Vergleichende Analyse der Verbalsubstantive im Polnischen, Russischen und Ukrainischen


Hausarbeit, 2008
24 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

EINLEITUNG

1. Die Charakteristik der Wortbildung von Verbalsubstantiven

2. Anwendungsgebiete und Funktionsbereiche von Deverbativa
2.1. Sprachlicher Gebrauch
2.2. Funktionale Besonderheiten
2.3. Austauschbare Anwendung von Verbalsubstantiv und Infinitiv

3. Numerus als nominale grammatische Kategorie

4. Die verbalen grammatischen Kategorien
4.1. Reflexivität
4.2. Aspekt

SCHLUSSFOLGERUNGEN

LITERATURVERZEICHNIS

EINLEITUNG

Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit widmet sich dem Problem der Verbalsubstantive und ist als vergleichende Analyse in den Slavinen Polnisch, Russisch und Ukrainisch konzipiert. Da diese sprachliche Erscheinung ziemlich breit gefächert und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu erforschen ist, war eine Einschränkung auf einige Themenbereiche notwendig, welche meinerseits besonderes Interesse erweckten.

Die Gliederung dieser Arbeit umfasst im Hauptteil vier Punkte. Zunächst wird einleitend die Charakteristik unterschiedlicher Wortbildungstypen von Verbalsubstantiven dargestellt. Dann wird auf ihre sprachlichen Anwendungsgebiete sowie die Besonderheiten ihrer Funktionsweise eingegangen. Folgend findet eine Analyse des Numerus als nominaler grammatischer Kategorie von deverbalen Nomen statt. Die Schilderung der verbalen Kategorie der Reflexivität sowie kontrastive Erläuterungen zum Aspekt in allen drei slawischen Sprachen schließen den Hauptteil der Hausarbeit ab.

Was die Begrifflichkeiten angeht, so besitzt der deutsche Terminus „Verbalsubstantiv“ folgende Entsprechungen: im Polnischen „rzeczownik odczasownikowy“, im Russischen „отглагольное существительное“ und im Ukrainischen „віддієслівний іменник“.

Das Interesse für die Erforschung dieses sprachlichen Phänomens ist in der wissenschaftlichen Diskussion darauf zurückzuführen, dass in den Verbalsubstantiven durch die Umwandlung des lexikalischen Inhalts des Verbs in eine substantivische Form sowohl verbale als auch nominale Eigenschaften vereint und schließlich bewahrt werden. Außerdem bestehen zwischen dem Ausgangsverb und dem abgeleiteten Verbalsubstantiv zahlreiche Gemeinsamkeiten auf der inhaltlichen Seite.

Die beiden zur Verfügung stehenden deverbalen Ableitungstypen sind im polnischen, russischen und ukrainischen Sprachgebrauch sowohl quantitativ als auch qualitativ vergleichsweise ähnlich vertreten. Die Suffixe –nie, – ние /– нье und – ння sind bei der Derivation äußerst produktiv, da sie eine sehr hohe Anzahl an Bildungen unterschiedlicher Art hervorgebracht haben. Dieser Derivationstyp zeichnet sich in allen drei Slavinen zudem durch eine formale Beständigkeit im Laufe der historischen Entwicklung aus. Dagegen sind Deverbativa auf –cie, – тие /– тьё und – ття zwar aktiv, aber viel weniger gebräuchlich. Aus diesem Grund wird in dieser Arbeit eine vornehmliche Aufmerksamkeit der ersten Ableitungsmöglichkeit geschenkt.

Die theoretische Auseinandersetzung mit diesem komplexen Thema wird durch zahlreiche Beispielwörter und -sätze aus den jeweiligen Slavinen ergänzt, wobei diese nicht transliteriert, sondern in der Sprache des Originals beibehalten werden.

1. Die Charakteristik der Wortbildung von Verbalsubstantiven

Im Polnischen können Verbalsubstantive auf –nie und –cie prinzipiell von allen Verben (mit wenigen Ausnahmefällen) abgeleitet werden. Die Schilderung der Bildung von Deverbativa beruht auf den Abhandlungen in polnischen Grammatiken (siehe Skibicki 2007: 405-408; Bartnicka 2004: 444-445; Urbańczyk 1984: 336).

