Einen sehr gewichtigen Schwerpunkt und einen interessanten Aspekt in der Politikwissenschaft und den internationalen Beziehungen der Länder setzt die Sprachphilosophie. Um Gesetzestexte und institutionelle Regeln in unserer Gesellschaft zu hinterfragen und um wissenschaftliche Texte zu analysieren und zu interpretieren ist es relevant über Grundkenntnisse der Sprachphilosophie zu verfügen.
Zwei herausragende Theoretiker in der Sprachphilosophie sind Ludwig Wittgenstein und John R. Searle. Ich habe es mir in meiner Seminararbeit zur Aufgabe gemacht, zu untersuchen inwieweit die Regelkonzeptionen in den Theorien der Sprachphilosophie ineinander übergreifen, sich ergänzen, oder konträr zueinander stehen. Ich möchte Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausarbeiten und letztendlich einen Vergleich ziehen. Ich bemühe mich in meiner Ausarbeitung eigene Beispiele einzubringen, um damit dargestellte Aspekte transparenter zu machen. Obwohl die beiden Schwerpunkte sicherlich sehr viel Stoff für wissenschaftliche Ausarbeitungen und Abhandlungen liefern, werde ich mich nur auf zentrale Aspekte der Regelkonzeption beziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Regelkonzeption nach Wittgenstein
2.1 Regelkonzeption nach Searle
3. Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei der Regelkonzeption nach Wittgenstein und Searle
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die sprachphilosophischen Regelkonzeptionen von Ludwig Wittgenstein und John R. Searle, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihrem Verständnis von Regelfolgen und Sprachregeln herauszuarbeiten.
- Vergleich der theoretischen Grundlagen von Wittgenstein und Searle
- Analyse der Begriffe "regulativ" und "konstitutiv" bei Searle
- Untersuchung der Sprachspielregeln und Kalkülregeln bei Wittgenstein
- Darstellung der Rolle von Konventionen bei der Sprachverwendung
- Abgrenzung der Sprechakttheorie zur deskriptiven Sprachphilosophie
Auszug aus dem Buch
2. Vorstellung des Regelkonzepts nach Wittgenstein
Nach Wittgenstein ist „das Wissen um eine Regel keine notwendige Bedingung für ihre Befolgung.“1 Damit meint er, dass die Fähigkeit Wissen in Worte fassen zu können keine Voraussetzung ist für das Befolgen einer Regel, sondern dass Regeln ihre Existenzberechtigung in ihrer Anwendung erhalten. Ein Beispiel dafür könnte sein, dass ein Mensch anderen Menschen bei einem Tanz zusieht. Obwohl während des Tanzens nicht gesprochen wird und keiner der tanzenden Personen, der außenstehenden Person den Tanz erklärt, kann sie trotzdem imstande sein die Abfolge der Tanzschritte durch bloßes Zusehen zu lernen. Demnach würde sie eine bestimmte Regel (Tanzregel) befolgen, ohne einen Ausdruck für sie zu haben. Diese Art von Regel nennt Wittgenstein Sprachspielregel.
Wittgenstein vergleicht den Gebrauch und die Deutung von Regeln mit dem Gebrauch und der Deutung eines Wegweisers. Er nutzt dieses Beispiel um darzustellen, dass der Gebrauch oder die Deutung einer Regel ebenso wie der Gebrauch oder die Deutung eines Wegweisers eindeutig sein kann, er muss aber nicht.2 Damit will Wittgenstein uns verdeutlichen, dass die Anwendung von Sprachregeln3 keinesfalls immer eindeutig zu interpretieren ist, obwohl uns das in unserem alltäglichen Sprachgebrauch häufig so erscheint. „Die Absicht von PU 81- 88 ist nicht, daraus den Schluss zu ziehen, dass die Alltagssprache eben regellos sei, sondern uns zu einer Überprüfung unseres Begriffs davon einzuladen, was es bedeutet einer Regel zu folgen. Um dieses Zieles Willen sollen uns die Abschnitte PU 84- 87 davon überzeugen, dass explizite Regeln gar nicht für die überwältigende Sicherheit sorgen würden, die wir im Sprachgebrauch doch beobachten können“, so Eike Savigny in seiner wissenschaftlichen Darstellung zu Wittgensteins philosophischen Untersuchungen „der Mensch als Mitmensch“.4 In den philosophischen Untersuchungen trifft Wittgenstein viele Aussagen zum Thema Sprachregeln, eine explizite Definition von Sprachregeln findet man jedoch nicht. Es bleibt ungeklärt, was genau Wittgenstein definitiv unter Sprachregeln versteht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der Sprachphilosophie für politikwissenschaftliche Fragestellungen ein und definiert das Ziel der Arbeit, die Regelkonzeptionen von Wittgenstein und Searle zu vergleichen.
2. Regelkonzeption nach Wittgenstein: Dieses Kapitel erläutert Wittgensteins Verständnis von Sprachregeln als implizite und anwendungsorientierte "Sprachspielregeln", die nicht zwingend explizit definiert sein müssen.
2.1 Regelkonzeption nach Searle: Hier werden Searles regulative und konstitutive Regeln vorgestellt, wobei die Bedeutung für die Sprechakttheorie im Mittelpunkt steht.
3. Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei der Regelkonzeption nach Wittgenstein und Searle: In diesem Abschnitt werden die Ansätze beider Philosophen gegenübergestellt, wobei insbesondere auf ihre unterschiedliche analytische Tiefe und die Rolle der Konventionen eingegangen wird.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass beide Theorien zwar gemeinsame Wurzeln bezüglich regelgeleiteten Verhaltens haben, jedoch in ihrer methodischen Grundhaltung und Zielsetzung stark divergieren.
Schlüsselwörter
Sprachphilosophie, Wittgenstein, Searle, Regelkonzeption, Sprachspielregeln, Sprechakte, Konstitutive Regeln, Regulative Regeln, Sprachgebrauch, Regelfolgen, Konventionen, Sprachanalytik, Illokution, Sprachregel, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einem rechtsphilosophischen und sprachphilosophischen Vergleich der Regeltheorien von Ludwig Wittgenstein und John R. Searle.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition und Anwendung von Sprachregeln, das Verständnis von Konventionen in der Sprache und die Unterscheidung von regelgeleitetem Verhalten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Wittgensteins Sprachspielansatz und Searles regelbasierter Sprechakttheorie herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, die auf den zentralen Werken der genannten Philosophen basiert und diese durch aktuelle Sekundärliteratur interpretiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Konzepte beider Theoretiker separat vorgestellt, bevor eine direkte Gegenüberstellung ihrer Regelverständnisse erfolgt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind vor allem Regelkonzeption, Sprachspiel, konstitutive Regeln sowie der Kontext von Sprachphilosophie in den internationalen Beziehungen.
Warum unterscheidet Searle zwischen regulativen und konstitutiven Regeln?
Searle nutzt diese Differenzierung, um zu erklären, wie Sprache nicht nur bestehendes Verhalten ordnet, sondern durch "künstliche Welten" überhaupt erst bestimmte soziale Handlungen ermöglicht.
Wie bewertet die Autorin das "Ungleichgewicht" der beiden Theorien?
Die Autorin weist darauf hin, dass Searle zeitlich nach Wittgenstein publizierte und somit auf dessen Werk aufbauen konnte, was den direkten Vergleich zwischen den beiden Ansätzen zu einer Herausforderung macht.
- Citation du texte
- Jasmin Lippert (Auteur), 2005, Wo lassen sich Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei der Regelkonzeption von Wittgenstein und Searle nachweisen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132852