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Der Lebensstil und die flexible Arbeit

Title: Der Lebensstil und die flexible Arbeit

Term Paper , 2006 , 16 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Sebastian Heinrich (Author)

Sociology - Work, Education, Organisation
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Pierre Bourdieu hat der Nachwelt einen besonders umfangreichen Schatz an Instrumentarien zur empirischen Gesellschaftsanalyse hinterlassen. Zwar lassen sich seine Untersuchungen, die von der Spezifik ihrer räumlichen und zeitlichen Kontexte – wie dem Frankreich der sechziger und siebziger Jahre oder der vormodernen Lebensweise der Kabylen in Algerien - untrennbar sind, nicht ohne weiteres auf andere Gesellschaften übertragen. Seine bewusst offen gehaltenen und zur Weiterentwicklung einladenen Termini sind jedoch mit ein Grund für die anhaltende, und in den letzten Jahren wieder verstärkte Beschäftigung der Soziologie mit Bourdieus Gesellschaftstheorien. In dieser Hausarbeit möchte ich der Frage nachgehen, inwieweit Bourdieus Theorien für die postindustrielle deutsche Arbeitsgesellschaft Gültigkeit besitzen. Als Untersuchungs-gegenstand beschäftigt mich das aktuelle und weitreichende Phänomen der Entgrenzung der Arbeit, vor allem in ihrer zeitlichen Dimension, jedoch soll auch die räumliche und qualitative Ebene Beachtung finden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Bourdieus Theorien: Anwenden, anpassen oder “vergessen”?

2. Das Lebensstilkonzept Bourdieus

2.1 Die Entwicklung des Lebensstils aus dem Habitus

2.2 Amor fati

3. Neuere Lebensstiltheorien

3.1 Der Lebensstil als Option

3.2 Sinnbasteln

4. Die flexibilisierte Arbeit

4.1 Geschichte der Arbeitszeit

4.2 Flexibilisierung der Arbeitszeit

4.3 Lebensweltliche Folgen

5. Anwendungsmöglichkeiten der Lebensstilkonzepte im Vergleich

5.1 Eine klassenlose Gesellschaft?

5.2 Fremdbestimmtheit in flexibler Arbeit

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwieweit die soziologischen Lebensstiltheorien von Pierre Bourdieu auf die postindustrielle deutsche Arbeitsgesellschaft anwendbar sind, insbesondere im Kontext der zunehmenden Entgrenzung von Arbeit. Dabei wird geprüft, ob klassische Konzepte zur Erklärung moderner Phänomene ausreichen oder ob neuere Theorien wie der "Sinnbastler"-Ansatz von Ronald Hitzler notwendig sind, um den Wandel und die unterschiedlichen Grade der Individualisierung zu verstehen.

  • Analyse der bourdieuschen Habitus-Theorie und ihrer strukturalistischen Grundlagen.
  • Gegenüberstellung mit neueren Lebensstiltheorien und dem Konzept der individuellen Wahlfreiheit.
  • Historische und soziologische Einordnung der Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitswelt.
  • Untersuchung der lebensweltlichen Folgen von flexiblen Arbeitsmodellen für unterschiedliche soziale Schichten.
  • Diskussion über die ungleichheitsreproduzierende Kraft von Kapital und Habitus in der modernen Gesellschaft.

Auszug aus dem Buch

4.1 Geschichte der Arbeitszeit

Die vorindustrielle Gesellschaft zeichnete sich vor allem durch die weitgehende Bedeutungslosigkeit von Arbeitszeit im Sinne einer gesellschaftlichen Institution aus, die Akteure bezogen ihre Aktivitäten noch nicht auf Zeiteinheiten und eine etwaige Entlohnung geschah auf der Basis gelieferter Leistung oder Werkstücke – ohne Ansehen der dafür aufgewendeten Arbeitsdauer. Nötig war eine organische Synchronisation der Beteiligten, deren Bedingungen von äußeren Einflüssen diktiert wurden. Hier waren in erster Linie die klimatischen Verhältnisse, Tageslicht und natürliche Zyklen in Tier- und Pflanzenwelt maßgebend.

Erst mit der Industrialisierung änderte sich dies, Rinderspacher spricht mit Verweis auf Comte von der “Aufhebung der Abhängigkeit von den Unkalkulierbarkeiten, die die äußere Mitwelt des Menschen und die Lebensvollzüge aller Gesellschaften bislang immer geprägt haben”. Die Produktion konnte nun unter ständiger Energiezufuhr 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr fortgeführt werden, das Ideal des die Natur zähmenden Menschen schien wahr zu werden. Auch die Ökonomisierung der Zeit ist in diesen Kontext einzuordnen. Rinderspacher zufolge war die Zeit als Bemessungsgrundlage für Bezahlung zu Beginn der Neuzeit noch Herrschaftswissen, was durch ein anfängliches Uhrenverbot in Fabriken und die Ausnutzung von Beschäftigten durch unmenschlich lange Arbeitszeiten demonstriert wurde. Aus der Unzufriedenheit der Arbeiter über diese Form der Unternehmerwillkür resultierte letztendlich die moderne Arbeitszeitsystematik.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Bourdieus Theorien: Anwenden, anpassen oder “vergessen”?: Einleitung in die Thematik der Anwendbarkeit bourdieuscher Gesellschaftstheorien auf die postindustrielle, durch Flexibilisierung geprägte Arbeitsgesellschaft.

