Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit widmet sich dem Problem der „falschen Freunde (des Übersetzers)“ unter besonderer Berücksichtigung des theoretischen Blickwinkels auf diese sprachliche Erscheinung. Die theoretische Auseinandersetzung mit diesem komplexen Thema wird durch Beispiele aus unterschiedlichen Sprachenpaaren ergänzt, damit deutlich wird, dass „faux amis“ sowohl in genetisch verwandten, als auch nicht miteinander nah verwandten Sprachen vorkommen können. Das ist auch wichtig unter dem Aspekt der Interkomprehension, deren Methode Sprachbenutzer mit diversen Brückensprachen verwenden, um zusätzliche Kompetenzen in einer (weiteren) Fremdsprache zu erwerben.
Die Gliederung der Arbeit umfasst acht Punkte. Da dieses sprachwissenschaftliche Problem sehr breit gefächert ist, war eine Einschränkung auf einige Themenbereiche nötig. Zunächst wird auf die begriffliche Vielfalt und terminologische Definition der „falschen Freunde“ eingegangen. Dann geben die auf Fehlertypen beruhenden Sprachmodelle erste Einblicke in die anschließende Klassifikation, die auf vier Divergenzen, nämlich den semantischen, formalen, grammatischen sowie syntaktischen, beruht. Folgend werden Arten interlingualer Bedeutungsrelation und die Beziehung zwischen Internationalismen und „falschen Freunden“ analysiert. Eigene Überlegungen zum Umgang mit dieser sprachwissenschaftlichen Erscheinung innerhalb der Interkomprehension schließen den Hauptteil der Hausarbeit ab.
Alle Zitate und Beispielwörter wurden nicht transliteriert, sondern in der Beschreibungssprache bzw. Sprache des Originals belassen.
Die vorliegende Hausarbeit verfolgte das Ziel, zu verdeutlichen, dass es sich sowohl aus theoretischer Perspektive als auch praktischen Gründen lohnt, diesem Problem große Aufmerksamkeit zu schenken. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema zeigt auch, dass die „falschen Freunde“ nicht nur als eine unerschöpfliche Fehlerquelle und somit auch als Hindernis beim Erwerb von Sprachkenntnissen betrachtet werden dürfen, sondern in vieler Hinsicht als eine Bereicherung.
Die Aktualität des zu untersuchenden Themas besteht darin, dass man im zusammenwachsenden und zunehmend mehrsprachigen Europa nicht auf Kosten des Sprachverständnisses an seiner Einsprachigkeit festhalten, sondern u. a. die Interkomprehensionsmethode dazu nutzen sollte, sich sprachlich fortzubilden und damit auch kulturell weiterzuentwickeln.
Inhaltsverzeichnis
1. Terminologischer Ursprung und begriffliche Vielfalt
2. Das Problem der terminologischen Definition
3. Die auf Fehlertypen beruhenden Sprachmodelle
4. Klassifikationen von „falschen Freunden“
4.1. Semantische Gruppe
4.2. Formale Kategorie
4.3. Grammatische Divergenzen
4.4. Syntaktische Unterschiede
5. Arten interlingualer Bedeutungsrelationen zwischen „falschen Freunden“
6. „Falsche Freunde“ und Internationalismen
7. Die trügerische Nähe
8. Der Umgang mit „falschen Freunden“ innerhalb der Interkomprehensionsmethode
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das linguistische Phänomen der „falschen Freunde“ unter theoretischen Gesichtspunkten und beleuchtet deren Relevanz für die Interkomprehensionsmethode. Dabei wird verdeutlicht, dass diese zwar eine Fehlerquelle darstellen, bei bewusster Auseinandersetzung jedoch als Bereicherung beim Spracherwerb und der kulturellen Weiterentwicklung im mehrsprachigen Europa dienen können.
- Terminologische Abgrenzung und definitorische Problematik
- Klassifikation anhand formaler, semantischer, grammatischer und syntaktischer Kriterien
- Analyse von interlingualen Bedeutungsrelationen
- Zusammenhang zwischen Internationalismen und „falschen Freunden“
- Methodischer Umgang mit Interferenzphänomenen im Kontext der Interkomprehension
Auszug aus dem Buch
4.1. Semantische Gruppe
Zunächst wird bei den semantischen „falschen Freunden“, deren Divergenzen bei gleicher oder ähnlicher Aussprache im Bereich der Bedeutung angesiedelt sind, eine Unterscheidung zwischen totalen (vollständigen) und partiellen unternommen.
Die ersten stellen Lexeme mit komplett unterschiedlicher Bedeutung bei ähnlicher lautlicher Form dar, z. B. dt. Angel („Gerät zum Fischfang“ und „Zapfen, an dem eine Tür befestigt ist“) – ukr. ангел („Engel“); dt. Krug („Gefäß zur Aufbewahrung einer Flüssigkeit“) – russ. круг („Kreis“); dt. Deputat (1. „zum Lohn oder Gehalt gehörende Sachleistung“; 2. „Anzahl der Unterrichtsstunden, die eine Lehrkraft zu geben hat“) – ukr. депутат (1. „vom Volk für eine festgelegte Zeit in eine parlamentarische Institution gewählte(r) Vertreter(in), Abgeordnete(r), Deputierte(r)“; 2. „jemand, der einen bestimmten Auftrag hat, Beauftragte(r)“) (vgl. Kiyko 2005, S. 81).
Im zweiten Fall, also bei partiellen „falschen Freunden“, handelt es sich um Wörter, die „neben mindestens einer unterschiedlichen Bedeutung auch eine Bedeutung gemeinsam“ haben (Bunčić 2000b, S. 16), d. h. zusätzliche Bedeutungsinhalte aufweisen, z. B. russ. век („Zeitalter, Jahrhundert“) – poln. wiek („das Alter“).