Zunächst werden Verbalsubstantive mit dem Suffix –NIE betrachtet. Sie werden von Infinitiven des Ausgangsverbs auf –ać, –ić/–yć und –eć gebildet. Nach dem Weglassen der Infinitivendung – ć wird das Formativ –nie bei den Verben auf –ać an das auslautende –a– angefügt: brać – branie, czytać – czytanie, dawać – dawanie, malować – malowanie, pisać – pisanie, spać – spanie. Bei den Verben auf –ić/–yć und –eć fallen die auslautenden Infinitivendungen weg, wobei an den verbleibenden Stamm das erweiterte Suffix –enie angegliedert wird, z. B. Verben auf –ić: kupić – kupienie, mówić – mówienie, nosić – noszenie, kosić – koszenie, chodzić – chodzenie, jeździć – jeżdżenie, grozić – grożenie; Verben auf –yć: włożyć – włożenie, liczyć – liczenie, suszyć – suszenie, tworzyć – tworzenie; Verben auf –eć: myśleć – myślenie, rozumieć – rozumienie, szumieć – szumienie, słyszeć – słyszenie. In einigen genannten Beispielen wurde die Substantivierung der Verben von Alternationen im Stamm begleitet. Eine weitere Besonderheit weisen Verben mit einem Vokal vor dem auslautenden –ić auf, die darin besteht, dass zwischen dem Formativ –enie und dem Stammvokal der Buchstabe –j eingefügt wird, wie dies in den Wortpaaren kleić – klejenie und kroić – krojenie deutlich wird. Mit Hilfe des erweiterten Suffixes –enie werden auch Deverbativa von Verben gebildet, die auf – nąć auslauten, z. B. pragnąć – pragnienie, łaknąć – łaknienie. Zuletzt nehmen Verben dieses Formativ ohne Stammsuffix an: nieść – niesienie, gryźć –
gryzienie, paść – pasienie, wieźć – wiezienie.

Ableitungen mit dem Suffix –CIE werden mit einer gewissen Regelmäßigkeit von Verben vollzogen, die auf –ąć bzw. – nąć enden, wobei in der auslautenden Silbe bei der Suffigierung der Vokalwandel von –ą– zu –ę– stattfindet, z. B. zacząć – zaczęcie, stuknąć – stuknięcie, ciągnąć – ciągnięcie. Ebenso weisen Verben vom Typ drzeć und trzeć bei der Suffigierung eine lautliche Veränderung im Stamm auf, deren neu gebildeter Stammvokal auf die Form des Präteritums zurückzuführen ist: drzeć – darłdarcie und trzeć – tarł – tarcie. Des Weiteren erfolgt die Substantivierung mit dem Formativ –cie von einsilbigen Ausgangsverben auf –ić, –yć und –uć, jedoch ohne jeglichen Lautwechsel in der Stammsilbe: pić – picie, być – bycie, myć – mycie, czuć – czucie, kuć – kucie.

Sowohl bei Ableitungen mit dem Suffix –nie als auch mit –cie kommen homonymische Bildungen mit doppelter oder gar dreifacher Bedeutung vor, wie z. B. pranie (prać) – „das Waschen“ und „die im Waschprozess befindliche Wäsche“; wzięcie (wzią ć ) – „das Nehmen“ und „der Erfolg“; zajęcie (zają ć ) – „das Einnehmen“ und „die Beschäftigung“; siedzenie (siedzieć) – „das Sitzen“, „der Sitz“ und „das Gesäß“ (Skibicki 2007: 409).

Es existieren im Polnischen allerdings wenige Verbgruppen, die die Möglichkeit zur Bildung von Verbalsubstantiven auf –nie oder –cie nicht besitzen, was jedoch keine formalen Gründe hat, sondern im Laufe der historischen Entwicklung zustande kam. Die Behandlung der Ausnahmebereiche findet Niederschlag in zahlreichen Grammatiken und Abhandlungen (vgl. Urbańczyk 1984: 336; Bartnicka 2004: 445; Skibicki 2007: 409; Skoplev 2006: 138), die jedoch einzeln betrachtet keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben können.

Zunächst können keine Deverbativa von Modalauxiliaren wie móc, umieć, potrafić, musieć, woleć, zdołać sowie von einigen Verben mit verwandter Semantik wie mieć, wiedzieć, pomóc gebildet werden. Des Weiteren können einige unpersönliche Verben, die in der 3. Person Singular gebraucht werden, wie braknąć, starczyć, świtać, grzmieć keine Substantivierungen auf –nie/–cie vollziehen. Das betrifft auch die Verben iść und siąść mit den Varianten usiąść, wysiąść. Die fehlende Bildung von Verbalsubstantiven bei den Verben auf –eć wie boleć, bieleć und zielenieć ist u. a. darauf zurückzuführen, dass die Gefahr homonymischer Formbildung besteht und die Nomen letztendlich als zweideutig oder irreführend aufgefasst werden können. Als Beispiel kann man die Verben zielenić und zielenieć anführen, die bei der Suffigierung dasselbe Wort *zielenienie bilden würden.

Mit der Bildung von russischen Verbalsubstantiven befassten sich außer zahlreichen Grammatiken der russischen Sprache auch ausführlich die Sprachwissenschaftlerinnen Dulewiczowa (1976: 41-63) und Müncho (1995: 43-67).

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Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Vergleichende Analyse der Verbalsubstantive im Polnischen, Russischen und Ukrainischen
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
24
Katalognummer
V132824
ISBN (eBook)
9783640488629
Dateigröße
595 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergleichende, Analyse, Verbalsubstantive, Polnischen, Russischen, Ukrainischen
Arbeit zitieren
M.A., Mag. Oksana Czarny (Autor), 2008, Vergleichende Analyse der Verbalsubstantive im Polnischen, Russischen und Ukrainischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132824

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