2. Das Lebensstilkonzept Bourdieus: Erläuterung der Verbindung von Habitus, Lebensumständen und der Entstehung klassenspezifischer Lebensstile, inklusive des Mechanismus "Amor fati".

3. Neuere Lebensstiltheorien: Vorstellung des "Sinnbastler"-Ansatzes von Ronald Hitzler, der den Fokus auf individuelle Wahlfreiheit und ästhetische Optionen in einer pluralistischen Gesellschaft legt.

4. Die flexibilisierte Arbeit: Analyse der historischen Entwicklung von Arbeitszeitregimen sowie der Gründe und lebensweltlichen Auswirkungen der modernen Flexibilisierung von Arbeit.

5. Anwendungsmöglichkeiten der Lebensstilkonzepte im Vergleich: Kritische Prüfung, welche der beiden theoretischen Perspektiven (Bourdieu vs. Hitzler) die heutige soziale Realität und die Auswirkungen flexibler Arbeit besser abbilden kann.

6. Fazit: Zusammenfassende Antwort auf die Forschungsfrage, die eine komplementäre Nutzung beider Ansätze nahelegt, um den differierenden Grad der Individualisierung zu erfassen.

7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen zur Untermauerung der soziologischen Argumentation.

Schlüsselwörter

Bourdieu, Habitus, Lebensstil, flexible Arbeit, Sinnbastler, Hitzler, Arbeitszeit, Entgrenzung der Arbeit, Kapitalbesitz, Ungleichheit, Individualisierung, Reflexivität, Sozialstruktur, Postmoderne, Arbeitsgesellschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Anwendbarkeit soziologischer Lebensstiltheorien auf die moderne, durch Flexibilisierung geprägte Arbeitswelt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Fokus stehen die Konzepte des Habitus von Bourdieu, die Theorie des "Sinnbastelns" von Hitzler und die Auswirkungen flexibler Arbeitszeitmodelle auf den Alltag.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Das Ziel ist herauszufinden, ob Bourdieus strukturalistische Theorie zur Beschreibung des modernen Arbeitnehmers noch zeitgemäß ist oder ob modernere Ansätze der Wahlfreiheit mehr Erklärungsgehalt bieten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse und einen komparativen Vergleich zweier soziologischer Strömungen im Kontext empirischer Beobachtungen zur Flexibilisierung der Arbeit.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Lebensstiltheorien, eine historische Einordnung der Arbeitszeit, eine Analyse der Folgen flexibler Arbeit und einen direkten Vergleich der theoretischen Ansätze.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?

Kernbegriffe sind Bourdieu, Habitus, Sinnbastler, flexible Arbeit, Entgrenzung der Arbeit, Individualisierung und soziale Ungleichheit.

Was bedeutet der Begriff "Amor fati" in Bourdieus Theorie?

Es bezeichnet den Mechanismus, bei dem Individuen ökonomische Zwänge durch eine Verinnerlichung ihrer Lebensbedingungen als freiwillig gewählte Lebensführung umdeuten.

Inwiefern unterscheidet sich der "Sinnbastler" von Bourdieus Akteur?

Der "Sinnbastler" bei Hitzler ist ein aktiver Akteur, der seinen Lebensstil bewusst aus verschiedenen Optionen wählt, während bei Bourdieu der Lebensstil stark durch den unbewussten Habitus der sozialen Herkunft bestimmt ist.

Welches Fazit zieht der Autor bezüglich der Anwendbarkeit von Bourdieus Theorien?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Bourdieus Theorien nicht veraltet sind, sondern in Kombination mit moderneren Ansätzen modifiziert werden müssen, um die Unterschiede zwischen verschiedenen sozialen Schichten adäquat zu erfassen.

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Details

Title
Der Lebensstil und die flexible Arbeit
College
Free University of Berlin
Grade
1,3
Author
Sebastian Heinrich (Author)
Publication Year
2006
Pages
16
Catalog Number
V133018
ISBN (eBook)
9783640393503
ISBN (Book)
9783640393695
Language
German
Tags
Bourdieu Habitus Kapital flexible Arbeit Lebensstil
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Heinrich (Author), 2006, Der Lebensstil und die flexible Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133018
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