Mit vorliegender Ausarbeitung soll aufgezeigt werden, dass der Erhalt und die Reaktivierung entwidmeter Friedhofsflächen über ihren philosophischen Wert hinaus auch zur Schaffung neuer historischer, kultureller, künstlerischer und ökologischer Strömungen führen. Darüber hinaus soll dargelegt werden, dass eine Beschäftigung mit entwidmeten Friedhofsflächen nicht stets eine unangenehme Auseinandersetzung mit dem Tod zur Folge hat, sondern auch ausschließlich positive Relationen haben kann.
Ausgangspunkt der Ausarbeitung ist die historische Entwicklung der Berliner Friedhöfe im Hinblick auf Erd- und Feuerbestattungen. Sodann folgt ein Einblick in den Entwicklungsplan des Friedhofs des Berliner Senats sowie dessen Strategie zur Vermeidung der Entstehung weiterer überschüssiger Friedhofsflächen. Nach der theoretischen und analytischen Auseinandersetzung mit der Frage, wie mit entwidmeten Friedhofsflächen umgegangen werden kann, wird abschließend ein Entwurfskonzept am Beispiel des ersten und ältesten landeseigenen Berliner Friedhofs, dem Urnenfriedhof an der Gerichtstraße in Berlin-Wedding sowie dessen Grünzug an der Ruheplatzstraße, vorgestellt.
Friedhöfe, die Heimat der Verstorbenen und der Zufluchtsort der Lebenden. Durch ihre attraktive Multifunktionalität gelten sie als unverzichtbare Elemente in jeder Stadt. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die trendartige Neigung der Bevölkerung zur Feuerbestattung. Heutzutage erfolgen bis zu 70% der Bestattungen in Form von Feuerbestattungen. Hinzu kommt, dass in den letzten Jahrzehnten ein Rückgang der Sterberate verzeichnet werden konnte, sodass insgesamt sehr viel weniger Friedhofsflächen benötigt werden. Dies resultiert in der Entstehung von charakterlosen, entwidmeten Friedhofsflächen.
Damals geschmückt von Bildhauern und Gartenkünstlern, handelt es sich heute um einsame Orte, die nur darauf warten wieder aufblühen zu dürfen. Wie geht man mit Flächen um, über denen der Schleier des Todes hängt? Genügt es diese Frage als unangenehm zu werten? Weshalb tun wir so, als wäre alles Friede, Freude, Eierkuchen? Es wäre sinnvoller diesen Gedanken umzusetzen: Friedliche Momente schaffen. Darauf hinwirken, dass an die gemeinsame Freude im und am Leben erinnert wird.
Inhaltsverzeichnis
PROLOG
ZEITREISE
BERLINER FRIEDHÖFE
FRIEDHOFSENTWICKLUNGSPLAN
URNENFRIEDHOF GERICHTSTRAẞE
ENTWURFSKONZEPT
EPILOG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Umgang mit entwidmeten Friedhofsflächen am Beispiel des Urnenfriedhofs in der Gerichtstraße in Berlin-Wedding. Ziel ist es aufzuzeigen, dass der Erhalt und die Reaktivierung dieser Flächen über den reinen Denkmalschutz hinaus positive gesellschaftliche, ökologische und kulturelle Impulse setzen kann und neue Orte für Begegnung und Besinnung schafft.
- Historische Entwicklung und aktueller Wandel der Berliner Friedhofskultur
- Analyse des Friedhofsentwicklungsplans (FEP) des Berliner Senats
- Stoffstrom- und Standortanalyse für das Quartier Berlin-Wedding
- Entwurfskonzept zur Revitalisierung entwidmeter Friedhofsflächen
Auszug aus dem Buch
Der Stadtteil Berlin-Wedding
Während der Stadtteil Berlin-Wedding ursprünglich als landwirtschaftliche Siedlung fungierte, entwickelte er sich mit dem Erlass des Hobrechtplans im Jahr 1862 stetig zu einem Arbeiterviertel und Industriegebiet. Aus diesem Grund sind auch heute noch die Einflüsse der Arbeiterklasse sowie insbesondere der ehemaligen Gastarbeiter:innen feststellbar, deren Nachkommen teilweise weiterhin den Wedding bewohnen. Dies erklärt mitunter den hohen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund, welche den Stadtteil zu einem kulturellen Schmelztiegel formen. Aus kultureller Sicht wird eine „Reise“ in verschiedene Länder ermöglicht, ohne dass der Stadtteil verlassen werden müsste. Dadurch wird zugleich ein kultureller Anziehungspunkt vieler Student:innen und Künstler:innen geschaffen. Wie jeder Stadtteil einer Großstadt, hat auch Berlin-Wedding mit einer hohen Kriminalitätsrate, Drogenkonsum und Obdachlosigkeit zu kämpfen. Dennoch steht er im Mittelpunkt vieler Investitionen, da das Potenzial für Neubauten, private Studentenwohnheime, Luxus-Eigentumswohnungen sowie geschäftliche Standorte erkannt werden. Diese wirtschaftliche Betrachtung steht allerdings im Widerspruch der Interessen der Bewohner:innen, da sie befürchten, den Charakter des Stadtteils durch Gentrifizierung verlieren zu können. Zusammenfassend kann der Stadtteil Berlin-Wedding als ein Schauspiel kantiger, bunter, hipper, kultureller Geschehnisse beschrieben werden, welcher ein Fahrticket in das Überall und Nirgendwo bietet.
