Tod und Grab Konstantins


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Taufe und Tod Konstantins

2. Der Kaisertod vor Konstantin

3. Das Helena-Mausoleum

4. Die Apostelkirche in Konstantinopel
4.1 Ehemalige Lage und heutige Situation
4.2 Quellen zum Bau
4.3 Forschungsgeschichte und Forschungsdiskussion
4.4 Interpretation des Innenraums

5. Die justinianische Apostelkirche

6. Der Kaisertod nach Konstantin

7. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Taufe und Tod Konstantins

Im Jahr 337 brach Konstantin zu einem geplanten Perserfeldzug auf, zu dem es nicht mehr kam. Bereits im April des Jahres war er erkrankt, brach aber nach einer Kur in Konstantinopel trotzdem nach Osten auf. Sein Zustand verschlechterte sich jedoch, sodass er schon in Drepanon, 25 Kilometer westlich von Nikomedia, auf die Weiterreise verzichten musste. Er ließ sich in eine Vorstadt Nikomedias bringen und wurde dort von Euseb von Nikomedia getauft.[1] Am 22.Mai 337 starb der Kaiser auf einem Landsitz bei Nikomedia. Sein Leichnam wurde von seiner Leibwache in einem purpurbedeckten, goldenen Sarg nach Konstantinopel gebracht und dort im Palast aufgebahrt. Konstantin war mit Purpur und Diadem bekleidet und wurde von militärischen und zivilen Würdenträgern sowie Senatoren und Volk verehrt, bis sein Sohn Konstantius in der Stadt eintraf. Dann wurde der Leichnam in einer feierlichen Prozession zur Apostelkirche gebracht und ins Zentrum der Apostelkenotaphe gestellt. Der zweite Teil der Begräbniszeremonie war ein Gottesdient, den Priester und Gläubige feierten, nachdem Konstantius und die Soldaten die Kirche verlassen hatten.[2]

2. Der Kaisertod vor Konstantin

Um zu verstehen, wie sich der Kult um den Kaisertod durch den Einfluss des Christentums veränderte und welche Elemente bei Konstantin blieben, soll kurz auf die Situation vor Konstantin eingegangen werden.

Ein zentraler Bestandteil des römischen Herrscherkultes war die Divinisierung, also die Vergöttlichung des verstorbenen Kaisers. Der tote Kaiser wurde per Senatsbeschluss unter die Staatsgötter, in die neue Klasse der divi, aufgenommen. Im Laufe der Zeit, vom Tod des Augustus 14 n.Chr. bis zum Beginn des 2. Jh. bildete sich für die Apotheose oder consecratio des Kaisers ein mehr oder weniger festes Ritual heraus. Der Verstorbene wurde in einem feierlichen Zug zum Marsfeld geleitet und dort auf einem hohen Scheiterhaufen (rogus) verbrannt. Die Auffahrt des neuen Gottes in den Himmel wurde durch den Flug eines Adlers symbolisiert. Dem neuen divus wurden Altäre errichtet, Opfer dargebracht und spezielle Priester zugeordnet.[3]

Es handelte sich bei der Vergöttlichung nicht nur um einen religiösen, sondern auch einen politischen Akt. Die Herrschaft des verstorbenen Kaisers wurde legitimiert, dadurch wurde auch der Herrschaftsanspruch seines Nachfolgers bestätigt.

Konstantin behielt, wie Koep es ausdrückt, „in kluger Überlegung all das, was den Heiden lieb und gewohnt, den Christen aber zumutbar und verständlich sein konnte“[4] bei: Aufbahrung und Totenklage, den Leichenzug, außerdem die divus -Titulatur und die Prägung der Konsekrationsmünzen. Es war üblich, dass nach dem Tod des Kaisers Konsekrationsmünzen geprägt wurden, die auf der Vorderseite den Kopf des Verstorbenen mit der divus -Bezeichnung trugen und auf der Rückseite seine Auffahrt in den Himmel (als Gott) zeigten; entweder symbolisch in Form eines Altars, Tempels, Scheiterhaufens und Anderem oder konkret durch einen Adler, der den Verstorbenen trägt, eine Quadriga und Ähnliches. Die bekannte Konsekrationsmünze Konstantins trägt ebenfalls den divus -Titel und zeigt den Kaiser in einer Quadriga in den Himmel auffahrend.[5] Dieses Motiv kann natürlich auch christlich verstanden werden, man denke an die Himmelfahrt des Elia oder Darstellungen Christi, der als Helios in einer Quadriga auffährt. Doch dazu später mehr. Konstantin war der letzte Kaiser, für den Konsekrationsmünzen geprägt wurden.[6]

Auch der Begräbnisort ist Teil der kaiserlichen Inszenierung.

Konstantins Vorgänger wurden vielfach in Gemeinschafts- oder Familiengräbern bestattet, z.B. ließ Augustus 29 v. Chr. auf dem Marsfeld ein riesiges Grabmal errichten, in dem mehrere Kaiser beigesetzt wurden (Marcellus, Agrippa, Drusus Maior, Lucius, Caius Caesar, Augustus und Nerva). Es gab auch Einzeldenkmäler, Trajans Asche wurde z.B. im Sockel der Trajans-Säule eingeschlossen.[7]

Einige Gräber waren jedoch Teil eines Programms, das den Bestatteten noch in seiner Wichtigkeit und auch Göttlichkeit unterstreichen sollte. Ein Beispiel ist das Diokletiansmausoleum in Split. Es handelt sich um einen oktogonalen Zentralbau, der so in die Anlage des Diokletianspalastes eingegliedert ist, dass er einem Jupitertempel genau gegenüber liegt und sein Pendant bildet.[8] Die beiden Bauten bilden der Bedeutung nach gemeinsam das Zentrum der Anlage.

