Die Hausarbeit untersucht, wie im Roman „Jüdinnen“ (1911) von Max Brod die beiden Figuren Hugo und Irene im Hinblick auf ihr Gender konzipiert sind. Grundlage der Analyse sind sowohl die Kategorien Modus und Stimme nach Martínez und Scheffel, als auch auf das Modell der narrativen Kommunikation von Fotis Jannidis.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Forschungsfrage und analytischer Ansatz
1.2. Kontextualisierung
2. Analyse
2.1. Perspektivierung durch Hugo
2.2. Interaktion mit Irene
2.3. Mutter und Tochter
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das in Max Brods Erzählung „Jüdinnen“ (1911) entworfenen Gender-Konzept von Weiblichkeit. Im Zentrum steht dabei die Analyse der Erzählinstanz Hugo und deren Einfluss auf die Skizzierung der weiblichen Hauptfigur Irene sowie die Darstellung der Mutter-Tochter-Beziehung.
- Analyse der heteronormativen Geschlechterkonstruktionen in der Erzählung
- Untersuchung der Perspektivierung und Fokalisierung durch die Erzählinstanz Hugo
- Reflektion über das literarische Motiv der „Schönen Jüdin“ im Kontext der Moderne
- Deutung der Mutter-Tochter-Konflikte vor dem Hintergrund jüdischer Emanzipationsphasen
- Kontrastierung von Fremdwahrnehmung und Selbstverständnis der weiblichen Figuren
Auszug aus dem Buch
2.1. Perspektivierung durch Hugo
Der Modus der fiktionalen Erzählung nach Martínez und Scheffel, welcher sich auf die Mittelbarkeit der Erzählinstanz bezieht, liegt in Form einer internen Fokalisierung vor, als eine Mitsicht der unmittelbar am Geschehen teilnehmenden Figur Hugo. Die Darstellung Hugos Figuren bewusstseins erfolgt in Form der erlebten, transponierten Rede, seine inneren Vorgänge werden durch die Form des epischen Präteritums und die Verwendung der dritten Person, in eine narrative Instanz der Erzählerberichts integriert. Dabei gehört der hetero-, und extradiegetische Erzähler nicht zu den Figuren der Geschichte, er übernimmt das Innenleben Hugos, und verrät nicht mehr, als dieser weiß (S.13: „[...] allem Anschein nach ein Kellner, [...] zeigte sich bei näherer Betrachtung eher in der Rolle eines Wartenden, als eines Helfers“).
Die Szene wird im narrativen Modus erzählt, mit einer perspektivischen Distanz zum Geschehen, welche sich sowohl an der Zeitform des Präteritums als auch den Kommentaren und Reflexionen auf der Erzählebene festmachen lässt (S.13: „Hugo stand still, ungewiss, ob er eingreifen sollte“). Die Ereignisse sind chronologisch aneinandergereiht und werden in Form einer szenischen und zeitdeckenden Erzählung mitsamt Dialogen direkter Rede dargelegt. Diese wird häufig durch Hugos Gedankenrede unterbrochen und kommentiert (vgl. S.16f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema, die Forschungsfrage sowie eine erste Kontextualisierung der literaturwissenschaftlichen Fragestellung.
2. Analyse: Detaillierte Untersuchung der Erzählperspektiven, der Interaktion zwischen den Figuren und der Darstellung familiärer Rollenkonflikte.
3. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse hinsichtlich der Konstruktion von Weiblichkeit und der jüdischen Identität in Max Brods Erzählung.
Schlüsselwörter
Max Brod, Jüdinnen, Gender-Konzept, Weiblichkeit, Erzählinstanz, Hugo, Irene, jüdische Identität, Emanzipation, Narratologie, Fremdwahrnehmung, Geschlechterrollen, Moderne, Literaturanalyse, Intersexualität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Geschlechterkonzept in Max Brods Erzählung „Jüdinnen“ und beleuchtet, wie die männliche Erzählhaltung das Bild der weiblichen Figuren formt.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die erzähltheoretische Perspektivierung, die Konstruktion von Geschlechterrollen und der sozialhistorische Kontext der jüdischen Emanzipation um 1900.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Forschungsfrage untersucht, wie die Erzählinstanz Hugo ein Gender-Konzept von Weiblichkeit entwirft und wie durch seine spezifische Perspektive die Figur Irene skizziert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt narratologische Analyseinstrumente, insbesondere das Modell der internen Fokalisierung nach Martínez und Scheffel, kombiniert mit einer historischen Kontextualisierung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Hugos Perspektivierung, die Interaktion mit Irene sowie die spezifische Dynamik innerhalb der Mutter-Tochter-Beziehung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die inhaltliche Ausrichtung?
Wichtige Begriffe sind Gender-Konzept, Erzählinstanz, jüdische Identität, heteronormatives Geschlechtersystem und die Analyse der literarischen Figur der „Schönen Jüdin“.
Inwiefern beeinflusst Hugos Blick die Wahrnehmung von Irene?
Hugos Blick ist von einer idealisierenden Fremdwahrnehmung geprägt, die Irene auf ein passives „Weiblichkeitsideal“ reduziert, das seiner eigenen Projektionsfläche entspricht.
Welche Rolle spielt das gesellschaftliche Umfeld für die Figur der Irene?
Irene steht in einem ständigen Konflikt zwischen den bürgerlichen Erwartungen ihrer Mutter und ihrem eigenen, eher modernen und intellektuellen Selbstverständnis.
Wie unterscheidet sich die Wahrnehmung der Mutter von ihrer Tochter Irene?
Die Mutter betrachtet Irene vor allem durch die Brille traditioneller Heiratskonventionen und zeigt wenig Verständnis für Irenes innere Unabhängigkeit oder Komplexität.
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- Lucie Engert (Author), 2022, Genderkonzept und Weiblichkeit in Max Brods "Jüdinnen". Wie die Erzählinstanz Hugo die Figur Irene schafft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1332132