Da Ethik und Philosophie im Fächerkanon als Pflichtfächer relativ jung sind, ist die Beschäftigung mit der Entwicklung einer Fachdidaktik an den Hochschulen noch sehr aktuell. Bei der Entwicklung einer Fachdidaktik können die der Philosophie eigenen Methoden einen wertvollen Beitrag leisten. Wenn man dabei nicht von den oft komplizierten Theorien der einzelnen philosophieschen Methoden ausgeht, sondern von den ihnen zu Grunde liegenden Fragestellungen aus den Alltagszusammenhängen (Verstehen und Fragen als Grundlage der Hermeneutik, das Beschreiben als Wurzel der Phänomenologie, Rede und Widerrede in der Dialektik usw.), so erweist sich deren Anwendung im Unterricht als sehr gewinnbringend, ohne dem Vorwurf des „philosophischen Dilettantismus“ ausgesetzt zu sein. Eine solche Didaktik erfüllt dann nicht nur den Zweck, dem Unterricht eine Struktur zu geben, sondern vermitteln dazu noch fachspezifische Inhalte. Exemplarisch werde ich im Folgenden die Möglichkeiten darstellen, die die Phänomenologie in ihrer didaktischen Transformation beinhaltet.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Anforderungen des sächsischen Lehrplanes
3.) Die Phänomenologie als philosophische Methode
4.) Die didaktische Transformation der Phänomenologie
4.1.) Allgemeine pädagogische Aspekte
4.2.) Fachdidaktisches Potential
4.3.) Ziele phänomenologisch orientierten Unterrichts
4.4.) Einige praktische Beispiele
5.) Unterrichtsentwurf
6.) Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht das didaktische Potenzial der Phänomenologie als philosophische Methode für den Ethikunterricht, um Lernziele des sächsischen Lehrplans wie Werteorientierung und Urteilsfähigkeit durch eine schülerzentrierte, sinnesorientierte Praxis zu fördern.
- Transformation philosophischer Methoden in die Unterrichtspraxis
- Analyse der Anforderungen des sächsischen Lehrplans an den Ethikunterricht
- Erarbeitung des emanzipatorischen und kritischen Potenzials der Phänomenologie
- Praktische Erprobung phänomenologischer Wahrnehmungsübungen in der Sekundarstufe
Auszug aus dem Buch
4.2.) Fachdidaktisches Potential
In der Literatur zu diesem Thema konnte ich zwei grundlegende, wenn auch eng miteinander verknüpfte Potentiale ausmachen, die der Phänomenologie zugeschrieben werden. Das ist zum einen das emanzipatorische, zum anderen das kritische Moment dieser Denkrichtung. Zuerst möchte ich das emanzipatorische Moment erläutern:
Dadurch, dass der Schüler nicht dazu angehalten wird sofort zu verstehen, sondern nur wahrnehmen soll, kann sich das Wahrgenommene in innere Kontexte einfügen. Durch die Aussetzung dessen, was man schon weiß, nähert sich der Schüler der Frage, welche Einflüsse, Werte und Interessen die Dinge offenbaren. Dadurch, dass sich der Schüler bewusst macht, welche Antriebe, Gefühle und Gedanken zu einer Einlegung eines bestimmten Sinnes in einen Gegenstand führen, wird die Intentionalität des Bewusstseins verdeutlicht. Somit zeigen sich vorhandene und bisher nicht wahrgenommene Vorurteile, die unsere Alltagswahrnehmung bestimmen. Das Bewusstwerden dieser impliziten Annahmen der täglichen Wahrnehmung ermöglicht es nun, sich bewusst von diesen los zu sagen. Darin liegt die emanzipatorische Kraft der Phänomenologie begründet.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit einer fachdidaktischen Entwicklung im Ethikunterricht und stellt die Phänomenologie als methodischen Ansatz zur Strukturierung und Vermittlung fachspezifischer Inhalte vor.
2.) Anforderungen des sächsischen Lehrplanes: Dieses Kapitel analysiert die Zielsetzungen des sächsischen Lehrplans für das Fach Ethik, insbesondere im Hinblick auf Wertepluralismus, ethische Reflexion und die Entwicklung fachlicher sowie personaler Kompetenzen.
3.) Die Phänomenologie als philosophische Methode: Hier werden die Grundlagen der phänomenologischen Methode nach Edmund Husserl skizziert, wobei insbesondere auf das Evidenzprinzip und die eidetische Reduktion als Werkzeuge der philosophischen Prüfung eingegangen wird.
4.) Die didaktische Transformation der Phänomenologie: Dieser Abschnitt expliziert das pädagogische und fachdidaktische Potenzial der Methode, betont ihre Schülerorientierung sowie ihre emanzipatorische und kritische Funktion bei der Wahrnehmungsschulung.
5.) Unterrichtsentwurf: Das Kapitel präsentiert eine konkrete Stundensequenz für die 6. Klasse, in der Schüler durch gezielte Beobachtungs- und Beschreibungsübungen mit der phänomenologischen Arbeitsweise vertraut gemacht werden.
6.) Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass die Phänomenologie trotz methodischer Herausforderungen ein wertvolles Instrument für den Ethikunterricht darstellt, da sie die Schüler zum eigenen Philosophieren anregt.
Schlüsselwörter
Phänomenologie, Ethikunterricht, Fachdidaktik, Husserl, Wahrnehmung, Urteilsfähigkeit, Didaktische Transformation, Unterrichtsmethodik, Schülerorientierung, Wertewandel, Medienkritik, Sinneseindrücke, Reflexion, Anthropologie, Bildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung der philosophischen Methode der Phänomenologie im Ethikunterricht an Gymnasien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die fachdidaktische Transformation philosophischer Denkstile, die Anforderungen des sächsischen Lehrplans und die praktische Umsetzung von Wahrnehmungsschulungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie phänomenologische Übungen zur Entwicklung moralischer Urteilsfähigkeit und ethischer Reflexion bei Schülern beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse fachdidaktischer Literatur und die methodische Herleitung eines Unterrichtsentwurfs auf Basis der Phänomenologie nach Edmund Husserl.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen der Phänomenologie, deren pädagogische Potenziale und ein praxisnaher Unterrichtsentwurf zur Wahrnehmung von Gegenständen detailliert dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Phänomenologie, Ethikunterricht, Wahrnehmungsschulung und fachdidaktische Transformation charakterisiert.
Warum wird die Phänomenologie als "emanzipatorisch" bezeichnet?
Sie gilt als emanzipatorisch, da sie Schüler befähigt, eigene Vorurteile in der Alltagswahrnehmung zu erkennen und sich durch bewusste Reflexion von diesen zu lösen.
Welche Rolle spielt der sächsische Lehrplan in der Argumentation?
Er dient als normativer Rahmen, um zu validieren, ob die phänomenologische Methode die geforderten Kompetenzen wie interkulturelle Diskursfähigkeit und ethische Reflexion abdeckt.
Wie gehen Schüler in der praktischen Übung konkret vor?
Schüler beschreiben physische Objekte oder Situationen unter Ausschluss vorgefertigter Erklärungen, um sich allein auf die unmittelbar sinnliche Erfahrung zu konzentrieren.
Warum ist das "langsame Vorgehen" für die Methode so entscheidend?
Nur durch bewusste Entschleunigung können komplexe Phänomene in ihrer Vielfalt erfasst werden, anstatt sie voreilig durch alltägliche Schemata zu vereinfachen.
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- Katharina Markmann (Author), 2009, Zu den Sachen selbst!, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133026