Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit widmet sich dem Problem der Verbalsubstantive und ist als vergleichende Analyse in den Slavinen Polnisch, Russisch und Ukrainisch konzipiert. Da diese sprachliche Erscheinung ziemlich breit gefächert und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu erforschen ist, war eine Einschränkung auf einige Themenbereiche notwendig, welche meinerseits besonderes Interesse erweckten.
Die Gliederung dieser Arbeit umfasst im Hauptteil vier Punkte. Zunächst wird einleitend die Charakteristik unterschiedlicher Wortbildungstypen von Verbalsubstantiven dargestellt. Dann wird auf ihre sprachlichen Anwendungsgebiete sowie die Besonderheiten ihrer Funktionsweise eingegangen. Folgend findet eine Analyse des Numerus als nominaler grammatischer Kategorie von deverbalen Nomen statt. Die Schilderung der verbalen Kategorie der Reflexivität sowie kontrastive Erläuterungen zum Aspekt in allen drei slawischen Sprachen schließen den Hauptteil der Hausarbeit ab.
Das Interesse für die Erforschung dieses sprachlichen Phänomens ist in der wissenschaftlichen Diskussion darauf zurückzuführen, dass in den Verbalsubstantiven durch die Umwandlung des lexikalischen Inhalts des Verbs in eine substantivische Form sowohl verbale als auch nominale Eigenschaften vereint und schließlich bewahrt werden. Außerdem bestehen zwischen dem Ausgangsverb und dem abgeleiteten Verbalsubstantiv zahlreiche Gemeinsamkeiten auf der inhaltlichen Seite.
Die beiden zur Verfügung stehenden deverbalen Ableitungstypen sind im polnischen, russischen und ukrainischen Sprachgebrauch sowohl quantitativ als auch qualitativ vergleichsweise ähnlich vertreten. Die Suffixe –nie, –ние/–нье und –ння sind bei der Derivation äußerst produktiv, da sie eine sehr hohe Anzahl an Bildungen unterschiedlicher Art hervorgebracht haben. Dieser Derivationstyp zeichnet sich in allen drei Slavinen zudem durch eine formale Beständigkeit im Laufe der historischen Entwicklung aus. Dagegen sind Deverbativa auf –cie, –тие/–тьё und –ття zwar aktiv, aber viel weniger gebräuchlich. Aus diesem Grund wird in dieser Arbeit eine vornehmliche Aufmerksamkeit der ersten Ableitungsmöglichkeit geschenkt.
Die theoretische Auseinandersetzung mit diesem komplexen Thema wird durch zahlreiche Beispielwörter und -sätze aus den jeweiligen Slavinen ergänzt, wobei diese nicht transliteriert, sondern in der Sprache des Originals beibehalten werden.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
1. Die Charakteristik der Wortbildung von Verbalsubstantiven
2. Anwendungsgebiete und Funktionsbereiche von Deverbativa
2.1. Sprachlicher Gebrauch
2.2. Funktionale Besonderheiten
2.3. Austauschbare Anwendung von Verbalsubstantiv und Infinitiv
3. Numerus als nominale grammatische Kategorie
4. Die verbalen grammatischen Kategorien
4.1. Reflexivität
4.2. Aspekt
SCHLUSSFOLGERUNGEN
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, eine vergleichende Analyse der Verbalsubstantive im Polnischen, Russischen und Ukrainischen durchzuführen und die Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in der Wortbildung, Funktionalität und den grammatischen Kategorien dieser slawischen Sprachen aufzuzeigen.
- Vergleichende Analyse von Wortbildungstypen bei Verbalsubstantiven
- Untersuchung der funktionalen Anwendungsbereiche in verschiedenen Sprachstilen
- Analyse nominaler grammatischer Kategorien wie Numerus
- Kontrastive Untersuchung verbaler Kategorien, insbesondere Reflexivität und Aspekt
Auszug aus dem Buch
1. DIE CHARAKTERISTIK DER WORTBILDUNG VON VERBALSUBSTANTIVEN
Im Polnischen können Verbalsubstantive auf –nie und –cie prinzipiell von allen Verben (mit wenigen Ausnahmefällen) abgeleitet werden. Die Schilderung der Bildung von Deverbativa beruht auf den Abhandlungen in polnischen Grammatiken (siehe Skibicki 2007: 405-408; Bartnicka 2004: 444-445; Urbańczyk 1984: 336).
