Als Tim O´Reilly 2004 den Begriff 'Web2.0' geprägt hat, hat das neue "Mitmach-Internet" einen Namen bekommen. An diesem Begriff konnte sich nun eine breite Diskussion entfachen, die bis heute anhält und bereits jetzt eine große Fülle an Erkenntnissen geliefert hat.
Ein wesentlicher Aspekt der Diskussion tritt dabei besonders hervor: Die Frage nach der Finanzierung. Betrachtet man die Plattformen (social communities), die den Dreh- und Angelpunkt der partizipativen Aktivitäten der Nutzer bilden, als zentrale Elemente des Web2.0, so präzisiert sich das Erkenntnisinteresse dieser Hausarbeit: Sind die verschiedenen Arten von social communities aus sich selbst heraus finanzierbar? Wenn nicht, welche Folgen hat dies für sie selbst und damit für das Web2.0?
Das die Beantwortung dieser Frage von höchster Priorität für die gesamte Diskussion um Web2.0 ist, beruht darauf, dass eine solide Gegenfinanzierung durch funktionierende Ertragsmodelle die Grundvoraussetzung für die Nachhaltigkeit eines jeden Unternehmens, also auch solcher Plattformen, ist. Gelänge es nicht, passende Ertragsmodelle zu finden, würden sie vom Markt verschwinden und mit Ihnen, den Trägern des Web2.0, würde auch zwangsläufig der neue Boom im Internet vergehen.
Es geht also mit dieser Hausarbeit um nichts weniger als darum, einen wesentlichen Beitrag zur Klärung der so dringenden Frage zu leisten, ob das Web2.0 lediglich einen Boom darstellt, der zwangsläufig, also aus innerstrukturellen Unzulänglichkeiten, nicht von Dauer sein kann, weil es keine dauerhaften Finanzierungsmöglichkeiten geben kann.
Die Relevanz dieses Themas ergibt sich auch aus den großen Hoffnungen in das neue Web und den entsprechend großen Investitionen, die in diesem Bereich im Moment getätigt werden. Unterstellt man eine grundsätzliche Nicht-Finanzierbarkeit der social communities, wächst die Notwendigkeit, dieser Frage zeitnah nachzugehen. Denn die Folgen eines möglichen Irrwegs nehmen mit zunehmender Zeit zu (Stichwort: Blasenbildung; siehe Schlussbetrachtung). Rechtzeitige Kurskorrekturen könnten immense finanzielle Schäden verhindern und vor allem die Idee des partizipativen Internets weiterleben lassen. Insofern kann diese Arbeit auch einen Beitrag dazu leisten, überzogene Erwartungen abzudämpfen und den wesentlichen Ideen zu mehr Nachhaltigkeit zu verhelfen.
Die Hauptleistung dieser Arbeit besteht darin, ein möglichst vollständiges Bild aller Ertragsmodelle zu geben und anschließend deren Verwendbarkeit zu prüfen.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Theoretischer Überbau
II.1 Definitionen
II.1.1 Social Communities
II.1.2 Ertragsmodell
II.2 Spannungslinien / Diskussionen:
II.2.1 Nicht-Finanzierbarkeit / Finanzierbarkeit von Social Communities
II.2.2 Finanzierung nicht notwendig / notwendig?
II.3 Die Ertragsmodelle - Eine betriebswirtschaftliche Betrachtung
II.3.1 Strategische Ertragsmodelle (direkt-monetäre Ertragsmodelle)
II.3.1.1 Werbung
II.3.1.2 Provisionen
II.3.1.3 Transaktionserlöse
II.3.1.4 Mitgliederbeiträge / angeschlossene Dienstleistungen innerhalb der Plattform (engl.: Subscription)
II.3.1.5 Fundraising / Spenden
II.3.2 Taktische Ertragsmodelle (nicht direkt-monetäre Ertragsmodelle)
II.3.2.1 Nutzerprofile für personalisierte Werbung, Marktforschung und andere
II.3.2.2 Verwertung des User Generated Content
II.3.2.3 Passive Geldvorteile (negative Einnahmen bzw. Kostensenkungen)
II.3.2.4 Community-Marketing / Kundenanbindung
II.3.2.5 Aktiensteigerung durch ungewisse Einnahmen / Einnahmehöhe in der Zukunft
III Explikation
III.1 Der Spannungsbogen, in dem sich die Ertragsmodelle befinden
III.2 Die Gruppe der strategischen und die der taktischen Ertragsmodelle
III.3 Für welche Art (hier: Größe) einer Social Community eignet sich welche(s) Ertragsmodell(-Gruppe)?
IV Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die finanzielle Tragfähigkeit von Social Communities im Web 2.0. Ziel ist es, zu klären, ob diese Plattformen aus sich selbst heraus finanzierbar sind oder ob ihr wirtschaftliches Fundament auf instabilen Annahmen beruht.
- Analyse existierender direkt-monetärer (strategischer) und nicht direkt-monetärer (taktischer) Ertragsmodelle.
- Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen notwendiger Kommerzialisierung und der Community-Idee.
- Bewertung der ökonomischen Skalierbarkeit verschiedener Community-Größen.
- Diskussion der Nachhaltigkeit des aktuellen Web 2.0-Booms.
Auszug aus dem Buch
II.3.1 Strategische Ertragsmodelle (direkt-monetäre Ertragsmodelle)
Die Werbung ist das in der Literatur mit Abstand am meisten genannte EM für Internetunternehmen im Allgemeinen. Wenn Zahlen über EM verfügbar sind, dann in erster Linie für Werbung. Das zeigt zum Einen die große Verbreitung, die Werbung auch im Internet gefunden hat, aber auch die beschränkte Sicht, mit der über EM im Internet gesprochen wird.
Zu den wichtigsten Werbemitteln zählen die klassische Grafikwerbung: Bannerwerbung (Display-Werbung, Rich-Media und Sponsorship), Pop-ups und Streaming-Ads. Dazu zählt aber auch die textbasierte Werbung wie zum Beispiel die Suchwort-Werbung von Google (Google AdSense).
Bei den Vergütungsmodellen der Werbemittel ist im Wesentlichen zwischen pay-per-click (PPC) und pay-per-view (PPV) zu unterscheiden. Beide Vergütungsmodelle können mit den oben genannten Werbemitteln kombiniert werden. Bei PPC erhält der Werbeeinblendene (Besitzer des Werbeträgers, das heißt der Seitenbetreiber,) eine Vergütung, wenn auf seiner Seite auf die Werbung (Link) geklickt wird und der Klickende auf die Seite des Werbetreibenden weitergeleitet wird. Dabei werden die Werbemittel vom Werbetreibenden zur Verfügung gestellt. Bei PPV reicht die bloße Einblendung auf der Seite und eine entsprechend nachgewiesene Besucherzahl (Traffic).
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage zur finanziellen Tragfähigkeit von Social Communities und Einordnung des Web 2.0-Booms.
II Theoretischer Überbau: Definition der zentralen Begriffe und detaillierte Systematisierung der strategischen sowie taktischen Ertragsmodelle.
III Explikation: Kritische Analyse des Spannungsfeldes zwischen Profitabilität und Community-Werten sowie Untersuchung der Eignung von Modellen nach Unternehmensgröße.
IV Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse und Antwort auf die Frage nach der Nachhaltigkeit des Web 2.0.
Schlüsselwörter
Social Communities, Web 2.0, Ertragsmodelle, Finanzierung, Werbung, Provisionen, Transaktionserlöse, User Generated Content, Community-Marketing, Marktforschung, Nutzerprofile, Nachhaltigkeit, Internetwirtschaft, Geschäftsmodelle, Skalierbarkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert, wie Social Communities im Web 2.0 finanziell überleben können und welche Ertragsmodelle dafür zur Verfügung stehen.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Kategorisierung von Ertragsmodellen, deren Einfluss auf die Community-Idee und die Abhängigkeit der Finanzierbarkeit von der Plattformgröße.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es wird erforscht, ob Social Communities aus sich selbst heraus tragfähig sind oder ob sie zwangsläufig auf externe Kapitalgeber angewiesen bleiben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine systematische betriebswirtschaftliche Analyse, ergänzt durch eine hermeneutische Herangehensweise zur Strukturierung der Ertragsmodelle.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil unterscheidet zwischen strategischen Modellen wie Werbung oder Provisionen und taktischen Modellen wie der Nutzung von Nutzerprofilen oder User Generated Content.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Social Communities, Ertragsmodelle, Nachhaltigkeit, User Generated Content und das Spannungsfeld zwischen Community-Idee und Profitabilität.
Wie unterscheiden sich strategische und taktische Ertragsmodelle?
Strategische Modelle sind direkt monetär orientiert, während taktische Modelle Synergieeffekte nutzen, die oft nur durch die Einbettung der Community in ein größeres Medienunternehmen voll ausgeschöpft werden können.
Warum ist die Größe einer Social Community entscheidend?
Größere Plattformen können durch ihre Reichweite lukrativere taktische Modelle nutzen, während kleinere Communities oft in ihrer Finanzierung stark eingeschränkt sind.
Welches Fazit zieht der Autor zur "Blase 2.0"?
Der Autor hält den Begriff einer Blase für gerechtfertigt, betont jedoch, dass eine nachhaltige Finanzierung theoretisch möglich ist, wenn die Plattformen ihre Erlösquellen diversifizieren.
Welche Rolle spielt User Generated Content bei der Monetarisierung?
UGC ist ein zentraler Rohstoff, der durch taktische Verwertung (z.B. Integration in andere Medienkanäle) große Synergieeffekte ermöglichen kann, jedoch auch das Risiko von Nutzerprotesten birgt.
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- Kai Rösler (Author), 2008, Ertragsmodelle von Social Communities im Web 2.0, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133086