Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Fachwissen, das Lehrkräfte benötigen, um erfolgreich inklusiven Unterricht halten zu können.
An Lehrkräfte in Ausbildung wird durch den inklusiven Anspruch eine Erwartung herangetragen, dass sie im Spannungsfeld von pädagogischer Förderung und gesellschaftlicher Auslese professionell agieren und handeln. Im Bereich der pädagogischen Diagnostik wird zwischen Verbesserung von Lernarrangements sowie der Erteilung von Qualifikationen unterschieden. Ersteres fokussiert den individuellen Freiraum für die Kinder und Jugendlichen im schulischen Kontext, um ihnen unterstützende sowie (lern-) prozessbegleitende Rückmeldung für die persönliche Entwicklung und Entfaltung geben zu können. Letzteres kontrastiert den gesellschaftlichen Auftrag der Schule: Entscheidung über unterschiedliche Leistungen sowie Bildungsabschlüsse. Somit ist dies als eine Funktion der Auslese zu verstehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundsätzliches zur Professionalisierung im Lehrberuf
3. Professionen des Lehramts
3.1 Primarstufe
3.2 Sekundarstufe I
3.3 Sekundarstufe II
3.4 Förderschullehramt
4. Zur Inklusion im Schulsystem
5. Zu einer inklusivorientierten Lehrinnen- und Lehrerausbildung
6. Diskussion
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anforderungen und Herausforderungen an die Professionalisierung von Lehrkräften im Kontext eines inklusiven Schulsystems. Dabei wird der Frage nachgegangen, welche spezifischen Kompetenzen und Wissensbestände angehende Lehrpersonen benötigen, um dem Anspruch an heterogensensiblen Unterricht gerecht zu werden und wie die universitäre Ausbildung darauf vorbereiten kann.
- Grundlagen der Professionalität im Lehrberuf
- Lehramtsspezifische Anforderungen in Primar- und Sekundarstufen sowie in der Förderschulpädagogik
- Bedeutung der positiven Einstellung ("beliefs") gegenüber Heterogenität
- Organisatorische und didaktische Herausforderungen bei der Umsetzung von Inklusion
- Modelle und Defizite einer inklusionsorientierten Lehrerausbildung
Auszug aus dem Buch
3.4 Förderschullehramt
Die im deutschen Schulsystem existierenden Förderschulen beschulen Schülerinnen und Schüler, welche einen sonderpädagogischen Förderschwerpunkt haben. Dabei ist eine Förderschule oftmals auf einen spezifischen Förderschwerpunkt spezialisiert. Unterscheiden werden folgende Förderschwerpunkte: Lernen, Sprache, emotionale und soziale Entwicklung, geistige Entwicklung, körperliche und motorische Entwicklung, Sehen, Hören und Autismus Spektrum (vgl. Geiling und Weidermann, 2022: 197 f.). Die Förderschwerpunkte Lernen und geistige Entwicklung verfolgen ein eigenes Curriculum, wobei sich die eben aufgezeigten anderen an den Curricula der allgemeinbildenden Schulen orientieren und diesen entsprechen. Somit ist es den Schülerinnen und Schülern möglich, einen entsprechenden Abschluss zu erlangen und keinen Förderschulabschluss. In der Regel umfasst ein Schulbesuch im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung 12 Jahre, welche sich aus vier Jahren Unterstufe, zwei Jahren Mittelstufe, drei Jahren Oberstufe und drei Jahren Berufsschulstufe zusammensetzen (vgl. ebd., 2022: 200).
Üblicherweise besteht das Kollegium einer Schule aus Lehrkräften, die ein sonderpädagogisches Lehramtsstudium absolviert haben, Heilpädagoginnen und Heilpädagogen, Pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Therapeutinnen und Therapeuten (vgl. ebd., 2022: 198). Des Weiteren wird den Lehrpersonen gegenüber der Regelschule eine differente Bedeutsamkeit in den Anforderungen sowie der Handlungsfähigkeit zugeschrieben. Sie pflegen einen wertschätzenden sowie positiven Umgang mit ihren Schülerinnen und Schülern. Dadurch lassen sich Lehrpersonen einer Förderschule dem strukturtheoretischen Bestimmungsversuch der Professionalität einordnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Problematik ein, dass das deutsche Schulsystem zwischen Inklusionsanspruch und mehrgliedrigem System steht und beleuchtet die Erwartungen an eine inklusive Professionalisierung von Lehrkräften.
