Die Arbeit befasst sich mit einer Gegenüberstellung von Pornographie und dem Sexualverhalten von Jugendlichen. Hierbei wird verstärkt auf die mediale Darstellung pornographischer Inhalte, das individuelle Erleben und die Medienkompetenz der Jugendlichen eingegangen.
Untersucht werden die Forschungsthemen sexuelle Viktimisierung in der Onlinekommunikation und Pornographie. An dieser Stelle werden sowohl mögliche Risiken als auch Chancen der Jugendlichen in der sexualbezogenen Mediennutzung analysiert. Ob die sexualbezogenen Mediennutzungsweisen die Identitätsentwicklung von Jugendlichen beeinträchtigt oder fördert, wird mithilfe vielfältiger Faktoren, wie z.B. der sexuellen Entwicklung, dem sozialen Umfeld etc., beleuchtet.
Um der Arbeit einen roten Faden zu verleihen, ist zunächst die Festlegung eines möglichst umfassenden Bereichs der Kenntnisse, Fähigkeiten und Einstellungen erforderlich, welche für den kompetenten Umgang mit sexueller Viktimisierung und Pornographie als notwendig angesehen werden. Die Vorstudie, die als Soll-Zustand gesehen wird, dient der Analyse folgender Leitfrage: Welche Kenntnisse, Fähigkeiten und Einstellungen zeichnen kompetenten Umgang mit sexueller Viktimisierung in Onlinekommunikation und Pornographie aus?
Mit diesen Forschungsthemen überlappen sich Sexual- und Medienpädagogik, weshalb auch Aspekte der Geschlechterforschung und der Prävention gegen sexualisierte Gewalt eingeflochten werden. Aufgrund dessen wurden sowohl Medienpädagog*innen als auch Sexualpädagog*innen und Fachkräfte aus der Präventionsarbeit gegen sexualisierte Gewalt befragt. Außerdem spielt die Medienkompetenz der Nutzer*innen in Bezug auf die sexuelle Viktimisierung und Pornographienutzung eine bedeutende Rolle. Aus diesem Grund steht folgende Frage zur Befragung von Jugendlichen im Vordergrund: Über welche Kenntnisse, Fähigkeiten und Einstellungen verfügen Jugendliche im Umgang mit sexueller Viktimisierung in Onlinekommunikation und Pornographie
Eine quantitative Befragung von Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren wurde durchgeführt, um diese Forschungsfrage zu beantworten. Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, auf Basis der durchgeführten Untersuchungen, eine Datenlage zu schaffen, die sich auf drei Informationsebenen bezieht: "Das Faktenwissen (Wissensebene), das Handlungswissen bzw. das praktische Handeln (Handlungsebene) sowie das reflexive Wissen und die Selbsteinschätzung (Reflexionsebene)".
Inhaltsverzeichnis
- 1. Abstract
- 2. Vorwort
- 3. Einleitung
- 4. Sexuelle Viktimisierung
- 5. Pornographie
- 5.1 Begriffsverständnis von Pornographie
- 5.2 Definition von Pornographie aus Sicht von Jugendlichen
- 5.3 Juristische Definition
- 5.3.1 Rechtliche Ansicht
- 5.3.2 Der freie Zugang zur Onlinepornographie
- 5.4 Spektrum des Pornographie-Angebots
- 5.5 Mainstream-Pornographie
- 5.6 Non-Mainstream-Pornographie
- 6. Pornographie und Studierende
- 7. Sexuelle Musikvideos
- 8. Aktueller Forschungsstand
- 8.1 Befragung von Experten
- 8.2 Befragung der Jugendlichen
- 9. Sexualität
- 9.1 Sexuelle Sozialisation
- 9.2 Entwicklung sexueller Identität
- 10. Stellenwert von Medien im Sozialisationsprozess
- 10.1 Sexuelle Onlinekommunikation
- 10.2 Pornographie
- 10.3. Komponenten einer sexualbezogenen Medienkompetenz
- 11. Fazit
- Literaturverzeichnis
- Weitere Quellen
- Gesetzestexte [online]
- Artikel
- Abkürzungsverzeichnis
- Abkürzung der statistischen Symbole
- Anhang
- Anhang 1
- Anhang 2
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit befasst sich mit einer Gegenüberstellung von Pornographie und dem Sexualverhalten von Jugendlichen. Im Fokus stehen dabei die mediale Darstellung pornographischer Inhalte, das individuelle Erleben und die Medienkompetenz der Jugendlichen. Die zentrale Forschungsfrage lautet: "Welche Kenntnisse, Fähigkeiten und Einstellungen zeichnen kompetenten Umgang mit sexueller Viktimisierung in Onlinekommunikation und Pornographie aus?" Ziel ist es, auf Basis empirischer Untersuchungen eine Datenlage zu Fakten-, Handlungs- und reflexivem Wissen zu schaffen und Empfehlungen für die Entwicklung sexualbezogener Medienkompetenz abzuleiten.
