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Die Risikogesellschaft heute

Möglichkeiten und Grenzen der Übertragbarkeit risikosoziologischer Implikationen

Title: Die Risikogesellschaft heute

Term Paper , 2009 , 28 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Rainer Scheu (Author)

Sociology - Individual, Groups, Society
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Zur Zeit des Erscheinens der Risikogesellschaft, Mitte der 80er Jahre, war der gesellschaftliche Risiko Diskurs maßgeblich bestimmt von der Entdeckung neuer "Gifte der Woche" (Beck: 2007), der Antizipation atomarer Katastrophen und der individuellen Bedrohung durch Massenarbeitslosigkeit. Im Sinne dieses Rückblickes konstatiert Beck (2008/1) heute, "dass vieles von dem, das jetzt im Realkabinett der Weltwirtschaft und Weltpolitik stattfindet, weit über das hinausgeht, das mir im Studierzimmer eingefallen ist". Mit dieser Hausarbeit möchte ich der Frage der wissenschaftlichen Übertragbarkeit, von Becks risikosoziologischen Annahmen, in die Gegenwart nachgehen. In Kapitel 2 stelle ich deshalb die mir zur Klärung am wichtigsten erscheinenden theoretischen Grundlegungen vor. Da Beck leider etwas dazu neigt Begriffe nicht sehr klar voneinander abzugrenzen, verzichte ich in dieser Arbeit auf die Verwendung der Begriffe "zweite" und "reflexive Moderne" und ersetze sie (in noch darzustellender Weise) durch die von ihm weitgehend synonym verwanden Bezeichnungen "reflexive Modernisierung" und "Risikogesellschaft".
In Kapitel 3 übertrage ich diese Annahmen soweit möglich auf die zur Zeit drängensten Probleme der Gegenwart: die Weltwirtschaftskrise und den Klimawandel. Die von Beck in seinem neuesten Buch Weltrisikogesellschaft ebenfalls bearbeitete Terrorismusproblematik, habe ich mich, nicht zuletzt aus Platzmangel, entschlossen auszuklammern. Sie passt sich zwar recht gut in seine Risikodefinition ein, jedoch ist mir nicht ganz klar, worin ihre gesellschaftliche Verursachung liegen soll.
Der Individualisierungsproblematik (Kap. 4) habe ich, gemessen an ihrer Bedeutung die sie in den 80ern hatte, hier relativ wenig Platz eingeräumt. Viele ihrer Phänomene (Bastelbiographie, prekäre Arbeitsverhältnisse, Single-Gesellschaft, ...) sind, meiner Meinung nach, im Bewusstsein und der Wahrnehmung der heutigen Generation bereits als so selbstverständlich eingelagert, dass ihnen angesichts der gegenwärtigen globalen Gefahrenlagen, eine eher nachgeordnete Bedeutung zukommt .
Mir liegt darüber hinaus sehr daran hier den systemischen Charakter der heutigen Risiken in den Vordergrund zu stellen, dessen (Nicht)wahrnehmbarkeit und Offenheit im Verlauf eine vollkommen neue Risikodimension darstellt und in sofern auch ganz neue Anforderungen an die (Welt)gesellschaftlichen Akteure stellt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Konzept der Risikogesellschaft

2.1 Risikobegriff

2.2 Erste Moderne

2.3 Reflexive Modernisierung

2.3.1 System und Verantwortung

2.3.2 Konstruktion von Risiken

2.3.3 Globale Risiken und Bumerang Effekt

3. Die globale Risikogesellschaft

3.1 Ökonomie und Risiko

3.1.1 Subprime market: Virulenz der Risiken

3.1.2 Not ist hierarchisch, Swaps sind demokratisch

3.2 Ökologie und Risiko

3.2.1 Not ist hierarchisch, Smog ist demokratisch

3.2.2 Der Klimawandel ist hierarchisch und demokratisch

3.3 Konstruktion und Dekonstruktion heutiger Risiken

3.4 Die Erfindung des Politischen: Der Transnationalstaat

4. Individualisierung

4.1 Die Entzauberungsdimension

4.2 Die Freisetzungsdimension

4.3 Die Reintegrations- und Kontrolldimension

4.4 Entgrenzung von Arbeit und Alltag heute

5. Zusammenfassung und Resumee

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die wissenschaftliche Übertragbarkeit von Ulrich Becks risikosoziologischen Annahmen auf aktuelle globale Krisenphänomene wie die Weltwirtschaftskrise und den Klimawandel.

  • Analyse des Konzepts der reflexiven Modernisierung und der Risikogesellschaft.
  • Untersuchung systemischer Risiken in der globalisierten Weltwirtschaft.
  • Diskussion ökologischer Risiken und ihrer sozialen Verteilung.
  • Reflektion über die Rolle des Nationalstaats in Zeiten transnationaler Herausforderungen.
  • Betrachtung der Individualisierungsprozesse unter Bedingungen systemischer Unsicherheit.

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Not ist hierarchisch, Swaps sind demokratisch

Will man das Wesen von Swaps beschreiben so könnte man in Anlehnung an Beck (1986, 29) sagen, "Sie sind pauschales Produkt der wissenschaftlich-ökonomischen Finanzindustrie (Beck: "industriellen Fortschrittsmaschinerie"), konstruiert von Wirtschaftsmathematikern in den Think Tanks der amerikanischen Investmentbanken. Ihnen lag der durchaus als positiv zu bewertende Gedanke zugrunde Kredite gegen Ausfall zu versichern, und so die Kreditvergabemöglichkeiten zu verbessern. In Folge des boomenden amerikanischen Häusermarktes kamen die Immobilienbanken auf die Idee, die vergebenen Kredite von Investmentbanken zu Paketen schnüren zu lassen, um sie als gut verzinste Anleihen an andere Banken zu verkaufen.

