Catherine Martins Roman An Australian Girl von 1890 entsteht zu einer Zeit, in der weibliche Autoren aus dem Literaturkanon noch weitgehend ausgeschlossen werden. Die zunehmende Emanzipation der Frauen wird als Bedrohung für bestehende gender-Relationen in einer von Männern dominierten Gesellschaft gesehen. Zum anderen wird der Roman nur elf Jahre vor Australiens Unabhängigkeitserklärung veröffentlicht und spiegelt den Nationalstolz der Australier wider, die eine von der Kolonialmacht Europas unabhängige Heimat fordern. In Martins Protagonistin Stella Courtland vereinen sich diese zeitgenössischen Themen, zum einen, weil sie eine Patriotin und zum anderen, weil sie eine Frau ist.
Im 1. Kapitel wird zunächst herausgearbeitet, was das Nationalbewusstsein aus der Perspektive einer Frau wie Stella Courtland im ausgehenden 19. Jahrhundert ausmacht. Dazu werden 2 Weltanschauungen gegenübergestellt, von der die eine veraltet und die andere fortschrittlich erscheint. Dabei wird auch gezeigt, dass sich eine Frau mit den Grenzen ihrer Möglichkeiten konfrontieren muss, die sie aber durch die Konzentration auf ein bedeutenderes Ziel, unabhängig von egoistischen Motiven, zu akzeptieren lernt. Im 3. Kapitel folgt ein weiterer Vergleich, diesmal in Bezug auf die Darstellungsweisen dreier Frauen in An Australian Girl und das Ideal australischer Weiblichkeit. Um der Gefahr der weiblichen Emanzipation, die vor allem mit der Zunahme an gebildeten Frauen in Zusammenhang gebracht wird, entgegenzuwirken, diagnostizieren viktorianische Mediziner eine bei Frauen häufig auftretende Krankheit als Konsequenz für ihren Drang nach Bildung. Insofern ist das Nervenleiden Neurasthenie ein gender-spezifisches Krankheitsbild. Auch die Heldin des Romans leidet an dieser Krankheit. Auch bei den Kritiken des Romans wird die Absicht deutlich, die Emanzipation der Frau in Zusammenhang mit ihrem Intellekt zu untergraben. Catherine Martins Roman wird aufgrund vermeintlicher Verstöße gegen die Konventionen eines für Frauenliteratur bestimmtes Genre zensiert. Ob eine solche Zensur für den Inhalt des Romans gerechtfertigt ist, wird im letzten Kapitel näher analysiert.
Die Darstellung weiblicher Existenz in An Australian Girl inkludiert soziale Kritik, aber auch das Bewusstsein von Grenzen. Ziel dieser Arbeit ist es, ein umfassendes Bild des in Catherine Martins Roman vermittelten Feminismus aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Das Australian Girl: Nationalbewusstsein aus der Sicht einer Frau
- Weiblichkeit und Ehe in An Australian Girl
- Neurasthenie: gender-spezifisches Krankheitsbild und Stellas Heilung
- Catherine Martins Verstoß gegen die Konventionen der domestic romance: Kritiken im Vergleich
- Schlussbetrachtung
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit analysiert Catherine Martins Roman "An Australian Girl" aus dem Jahr 1890 und untersucht die Darstellung weiblicher Existenz im Kontext der australischen Nationalismusentwicklung und der viktorianischen Gesellschaft.
- Nationalbewusstsein und weibliche Identität
- Weiblichkeit und Ehe in der australischen Gesellschaft
- Neurasthenie als gender-spezifisches Krankheitsbild
- Catherine Martins Kritik an den Konventionen der "domestic romance"
- Feministische Aspekte in "An Australian Girl"
Zusammenfassung der Kapitel
Das zweite Kapitel beleuchtet Stellas Nationalbewusstsein und ihre Sicht auf Australien als unabhängige Nation. Es werden zwei gegensätzliche Weltanschauungen gegenübergestellt: die veraltete, koloniale Sichtweise und Stellas fortschrittliche, nationalistische Perspektive.
Das dritte Kapitel analysiert die Darstellung von Weiblichkeit und Ehe in "An Australian Girl". Es werden drei Frauenfiguren verglichen und die Rolle der "australischen Weiblichkeit" im Kontext der viktorianischen Ideale beleuchtet.
Das vierte Kapitel untersucht die Darstellung von Neurasthenie als gender-spezifisches Krankheitsbild und Stellas Heilungsprozess. Es wird gezeigt, wie Martins Darstellung der Krankheit den gängigen viktorianischen Vorstellungen widerspricht.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen den australischen Roman, Catherine Martin, "An Australian Girl", weibliche Existenz, Nationalbewusstsein, Weiblichkeit, Ehe, Neurasthenie, "domestic romance", Feminismus, viktorianische Gesellschaft, Kolonialismus, Nationalismus, Gender-Relationen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Catherine Martins Roman „An Australian Girl“?
Der Roman von 1890 behandelt das Leben der Protagonistin Stella Courtland und verknüpft Themen wie weibliche Emanzipation, australischen Nationalstolz und die Kritik an viktorianischen Gesellschaftsnormen.
Was ist Neurasthenie im Kontext des Romans?
Neurasthenie war eine im 19. Jahrhundert häufig diagnostizierte „Nervenschwäche“. Im Roman wird sie als gender-spezifisches Krankheitsbild dargestellt, das oft als Konsequenz für den Bildungsdrang von Frauen gedeutet wurde.
Wie wird das australische Nationalbewusstsein dargestellt?
Stella verkörpert eine neue Generation von Australiern, die eine Unabhängigkeit von der europäischen Kolonialmacht anstreben und eine eigene, nationale Identität fordern.
Warum wurde der Roman seinerzeit kritisiert oder zensiert?
Der Roman verstieß gegen die Konventionen der „domestic romance“, da er eine intellektuelle und emanzipierte Frau darstellte, was von zeitgenössischen Kritikern als Bedrohung empfunden wurde.
Welches Frauenideal wird im Buch thematisiert?
Das Werk stellt das Ideal der „australischen Weiblichkeit“ den viktorianischen Erwartungen gegenüber und zeigt den Feminismus als notwendige Reaktion auf soziale Grenzen auf.
- Arbeit zitieren
- Franziska Scholz (Autor:in), 2008, Formen und Funktionen der Darstellung weiblicher Existenz in Catherine Martins 'An Australian Girl', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132892