- Analyse der medialen Darstellung pornographischer Inhalte und deren Einfluss auf Jugendliche.
- Untersuchung des individuellen Erlebens und der Medienkompetenz von Jugendlichen im Umgang mit Pornographie.
- Beleuchtung von sexueller Viktimisierung in der Onlinekommunikation, inklusive möglicher Risiken und Chancen.
- Erforschung der Identitätsentwicklung von Jugendlichen im Kontext von sexualbezogener Mediennutzung.
- Identifikation notwendiger Kenntnisse, Fähigkeiten und Einstellungen für einen kompetenten Umgang mit sexuellen Medieninhalten.
- Einbeziehung sexual- und medienpädagogischer Aspekte sowie Geschlechterforschung und Prävention sexualisierter Gewalt.
Auszug aus dem Buch
5.1 Begriffsverständnis von Pornographie
„Der Begriff Pornografie setzt sich aus den griechischen Wörtern ‚porne‘ (=Hure) und ‚graphein' (=schreiben) zusammen und bedeutet übersetzt ‚über Huren schreiben'. Lexika definieren Pornografie allgemein als Darstellung sexueller Inhalte.“ (Vogelsang, 2017, S. 22). Aufgrund dessen, dass jede Gesellschaft, jede Untergruppe der Gesellschaft und demnach auch jeder Mensch seine eigene Vorstellung davon hat, was Pornographie ist, gibt es keine allgemein anerkannte Definition von Pornographie. Zahlreich in der Literatur zu finden sind wertende Definitionen. Diese sind meist an konnotierte ästhetische und/oder ethisch/moralische Bewertungskriterien gekoppelt. Im Duden Fremdwörterbuch wird Pornographie als „obszön‘ definiert. Eine ausführliche inhaltliche Begriffsbestimmung, welche in der wissenschaftlichen Fachliteratur bereits mehrfach zur Definition des Begriffs Pornographie verwendet wurde und ebenso eine genaue Eingrenzung vornimmt, mündet bei Zillmann (2004). Laut Zillmann beschreibt Pornographie die „Darstellungen sexuellen Verhaltens jeglicher Art, das von jeder denkbaren Zusammensetzung handelnder Akteure ausgeführt wird.“ (Zillmann 2004, S. 568). Dabei steht der „Geschlechtsverkehr zwischen Menschen als gezielte Verhaltensweise“ (ebd. S. 568, Herv. i.O.) im Mittelpunkt. Pornographie schließt „dem Verkehr verordnete Handlungen ein, ebenso Abweichungen von heterosexuellem Verkehr (z.B. Masturbation oder homosexueller Verkehr)“ (ebd.) und umfasst „jede denkbare Konfiguration beteiligter Subjekte (z.B. hinsichtlich der Anzahl menschlicher oder nicht-menschlicher Teilnehmer)" (ebd.). Sexuelle Erregung als Zweck und Ziel von Pornographie können zusätzlich den Bereich der funktionalen Ebene miteinbeziehen (vgl. Döring 2011, S.232). Welche Motive tatsächlich hinter Pornographie stecken und welche Wirkung Pornographie auf Rezipient*innen hat, ist unterschiedlich. Auf der einen Seite soll Pornographie anregen wollen, aber dies durchaus nicht können. Auf der anderen Seite ist die empirisch hinreichende Prüfung dessen schwierig bis unmöglich (vgl. Starke 2010, S.14).
Benötigt wird also eine Definition, die mit Berücksichtigung der funktionalen Ebene explizit formuliert, dass dieses Kriterium nur eingeschränkt gilt. Döring (2011) konnte dieses Problem aufschlüsseln und geht davon aus, dass Pornographie nicht nur, sondern hauptsächlich zum Zweck der sexuellen Stimulation produziert und übernommen wird (vgl. S.232).
