Diese Arbeit möchte sich zunächst mit den Gedanken des Thomas von Aquin beschäftigen, in dem der Frage nachgegangen wird, wie der Mensch sich mittels des Gewissens Orientierung verschaffen kann. ... Kann er überhaupt noch aufgrund der Pluralität gescheite Entscheidungen treffen? Was hilft dem Menschen in der heutigen Gesellschaft nicht verloren zu gehen? Was treibt den Menschen zum Handeln an und wonach bemisst er dieses? Im weiteren Verlauf dieser Arbeit möchte ich dann auf die Möglichkeiten und Grenzen des Naturrechts als Thema für eine mögliche Gewinnung von Normen für das menschliche Handeln eingehen. Kann man aus der Natur, oder aus dem Wesen des Menschen allgemeingültige Normen für menschliches Zusammenleben herausdestillieren? Wie kann man solch ein Vorgehen begründen. Man muss sich in diesem Zusammenhang fragen, ob ein stetiges Naturgesetz der heutigen modernen Gesellschaft gerecht werden kann. Das Thema Naturrecht und die mit ihm verwobenen Probleme seiner Fülle und Machbarkeit/Begründbarkeit werden im weiteren Verlauf thematisiert. Hat der Naturrechtsgedanke überhaupt noch eine Chance im heutigen Pluralismus? Kann sich ein Rückgriff auf das Naturrecht nicht vielleicht sogar als kontraproduktiv für den Menschen auswirken? Was ist möglich? In der weiteren Abhandlung frage ich mich, ob es eine feministische Ethik geben kann. Wir beschäftigen uns hierbei mit empirischen Studien, Vorurteilen und Traditionen. Das Thema wirft in der Tat die Frage auf, ob nicht Männer und Frauen ein je verschiedenes Denken an den Tag legen. Was kann für beide Geschlechter typisch sein? Stimmt es, dass sich die heutige Moral ausschließlich durch männliche Denker etabliert hat? Dem will ich hier unter anderem näher nachgehen. Als letzten Punkt dieser Arbeit beschäftige ich mich mit den Gedanken A. Auer´s und F. Böckle´s. Es soll hier geklärt werden, wie beide Autonomie und Theonomie vereinen. Dabei gehe ich der Frage nach, was der christliche Glaube zur sittlichen Verwirklichung menschlicher Existenz beitragen kann. Im Weiteren werden die Begriffe Wirklichkeit, Sittlichkeit, Vernunft, Gesolltes, Rationalität und Sein abgehandelt. Auch hier begegnet uns wieder das Naturrecht. Eine Kritik soll zum Verständnis beider Autoren beitragen. Ein Fazit soll diese Arbeit schlussendlich abrunden, und nochmals in Bezug zum Pluralismus prägnante Punkte zu Gehör bringen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1. Orientierung durch das Gewissen.
2. Möglichkeiten und Grenzen des Naturrechts.
3. Gibt es eine feministische Ethik?
4. Die autonomen Modelle der Moral bei Auer und Böckle.
Wie vereinen beide Autonomie und Theonomie
5. Fazit/Aussichten
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten moralischer Orientierung in einer modernen, pluralistischen Gesellschaft und analysiert kritisch, wie der Mensch trotz schwindender traditioneller Vorgaben zu einer autonomen, sittlichen Urteilsbildung gelangen kann.
- Die Funktion und Bedeutung des Gewissens als Entscheidungsinstanz nach Thomas von Aquin.
- Die kritische Auseinandersetzung mit dem Konzept des Naturrechts und dessen Aktualität in einer pluralen Welt.
- Die Untersuchung einer möglichen feministischen Ethik und die Kritik am männlich geprägten Rationalitätsideal.
- Die autonomen Moralmodelle bei Auer und Böckle als Synthese von Autonomie und Theonomie.
- Die Analyse des gesellschaftlichen Wertewandels und die Suche nach einem modernen ethischen Handlungsrahmen.
Auszug aus dem Buch
1. Orientierung durch das Gewissen (Thomas von Aquin).
Der gute oder böse Akt des Menschen (für das Objekt) entspringt seinem Willensakt. Das Gute wird dem Willen durch das Gewissen vorgestellt, und unter Inanspruchnahme des Gewissens, wird es durch dessen moralische Bewandtnis zu einem Akt moralischer Gutheit im Willen. Wobei die Gutheit jedoch immer vom Objekt des Willens abhängt, welche dem Gewissen vor geordnet ist. Das Gute bezeichnet in diesem Sinn das Produkt eines vernunfthaften Strebens. Ausgeschlossen aus dieser Konstellation ist das sinnliche Streben. Es ist auf das partikulare Gut fixiert, auf materielle Güter. Es bildet das Gegenteil zum guten Willen, welcher gute, immaterielle Güter anstrebt.
