Mit der Ernennung Ottos I. zu seinem Nachfolger, legte Heinrich I. sein Erbe in die Hände eines Mannes, der die mittelalterliche Geschichte Deutschlands wie kein zweiter prägte. Sich sowohl am sächsischen, wie auch am karolingischen Erbe orientierend, weitete Otto der Große sein Reich aus. Neben Lothringen und Burgund im Westen eroberte bzw. hielt Otto mit Ober- und Mittelitalien Gebiete, die durch die Bevölkerung Roms, den Papst und ihre geographische Lage, jenseits der Alpen, schwer zu beherrschen waren. Dadurch richteten sich in der Folgezeit die Augen der deutschen Kaiser und Könige vermehrt gen Süden. Aber auch im Osten des Ostfränkischen Reiches eroberte Otto I. ein weitreichendes Gebiet, das nicht minderschwierig zu regieren war. Dieses Gebiet war von zahlreichen heidnischen Slawenstämmen bevölkert, die ihre christlichen Nachbarn durch häufige Überfälle in Angst und Schrecken versetzten.
Doch wie schaffte Otto der Große es, einen so kampfeslustigen Gegner auf einem Gebiet, was von der Elbe-Saale-Linie bis zur Oder reichte, nicht nur militärisch zu besiegen, sondern ihn auch ideologisch in das Ostfränkische Reich einzugliedern? Anhand von Beispielen aus der Geschichte des Kampfes gegen die Slawen beabsichtigt diese Arbeit, die Politik Ottos des Großen gegenüber den Slawen zu analysieren. Hierfür soll zunächst die Herrschaftsetablierung Ottos I. von Interesse sein, an die sich eine Betrachtung der militärischen und baulichen Maßnahmen Ottos, sowie seiner groß angelegte Mission der slawischen Stämme anschließt.
Gliederung
1. Einleitung
2. Ottos Herrschaftskonsolidierung
2.1 Das ‚Reichskirchensystem‘
3. Markgrafschaften
4. Der Widerstand gegen Ottos Ostpolitik
5. Die Slawenpolitik
6. Die Missionierung der Slawen
7. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Politik Ottos des Großen gegenüber den slawischen Stämmen und untersucht, wie es dem Herrscher gelang, diese Gebiete nicht nur militärisch zu unterwerfen, sondern ideologisch in das Ostfränkische Reich zu integrieren.
- Konsolidierung der Königsherrschaft und Bedeutung des Reichskirchensystems
- Etablierung von Markgrafschaften zur Grenzsicherung und Kontrolle
- Militärische Auseinandersetzungen und politischer Widerstand gegen die Ostpolitik
- Verbindung von militärischer Expansion und christlicher Heidenmission
- Verwaltung der eroberten Gebiete durch Burgwarde
Auszug aus dem Buch
3. Markgrafschaften
Gleich zu Beginn seiner Herrschaft widmete sich Otto auch der Bekämpfung der Slawen. Nicht umsonst galten die ersten Maßnahmen des gebürtigen Sachsens der Politik im Osten, dessen Marken bereits seit Generationen im Konflikt mit den Slawen lagen. Otto I. trat mit der Slawenbekämpfung das Erbe seines Vaters an, der im Gebiet östlich der Elbe-Saale-Linie Burgwarde errichten ließ und um so diese Gebiete zu sichern. Der neue König setzte, kaum gekrönt, die Bestrebungen Heinrichs I. fort und errichtete im Osten des Reiches Markgrafschaften, die er immer weiter nach Osten ausbauen ließ. Die Markgrafschaften dienten zur Befriedung des Landes im Innern und nach außen. Die Markgrafen sicherten das Land, das sie von Otto dem Großen als Lehen erhalten hatten, militärisch, trieben die Abgaben der Bevölkerung ein und führten von hier aus die Unterwerfung der Slawen weiter.
Die Bischöfe der einzelnen Marken hatten die weitere Unterwerfung der Slawen auf christlichem Wege zu vollenden, indem sie sie missionierten. Ausgestattet mit außergewöhnlichen Rechten, konnten die Markgrafen Gerichte abhalten, den Bau von Befestigungen anordnen und durften bei Gefahr ein Heer ausheben. So konnten Markgrafen mancherorts gewaltige Heere aufbieten. Mit der Zeit wurden Markgrafschaften erblich und der Titel des Markgrafen blieb nicht mehr länger ‚nur‘ ein Amt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Ausgangslage nach Heinrich I. und Definition der zentralen Forschungsfrage zur Integration slawischer Gebiete.
2. Ottos Herrschaftskonsolidierung: Analyse der internen Festigung der Macht und der Bedeutung des Reichskirchensystems als Herrschaftsstütze.
2.1 Das ‚Reichskirchensystem‘: Untersuchung der engen Verzahnung von geistlichen Ämtern und königlicher Machtbasis durch Landschenkungen und Personalentscheidungen.
3. Markgrafschaften: Erörterung der militärischen und administrativen Rolle von Marken und Markgrafen bei der Expansion und Grenzsicherung.
4. Der Widerstand gegen Ottos Ostpolitik: Betrachtung der Konflikte mit slawischen Herrschern wie Boleslaw von Böhmen und innerfamiliärer Aufstände.
5. Die Slawenpolitik: Analyse der Methoden zur Sicherung der Gebiete durch Burgwarde, Tributzahlungen und militärische Härte.
6. Die Missionierung der Slawen: Darstellung der ideologischen Integration durch Bistumsgründungen und die Rolle der Kirche als imperialer Akteur.
7. Schlussfolgerung: Synthese der Ergebnisse zur erfolgreichen Machtausdehnung und den Risiken, die nach dem Tod Ottos I. deutlich wurden.
Schlüsselwörter
Otto der Große, Ostfränkisches Reich, Slawen, Markgrafschaften, Reichskirchensystem, Heidenmission, Burgwarde, Ostpolitik, Mittelalter, Christianisierung, Bistumsgründungen, Herrschaftskonsolidierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Ostpolitik Ottos des Großen und seiner Vorgehensweise gegenüber den slawischen Nachbarn im 10. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die militärische Unterwerfung, das Reichskirchensystem, die Etablierung von Marken und die christliche Missionierung.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie Otto der Große die slawischen Gebiete militärisch besiegte und ideologisch in sein Reich eingliedern konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung erzählender Quellen und der Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche Herrschaftskonsolidierung, militärische Grenzsicherung, Widerstandsbekämpfung, Slawenpolitik und Missionierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Otto der Große, Ostpolitik, Slawen, Reichskirchensystem, Markgrafschaften und christliche Missionierung.
Warum war das Reichskirchensystem für Otto so wichtig?
Es bot ein Gegengewicht zu den Stammesherzögen und sicherte dem König durch die Vergabe von Lehen an loyale Geistliche eine stabile Machtbasis.
Welche Rolle spielten die Markgrafen Gero und Hermann Billung?
Sie fungierten als militärische Vollstrecker der königlichen Politik, sicherten die Grenzen und setzten die Unterwerfung der Slawenstämme vor Ort durch.
Warum war die Christianisierung ein politisches Instrument?
Die Missionierung diente der ideologischen Integration der unterworfenen Gebiete und legitimierte die imperiale Herrschaft Ottos des Großen.
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- Falk Hesse (Autor:in), 2009, Die Politik Ottos des Großen gegenüber den Slawen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132977