Welche Merkmale kennzeichnet niederdeutsche Dialektsprachigkeit und wie lässt sich mit dieser Sprachvarietät effizient im Schulunterricht verfahren?

Eine Ausarbeitung um didaktische und methodische Aspekte zu ermitteln und Unterschiede hervorzuheben


Hausarbeit, 2006

15 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte des Niederdeutschen

3. Merkmale des Niederdeutschen und Divergenzen zur Standardsprache

4. Situation der Dialektsprachigkeit heute

5. Zur Entstehung der Interferenzfehler in der Schule

6. Schwerpunkte für eine dialektbedingte Didaktik

7. Fazit

8. Literatur

1. Einleitung

Einen sehr gewichtigen Schwerpunkt und einen interessanten Aspekt in der Sprachgeschichte setzen die verschiedenen Ausprägungsformen von Sprache. Um die Entstehung von Sprache zu verstehen und regionale Ausprägungen nachvollziehen zu können ist es relevant die historischen und gegenwärtigen Sprachvarietäten mit ihren Merkmalen zu kennen. Einen gewaltigen Aspekt zeigt hier die niederdeutsche Sprachform auf, welche überwiegend als Mundart in Deutschland sehr ausgeprägt existiert. Hinsichtlich des aktiven Sprachgebrauchs lässt sich ein Nord- Süd Gefälle unterscheiden. Nach einer GETAS- Umfrage lässt sich nachweisen, dass im nördlichen Niederdeutschen ca. 65 % Niederdeutsch sprechen und im südlichen Niederdeutschen 46%.[1] Also nach wie vor ein großer Teil der Bevölkerung, wobei die Dialektsprachigkeit regionsspezifisch unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Weiterhin wurde in den siebziger Jahren in Sprachbarrierediskussionen herausgearbeitet, dass die Dialektsprachigkeit oftmals zu Interferenzfehlern in der Standardsprache führt und dabei für viele Jugendliche und Kinder die Schul- und Berufschancen deutlich beeinträchtigt. Folgt man statistischen Erhebungen, so sind die Anteile dialektsprechender Schulkinder von Landschaft zu Landschaft sehr unterschiedlich ausgeprägt, insgesamt schwanken sie zwischen 18% in Nordrhein- Westfalen und 72% im Kreis Bamberg.[2]

Dieses sind Gründe dafür, dass ich es mir in meiner Seminararbeit zur Aufgabe gemacht habe, den Bezug des Niederdeutschen in Bezug der Interferenzfehlern in der Standardsprache herzustellen und im Endeffekt aus diesen Ausarbeitungen Lernziele und didaktische Vorgehensweisen für den Sprachunterricht bzw. Deutschunterricht abzuleiten. Obwohl diese Schwerpunkte sicherlich sehr viel Stoff für wissenschaftliche Ausarbeitungen liefern, werde ich mich nur auf die eben genannten Aspekte beziehen.

Die Gliederung der Seminararbeit folgt dermaßen, dass in der Einleitung Punkt 1 die Gewichtung der Themen in Bezug auf sprachgeschichtliche Aspekte dargestellt und die Vorgehensweise abgegrenzt und erläutert wird. In Punkt 2 erfolgt ein geschichtlicher Abriss zu der Entstehung des Niederdeutschen, um Herkunft der Dialekte nachvollziehen zu können. Der Punkt 3 soll einige markante Merkmale des Niederdeutschen und Divergenzen bezüglich der Standardsprache hervorheben, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede offensichtlicher zu machen. Ich werde nicht alle Divergenzen mit einbeziehen können, sondern lediglich nur diese, welche am schwergewichtigsten für das Themenfeld meiner Ausarbeitung sind. In Punkt 4 werde ich die Situation der Dialektsprachigkeit heutzutage darstellen, um deutlich zu machen, dass die Dialekte trotz der Standardsprache keinesfalls „ausgestorben sind“, sondern je nach Region immer noch unterschiedlich stark vertreten sind. Den Punkten 4.1.1 bis Punkt 4.1.3 möchte ich bestimmte Formen der Dialektsprachigkeit aufführen, um aufzuzeigen, inwiefern sich diese auf die Standardsprache auswirken können. Der Punkt 5 wird deutlich machen, wie es aufgrund der bis jetzt ausgearbeiteten Merkmale der Dialektsprachigkeit und Unterschieden in der Standardsprache zu Interferenzfehlern in der Schule kommen kann. Die Punkte 5.1.1 bis 5.1.5 zeigen noch einmal bestimmte Kategorien der Fehlerquellen und an Beispielen die gängigsten Interferenzfehler. Aufgrund dieser ganzen Vorüberlegungen soll in Punkt 6 ein Vorschlag für eine dialektbedingte Didaktik und bestimmte Lernziele im Schulunterricht erfolgen. Der Punkt 7 fasst die Ergebnisse der Ausarbeitung noch einmal konkret zusammen. Einen Nachweis, der zum Erstellen der Seminararbeit verwendeten Literatur, bietet Punkt 8.

