Das unterschiedliche Interesse an der Geschichte

Dargestellt am Begriff Reformation aus katholischer und marxistischer Sicht


Seminararbeit, 1991

10 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Klärung des Begriffes Reformation

3. Reformation aus katholischer Sicht

4. Reformation aus marxistischer Sicht

5. Schlussbemerkungen

6. Literaturangaben

1. Einleitung

Es gibt immens viele Möglichkeiten das unterschiedliche Interesse an der Geschichte und der Geschichtsschreibung aufzuzeigen. Man könnte dies anhand verschiedener Theorien oder verschiedener Historiker tun. Noch aufschlussreicher und ergiebiger ist dies anhand eines Sachthemas. Das Thema „Reformation“, an dem Kirchen- wie Profangeschichtler gleichermaßen Interesse bekunden, ist dafür geradezu ideal, um daran die unterschiedlichsten Interessen, Einstellungen und Blickwinkel aufzudecken. Denn so schreibt Ernst Walter Zeeden: „ Wer sich also in das Studium der reformationsgeschichtlichen Literatur der letzten 400 Jahre vertieft, wird gerade aus dieser Materie besonders deutlich den Eindruck gewinnen, daß das historische Urteil gebunden ist, sogar stark gebunden ist an die Individualität des Historikers und an seinen vorwissenschaftlichen Standort in der Welt.“[1]

Die Reformation hat schon immer eine ungeheure Wirkung auf die Leute ausgeübt, auch auf Wissenschaftler und Publizisten. Dies zeigt die Fülle an Literatur hierüber. Daher sollen an dieser Stelle exemplarisch nur zwei grundlegende Sichtweisen aufgezeigt wer-den: die Reformation aus katholischer Sicht (Joseph Lortz) und aus marxistischer Sicht (Joachim Streisand).

2. Klärung des Begriffes Reformation

Zwar ist der Begriff Reformation nach Wort- und Sinngehalt in sich ungenau abgegrenzt und wird auch in verschiedenem Zusammenhang gebraucht, aber dennoch eignet sich recht gut die nachstehende, ziemlich neutral formulierte Definition: „Reformation (Lat; = Umgestaltung, Erneuerung). Bezeichnung für die durch Luther ausgelöste religiöse Be-wegung im 16. Jahrhundert. Der Begriff Reformation findet sich bereits vielfach im späten Mittelalter, das z. B. nach einer Reformation der Kirche an Haupt und Gliedern verlangte. Erst seit dem 17. Jahrhundert wird er auf die von Luther ausgelöste Bewegung angewandt. Der Beginn der Reformation ist eindeutig mit Luther gegeben.“[2]

Diese allgemein gehaltene Formulierung ist oft schon der ganze hauchdünne Konsens in der Bewertung dieses Begriffes. So wollte man sich in der katholischen Kirche lange nicht an den Begriff Reformation gewöhnen, man verwendete vielmehr den Begriff der Kirchen- oder Glaubensspaltung und die DDR-marxistische Bewertung spricht anstatt von Reformation allzu gerne von Revolution.

3. Reformation aus katholischer Sicht

Wie lange sich die ablehnende Haltung der katholischen Kirche gegenüber der Reformation gehalten hat, zeigen nachfolgende Auszüge: „Die sogenannte Reformation ist wohl unter allen Bewegungen in der Welt- und Kirchengeschichte diejenige, welche ihren Namen mit dem größten Unrecht führt. In allen Jahrhunderten, auf zahllos vielen Concilien und Synoden hat die Kirche an der Reformation, d.h. der Verbesserung dessen gearbeitet, was zur natürlichen, zur menschlichen Seite der Kirche gehört und deswegen immer reformbedürftig bleibt.“[3]

Dass es im Mittelalter Erneuerungsbewegungen gab, sei es durch die Reformkonzilien oder durch die Bettelorden, wird niemand bestreiten können. Aber zum einen blieb es häufig bei Reformversuchen, die oft nur halbherzig durchgeführt wurden und zum anderen konnten die neuen Orden in breiter Ebene nicht das bewirken, was nötig gewesen wäre, um zu einer echten Lösung der kirchlichen Missstände zu gelangen. Umgekehrt darf man die Wirkung der Bettelorden aber nicht zu gering veranschlagen, denn schließlich kam Luther selbst aus einem schon reformierten Orden. Man muss Luther und der Reformation den Stellenwert einräumen, der den Umständen gerecht wird. Dass Luther und somit die Reformation sowohl Positives als auch Negatives gebracht hat, muss man ganz klar sehen.

„Die protestantisch-theologische Literatur der Reformationsperiode war nicht eine wissenschaftliche Begründung der neuen Lehre, sondern ein rohes, maßloses Schimpfen über die katholische Kirche. ... Also nicht Reformation, sondern Deformation des kirchlichen, sozialen, wissenschaftlichen, künstlerischen, politischen Lebens. ... Wenn in dem heutigen Protestantismus die oben geschilderten Deformationen nicht wie in den ersten Zeiten der Glaubensspaltung zu Tage treten, wenn es viele gläubige, aufrichtig fromme und gewissenhafte Protestanten gibt, hat das seinen Grund in einem glücklichen Nichtkennen der eigentlich von Luther aufgestellten Reformationsprincipien und in einer unbewußten Annäherung an die Lehre und Praxis der katholischen Kirche.“[4]

[...]


[1]Zeeden, Die Deutung Luthers und der Reformation als Aufgabe der Geschichtswissenschaft, in: Tübinger Theologische Quartalsschrift 140 (1960), S. 137.

[2] Meyers Enzyklopädisches Lexikon, Bd. 19, Mannheim 1977 (9. Auflage), S. 701.

[3] Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon, S. 881.

[4] Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon, S. 890f.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Das unterschiedliche Interesse an der Geschichte
Untertitel
Dargestellt am Begriff Reformation aus katholischer und marxistischer Sicht
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
gut
Autor
Jahr
1991
Seiten
10
Katalognummer
V133238
ISBN (eBook)
9783640399130
ISBN (Buch)
9783640398638
Dateigröße
417 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interesse, Geschichte, Dargestellt, Begriff, Reformation, Sicht
Arbeit zitieren
Dr., M.A. Roland Engelhart (Autor), 1991, Das unterschiedliche Interesse an der Geschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133238

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