Die Forderungen (und die damit verbundenen Ausfallrisiken) wurden somit verbrieft und weitergegeben. Der Handel mit diesen forderungsbesicherten Wertpapieren (Asset Backed Securities) florierte zusehends, legitimiert durch die Risikostreuungsfunktion der Banken. In der Folge wurden schließlich nicht mehr die ganzen Forderungen verkauft, sondern nur noch die mit den Krediten verbundenen Risiken (in Form von CDS: Credit Default Swaps). Das Risiko selbst wurde zum virtuellen Handelsprodukt. Das geschah, indem man die Risiken kalkulierbar und damit Wetten zugänglich machte: strukturierte Produkte sind strukturierte Wetten. Das hier erzeugte Geld wurde folglich nur vermehrt, in dem man die Risiken vermehrte.

Deshalb waren die allermeisten Risiken, die gehandelt wurden, künstlich definierte Risiken. Waren die von Beck (1986,26) postulierten Risiken zwar ebenfalls dem "unmittelbaren menschlichen Wahrnehmungsvermögen vollständig" entzogen, so hatten sie doch noch einen wie immer gearteten substantiellen Kern (Moleküle, Strahlen). Diese neuen synthetisch strukturierten Risikokonstruktionen, waren reine mathematisch - juristischen Vertragskonstruktionen, deren Wissen um ihr Wesen zwar auf basalen Interpretationen ihrer (wissenschaftlichen) Konstrukteure beruhte, aber selbst den meisten Bankern kaum zugänglich war. Die so entstandene Offenheit für soziale Definitionsprozesse fand ihre Begründung in wirtschaftswissenschaftlichen Theorien, die teilweise aus dem 18./19. Jahrhundert stammten (Smith: 1776, Riccardo: 1817).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz von Ulrich Becks Risikotheorie ein und stellt die Absicht dar, diese auf aktuelle globale Krisen anzuwenden.

2. Das Konzept der Risikogesellschaft: Es werden die theoretischen Grundlagen wie der Risikobegriff, die erste Moderne und der Prozess der reflexiven Modernisierung erläutert.

3. Die globale Risikogesellschaft: Dieses Kapitel überträgt die Theorie auf die Finanzkrise und ökologische Probleme wie den Klimawandel und diskutiert die Rolle des Staates.

4. Individualisierung: Der Text analysiert, wie sich Individualisierungsprozesse und die Entgrenzung von Arbeit in der heutigen Gesellschaft darstellen.

5. Zusammenfassung und Resumee: Das Fazit reflektiert über die Übertragbarkeit der Theorie und die begrenzte Vorhersehbarkeit heutiger komplexer Risikolagen.

Schlüsselwörter

Risikogesellschaft, Reflexive Modernisierung, Globalisierung, Individualisierung, Finanzkrise, Klimawandel, Transnationalstaat, Systemtheorie, soziale Ungleichheit, Bumerang-Effekt, Subpolitik, industrielle Moderne, Risikokommunikation, Unsicherheit, Weltwirtschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit untersucht die wissenschaftliche Anwendbarkeit soziologischer Theorien von Ulrich Beck auf gegenwärtige globale Krisen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit behandelt die Konzepte der Risikogesellschaft, die Dynamiken der Globalisierung, die Transformation der Arbeitswelt sowie ökologische und ökonomische Krisen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu prüfen, inwiefern Becks "Risikogesellschaft" zur Erklärung aktueller Ereignisse wie der Weltwirtschaftskrise und dem Klimawandel beitragen kann.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Anwendung soziologischer Konzepte auf zeitgenössische Fallbeispiele.

Welche Schwerpunkte bilden den Hauptteil?

Im Hauptteil liegt der Fokus auf der globalen Vernetzung von Risiken, der Rolle der Finanzwirtschaft und den veränderten Bedingungen individueller Lebensführung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere die reflexive Modernisierung, die organisierte Unverantwortlichkeit und die systemische Verflechtung von Risiken.

Wie verändert die Finanzkrise die Anwendung von Becks Risikotheorie?

Die Arbeit verdeutlicht, dass heutige Finanzrisiken oft künstlich konstruiert und mathematisch abstrahiert sind, was sie für normale Akteure noch schwerer erfassbar macht als die klassischen ökologischen Risiken der 80er Jahre.

Was bedeutet die "Entgrenzung von Arbeit" in diesem Kontext?

Sie beschreibt die Auflösung klassischer Strukturen wie der "Stechuhr" und den Übergang zu einer Selbstökonomisierung des Individuums, wodurch Arbeit und Privatleben zunehmend verschwimmen.

Welches Fazit zieht der Autor zur "Chance" im Risiko?

Der Autor bleibt skeptisch gegenüber Becks Optimismus, dass Risiken automatisch neue Chancen eröffnen, und betont stattdessen die Herausforderung der Unübersichtlichkeit in modernen Krisenszenarien.

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Details

Title
Die Risikogesellschaft heute
Subtitle
Möglichkeiten und Grenzen der Übertragbarkeit risikosoziologischer Implikationen
College
University of Koblenz-Landau  (Soziologie)
Course
Gesellschaftliche Gegenwartsdiagnose
Grade
1,3
Author
Rainer Scheu (Author)
Publication Year
2009
Pages
28
Catalog Number
V132910
ISBN (eBook)
9783640391769
ISBN (Book)
9783640391646
Language
German
Tags
Risiko Gesellschaft Finanzkrise Klimawandel reflexive Moderne Ulrich Beck Risikogesellschaft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Rainer Scheu (Author), 2009, Die Risikogesellschaft heute, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132910
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