Zusammenfassung der Kapitel
PROLOG: Einführung in die Thematik der Friedhofsentwidmung und die Zielsetzung der Arbeit, einen kreativen Umgang mit diesen Flächen zu finden.
ZEITREISE: Chronologischer Abriss der Entwicklung der Feuerbestattung und der damit verbundenen Veränderungen der Friedhofskultur von 1828 bis heute.
BERLINER FRIEDHÖFE: Bestandsaufnahme der Friedhofslandschaft in Berlin und Analyse der Verteilung nach Trägerschaften.
FRIEDHOFSENTWICKLUNGSPLAN: Untersuchung der Strategie des Berliner Senats im Umgang mit überzähligen Friedhofsflächen und deren Umnutzungspotenziale.
URNENFRIEDHOF GERICHTSTRAẞE: Spezifische Betrachtung der Geschichte und des aktuellen Zustands des Urnenfriedhofs in Berlin-Wedding.
ENTWURFSKONZEPT: Vorstellung des konkreten Entwurfsvorschlags zur Reaktivierung und gestalterischen Aufwertung des Friedhofsareals.
EPILOG: Zusammenfassende Reflexion über das Potenzial einer Umnutzung entwidmeter Flächen als Gewinn für das urbane Umfeld.
Schlüsselwörter
Friedhofsentwidmung, Friedhofsentwicklungsplan, Berlin-Wedding, Feuerbestattung, Gartendenkmalpflege, Stadtplanung, Umnutzung, Urnenfriedhof Gerichtstraße, soziale Teilhabe, Stadtraum, Gentrifizierung, Bestattungskultur, Grünzug, Landschaftsarchitektur, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie entwidmete Friedhofsflächen in Berlin, speziell am Beispiel des Urnenfriedhofs Gerichtstraße, in neue, öffentlich nutzbare Räume transformiert werden können.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Sie beleuchtet die historische Entwicklung der Friedhofskultur, die rechtlichen Rahmenbedingungen der Friedhofsentwidmung in Berlin und entwirft Strategien für eine nachhaltige Umnutzung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Friedhof als Ort nicht nur für die Toten, sondern als wertvollen Grünraum für die lebende Stadtgesellschaft durch ein „Rezept“ für Entwidmungsflächen neu zu interpretieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus historischer Quellenanalyse, Standort- und Stoffstromanalyse sowie eine gestalterische Entwurfsmethodik für landschaftsarchitektonische Konzepte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Berliner Friedhofssituation, die Untersuchung des Friedhofsentwicklungsplans (FEP) und die detaillierte Konzeptentwicklung für den Standort Gerichtstraße.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Friedhofsentwidmung, Transformationsstrategien, Gartendenkmalpflege, urbane Grünflächen und soziale Aufenthaltsqualität.
Wie ist die Geschichte des Urnenfriedhofs Gerichtstraße einzuordnen?
Der Friedhof, gegründet 1828, hat eine lange Geschichte des Wandels hinter sich, von einer Gartenlandschaft hin zur heutigen Situation als teilweise entwidmete Fläche in einem dichten städtischen Umfeld.
Welche Rolle spielt die „Kultur“ bei der geplanten Umnutzung?
Die Arbeit schlägt vor, die kulturelle Präsenz des angrenzenden „Silent Green“ aufzunehmen und den Friedhof durch Kunstinstallationen und Aufenthaltsbereiche als Ort der Gemeinschaft zu beleben.
- Quote paper
- Melis Kilicdaroglu (Author), 2022, Umgang mit entwidmeten Friedhofsflächen. Am Beispiel des Urnenfriedhofs Wedding, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1328593