Ein weiteres Beispiel wäre das Maxentius-Mausoleum, das unterhalb der kaiserlichen Villa an der Via Appia in einem großen, von Hallen gesäumten Bezirk lag. Das Zentrum einer solchen Anlage bildeten traditionell Palast und Circus, die zur Ausübung des Herrscherkultes dienten. Maxentius baute sein Mausoleum als Ergänzung zu diesen wichtigsten Elementen, er erweiterte also die traditionelle Anlage und erhöhte das Mausoleum somit in Wirkung und Bedeutung. Es handelt sich um einen Podiumrundbau, also einen Bau ohne Fensteröffnungen, der sich auf einem Podium mit vor gelagerter Freitreppe befindet. Die innere Gliederung entspricht einem Füllnischenbau.[9]

Konstantin schließt mit seiner ursprünglich geplanten Begräbnisstätte in christlicher Art und Weise an diese sakralisierenden Lösungen an. Bekanntlich sollte er ursprünglich im Helena-Mausoleum in Rom bestattet werden. Diesem Bau soll der folgende Abschnitt gewidmet werden.

3. Das Helena-Mausoleum

Das Helena-Mausoleum führt den Typus der spätantiken kaiserlichen Rundmausoleen weiter, jedoch wird wegen der neuen Ansprüche an das Gebäude – man braucht z.B. Licht für den Gottesdienst – ein Obergadenrundbau statt eines Podiumrundbaus, der keine Fenster hat, verwendet. Es handelt sich beim Helena-Mausoleum um einen Füllnischenbau mit alternierend runden und eckigen Nischen. Die Nische an der Stirnwand, in der der Porphyrsarkophag mit Schlachtenszenen stand, ist etwas breiter. In den Nischenachsen liegen die Obergadenfenster und der Bau wurde von einer Kuppel überfangen. Im Außenbau gliedert er sich durch einen Mauerrücksprung im Obergaden in zwei Geschosse. Das Obere wird durch sieben große Rundnischen, in die die Fenster münden, gegliedert. Der Bau war außen verputzt und innen prunkvoll mit Marmorinkrustationen und Mosaiken geschmückt. Vor dem Grab stand laut dem Liber Pontificalis ein Altar. Das Mausoleum entstand im ersten Drittel des vierten Jahrhunderts, es wird durch Ziegelstempel und einen Münzfund datiert.

Ein Narthex verbindet den Grabbau mit der Umgangsbasilika SS. Pietro e Marcellino, die im zweiten Jahrzehnt des vierten Jahrhunderts, spätestens jedoch 320 entstand. Diese unmittelbare Verbindung von Kultbau und Mausoleum war völlig neu und ohne Vorbild, nimmt aber die sakralisierenden Lösungen anderer Kaiser in christlicher Weise auf. Statt eines Tempels verbindet man nun eine Kirche mit dem Grabbau. Durch die herausragende Platzierung in der Nähe des Märtyrers und die direkte Verbindung wird Konstantins Position klar.[10]

[...]


[1] Vgl. Oliver Schmitt: Constantin der Große (275-337). Leben und Herrschaft. Stuttgart 2007.

[2] Vgl. Stefan Rebenich: Vom dreizehnten Gott zum dreizehnten Apostel? Der tote Kaiser in der Spätantike. In: ZAC 4 (2000), S. 308 f.

[3] Vgl. Rebenich (2000), S. 302 ff.

[4] Leo Koep: Die Konsekrationsmünzen Kaiser Konstantins und ihre religionspolitische Bedeutung. In: JbAC 1 (1958), S. 95 f.

[5] Vgl. Koep (1958), S. 94 ff.

[6] Vgl. ders., S. 104.

[7] Vgl. Rebenich (2000), S. 306.

[8] Vgl. Henner von Hesberg: Römische Grabbauten. Darmstadt 1992, S. 197.

[9] Vgl. Jürgen J. Rasch: Das Maxentius-Mausoleum an der Via Appia in Rom. Mainz 1984, S.75 ff.

[10] Hugo Brandenburg: Die frühchristlichen Kirchen Roms vom 4. bis zum 7. Jahrhundert. Der Beginn der abendländischen Kirchenbaukunst. Regensburg 2004, S. 55.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Tod und Grab Konstantins
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Lehrstuhl für Christliche Archäologie)
Veranstaltung
Hauptseminar "Konstantin der Große"
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V132917
ISBN (eBook)
9783640391844
ISBN (Buch)
9783640391813
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konstantin, Konstantinopel, Apostelkirche, Grab, Kaisertod, Constantin, Kaiserkult
Arbeit zitieren
Sarah-Katrin Haskamp (Autor), 2007, Tod und Grab Konstantins, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132917

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Tod und Grab Konstantins


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden