Ziel der Masterarbeit ist es, darzulegen, welche ökonomischen Determinanten das Glück maßgeblich beeinflussen und wie stark diese Zusammenhänge sind. Hinsichtlich der heterogenen Forschungsergebnisse und der feinen graduellen Unterschiede wird ein detaillierter Literaturüberblick dargelegt. Darüber hinaus werden neben den ökonomischen Determinanten auf die nicht-ökonomischen Glücksfaktoren und deren Bedeutung untersucht. Dazu wird der Glücksbegriff und dessen Komponenten, die in diesem Kontext wichtig sind, abgegrenzt. Zielsetzung ist ebenfalls die Wichtigkeit sozialstaatlicher Aspekte in Bezug auf das Glück zu untersuchen und ob demnach ein Zusammenhang vorliegt oder andere Erklärungsansätze existieren. Demnach ist es wichtig, der Frage nachzugehen, ob ausschließlich die großzügigen und universellen Sozialleistungen für die Zufriedenheit maßgeblich sind. Insofern ist es entscheidend zu klären, ob möglicherweise andere Einflüsse wirken und eine pauschale Annahme, dass ein sozialdemokratisches Wohlfahrtssystem per se zu mehr Zufriedenheit führt, zu oberflächlich ist. Diese Arbeit gibt hierfür einen aufschlussreichen Überblick und generiert einen Beitrag dazu, potenziellen neuen Forschungsbedarf im Bereich der partiellen Betrachtung der Determinanten zu erkennen und eine Grundlage für weitere Arbeiten zu erarbeiten. Mit der abschließenden explorativen Regressionsanalyse wird ein erster Versuch unternommen, einzelne Determinanten, die tendenziell für einen starken Sozialstaat charakteristisch sind, zu präzisieren. Zudem wird versucht den Zusammenhang zwischen dem Ausmaß eines Sozialstaates und dem Glück der Bürger zu beschreiben und mögliche Grenzen zu erkennen.
Zu Beginn der Arbeit wird zunächst eine Abgrenzung des Glücksbegriffs erfolgen, um ein konsistentes Verständnis zu gewährleisten. Darauffolgend werden die unterschiedlichen Messmethoden der Glückserhebung und nicht-ökonomische Glücksfaktoren sowie deren Bedeutung diskutiert. Anschließend wird das Hauptaugenmerk auf die ökonomischen Determinanten von Glück gelegt, um aufzuzeigen, inwiefern diese das Glücksniveau tangieren. Darauf werden die Ergebnisse der zwei aktuellen Glücksberichte der Vereinten Nationen (UN) zusammengefasst und auftretende Unterschiede sowie Schwächen diskutiert. Den zweiten Schwerpunkt bilden die Betrachtung sozialstaatlicher Modelle und deren Ausgestaltung im Hinblick auf den Zusammenhang mit einem hohen Glücksempfinden. Abschließend wird anhand einer Regression unter Verwendung von Querschnittsdaten der OECD explorativ untersucht, wie stark der Einfluss ökonomischer und nicht-ökonomischer Determinanten ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Zielsetzung
1.3. Vorgehensweise
2. Definition von Glück
2.1. Glück
2.2. Subjektives Wohlbefinden
3. Messmethoden für das subjektive Wohlbefinden
3.1. Befragung zur subjektiven Lebenszufriedenheit
3.2. U-Index
3.3. Erlebnis-Stichproben-Methode
3.4. Tagesrekonstruktion
3.5. Gehirnaktivität
4. Glücksfaktoren
4.1. Persönlichkeitsfaktoren
4.2. Soziodemografische Faktoren
4.3. Spirituelle Faktoren
4.4. Relationale Faktoren
4.5. Institutionelle Faktoren
5. Ökonomische Determinanten von Glück
5.1. Einkommen
5.1.1. Absolutes Einkommen
5.1.2. Relatives Einkommen
5.2. Einkommensverteilung
5.3. Inflation
5.4. Arbeitslosigkeit
5.4.1. Personelle Arbeitslosigkeit
5.4.2. Generelle Arbeitslosigkeit
6. Ergebnisse Glücksberichte
6.1. World Happiness Report
6.2. Human Development Index
7. Rolle des Sozial- / Wohlfahrtsstaates
7.1. Sozialstaatliche Modelle nach der Esping-Andersen-Typologie
7.1.1. Liberaler Wohlfahrtsstaat
7.1.2. Konservativ-korporatistischer Wohlfahrtsstaat
7.1.3. Sozialdemokratischer Wohlfahrtsstaat
7.1.4. Rudimentärer/mediterraner Wohlfahrtsstaat
7.1.5. Postsozialistischer Wohlfahrtsstaat
7.2. Soziale Sicherungssysteme in Volkswirtschaften
8. Kritische Analyse
9. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung ökonomischer Faktoren, die das subjektive Wohlbefinden beeinflussen, sowie die Analyse des Zusammenhangs zwischen verschiedenen Wohlfahrtsstaatsmodellen und der Lebenszufriedenheit, ergänzt durch eine explorative Regressionsanalyse.