Deutlich wird, dass der Begriff Pornographie nicht leicht zu greifen ist. Aufgrund dessen, dass moralische und ästhetische Wertungen individuell unterschiedlich sind und die subjektiven Vorstellungen von Sexualität variieren, sind wertende Definitionskriterien für eine objektive Definition unbrauchbar. Ebenso ist eine negativ wertende Pornographie-Definition verwerflich, da das heutige Kompetenz- bzw. Bildungsverständnis von einer pauschalen Negativbewertung absieht (vgl. Döring 2011, S.231). Ein weiterer Faktor ist die kompetente Nutzung von Medien, welche sich durch die Bedürfnisse und den eigenen Geschmack der Rezipient*innen zeigt. Dadurch wählen sie selbstbestimmt, inwiefern die Medieninhalte ethisch vertretbar sind und wie sie diese vor dem Maßstab sozialer Verantwortlichkeit bewerten. Die eigene Entscheidung der Rezipient*innen legt demnach fest, welche Wertung sie Pornographie zuschreiben. Mit einer beschreibenden und damit wertneutralen Definition ist es möglich die Pornographienutzung von Jugendlichen nicht nur mit möglichen Risiken zu betrachten, sondern auch mit Chancen bzw. Nutzungspotenzialen (vgl. Vogelsang 2017, S.24). Aufgrund dieser Betrachtung werden in dieser wissenschaftlichen Ausarbeitung die inhaltlichen Aspekte von Zillmann und die von Döring angesprochene ‚eingeschränkt geltendeʻ funktionale Ebene vereint.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Abstract: Fasst die zentrale Fragestellung der Arbeit zusammen, die sich mit der Gegenüberstellung von Pornographie und Sexualverhalten Jugendlicher befasst, und betont die Rolle von Medienkompetenz.
2. Vorwort: Erläutert die persönliche Motivation der Autorin, sich mit Tabuthemen wie Pornographie und sexueller Viktimisierung zu beschäftigen, und beleuchtet die eigene Entwicklung der sexuellen Identität in diesem Kontext.
3. Einleitung: Führt in die Forschungsthemen sexuelle Viktimisierung in Onlinekommunikation und Pornographie ein und diskutiert die potenziellen Risiken und Chancen für Jugendliche im Kontext ihrer sexuellen Sozialisation.
4. Sexuelle Viktimisierung: Definiert verschiedene Formen sexueller Übergriffe in der Onlinekommunikation und diskutiert den umfassenden Begriff der sexuellen Viktimisierung sowie dessen Merkmale und Auswirkungen.
5. Pornographie: Untersucht das Begriffsverständnis von Pornographie aus verschiedenen Perspektiven, einschließlich juristischer Definitionen und der Sichtweise von Jugendlichen, sowie die Vielfalt des Pornographie-Angebots.
6. Pornographie und Studierende: Analysiert quantitative und qualitative Studien zum Pornographiekonsum und Masturbationsverhalten von Studierenden, um Veränderungen im Sexualverhalten mit zunehmendem Alter zu beleuchten.
7. Sexuelle Musikvideos: Diskutiert die Rolle von sexuell konnotierten Musikvideos als Teil medialer Sexualisierung und deren Wirkungsmuster auf junge Menschen, wobei Geschlechterstereotype aufgezeigt werden.
8. Aktueller Forschungsstand: Gibt einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu sexueller Viktimisierung in Onlinekommunikation und Pornographie, beleuchtet Unterschiede zwischen Geschlechtern und identifiziert Wissenslücken bei Jugendlichen.
9. Sexualität: Erörtert die Definition von Sexualität aus biologischer, psychologischer und soziokultureller Sicht und beschreibt die sexuelle Sozialisation sowie die Entwicklung sexueller Identität im Jugendalter.
10. Stellenwert von Medien im Sozialisationsprozess: Analysiert die Mediatisierung der Gesellschaft und die Rolle digitaler Medien bei der sexuellen Sozialisation Jugendlicher, einschließlich sexueller Onlinekommunikation und Pornographie.