2. Grundsätzliches zur Professionalisierung im Lehrberuf: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Profession im Lehrerberuf und stellt theoretische Bestimmungsversuche wie den kompetenz-, struktur- und berufsbiographischen Ansatz vor.
3. Professionen des Lehramts: Hier werden die spezifischen Herausforderungen und professionellen Anforderungen der verschiedenen Schulstufen (Primar-, Sekundarstufen, Förderschule) im Hinblick auf Heterogenität differenziert.
4. Zur Inklusion im Schulsystem: Es wird der Wandel von der Integration zur Inklusion thematisiert sowie die Schule als Organisation im Kontext inklusiver Bildungsanforderungen analysiert.
5. Zu einer inklusivorientierten Lehrinnen- und Lehrerausbildung: Kapitel 5 beleuchtet notwendige Kompetenzen, die Rolle der Einstellung (beliefs) und verschiedene Ausbildungsmodelle in der universitären Lehrerbildung.
6. Diskussion: Dieser Abschnitt reflektiert kritisch die Professionalisierungsprozesse, die Bedeutung von Vorerfahrungen und das Spannungsfeld zwischen Förderung und Auslese.
7. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass für das Gelingen inklusiver Schule eine grundlegende Reform der Lehramtsausbildung und ein einheitliches Verständnis von Inklusion zwingend erforderlich sind.
Schlüsselwörter
Inklusion, Professionalisierung, Lehrerausbildung, Heterogenität, Schulpädagogik, Sonderpädagogik, Lehrerkompetenzen, Inklusiver Unterricht, Strukturtheoretischer Ansatz, Beliefs, Schulsystem, Bildungsauftrag, Diagnostik, Beratung, Inklusives Bildungssystem.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit thematisiert die Anforderungen an die Professionalisierung von Lehrkräften, um den Anforderungen eines inklusiven Unterrichts in heterogenen Lerngruppen gerecht zu werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Lehrerprofessionalität, die schulspezifischen Unterschiede in der Ausbildung, die Bedeutung der Haltung von Lehrpersonen sowie die universitäre Ausbildung für Inklusion.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu analysieren, welche Wissensbestände und Kompetenzen für eine erfolgreiche Inklusionspraxis notwendig sind und wie diese in der Lehramtsausbildung verankert werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin nutzt eine fundierte Literaturanalyse bestehender bildungswissenschaftlicher Theorien und Konzepte, um Begriffe wie Professionalität und Inklusion im aktuellen Kontext zu reflektieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert theoretische Ansätze zur Professionalisierung, analysiert die Anforderungen spezifischer Lehrämter (Prima-, Sekundar-, Förderschule) und diskutiert die Herausforderungen der inklusiven Schulentwicklung sowie der entsprechenden universitären Ausbildung.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Inklusion, Profession(alisierung), Heterogenität, Beliefs, kompetenz- und strukturtheoretische Ansätze sowie schulische Differenzierung bestimmt.
Warum spielt das Konzept der „Beliefs“ eine so große Rolle für die inklusive Praxis?
Die Autorin betont, dass die Überzeugungen und Einstellungen der Lehrkräfte bereits früh geprägt werden und entscheidend dafür sind, ob Inklusion als Chance oder bloße Herausforderung wahrgenommen wird.
Welche Hindernisse sieht die Autorin bei der Implementierung inklusionsorientierter Ausbildung?
Als Hauptbarriere werden die föderalistischen Strukturen sowie die mangelnde Einheitlichkeit und Standardisierung der Modulbeschreibungen an den Universitäten identifiziert.
- Arbeit zitieren
- Denise Lenders (Autor:in), 2022, Erfolgreiche Lehrkraftprofessionalisierung für den inklusiven Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1329713