Der Wille nämlich kann sich auf das universale Gute richten, und unter der Inanspruchnahme der Vernunft praktisch werden. Man spricht hier auch von der praktischen Vernunft. Das Gewissen bestimmt vor jeder Handlung die moralische Qualität des handelnden Willens. Somit ist das Gewissen der Dreh- und Angelpunkt der moralischen Qualität einer Handlung. Das Gewissen nach der vollzogenen guten Handlung bietet zum Einen die Rechtfertigung einer Handlung, es einen also verteidigt oder entschuldigt, im Fall der bösen Handlung wirft uns das Gewissen unsere Tat vor, und peinigt uns mit Gewissensbissen. Man kann auch sagen, das Gewissen zieht uns in die Verantwortung der vollzogenen Handlung. Nach Thomas ist eine gewisse Dualität des Gewissens zu erkennen. Ich als Gewissen handle zugleich auch immer als eigene Person und stehe ihr gegenüber.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problemstellung ein, wie der Mensch in einer pluralistischen Welt Orientierung findet, und skizziert die methodische Vorgehensweise anhand der Themen Gewissen, Naturrecht, feministische Ethik sowie der Modelle von Auer und Böckle.
1. Orientierung durch das Gewissen.: Dieses Kapitel erläutert das Gewissensverständnis bei Thomas von Aquin als moralische Instanz, die Vernunft und Willensakt verknüpft, um in komplexen Gesellschaften Handlungsentscheidungen zu legitimieren.
2. Möglichkeiten und Grenzen des Naturrechts.: Es wird untersucht, ob das Naturrecht als normativer Rahmen dienen kann und wo die Gefahren einer Überladung des Naturbegriffs sowie die Probleme bei der Begründung allgemeingültiger Normen liegen.
3. Gibt es eine feministische Ethik?: Dieses Kapitel hinterfragt, ob es eine spezifisch weibliche Ethik gibt und kritisiert, dass traditionelle moralpsychologische Stufenmodelle oft ein einseitiges, männliches Rationalitätsideal voraussetzen.
4. Die autonomen Modelle der Moral bei Auer und Böckle.: Hier wird analysiert, wie Auer und Böckle versuchen, Autonomie und christlichen Glauben zu versöhnen, indem sie das Sittliche als Wirklichkeitsgemäßheit und Antwort auf den Anspruch Gottes interpretieren.
5. Fazit/Aussichten: Das Fazit resümiert die Herausforderungen des modernen Menschen in einer enttraditionalisierten Gesellschaft und plädiert für die Fähigkeit zur moralischen Orientierung in eigener Freiheit und Verantwortung.
Schlüsselwörter
Gewissen, Naturrecht, Pluralismus, Autonomie, Theonomie, feministische Ethik, Vernunft, Sittlichkeit, moralische Orientierung, Wirklichkeit, Gerechtigkeit, Fürsorge, Werte, Individualisierung, Freiheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die Herausforderungen der moralischen Orientierung in einer pluralistischen und technisierten Gesellschaft, in der tradierte religiöse und gesellschaftliche Sicherheiten an Bedeutung verloren haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentral sind die Untersuchung des Gewissens, die Debatte um das Naturrecht, die Diskussion über eine feministische Ethik sowie die Analyse autonomer Moralmodelle in der christlichen Theologie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, wie der Mensch in einer modernen Welt, in der vorgegebene Normen nicht mehr universell akzeptiert sind, ein begründetes, sittliches Urteilsvermögen entwickeln kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische, philosophisch-theologische Analyse, die auf etablierter Fachliteratur basiert und die Positionen verschiedener Denker wie Thomas von Aquin, Auer und Böckle diskutiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Gewissensbegriffs, eine kritische Beleuchtung des Naturrechts, den Diskurs über geschlechtsspezifische Moralvorstellungen und die Auseinandersetzung mit der Vereinbarkeit von Autonomie und christlichem Glauben.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich besonders durch die Begriffe Autonomie, Pluralismus, Gewissen, Naturrecht, Sittlichkeit und christliche Ethik charakterisieren.
Welchen Stellenwert nimmt die feministische Ethik in der Arbeit ein?
Die feministische Ethik dient als Beispiel für die Kritik am androzentrischen Denken in der Wissenschaft und zeigt auf, dass moralische Urteile oft von sozialen Rollenbildern beeinflusst sind.
Wie bewerten die Autoren Auer und Böckle das Verhältnis von Autonomie und Theonomie?
Beide Autoren versuchen, das Sittliche nicht als Fremdbestimmung, sondern als vernunftgemäße Antwort des Menschen auf die Wirklichkeit und als persönliche Verantwortung vor Gott zu interpretieren.
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- Manuel Berg (Author), 2009, Alles ist erlaubt!?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133068