Ziel dieser Arbeit ist, zu hinterfragen, inwieweit eine Verhinderung oder Minderung räumlicher Segregation in Zeiten eines vorherrschenden neoliberalen Paradigmas zu erreichen ist. Dabei werden sowohl der Neoliberalismus, als auch die theoretische Einbettung und die Hintergründe der Segregation als zentrale Themen erörtert. Es wird nicht der Anspruch erhoben, diese umfangreich abzuhandeln, sondern lediglich deren Relevanz für die aktuelle Debatte über residentielle Segregation darzustellen. Ferner soll der Begriff "Parallelgesellschaft" näher beleuchtet werden, da dieser in dem thematisierten Zusammenhang einen guten Anknüpfungspunkt für die in dieser Hausarbeit diskutierten Wirkungsmechanismen bietet.
Insbesondere durch die Flüchtlingsströme in den vergangenen Jahren wurde die Debatte um stadträumliche Segregation seitens der Stadtpolitik und vor allem der Medien wiederbelebt. Dabei wurde das in der Öffentlichkeit herrschende Stimmungsbild in besonderem Maße von den Medien beeinflusst und die sich in europäischen Städten abzeichnenden Flüchtlingssiedlungen als No-Go Area postuliert oder als soziale Brennpunkte mit überhöhter Ausländerkriminalität diskreditiert. Stadträumliche Segregation im Sinne einer ungleichen Verteilung verschiedener Bevölkerungsschichten in der Stadt ist schon lange ein viel diskutiertes Thema von Stadtsoziologen. Die Frage nach den Ursachen und Wirkungen von Segregation ist dabei immanenter Forschungsgegenstand. Hierbei werden sowohl individuelle Gründe, die auf der freiwilligen Wahl es Wohnstandortes beruhen angeführt, als auch externe systemische Gründe. Zweitgenannte sollen den Ausgangspunkt dieser Arbeit bilden. Denn nach allgemein vertretener Auffassung, sind insbesondere ökonomische Marktmechanismen dafür verantwortlich, dass privilegierte Bevölkerungsschichten mehr Einfluss auf die Wahl ihres Wohnstandortes haben als andere, die meist in ein bestimmtes Quartier ausweichen müssen. Somit wird sozialräumliche Segregation den Mechanismen einer neoliberalen Wirtschaftspolitik zugeschrieben. Aufgrund der Annahme, dass sozialräumliche Segregation soziale Segregation intensiviert und integrationshemmend wirkt, ist das Ziel der Stadtpolitik in Deutschland, die Schaffung einer gesunden sozialen Mischung im städtischen Raum.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Stadt im Neoliberalismus
3 Zu den Hintergründen der Segregation
3.1 Strukturalistischer Erklärungsansatz
3.2 Soziale Mischung
3.3 David Harvey
4 Parallelgesellschaften: Ein zutreffender Begriff?
4.1 Parallelgesellschaft – Definition und politischer Diskurs
4.2 Stadt der Vielfalt – Parallelgesellschaften als Potential der Städte?
4.3 Auflösung des Begriffs Kultur und Ethnie
4.4 Partizipation als Ausweg inmitten neoliberaler Paradigmen?
5 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit hinterfragt, inwieweit eine Minderung oder Verhinderung räumlicher Segregation unter den Bedingungen eines vorherrschenden neoliberalen Paradigmas überhaupt möglich ist. Sie untersucht dabei die theoretische Einbettung von Segregationsprozessen in die neoliberale Stadtentwicklung und analysiert kritisch, ob Konzepte wie soziale Mischung oder Partizipationstrends tatsächlich zu einer Überwindung struktureller Ungleichheiten beitragen können.
- Strukturerklärung residenzieller Segregation in neoliberalen Systemen.
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff und Diskurs um "Parallelgesellschaften".
- Analyse der Rolle des Staates und neoliberale Marktmechanismen auf dem Wohnungsmarkt.
- Die Funktion von Partizipation und Empowerment als neue stadtpolitische Instrumente.
- Diskussion des gesellschaftskritischen Ansatzes von David Harvey in Bezug auf urbane Räume.