Zunächst werden Verbalsubstantive mit dem Suffix –NIE betrachtet. Sie werden von Infinitiven des Ausgangsverbs auf –ać, –ić/–yć und –eć gebildet. Nach dem Weglassen der Infinitivendung –ć wird das Formativ –nie bei den Verben auf –ać an das auslautende –a– angefügt: brać – branie, czytać – czytanie, dawać – dawanie, malować – malowanie, pisać – pisanie, spać – spanie. Bei den Verben auf –ić/–yć und –eć fallen die auslautenden Infinitivendungen weg, wobei an den verbleibenden Stamm das erweiterte Suffix –enie angegliedert wird, z. B. Verben auf –ić: kupić – kupienie, mówić – mówienie, nosić – noszenie, kosić – koszenie, chodzić – chodzenie, jeździć – jeżdżenie, grozić – grożenie; Verben auf –yć: włożyć – włożenie, liczyć – liczenie, suszyć – suszenie, tworzyć – tworzenie; Verben auf –eć: myśleć – myślenie, rozumieć – rozumienie, szumieć – szumienie, słyszeć – słyszenie. In einigen genannten Beispielen wurde die Substantivierung der Verben von Alternationen im Stamm begleitet. Eine weitere Besonderheit weisen Verben mit einem Vokal vor dem auslautenden –ić auf, die darin besteht, dass zwischen dem Formativ –enie und dem Stammvokal der Buchstabe –j eingefügt wird, wie dies in den Wortpaaren kleić – klejenie und kroić – krojenie deutlich wird. Mit Hilfe des erweiterten Suffixes –enie werden auch Deverbativa von Verben gebildet, die auf –nąć auslauten, z. B. pragnąć – pragnienie, łaknąć – łaknienie. Zuletzt nehmen Verben dieses Formativ ohne Stammsuffix an: nieść – niesienie, gryźć – gryzienie, paść – pasienie, wieźć – wiezienie.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Charakteristik der Wortbildung von Verbalsubstantiven: Dieses Kapitel erläutert die morphologischen Grundlagen der Ableitung von Verbalsubstantiven aus Verben in den drei untersuchten slawischen Sprachen unter Einbezug von Suffixen und Stammalternationen.
2. Anwendungsgebiete und Funktionsbereiche von Deverbativa: Hier werden die Einsatzmöglichkeiten von Verbalsubstantiven in Fachsprache und Presse sowie ihre syntaktischen Funktionen und die Austauschbarkeit mit dem Infinitiv analysiert.
3. Numerus als nominale grammatische Kategorie: Das Kapitel befasst sich mit der seltenen Pluralbildung bei Verbalsubstantiven und analysiert, unter welchen Kontextbedingungen der Plural im Polnischen, Russischen und Ukrainischen vorkommt.
4. Die verbalen grammatischen Kategorien: Dieses zentrale Kapitel untersucht die Kategorien Reflexivität und Aspekt in den Verbalsubstantiven, wobei insbesondere auf die Unterschiede zwischen dem Polnischen und den ostslawischen Sprachen eingegangen wird.
Schlüsselwörter
Verbalsubstantive, Deverbativa, Slawische Sprachen, Polnisch, Russisch, Ukrainisch, Wortbildung, Nomina Actionis, Verbalsuffixe, Aspekt, Reflexivität, Sprachvergleich, Grammatik, Nominalisierung, Morphologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine vergleichende sprachwissenschaftliche Untersuchung von Verbalsubstantiven im Polnischen, Russischen und Ukrainischen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Wortbildung, den Anwendungsgebieten, der Verwendung von Numerus sowie den verbalen Kategorien Aspekt und Reflexivität in den genannten Sprachen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Derivation und Funktionalität von Deverbativa systematisch zu kontrastieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende linguistische Analyse, die auf vorhandenen Grammatiken und wissenschaftlichen Fachpublikationen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in vier Punkte: Wortbildung, Funktionsbereiche, numerale grammatische Kategorien sowie verbale Kategorien mit Fokus auf Reflexivität und Aspekt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Verbalsubstantive, Deverbativa, slawische Sprachgruppe, Aspektbildung, Wortbildungsmorphologie und Nominalisierung.
Wie unterscheidet sich die Reflexivität im Polnischen von der im Russischen oder Ukrainischen?
Im Polnischen bleibt die Reflexivpartikel "się" beim Verbalsubstantiv erhalten, während sie im Russischen und Ukrainischen im Ableitungsprozess verloren geht.
Welche Rolle spielt der Aspekt bei der Bildung von Verbalsubstantiven?
Der Aspekt ist ein entscheidendes Merkmal, wobei im Polnischen und Ukrainischen eine stärkere Bewahrung der aspektuellen Unterschiede durch Doppelbildungen feststellbar ist als im Russischen.
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- M.A., Mag. Oksana Czarny (Author), 2008, Vergleichende Analyse der Verbalsubstantive im Polnischen, Russischen und Ukrainischen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132824