In dieser Arbeit soll gezeigt werden, wie Schüler und Schülerinnen in der Grundschule dazu angeregt werden können, Kriterien zu entwickeln und anzuwenden, um Texte nicht aufgrund des Inhalts sondern aufgrund der Textualität zu bewerten und zu überarbeiten. Dazu wird zunächst die Entwicklung des Aufsatzunterrichts dargestellt. Zuerst werden traditionelle Unterrichtsmodelle erläutert, dann Gegenbewegungen dazu vorgestellt. Im weiteren Verlauf wird der Schreibprozess am Modell von Hayes und Flower untersucht. Die Bedeutung des Überarbeitens als Bestandteil des Schreibprozesses wird dargelegt. Es wird kurz auf die Diskussion um die Entwicklung der Fähigkeit zum Überarbeiten eingegangen. Schließlich werden Methoden vorgestellt, die die Entwicklung von Kriterien zum Überarbeiten von Texten bei Schülerinnen und Schülern fördern sollen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entwicklung des Aufsatzunterichts
2.1. Traditioneller Aufsatzunterricht
2.2. Gegenbewegungen zum traditionellen Aufsatzunterricht
3. Der Schreibprozess
3.1 Der Schreibanfang
3.2 Das Modell von Hayes & Flower
3.3 Kritik am Schreibmodell von Hayes und Flower
3.4 Überarbeiten als zentrale Phase des Schreibprozesses
4. Verschiedene Arten von Textrevisionen
4.1 Häufigkeit und Art von Überarbeitungen in Relation zum Alter
4.2 Überarbeitungsmethoden
5. Kriterien erarbeiten mit Grundschülern
5.1 „Textlupe“
5.2 „Schreibkonferenz“
5.3 „Über-den-Rand-hinaus-Schreiben“
5.4 „Schreibatelier“
5.4.1 Praktische Durchführung eines Schreibateliers
5.4.2 Ergebnisse einer Atelierarbeit
5.6 Überarbeitungskarten
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Grundschüler dazu befähigt werden können, Kriterien zur Textüberarbeitung zu entwickeln und anzuwenden, um ihre Schreibkompetenz über die reine Inhaltsorientierung hinaus zu stärken. Dabei liegt der Fokus auf der Vermittlung von Strategien, die eine distanzierte und fachliche Bewertung von Texten ermöglichen.
- Historische Entwicklung des Aufsatzunterrichts und Gegenbewegungen.
- Prozessorientierte Schreibdidaktik und das Modell von Hayes & Flower.
- Entwicklung der Überarbeitungsfähigkeit in Abhängigkeit vom Alter.
- Praktische Methoden wie „Textlupe“, „Schreibkonferenz“ und „Schreibatelier“.
- Förderung der kognitiven Entwicklung durch soziale Interaktion beim Schreiben.
Auszug aus dem Buch
3.2 Das Modell von Hayes & Flower
Um den Prozess des Schreibens zu erklären und zu beschreiben, wurden in der Schreibforschung einige unterschiedliche Modelle entwickelt (Becker-Mrotzek & Böttcher, 2006). Eines der bekanntesten und einflussreichsten wurde 1980 von Hayes und Flower vorgestellt. Erstmals wurde durch dieses Modell der Schreibprozess in einer systematischen Weise beschrieben und in die einzelnen Teile zerlegt (ebd.). Die Aufteilung des Schreibprozesses in Phasen (Planen, Schreiben, Überarbeiten) ist für Hayes & Flower allerdings nur ein Behelfsmittel, um den komplexen Vorgang des Schreibens praktisch und theoretisch greifbar zu machen (Weinhold, 2000). Demnach hat das Textschreiben Ähnlichkeit mit den Vorgängen beim Lösen eines Problems (Becker-Mrotzek & Böttcher, 2006).