Kiyko (2005) beschreibt eine Einteilung von partiellen „falschen Freunden“ in einsprachige und zweisprachige. Die erstgenannten können dem Sprachbenutzer Probleme nur in einer Richtung bereiten (z. B. aus dem Deutschen ins Ukrainische), die letzten dagegen „können bei der Übersetzung in jede Richtung Interferenzfehler verursachen“ (Kiyko 2005, S. 81-82).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Terminologischer Ursprung und begriffliche Vielfalt: Das Kapitel erläutert die historische Herkunft des Begriffs „faux amis“ (1928) und stellt verschiedene synonyme Bezeichnungen in europäischen Sprachen vor.
2. Das Problem der terminologischen Definition: Hier wird die Uneinigkeit in der Linguistik bezüglich der metaphorischen Natur des Begriffs diskutiert und die Notwendigkeit von Präzision bei der Untersuchung von Interferenzfehlern hervorgehoben.
3. Die auf Fehlertypen beruhenden Sprachmodelle: Es werden drei Sprachmodelle vorgestellt, die auf falschen Kombinationen von Buchstaben, Bedeutung sowie Wortbild und Bedeutung basieren.
4. Klassifikationen von „falschen Freunden“: Dieses umfangreiche Kapitel unterteilt die Phänomene in semantische, formale, grammatische und syntaktische Gruppen, um die Komplexität der Fehlerquellen zu erfassen.
5. Arten interlingualer Bedeutungsrelationen zwischen „falschen Freunden“: Das Kapitel analysiert die interlexikalischen Relationen auf Ebene der Gesamt- und Einzelbedeutung, etwa durch Privativität oder Kontrarität.
6. „Falsche Freunde“ und Internationalismen: Hier wird das Verhältnis von Internationalismen zu „falschen Freunden“ untersucht und geklärt, warum auch international weit verbreitete Begriffe oft „falsche Freunde“ verbergen.
7. Die trügerische Nähe: Das Kapitel erörtert, warum insbesondere genetisch verwandte Sprachen eine hohe Dichte an „trügerischen Verwandten“ aufweisen, die schwer zu bekämpfen sind.
8. Der Umgang mit „falschen Freunden“ innerhalb der Interkomprehensionsmethode: Zum Abschluss wird der bewusste Umgang mit Interferenzfehlern gefordert, um die Interkomprehension als Lernmethode effektiv zu nutzen.
Schlüsselwörter
falsche Freunde, Interkomprehension, Interferenzfehler, Sprachmodell, Semantik, formale Kategorie, Internationalismen, Sprachverwandtschaft, Lexeme, Bedeutungsrelation, Linguistik, Übersetzung, Wortbildung, kontrastive Linguistik, EuroComSlav
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Phänomen der „falschen Freunde“ (faux amis) als linguistisches Problem und untersucht deren Bedeutung im Kontext der Interkomprehensionsmethode, insbesondere für das Erlernen slawischer Sprachen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die Definitionsproblematik, die Klassifikation nach verschiedenen Sprachmodellen (semantisch, formal, grammatisch, syntaktisch) sowie das Verhältnis zu Internationalismen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass „falsche Freunde“ nicht nur als Hindernis beim Spracherwerb gesehen werden dürfen, sondern durch methodisches Bewusstsein in eine Bereicherung für das Sprachverständnis umgewandelt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine theoretisch-linguistische Analyse, die kontrastive Beispiele aus verschiedenen Sprachenpaaren (insbesondere slawisch, germanisch, romanisch) heranzieht und bestehende Forschungsergebnisse zusammenführt.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsbestimmung, die detaillierte Klassifikation der Divergenzen, die Analyse der interlingualen Bedeutungsrelationen und die Verknüpfung mit der Internationalismus-Forschung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Interferenzfehler, „falsche Freunde“, Interkomprehension, Sprachmodell, semantische Divergenz und Internationalismen.
Warum sind gerade die slawischen Sprachen für diese Untersuchung relevant?
Da slawische Sprachen oft einen hohen Anteil an gemeinsamen Wurzeln aufweisen, ist die Verwechslungsgefahr durch „trügerische Nähe“ besonders hoch, was das Thema für die Interkomprehensionsmethode (z. B. EuroComSlav) hochaktuell macht.
Wie definiert die Autorin den Begriff der „falschen Freunde“?
Gestützt auf Kiyko (2005) definiert sie diese als Wörter, die in zwei oder mehreren Sprachen vorkommen, formale Ähnlichkeit aufweisen, meist eine gemeinsame Herkunft haben und eine bedeutende Interferenzquelle darstellen.
Was sind „echte Freunde“ im Kontext der Arbeit?
Dabei handelt es sich um interlinguale Analogographe, die eine völlige Bedeutungsäquivalenz aufweisen. Die Arbeit kommt jedoch zu dem Schluss, dass solche „echten Freunde“ im direkten Vergleich oft seltener sind als vermutet.
Welche Empfehlung gibt die Autorin für den Fremdsprachenunterricht?
Die Autorin empfiehlt, Interferenzphänomene nicht zu ignorieren, sondern durch „schwarze Listen“ oder gezieltes Training im Rahmen der Interkomprehensionsmethode bewusst zu machen, um so die Sprachkompetenz nachhaltig zu verbessern.
- Citation du texte
- M.A., Mag. Oksana Czarny (Auteur), 2008, Die "falschen Freunde" auf dem Weg zur Interkomprehension, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132823