11. Fazit: Zieht Schlussfolgerungen zur Problematik des Begriffs Pornographie, fordert eine Neubewertung und Anpassung der Gesetzeslage sowie eine stärkere Fokussierung der Pädagogik auf Chancen und Selbstbestimmung im Umgang mit sexualbezogenen Medien.
Schlüsselwörter
Pornographie, Sexualverhalten, Jugendliche, Medienkompetenz, sexuelle Viktimisierung, Onlinekommunikation, sexuelle Sozialisation, sexuelle Identität, Pädagogik, Prävention, Geschlechterrollen, digitale Medien, Selbstbestimmung, Mediennutzung, Risiko- und Chancenpotenziale
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Arbeit beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Pornographie und dem Sexualverhalten von Jugendlichen, insbesondere im Hinblick auf mediale Darstellungen, individuelles Erleben und die Entwicklung von Medienkompetenz.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die mediale Darstellung pornographischer Inhalte, das individuelle Erleben und die Medienkompetenz Jugendlicher, sexuelle Viktimisierung in der Onlinekommunikation sowie die Chancen und Risiken sexualbezogener Mediennutzung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, eine Datenlage zu Wissen, Fähigkeiten und Einstellungen von Jugendlichen im Umgang mit sexueller Viktimisierung und Pornographie zu schaffen und daraus Empfehlungen für die Förderung sexualbezogener Medienkompetenz abzuleiten. Die Forschungsfrage lautet: „Welche Kenntnisse, Fähigkeiten und Einstellungen zeichnen kompetenten Umgang mit sexueller Viktimisierung in Onlinekommunikation und Pornographie aus?“
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse bestehender quantitativer und qualitativer Studien, Expert*innenbefragungen sowie eine quantitative Befragung von Jugendlichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt umfassend das Begriffsverständnis von Pornographie, die juristische Definition, das Spektrum des Pornographie-Angebots, den Pornographiekonsum bei Studierenden, die Rolle sexueller Musikvideos, den aktuellen Forschungsstand zu sexueller Viktimisierung und Pornographie, sowie die Entwicklung von Sexualität und sexueller Identität im Kontext medialer Sozialisationsprozesse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Pornographie, Sexualverhalten, Jugendliche, Medienkompetenz, sexuelle Viktimisierung, Onlinekommunikation, sexuelle Sozialisation und Identitätsentwicklung.
Wie definiert die Arbeit "Pornographie" aus juristischer Sicht?
Aus juristischer Sicht ist eine Darstellung dann pornographisch, wenn sexuelle Vorgänge in grob aufdringlicher, anreißerischer Weise durchgeführt werden und primär auf die Aufreizung sexuellen Triebes abzielen, wobei die Grenzen des sexuellen Anstands eindeutig überschritten werden.
Welche Rolle spielt die sexuelle Sozialisation im Kontext dieser Arbeit?
Sexuelle Sozialisation wird als lebenslanger Prozess beschrieben, in dem sexuelles Denken, Fühlen und Handeln im Zusammenspiel von Individuum und Gesellschaft ausgehandelt und entwickelt werden, wobei Medien eine immer wichtigere Rolle als Informations- und Erfahrungsräume spielen.
Welche Bedeutung haben die Befragungen von Expert*innen und Jugendlichen für die Arbeit?
Die Befragung von Expert*innen diente dazu, ein Kompetenzraster für den Umgang Jugendlicher mit sexualbezogenen Medien zu entwickeln, während die Befragung von Jugendlichen Einblicke in deren tatsächliche Kenntnisse, Fähigkeiten und Einstellungen zu Pornographie und sexueller Viktimisierung gab, um Defizite aufzuzeigen.
Inwiefern unterscheidet sich Mainstream-Pornographie von Non-Mainstream-Pornographie in der Darstellung?
Mainstream-Pornographie fokussiert sich oft auf das männliche Sexualvergnügen und stellt Geschlechtsakte entemotionalisiert und mechanisiert dar, während Non-Mainstream-Pornographie, wie Fem Porn, die weibliche Lust in den Vordergrund rückt und durch Blickkontakt zwischen Darsteller*innen und Kamera gekennzeichnet ist.
- Citar trabajo
- Marie Josefine Grabner (Autor), 2022, Pornographie und das Sexualverhalten von Jugendlichen. Mediale Darstellung und individuelles Erleben, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1331229