Auszug aus dem Buch
3.1 Strukturalistischer Erklärungsansatz
Der strukturalistische Erklärungsansatz sieht Marktmechanismen des Wohnungsmarktes als Teil des komplexen Ursachengeflechtes, welches segregierte Stadträume entstehen lässt. Demnach haben wohlhabendere Bevölkerungsschichten mehr Wahlmöglichkeiten hinsichtlich ihres Wohnstandortes, während sozial schwache Bevölkerungsschichten in relativ günstigere Gegenden ziehen müssen. Im Sinne marktwirtschaftlicher Mechanismen zentrieren sich jene Schichten in günstigen, meist am Stadtrand gelegenen Quartieren. Diese sozialräumlichen Segregationsprozesse gehen häufig mit ethnischer Segregation einher, da Geflüchtete und Migranten aufgrund ihres Aufenthaltsstatus und nicht anerkannten Qualifizierungen, eines geringeren Bildungsniveaus oder sprachlicher Barrieren weniger Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben und demzufolge weniger Geld zur Verfügung haben, um ihr Wohnquartier zu wählen.
Diskriminierende Vermieter und Mieterhöhungen schränken die Handlungsräume dieser Gruppen zusätzlich ein. Dies führt folglich zu einer Überlagerung sozialer und ethnischer Segregation (FARWICK 2012: 410; BÜRKNER 2014: 108 ff).
In Deutschland ist insbesondere seit den 1980er Jahren eine Zunahme sozialräumlicher Segregation zu beobachten. Während nach dem 2. Weltkrieg die Förderung des sozialen Wohnungsbaus noch oberste Priorität hatte, ist seitdem ein Rückzug des Staates aus solchen Programmen zu verzeichnen, was zur Bildung segregierter Stadträume beiträgt und zusätzlich durch Gentrifzierungsprozesse verstärkt wird. Diese Mechanismen sind innerhalb neoliberaler Wirtschaftsweisen von Privatisierungen und der Kürzung öffentlichen Gelder zu verorten sind (FARWICK 2012: 385 ff).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Debatte um Segregation und setzt das Ziel, die Möglichkeiten der Segregationsminderung im neoliberalen Kontext zu hinterfragen.
2 Die Stadt im Neoliberalismus: Dieses Kapitel erläutert die Grundzüge der neoliberalen Wirtschaftsordnung und deren Transfer auf urbane Räume.
3 Zu den Hintergründen der Segregation: Hier werden theoretische Erklärungsansätze für Segregation, die Debatte zur sozialen Mischung und die Perspektive von David Harvey dargelegt.
4 Parallelgesellschaften: Ein zutreffender Begriff?: Dieses Kapitel hinterfragt kritisch den Begriff der Parallelgesellschaft und untersucht neuere stadtpolitische Ansätze und Partizipationsmodelle.
5 Fazit: Das Fazit resümiert, dass eine Überwindung von Segregation innerhalb neoliberaler Strukturen kaum möglich ist und diese systemimmanente Begleiterscheinungen bleiben.
Schlüsselwörter
Neoliberalismus, Segregation, Stadtentwicklung, Parallelgesellschaft, soziale Mischung, David Harvey, Partizipation, Empowerment, Wohnungsmarkt, urbane Raumökonomie, soziale Ungleichheit, Stadtplanung, Gentrifizierung, räumliche Selektion, Integration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen städtischen Segregationsprozessen und der neoliberalen Wirtschaftsordnung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Ursachen räumlicher Segregation, die Rolle des Marktes bei der Wohnstandortwahl und die Wirksamkeit politischer Gegenmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, ob Segregation in Zeiten eines neoliberalen Paradigmas wirksam verhindert oder abgemildert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse stadtsoziologischer und raumplanerischer Diskurse sowie der Anwendung systemkritischer Ansätze, insbesondere von David Harvey.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Es werden der strukturalistische Erklärungsansatz, das Paradigma der sozialen Mischung, der Begriff der Parallelgesellschaft sowie Partizipationsstrategien als Reaktion auf den Rückzug des Staates analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Neoliberalismus, Segregation, Parallelgesellschaft, soziale Gerechtigkeit und Stadtentwicklung geprägt.
Wie steht die Autorin/der Autor zum Begriff der "Parallelgesellschaft"?
Die Arbeit hinterfragt diesen Begriff als ein politisches Instrument zur Stigmatisierung und konstatiert, dass er oft zur Abgrenzung gegenüber Minderheiten genutzt wird, statt reale urbane Dynamiken differenziert zu beschreiben.
Welche Rolle spielt der Neoliberalismus für die Wohnsituation?
Der Neoliberalismus wird als treibende Kraft für die Polarisierung der Stadtgesellschaft identifiziert, da er soziale Sicherungen abbaut und die Wohnraumvergabe primär marktwirtschaftlichen Zyklen unterwirft.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2018, Städtische Segregationsdiskurse im Neoliberalismus. Ursachen und Wirkungen erklärt anhand von Parallelgesellschaften, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1333348