2. Geschichte des Niederdeutschen

Das Niederdeutsch, welches im Norden Deutschlands gesprochen und geschrieben wird, hat eine mehr als eintausendjährige Geschichte. Diese Geschichte lässt sich grob in drei Epochen einteilen: das Altniederdeutsche oder Altsächsische (750- 1150), das Mittelniederdeutsche (1150- 1600) und das Neuniederdeutsche (ab 1600).[3] Ein erstes großes Textzeugnis aus dem 9. Jahrhundert ist das altniederdeutsche Heliand- Epos. Dieses Dokument ist das Zeugnis des Altniederdeutschen, sowohl aus sprach- als auch aus kulturwissenschaftlicher Sicht. Der Begriff Mittelniederdeutsch wurde von Jacob Grimm geprägt, man meint damit keine standardisierte Sprache, sondern einen Oberbegriff für mehrere miteinander verwandte Schreibsprachen. Charakteristisch für das Mittelniederdeutsch ist seine „schichtenspezifische Differenziertheit“[4]. Damit meint man die raumabhängige Gebrauchsweise der Sprache, wo die geschriebene eine andere Verbreitung hat, als die gesprochene. Die neuniederdeutsche Sprachform wird seit dem 16. Jahrhundert verwendet und lässt sich wiederum in einige temporär begrenzte Epochen einteilen. In der Gegenwart sprechen wir von der niederdeutschen Sprachform. Das Gebiet, indem das Niederdeutsche verbreitet ist, erstreckt sich in Deutschland von der niederdeutschen Staatsgrenze im Westen bis zur polnischen Staatsgrenze im Osten, von der dänischen Staatsgrenze und der Nord- und Ostseeküste im Norden bis zu einer binnendeutschen Linie im Süden, etwa zwischen dem Rothaargebirge und Frankfurt an der Oder. Durch Auswanderungen im 18. und 19. Jahrhundert, gibt es außerhalb Deutschlands niederdeutsche Sprachinseln.[5]

Es lassen sich, innerhalb des Niederdeutschen größere Dialektareale unterscheiden: in einer Nord- Süd Gliederung Nordniedersächsisch und Mecklenburgisch- Vorpommersch im Nordniederdeutschen sowie Westfälisch, Ostfälisch und Märkisch- Brandenburgisch im Südniederdeutschen; bei einer West- Ost Gliederung Westfälisch, Ostfälisch, Nordniedersächsisch (Westniederdeutsch) sowie Mecklenburgisch- Vorpommersch, Mittelpommersch und Märkisch- Brandenburgisch (Ostniederdeutsch).[6] Aufgrund bestimmter sprachlicher Kriterien lassen sich diese Dialektareale nochmals untergliedern. So kann man z.B. innerhalb des Nordniedersächsischen das Hamburgische, das Ostfriesische, das Emsländische, das Bremisch- Oldenburgische, das Holsteinische und das Schleswigsche unterscheiden. ( Siehe dazu Abbildung 1, Übersichtskarte zum niederdeutschen Sprachraum).

[...]


[1] Vgl. Lindow, Wolfgang: Zum heutigen Niederdeutsch. In: Niederdeutsche Grammatik. Hrsg. von U.-T. Lesle. Bremen: 1998. S. 20.

[2] Vgl. Braun, Peter: Sprachunterricht kontrastiv. In: Handbuch Deutschunterricht. Band 1. Sprachdidaktik. Hrsg. von: Peter Braun und Dieter Krallmann. Düsseldorf: 1983. S. 493.

[3] Vgl. Stellmacher, Dieter: Niederdeutsche Sprache. Bern: 1990. S. 19 - 22.

[4] Vgl. Peters, Robert: Das Mittelniederdeutsche als Sprache der Hanse. In: Sprachkontakt in der Hanse. Hrsg. von Ureland. Lübeck: 1986. S. 65.

[5] Vgl. Lindow, Wolfgang: Zum heutigen Niederdeutsch. In: Niederdeutsche Grammatik. Hrsg. von: U.- T. Lesle. Bremen: 1998. S. 18.

[6] Ebd. S.19.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Welche Merkmale kennzeichnet niederdeutsche Dialektsprachigkeit und wie lässt sich mit dieser Sprachvarietät effizient im Schulunterricht verfahren?
Untertitel
Eine Ausarbeitung um didaktische und methodische Aspekte zu ermitteln und Unterschiede hervorzuheben
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Germanistik)
Veranstaltung
Sprachgeschichte im Überblick
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V132851
ISBN (eBook)
9783640415373
ISBN (Buch)
9783640411818
Dateigröße
678 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Welche, Merkmale, Dialektsprachigkeit, Sprachvarietät, Schulunterricht, Eine, Ausarbeitung, Aspekte, Unterschiede
Arbeit zitieren
Jasmin Lippert (Autor), 2006, Welche Merkmale kennzeichnet niederdeutsche Dialektsprachigkeit und wie lässt sich mit dieser Sprachvarietät effizient im Schulunterricht verfahren? , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132851

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