Die Diskussion darüber, ob Praktiken, die Tiere involvieren, in eine Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen oder kategorisch abgelehnt werden sollten, ist eine ethische. Sie beginnt mit der Geschichte der Tierethik. Im Zuge der Arbeit werden die Hahnenkämpfe auf den Philippinen und die Alpwirtschaft im Allgäu näher unter diesem Aspekt betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Tierethik
2. Die Hochalpine Allgäuer Alpwirtschaft
3. Der Hahnenkampf auf den Philippinen
4. Fazit (Zusammenfassung)
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das ethische Spannungsfeld zwischen der Anerkennung von Praktiken als immaterielles Kulturerbe und der damit verbundenen Ausbeutung sowie dem Leid von Tieren. Dabei wird analysiert, inwieweit die UNESCO-Konvention von 2003 Tierrechte berücksichtigt und ob kulturelle Identität als Rechtfertigung für tierquälerische Traditionen dienen kann.
- Historische Entwicklung der Tierethik vom Antik-Philosophischen Denken bis zum modernen Utilitarismus.
- Analyse und Fallbespiele von Praktiken wie der Allgäuer Alpwirtschaft und dem Hahnenkampf auf den Philippinen.
- Kritische Auseinandersetzung mit der UNESCO-Konvention hinsichtlich Nachhaltigkeit und Tierschutz.
- Diskussion über das Spannungsfeld zwischen Kulturerhalt und ethischer Verantwortung.
Auszug aus dem Buch
3. Der Hahnenkampf auf den Philippinen
Der Hahnenkampf hat auf den Philippinen eine lange Geschichte. Schon vor der spanischen Kolonialherrschaft (1565 bis 1898) war dieser „Sport“ verbreitet. Während der spanischen Kolonialherrschaft bildete sich dann eine ganze Industrie, da Kampfplätze nun in Privatbesitz genommen wurden und dauerhaft installiert wurden. Die Amerikaner leiteten unter ihrer Kolonialherrschaft (1898 bis 1946) Aufklärungsarbeit u.a. in Schulen, um auf die Brutalität dieser Kämpfe hinzuweisen, was jedoch erfolglos blieb. Der Diktator Ferdinand Marcos unterzeichnete 1974 ein Gesetz, welches die Hahnenkämpfe vollständig legalisiert und welches Ort sowie Häufigkeit regulieren sollte. Darin bezeichnet er den Hahnenkampf als „native Filipino heritage“ und möchte durch die Legalisierung die nationale Identität steigern. Seit diesem Gesetz haben die Hahnenkämpfe auf den Philippinen erheblich zugenommen, sodass sie jetzt für mehr als eine Millionen Bewohner zur Haupteinnahmequelle wurden.
2010 gab es einen Versuch von Rudolfo Plaza, den Hahnenkampf auf die nationale Liste des Immateriellen Erbes setzen zu lassen. Er argumentierte damit, dass auch die UNESCO Konvention von 2003 Praktiken einschließt und zur Nominierung für die Aufnahme in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit Praktiken akzeptiert, welche identitätsstiftend für eine Gruppe von Menschen ist und welche als kulturelles Erbe gesehen werden. Dabei gab es viel Empörung seitens der Philippine Animal Welfare Society (PAWS), welche 1954 gegründet wurde. Obwohl diese Tierrechtsorganisation erfolgreich war in manchen Bereichen, stoßen sie auf ein schwerwiegendes Problem im Thema Hahnenkampf. Sie können sich nämlich nur auf ausländische Unterstützung und Informationen verlassen, da ihnen der Zugang zu Informationen erschwert wird. Es stellt sich die Frage, ob die Konvention von 2003, auch im Hinblick auf andere Eintragungen auf der Liste, die Ausbeutung von Tieren akzeptiert und durch die Aufnahme in die Liste eine Möglichkeit zur Systematisierung dieser Ausbeutung bietet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Tierethik: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung tierethischer Argumentationen nach, von der aristotelischen Vernunfttheorie bis hin zu modernen utilitarianistischen Ansätzen.
2. Die Hochalpine Allgäuer Alpwirtschaft: Diese Untersuchung beleuchtet die Allgäuer Alpwirtschaft als anerkanntes Beispiel guter Praxis, das ökologische Nachhaltigkeit mit lokaler Tradition vereint.
3. Der Hahnenkampf auf den Philippinen: Hier wird der Konflikt zwischen der Anerkennung einer identitätsstiftenden kulturellen Tradition und den schwerwiegenden Tierschutzbedenken kritisch analysiert.
4. Fazit (Zusammenfassung): Das letzte Kapitel bietet einen tabellarischen Vergleich verschiedener Kulturerbe-Formen hinsichtlich Gemeinschaft, Nachhaltigkeit, Tierleid und assoziierten Gefahren.
Schlüsselwörter
Immaterielles Kulturerbe, Tierethik, UNESCO-Konvention, Hahnenkampf, Alpwirtschaft, Tierrechte, Nachhaltigkeit, Kulturlandschaft, Artenvielfalt, Tierleid, Tradition, Kulturgüterschutz, Ethik, Ökologie, Globales Erbe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der ethischen Ambivalenz bei der Aufnahme von Praktiken, die Tiere einbeziehen, in Listen des immateriellen Kulturerbes.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themen umfassen die Geschichte der Tierethik, die Analyse umstrittener Traditionen und die rechtlichen Grundlagen des internationalen Kulturgüterschutzes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es wird hinterfragt, ob die kulturelle Bedeutung einer Praktik deren ethische Problematik überwiegen darf und inwieweit die UNESCO-Richtlinien Tierleid explizit ausschließen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse und ethische Bewertung anhand philosophischer Theorien sowie rechtlicher Konventionsgrundlagen.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Den Kern bilden detaillierte Fallstudien zu der bewussten, nachhaltigen Alpwirtschaft einerseits und dem kommerziell-ausbeuterischen Hahnenkampf andererseits.
Welche Schlüsselbegriffe definieren diese Arbeit?
Zentrale Begriffe sind das immaterielle Kulturerbe, die philosophische Tierethik und die Nachhaltigkeitskriterien der UNESCO.
Wie unterscheidet sich die Nutzung von Tieren bei der Alpwirtschaft von der im Hahnenkampf?
Während die Alpwirtschaft als ökologisch wertvoll für den Landschaftserhalt gilt, wird der Hahnenkampf primär durch die systematisierte Ausbeutung und das bewusste Zufügen von Leid charakterisiert.
Welche Rolle spielt die UNESCO-Konvention von 2003 im Kontext von Tierethik?
Die Konvention fokussiert zwar kulturidentitäre Aspekte, vernachlässigt jedoch eine explizite Komponente der Tierrechte, was interpretationsspielräume für umstrittene Praktiken öffnet.
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- Melanie Schäffler (Autor), 2021, Tiere als Teil immateriellen Kulturerbes, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1330102