- Konzeptualisierung und Messmethoden des subjektiven Wohlbefindens
- Analyse persönlicher, soziodemografischer und institutioneller Glücksfaktoren
- Untersuchung ökonomischer Determinanten wie Einkommen, Ungleichheit und Inflation
- Diskussion der Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf die Lebenszufriedenheit
- Vergleichende Betrachtung der Wohlfahrtsstaatstypologie nach Esping-Andersen
Auszug aus dem Buch
1.1. Problemstellung
“We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness.” 1 -Declaration of Independence USA, 1776-
Das was in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung im Jahr 1776 als Recht eines jeden Einzelnen niedergeschrieben wurde, haben bereits die antiken Griechen berücksichtigt sowie versucht zu erforschen, was ein gutes Leben bedingt und wie dies zu erreichen ist.2 Gleichermaßen wurde in der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte der französischen Revolutionsverfassung von 1793 das gemeinsame Glück als gesellschaftliches Ziel ausgegeben.3 Adam Smith, der Vater der modernen Volkswirtschaftslehre, hat das ewige Wachstum als Heilversprechen als einen gewaltigen Täuschungsprozess beschrieben, da das stetige Streben nach mehr materiellem Wohlstand nicht zur Glückseligkeit führt.4 In den Fokus der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung ist das Thema Glück erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gerückt und begründete damit den Beginn einer neuen Forschungsdisziplin mit vergleichsweise wenigen Forschungsergebnissen. Demnach begannen die Pioniere der Glücksforschung wie Diener, Kahneman oder Frey damit, zu analysieren welche Determinanten das Glück wie stark beeinflussen.5 Daraus entwickelte sich eine Vielzahl von Forschungsrichtungen unter anderem die Beleuchtung der ökonomischen Determinanten von Glück. Hinsichtlich der Ergebnisse ist eine enorme Heterogenität erkennbar, was sowohl die ökonomischen als auch die nicht-ökonomischen Faktoren betrifft. Infolgedessen sind viele Feinheiten und Nuancen zu berücksichtigen
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung der Glücksforschung ein und definiert das Ziel, ökonomische Determinanten sowie den Einfluss des Wohlfahrtsstaats zu untersuchen.
2. Definition von Glück: Das Kapitel differenziert zwischen langfrister Lebenszufriedenheit und affektivem Glück und führt das Konzept des subjektiven Wohlbefindens (SWB) ein.
3. Messmethoden für das subjektive Wohlbefinden: Hier werden diverse quantitative Ansätze, von der klassischen Befragung bis zur Neurobiologie (Gehirnaktivität), auf ihre Validität und Nützlichkeit in der Ökonomie geprüft.
4. Glücksfaktoren: Es erfolgt eine Kategorisierung einflussreicher Determinanten in sechs Gruppen, um sowohl persönliche als auch strukturelle Ursachen für Glück zu identifizieren.
5. Ökonomische Determinanten von Glück: Der Fokus liegt auf der Analyse von Einflüssen durch Einkommen, Einkommensverteilung, Inflation und Arbeitslosigkeit auf das Wohlbefinden.
6. Ergebnisse Glücksberichte: Das Kapitel fasst die Daten des World Happiness Reports und des Human Development Index zusammen, um globale Wohlbefundenstrends aufzuzeigen.
7. Rolle des Sozial- / Wohlfahrtsstaates: Basierend auf der Esping-Andersen-Typologie werden verschiedene Sozialstaatsmodelle hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Zufriedenheit der Bürger untersucht.
8. Kritische Analyse: Dieser Teil führt eine explorative Regressionsanalyse unter Nutzung von OECD-Daten durch, um den statistischen Zusammenhang zwischen Wohlfahrtsstaatsindikatoren und SWB zu testen.
9. Zusammenfassung: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse über die ökonomischen und sozialen Einflussfaktoren auf das Glück zusammen und gibt einen Ausblick auf künftige Forschung.
Schlüsselwörter
Glücksforschung, Subjektives Wohlbefinden, Lebenszufriedenheit, Ökonomische Determinanten, Easterlin-Paradoxon, Human Development Index, World Happiness Report, Wohlfahrtsstaat, Esping-Andersen, Arbeitslosigkeit, Einkommensungleichheit, Gini-Koeffizient, Regressionsanalyse, soziale Sicherheit, Inflation.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Masterarbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Untersuchung ökonomischer Einflussfaktoren („Determinanten“) auf das subjektive Wohlbefinden und Glück der Menschen.
Welche zentralen Themenbereiche werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Messung von Glück, eine Analyse ökonomischer Variablen wie Einkommen und Arbeitslosigkeit sowie die Rolle verschiedener staatlicher Wohlfahrtsysteme.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, wie stark ökonomische und soziale Faktoren das individuelle Glücksniveau beeinflussen und inwiefern der Sozialstaat hierbei eine moderatorische Rolle spielt.
Welche wissenschaftliche Methodik wird angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer interdisziplinären Literaturanalyse sowie einer eigenen explorativen multiplen Regressionsanalyse, die auf aktuellen, ländervergleichenden Daten der OECD basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Glück, die Vorstellung verschiedener Messmethoden, die Analyse der Glücksfaktoren, die ökonomischen Determinanten (Einkommen, Inflation, Arbeit), eine Auswertung internationaler Berichte und die Untersuchung von Wohlfahrtsstaatsmodellen.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen subjektives Wohlbefinden, Easterlin-Paradoxon, Wohlfahrtsstaat, Gini-Koeffizient und Lebenszufriedenheit.
Wie unterscheidet sich die "absolute" von der "relativen" Einkommensbetrachtung in Bezug auf das Glück?
Die Arbeit verdeutlicht, dass ab einer gewissen Schwelle der absoluten Bedürfnisbefriedigung das relative Einkommen (der Vergleich mit der Referenzgruppe) meist entscheidender für das empfundene Glücksniveau wird.
Welche Schlussfolgerung lässt sich über den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Glück ziehen?
Die Arbeit zeigt, dass Arbeitslosigkeit nicht nur durch den Einkommensverlust, sondern vor allem durch psychologische Faktoren wie Statusverlust und soziale Stigmatisierung das Glücksniveau massiv und nachhaltig reduziert.
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- Anonym (Autor:in), 2019, Ökonomische Determinanten von Glück, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1328713