Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, ob die Gemeinwesenarbeit ein traditionsreiches Konzept ist, welches seine Daseinsgrundlage lediglich in der Vergangenheit hat, oder doch ein gegenwärtiges Instrument der Sozialen Arbeit ist.
Die Gemeinwesenarbeit ist ein Fachbegriff aus dem Bereich der sozialen Arbeit und hat eine weitreichende Tradition. Sie intentioniert ein zielgruppen-übergreifendes Handeln und stützt sich auf den Stadtteil als Sozialraum zahlreicher Individuen. In seiner Historie wandelte sich der Begriff der GWA zunächst von einer Methode, zu einem Arbeitsfeld und schließlich zu einem Arbeitsprinzip.
Entsprechend der gegenwärtigen Ausformung als sozialräumliche Stadtteilarbeit zur Initiierung bürgerschaftlichen Engagements ist es eine aktuelle Form des Empowerments. Verschreibt sie sich zwar vorrangig der Arbeit an der Gemeinschaft und weniger am Individuum, verschafft sie den AkteurInnen jedoch die Möglichkeit selbst aktiv zu werden, ihre Anliegen selbst umsetzen und wirkt dabei ressourcenübergreifend.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Entstehung und Entwicklung
2.1 Die Settlementbewegung und die Entstehung in Deutschland
2.2 Zwischen Methode und Arbeitsprinzip
3 Gemeinwesenarbeit
3.1 Begriffserklärung
3.2 Ziele
3.3 Arbeitsprinzipien
3.4 Dimensionen der Gemeinwesenarbeit
3.5 Voraussetzungen für erfolgreiche Gemeinwesenarbeit
4 Komplexe der Gemeinwesenarbeit nach Rothschuh und Spitzenberger
4.1 Gemeinwesenarbeit als soziale Stadtteilentwicklung
4.2 Gemeinwesenarbeit als Sozialraumorientierung
4.3 Gemeinwesenarbeit als Bürger-Beteiligung
5 Quartiersmanagement
5.1 Begriffsbestimmung Quartier
5.2 Begriffsbestimmung Quartiersmanagement
5.3 Bezug zur Gemeinwesenarbeit
6 Fazit
7 Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Seminararbeit untersucht die historische Entwicklung sowie die gegenwärtige Bedeutung der Gemeinwesenarbeit (GWA) und stellt die Kernfrage, ob es sich dabei um ein traditionsreiches Konzept mit reinem Vergangenheitsbezug handelt oder um ein zeitgemäßes Instrument moderner Sozialer Arbeit.
- Historische Wurzeln und Entwicklung der Settlementbewegung
- GWA im Spannungsfeld zwischen Methode und Arbeitsprinzip
- Strukturen und Dimensionen der Gemeinwesenarbeit
- Analyse der Komplexe nach Rothschuh und Spitzenberger
- Bedeutung und Funktion des modernen Quartiermanagements
Auszug aus dem Buch
Die Settlementbewegung und die Entstehung in Deutschland
Im Zuge der industriellen Revolution bildeten sich in Europa neue gesellschaftliche Klassen heraus. Aus den damalig herrschenden Umständen der Armut und des Elends entkeimte eine Arbeiterbewegung. Das Industrieproletariat drängte auf eine Verbesserung der Lage. Der Bildungszugang war noch immer ein Privileg der oberen Stände. Die traditionellen bürgerlichen Formen der sozialen Sicherung wie Gilden, Spitäler, Stiftungen und Zünfte standen ihnen ebenso wenig zur Verfügung. Der Bedarf nach Hilfe- und Unterstützungsangeboten war immens. Dadurch rückten soziale Strukturen, die gesamte Gesellschaft oder Einheiten wie Stadtteile in das Sichtfeld und Interesse von Professionellen.
Die bisherigen Konzepte sozialer Arbeit, die Soziale Einzelfallhilfe und die Soziale Gruppenarbeit, betrachteten die bestehenden Umweltfaktoren lediglich als Randbedingungen und legten ihr Fokus auf andere Faktoren. Einige waren von den gesellschaftlichen Verhältnissen ihrer Zeit geprägt, weshalb sie aus humanitären, religiösen und sozialistischen Positionen und Motiven aktiv wurden, um Bevölkerungsgruppen, die weniger privilegiert waren, zu helfen. Ziel war die Um- oder Neugestaltung ihrer Lebensumstände in den Arbeiterquartieren zu unterstützen und aktiv zu begleiten. Die Bewegung der britischen und US-amerikanischen Settlements spielt hier eine äußerst relevante Rolle.
Der Gemeindepfarrer Barnett und seine Frau gründeten im Jahr 1884 das erste Settlement. Dabei handelte es sich um ein soziales Zentrum in einem Londoner Elendsquartier, der Toynbee Hall, welche nach dem Sozialreformer Arnold Toynbee (1852-1883) benannt wurde. Gemeinsam mit Studierenden der University of Oxford wollten sie mit Hilfe dieser Einrichtung neue Möglichkeiten der Bildung, lokalen Beschäftigung, Freizeitgestaltung, des nachbarschaftlichen Kontaktes sowie Gemeinschaften für Kinder, Jugendliche und Erwachsene erarbeiten. Das Ziel war demnach die gemeinsame Gestaltung des Stadtteils.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Differenzierung der Gemeinwesenarbeit ein und umreißt die Fragestellung zur Aktualität des Konzepts als Instrument Sozialer Arbeit.
2 Entstehung und Entwicklung: Der Abschnitt erläutert die historische Entstehung aus der Settlementbewegung sowie den theoretischen Wandel der GWA von einer Methode zu einem Arbeitsprinzip.
3 Gemeinwesenarbeit: Hier werden Definitionen, Ziele, Prinzipien sowie die verschiedenen Dimensionen und Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung der GWA im Sozialraum dargelegt.
4 Komplexe der Gemeinwesenarbeit nach Rothschuh und Spitzenberger: Das Kapitel analysiert GWA anhand der drei Komplexe soziale Stadtteilentwicklung, Sozialraumorientierung und Bürger-Beteiligung.
5 Quartiersmanagement: Es erfolgt eine begriffliche Bestimmung von Quartier und Quartiersmanagement sowie die Analyse des Bezugs zur klassischen Gemeinwesenarbeit.
6 Fazit: Das Fazit beantwortet die zentrale Fragestellung, indem die GWA als aktuelles Instrument des Empowerments unter modernen Begrifflichkeiten identifiziert wird.
7 Literaturverzeichnis: Hier findet sich das Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und elektronischen Medien.
Schlüsselwörter
Gemeinwesenarbeit, GWA, Soziale Arbeit, Sozialraumorientierung, Settlementbewegung, Empowerment, Stadtteilentwicklung, Quartiersmanagement, Bürgerbeteiligung, Arbeitsprinzip, Methode, Sozialraum, Zivilgesellschaft, Soziale Infrastruktur, Gemeinwesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Konzept der Gemeinwesenarbeit (GWA), ihrer historischen Herleitung sowie ihrer Bedeutung und Einordnung in der modernen Sozialen Arbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Settlementbewegung, der theoretischen Debatte zwischen GWA als Methode oder Arbeitsprinzip sowie der Verknüpfung mit stadtteilspezifischen Handlungsansätzen wie dem Quartiermanagement.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Kernfrage lautet, ob die GWA ein traditionsreiches Konzept ist, das lediglich in der Vergangenheit verankert ist, oder ob es sich um ein zeitgemäßes Instrument heutiger Sozialer Arbeit handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine Seminararbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse und der Aufarbeitung einschlägiger Fachpublikationen basiert.
Welche Themen werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die historische Entstehung, die inhaltliche Definition von GWA, die Differenzierung in Komplexe nach Rothschuh und Spitzenberger sowie die Analyse des Quartiersmanagements.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gemeinwesenarbeit, Empowerment, Sozialraumorientierung und Quartiersmanagement definiert.
Wie unterscheidet sich die territoriale von der funktionalen Gemeinwesenarbeit?
Die territoriale GWA fokussiert sich auf einen politisch-ökologischen Raum und dessen räumliche Gegebenheiten, während die funktionale GWA auf spezifische gesellschaftliche Systeme wie Bildung, Arbeit oder Wohnen abzielt.
Welchen Stellenwert nimmt die Bürgerbeteiligung im Konzept der GWA ein?
Bürgerbeteiligung wird als essenzieller Teil der GWA betrachtet, der darauf abzielt, Betroffene zu befähigen, ihre Interessen selbstbewusst zu formulieren und aktiv in Planungsprozesse einzubinden.
Warum ist das "Prinzip der lokalen Richtigkeit" für die GWA wichtig?
Es verdeutlicht, dass Lösungen aus einem Stadtteil nicht direkt auf andere übertragbar sind, da jede Stadt bzw. jeder Stadtteil eigene spezifische Rahmenbedingungen aufweist.
Welches Fazit zieht die Autorin zur Aktualität der GWA?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die GWA nach wie vor aktuell ist, wenn auch heute häufig unter moderneren Begriffen wie Stadtteilentwicklung oder sozialraumorientierte Arbeit diskutiert wird.
- Arbeit zitieren
- Angelina Lorenz (Autor:in), 2022, Gemeinwesenarbeit heute. Zwischen Methode und Arbeitsprinzip, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1331678