In der folgenden Arbeit wird die Reportage „Die ausgezeichneten Deutschen“ (1973) von Roman Brodmann analysiert. Die Makrostruktur der Reportage soll betrachtet werden und anschließend werden zwei exemplarische Szenen bearbeitet.
In einem ersten Schritt wird die Makrostruktur der Reportage analysiert. Es wird insbesondere die Grobstruktur, wie die Reportage aufgebaut ist, das Rollenverständnis des Reporters, wie er den Rezipienten anspricht und ob dieser sich noch eine neutrale Meinung bilden kann, sowie das Verhältnis von Bild und Ton betrachtet werden. Abschließend werden zwei Szenen aus der Reportage genauer analysiert und ihre Wichtigkeit für das Gesamtwerk wird ermittelt.
Ich habe mich für diese Reportage entschieden, da ich finde, dass Roman Brodmann einer der wichtigsten Vertreter der Stuttgarter Schule ist und seine Reportagen sehr bedeutende Werke darstellen. Mich hat besonders seine kritische Art an die Themen heranzugehen und die meist ironische Sprache, welche verwendet wird, um Missstände in der Gesellschaft aufzudecken, begeistert. „Die ausgezeichneten Deutschen“ im speziellen hab ich gewählt, da ich mich selbst vorher noch nie mit der Frage der Ordensverleihung beschäftigt hatte und mir die Reportage einen Anstoß gegeben hat, dies genauer zu betrachten und mir darüber eine Meinung zu bilden.
In der Analyse soll ermittelt werden, mit welchen stilistischen und inhaltlichen Mitteln Roman Brodmann arbeitet und welche Wirkung diese auf den Rezipienten haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Analyse der Makrostruktur
Grobstruktur
Rollenverständnis des Reporters
Verhältnis von Bild und Ton
3. Exemplarische Szenenanalyse
Bayerischer Regierungspräsident verleiht Orden
Interview mit Müller-Gerbes
4. Schlussbetrachtung
5. Quellen- und Literatuverzeichnis
Anlagen:
I.) Einstellungsprotokoll der Reportage
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit analysiert die Reportage „Die ausgezeichneten Deutschen“ (1973) von Roman Brodmann. Ziel ist es, die Makrostruktur sowie die stilistischen und inhaltlichen Mittel zu untersuchen, mit denen der Reporter seine kritische Haltung gegenüber dem System der Ordensverleihung zum Ausdruck bringt und den Rezipienten in seinem Meinungsbildungsprozess beeinflusst.
- Analyse der Makrostruktur der Reportage
- Untersuchung des Rollenverständnisses von Roman Brodmann
- Bewertung des Verhältnisses von Bild- und Tonebene
- Exemplarische Szenenanalyse zur Bestätigung der Thesen
- Kritische Reflexion über den Einfluss auf den Rezipienten
Auszug aus dem Buch
2.2.Rollenverständnis des Reporters:
Der Reporter in der Reportage „Die ausgezeichneten Deutschen“ fungiert weniger als reiner Vermittler, sondern äußert klar und deutlich seine Meinung zum Thema. Der Rezipient wird hierbei auf mehreren Ebenen angesprochen. Eine der wichtigsten ist, dass Roman Brodmann als On Kommentator auftritt, das heißt während der Reportage immer wieder selbst in die Kamera spricht.