Der erste Schritt zur Bewältigung der Aufgabe ist der Entwurf eines Plans (Planning) (Becker-Mrotzek & Böttcher, 2006). Dieser Planungsvorgang aktiviert drei untergeordnete Vorgänge (Weinhold, 2000):
1. Um die Schreibaufgabe (das „Problem”; das Thema im Kontext textspezifischer und adressatenbezogener Überlegungen) zu meistern, sucht der Autor in seinem Langzeitgedächtnis nach adäquaten Informationen (ebd.). Unterschiedliche Wissensbestände und Verbindungen werden sondiert (ebd.). Ideen, die sich für den Text eignen werden geprüft, verworfen und gesammelt (generating) (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik ein, Kriterien für die Textüberarbeitung im Grundschulalter zu etablieren und den theoretischen sowie methodischen Aufbau der Arbeit darzulegen.
2. Entwicklung des Aufsatzunterichts: Dieses Kapitel zeichnet die Geschichte des traditionellen Aufsatzunterrichts nach und beleuchtet die darauffolgenden Gegenbewegungen hin zu einer prozessorientierten Schreibdidaktik.
3. Der Schreibprozess: Hier werden theoretische Modelle der Schreibforschung, insbesondere das Modell von Hayes & Flower, analysiert und die entscheidende Bedeutung der Überarbeitung als Teil des Schreibprozesses hervorgehoben.
4. Verschiedene Arten von Textrevisionen: Die Klassifizierung von Überarbeitungen und die Untersuchung, wie sich diese Fähigkeiten im Laufe der Schreiberfahrung und des Alters entwickeln, bilden den Kern dieses Kapitels.
5. Kriterien erarbeiten mit Grundschülern: Das Kapitel stellt praktische Methoden wie die „Textlupe“, das „Schreibatelier“ und „Überarbeitungskarten“ vor, um Schülern den Erwerb von Kriterien für gelungene Texte zu ermöglichen.
6. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse und einem Ausblick auf die Bedeutung der geförderten Schreibkompetenz für die kognitive Entwicklung.
Schlüsselwörter
Schreibdidaktik, Aufsatzunterricht, Textüberarbeitung, Schreibprozess, Hayes & Flower, Grundschule, Schreibkonferenz, Textlupe, Schreibatelier, Schreibkompetenz, soziale Kognition, Textrevision, kognitive Entwicklung, Schreibanfang, prozessorientiertes Schreiben.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Vermittlung von Kriterien zur Textüberarbeitung an Grundschüler, damit diese Texte nicht nur inhaltlich, sondern auch nach ihrer Textualität beurteilen und verbessern können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Geschichte des Aufsatzunterrichts, die prozessorientierte Schreibforschung, die Entwicklung von Schreibstrategien und den praktischen Einsatz spezifischer Unterrichtsmethoden in der Grundschule.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Methoden aufzuzeigen, die Schüler dabei unterstützen, eine distanzierte Haltung gegenüber eigenen und fremden Texten einzunehmen und systematische Überarbeitungsschritte zu erlernen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender didaktischer Modelle und empirischer Untersuchungen zur Schreibentwicklung und Textüberarbeitung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Schreibprozess, die Bedeutung der kognitiven Voraussetzungen für die Überarbeitung sowie konkrete pädagogische Verfahren wie das „Schreibatelier“ und die „Textlupe“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schreibdidaktik, Textüberarbeitung, Schreibkompetenz, prozessorientierte Schreibdidaktik und Schreibkonferenz sind zentrale Begriffe dieser Arbeit.
Wie unterscheidet sich die „Textlupe“ von einer einfachen Textkorrektur?
Die „Textlupe“ ist ein kooperatives Verfahren in Kleingruppen, das durch einen strukturierten Kommentarbogen den Fokus gezielt auf positive Aspekte und offene Fragen lenkt, statt nur Fehler zu markieren.
Warum ist die „Distanz“ zum Text für Grundschüler wichtig?
Distanz ermöglicht es Schülern, den eigenen Text „mit den Augen des Lesers“ zu betrachten, was die notwendige Voraussetzung ist, um Schwachstellen überhaupt erst als solche zu erkennen.
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- Matthias Giepen (Author), 2009, Entwickeln stilistisch-inhaltlicher Textkriterien mit Grundschülern zur Förderung ihrer Überarbeitungsfähigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133108