr
2008
Seiten
23
Katalognummer
V132818
ISBN (eBook)
9783640401420
ISBN (Buch)
9783640401178
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Iranische, Revolution, Chronologie, Ereignisse
Arbeit zitieren
Dr. phil. hist. Rolf Tanner (Autor), 2008, Iranische Revolution - Chronologie und Ereignisse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132818

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