„Die On-Kommentierung erschien Brodmann ganz offensichtlich als geeignete Form, dem Zuschauer längere Textpassagen anzubieten.“ Es gibt vier dieser Sequenzen und ein Expose zu Beginn der Reportage, in denen der Zuschauer direkt angesprochen wird. Es gibt nichts anderes zu sehen oder zu hören, man konzentriert sich allein auf die Äußerungen von Brodmann selbst, der diese Passagen nutzt, einerseits um den Film zu gliedern und zum jeweils nächsten Themenkomplex überzuleiten und andererseits um seine Meinungen und Ansichten zu erläutern. Hierbei ist zu bemerken, dass die Intensität seiner Aussagen von Sequenz zu Sequenz exponentiell ansteigt. Beim ersten Mal, als er in die Kamera spricht (Sequenz 1), ist er noch relativ objektiv. Er wirft einige neutrale Fragen zum Thema Auszeichnungen auf und erwähnt lediglich das Zitat des Bundespräsidenten bezüglich der Selbstbedienung als kritischen Hinweis. Der Rezipient kann sich daraufhin noch keine Meinung bilden, er bleibt zunächst auch neutral, so wie es der Reporter ist. Bei der zweiten Ansprache von Brodmann (Sequenz 10) nennt dieser direkt seine eigene Meinung zum Thema, dass er nicht versteht, warum die Orden wieder eingeführt wurden, nachdem man in der Weimarer Republik darauf verzichtet hatte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel stellt die zu untersuchende Reportage vor, erläutert die methodische Vorgehensweise der Analyse und begründet die Motivation des Autors für die Wahl dieses Werkes.
2. Analyse der Makrostruktur: Hier werden der inhaltliche Aufbau, die Rolle des Reporters als On-Kommentator und das Wechselspiel zwischen der Bild- und Tonebene detailliert untersucht.
3. Exemplarische Szenenanalyse: In diesem Abschnitt werden zwei spezifische Szenen – die Ordensverleihung durch den bayerischen Regierungspräsidenten und das Interview mit Müller-Gerbes – vertiefend analysiert.
4. Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Wirkung von Roman Brodmanns Reportagestil auf die Meinungsbildung des Zuschauers.
5. Quellen- und Literatuverzeichnis: Auflistung der verwendeten Literatur und Quellen für die Analyse.
Anlagen: Dokumentation der technischen Sequenzen und Einstellungen der Reportage.
Schlüsselwörter
Roman Brodmann, Die ausgezeichneten Deutschen, Bundesverdienstkreuz, Reportageanalyse, Makrostruktur, On-Kommentator, Bild-Ton-Verhältnis, Ordensverleihung, Medienkritik, Rezipientenbeeinflussung, Dokumentarfilm, Stuttgarter Schule, Gesellschaftskritik, Szenenanalyse, Zeichen der Zeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer strukturellen und stilistischen Analyse der Reportage „Die ausgezeichneten Deutschen“ aus dem Jahr 1973 von Roman Brodmann.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Reportage?
Die Themenfelder umfassen die Geschichte und Praxis der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes sowie die kritische Hinterfragung der Gerechtigkeit und Bedeutung dieses Systems.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Roman Brodmann durch spezifische filmische Mittel wie Ironie und On-Kommentare eine klare Position bezieht und den Zuschauer in seiner Meinung beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine medienwissenschaftliche Analyse der Makrostruktur, der Szenenführung und der narrativen Ebenen des Dokumentarfilms angewandt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Grobstruktur, das Rollenverständnis des Reporters, das Zusammenspiel von Bild und Ton sowie die detaillierte Untersuchung exemplarischer Szenen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Medienkritik, Dokumentarfilm, Ironie, politische Instrumentalisierung von Orden und die filmische Gestaltung durch die „Stuttgarter Schule“.
Was zeigt die Analyse der Interviewpanne mit Müller-Gerbes besonders deutlich?
Die Analyse verdeutlicht, dass Brodmann gezielt Momente der Unsicherheit nutzt, um die Absurdität und Komplexität des Ordenssystems und die mangelnde Glaubwürdigkeit der offiziellen Vertreter aufzudecken.
Welches Fazit zieht der Autor zur Neutralität des Werkes?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Reportage bewusst nicht neutral ist, sondern eine kritische Position vertritt, um einen notwendigen gesellschaftlichen Denkanstoß zu geben.
- Citation du texte
- Sabine Kessel (Auteur), 2009, Reportageanalyse zu "Die ausgezeichneten Deutschen" von Roman Brodmann, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132958