Die vorliegende Hausarbeit soll deshalb untersuchen, wo sich bei Bourdieu Begriffe und Konzepte der phänomenologisch orientierten Wissenssoziologie wieder finden lassen und welche Rolle sie in seiner Theorie spielen. Darüber hinaus ließe sich die Frage stellen,
inwiefern solche wissenssoziologischen Elemente von Bourdieu einfach übernommen, anders akzentuiert oder weiterentwickelt werden – kurzum was sein Beitrag zur Wissenssoziologie ist. Um möglichst viele Antworten auf diese Fragen zu erhalten, soll folgendermaßen vorgegangen werden: Zunächst erfolgt ein Abriss der zentralen Aussagen und Begriffe der phänomenologisch orientierten Wissenssoziologie von Schütz, Berger und Luckmann (2.1) sowie der Arbeit von Bourdieu (2.2), um mögliche Schnittstellen11
dazwischen auszumachen. Diese werden im sich daran anschließenden Abschnitt (3) jeweils anhand der dafür als relevant erachteten Begriffe näher erläutert und auf Übereinstimmung bzw. andere Akzentuierung hin überprüft. Dabei sollte auch betrachtet werden, wie Bourdieu die grundlegende wissenssoziologische Frage nach der Entstehung von Wissen und Erkenntnis beantwortet. Abschließend (4) erfolgt eine Zusammenfassung und Bewertung der vorliegenden Untersuchung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorstellung der beiden Theorien
2.1 Die phänomenologisch orientierte Wissenssoziologie
2.1.1 Alfred Schütz’ wissenssoziologisches Profil
2.1.2 „Eine Theorie der Wissenssoziologie“ von Berger und Luckmann
2.2 Der „konstruktivistische Strukturalismus“ Pierre Bourdieus
3. Erläuterung der Schnittstellen
3.1 Habitus – internalisiertes, handlungsleitendes Klassifikationssystem
3.2 Praxis – alltägliche Lebenswelt und pragmatisches Wissen
3.3 Die dialektische Konstruktion sozialer Wirklichkeit
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die wissenssoziologischen Elemente in Pierre Bourdieus „konstruktivistischem Strukturalismus“, indem sie diese den Konzepten der phänomenologisch orientierten Wissenssoziologie von Alfred Schütz sowie Berger und Luckmann gegenüberstellt. Das primäre Ziel ist es zu analysieren, wo Gemeinsamkeiten und Schnittstellen bestehen und welchen Beitrag Bourdieus Theorie zur Wissenssoziologie leisten kann.
- Vergleich der theoretischen Grundlagen von Bourdieu, Schütz, Berger und Luckmann.
- Analyse des Habitus-Begriffs als Verbindung von Wissen und Handeln.
- Untersuchung der sozialen Konstruktion von Wirklichkeit.
- Gegenüberstellung von praktischem Sinn und Alltagswissen.
- Diskussion der Bedeutung von Macht und symbolischer Ordnung für Wissen.
Auszug aus dem Buch
2.2 Der „konstruktivistische Strukturalismus“ Pierre Bourdieus
Im Rahmen eines Vortrages an der Universität San Diego im Jahr 1986 versuchte Pierre Bourdieu (1930-2002) vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Wissenschaftstraditionen zwischen Frankreich und den USA seine Arbeit in zwei Worten zu umschreiben und bezeichnete sie dabei als strukturalistischen Konstruktivismus bzw. konstruktivistischen Strukturalismus. Strukturalismus meint hier aus seiner Sicht, „dass es in der sozialen Welt (…) objektive Strukturen gibt, die vom Bewusstsein und Willen der Handelnden unabhängig und in der Lage sind, deren Praktiken oder Vorstellungen zu leiten und zu begrenzen“.
Unter Konstruktivismus versteht Bourdieu hingegen, „dass es eine soziale Genese gibt einerseits der Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsschemata, die für [den Habitus] konstitutiv sind, (…) andererseits der sozialen Strukturen“, wozu er insbesondere die von ihm als soziale Felder und soziale Klassen beschriebenen Phänomene zählt. Mit dieser kombinierten Bezeichnung verdeutlicht Bourdieu einmal mehr sein grundsätzliches Anliegen, den Dualismus zwischen Subjektivismus und Objektivismus zu überbrücken. Diese beiden theoretischen Erkenntnisweisen würden nämlich die Einsichten der jeweils anderen Richtung ignorieren bzw. genau entgegengesetzt argumentieren und damit den Fehler der Einseitigkeit begehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problemstellung der Wissenssoziologie ein und skizziert das Ziel, Bourdieus Werk auf wissenssoziologische Elemente hin zu untersuchen.
2. Vorstellung der beiden Theorien: In diesem Kapitel werden die Grundzüge der phänomenologisch orientierten Wissenssoziologie sowie der konstruktivistische Strukturalismus von Bourdieu als theoretische Basis vorgestellt.
3. Erläuterung der Schnittstellen: Hier werden die theoretischen Verbindungen zwischen dem Habitus, dem Konzept der Praxis und der Konstruktion sozialer Wirklichkeit bei den untersuchten Autoren analysiert.
4. Schlussbetrachtung: Das letzte Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und bewertet Bourdieus Beitrag zur Wissenssoziologie kritisch vor dem Hintergrund des theoretischen Vergleichs.
Schlüsselwörter
Wissenssoziologie, Pierre Bourdieu, Alfred Schütz, Berger und Luckmann, Habitus, Konstruktivistischer Strukturalismus, Soziale Praxis, Alltagswelt, Sozialkonstruktivismus, Symbolische Macht, Klassifikationssystem, Lebenswelt, Intersubjektivität, Soziale Felder, Objektive Strukturen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und inwiefern Bourdieus Theorieansatz Elemente der Wissenssoziologie enthält und inwieweit sich diese mit der phänomenologisch orientierten Wissenssoziologie decken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft, die Entstehung von Wissen und die Bedeutung des Handelns im sozialen Raum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Schnittstellen zwischen Bourdieus „konstruktivistischem Strukturalismus“ und der Wissenssoziologie von Schütz sowie Berger und Luckmann herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-vergleichende Methode, um Begriffe und Konzepte der jeweiligen Autoren gegenüberzustellen und auf inhaltliche Übereinstimmungen zu prüfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Gegenüberstellung von Habitus, Praxis, dem praktischen Sinn und der dialektischen Konstruktion sozialer Wirklichkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Habitus, Wissenssoziologie, Sozialkonstruktivismus, Praxis, Symbolische Macht und soziale Konstruktion von Wirklichkeit.
Wie unterscheidet sich Bourdieus Habitus-Begriff von der Habitualisierung bei Berger und Luckmann?
Während die Habitualisierung bei Berger und Luckmann ein Teilprozess der Institutionalisierung ist, dient der Habitus bei Bourdieu als unbewusstes System von Wahrnehmungs- und Handlungsmustern, das Praxis generiert.
Warum ordnet Bourdieu die Phänomenologie der subjektivistischen Sicht zu?
Bourdieu betrachtet die Betonung des individuell erlebten Sinns in der Phänomenologie als zu einseitig und versucht daher, diese Perspektive mit objektiven sozialen Strukturen zu verbinden.
- Citation du texte
- Benjamin Triebe (Auteur), 2008, Wissenssoziologie bei Pierre Bourdieu?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133099