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Die deutsche Inflation 1914 - 1923: Eine Wirtschaftskrise?

Politische und ökonomische Fragen zur Geldentwertung nach dem 1. Weltkrieg

Title: Die deutsche Inflation 1914 - 1923: Eine Wirtschaftskrise?

Term Paper , 2009 , 21 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Matthias Wühle (Author)

History of Germany - World War I, Weimar Republic
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Der Versuch, die deutsche Inflation von 1914 – 1923 (im Folgenden deutsche Inflation genannt) in eine Reihe von Wirtschaftskrisen einzuordnen, erweist sich als problematisch. Im engeren Sinne werden als Wirtschaftskrisen zyklische (wenn auch unregelmäßige) Schwankungen in der gesamtwirtschaftlichen Aktivität bezeichnet, die ein Sinken von Reallöhnen, des Lebensstandards, des Bruttoinlands- und Sozialprodukts, sowie eine ansteigende Arbeitslosigkeit zur Folge haben. Synonym dazu wird auch der Begriff Depression verwendet. In einem Marktmodell, in dem Produktions- und Preisniveau auf einem Schnittpunkt von aggregierter Nachfrage- und Angebotskurve gebildet wird, kann es infolge äußerer Störungen vielfältigster Art zu Angebots- oder Nachfragerückgängen kommen, die wiederum zu Produktionsrückgängen oder Preissteigerungen führen. Dem Staat obliegt es nun, steuernd in diese Krise einzugreifen, um den ursprünglichen Gleichgewichtszustand wieder herzustellen. Der Markt (in welcher Ausprägung auch immer) ist also Verursacher, der Staat Regulierer. Schon beim Wahrnehmen der äußeren Symptome ist ersichtlich, dass die deutsche Inflation nicht in diese Kategorie fällt. Fasst man den Begriff der Wirtschaftskrise jedoch in einem weiten Sinne, könnte man auch sämtliche sonstigen Störungen des geordneten Wirtschaftslebens hinzurechnen, die z.B. weder in Reallohnsenkungen noch im Lebensstandardverfall resultierten und die auch keine Massenarbeitslosigkeit zur Folge hatten. Die Inflation ist eine Entwertung des Geldes und stellt damit eine Finanzkrise dar. Doch war die deutsche Inflation marktverursacht? Oder wurde sie vorsätzlich verursacht? Hätte man sie regulieren oder gar beseitigen können? Der vorliegenden Arbeit lege ich die These von Knut Borchardt zugrunde , nach der die deutsche Inflation keine echte Wirtschaftskrise war, sondern eine politische Krise, die mit ökonomischen Mitteln ausgetragen wurde, aber auch mit militärischen Mitteln, wie das Beispiel der Ruhrbesetzung zeigt. Einige Autoren sprechen sogar von einer „Inflationskonjunktur“ und verwenden damit einen der Krise entgegengesetzten Terminus. Lediglich in der Endphase der Krise führte der Währungszusammenbruch zu krisenhaften Erscheinungen ökonomischer Ausprägung.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. URSACHEN

3. VERLAUF

3.1. PHASE DER ZURÜCKGESTAUTEN INFLATION: 1914 – 1918

3.2. PHASE DER HOCHINFLATION: 1919 – 1922

3.3. PHASE DER HYPERINFLATION 1922 – 1923

3.4. BEENDIGUNG DER WÄHRUNGSKRISE

4. GELDENTWERTUNG ALS WAFFE

4.1. DAS ÖKONOMISCHE PARADOXON VON REPARATIONSZAHLUNGSFORDERUNGEN

4.2. INFLATION UND REPARATIONSZAHLUNGEN

4.3. DIE MILITÄRISCHE ESKALATION IN DER RUHRBESETZUNG

5. KONFLIKTLÖSUNG

6. ERGEBNISSE DER INFLATIONSPOLITIK

6.1. BILDUNGSNACHFRAGE

6.2. SCHULDNER

6.3. ARBEITSMARKT

6.4. DIE DEUTSCHE INDUSTRIE

6.5. WELTWIRTSCHAFT

6.6. EINKOMMENSVERTEILUNG

6.7. VERLIERER

7. FAZIT

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, ob die deutsche Inflation zwischen 1914 und 1923 als reine Wirtschaftskrise oder als politisches Instrument einzustufen ist. Dabei steht die These im Fokus, dass die Geldentwertung primär als politisches Mittel zur Kriegsfinanzierung und später als Druckmittel in den Reparationsverhandlungen fungierte.

  • Kriegsfinanzierung mittels Inflation (Münzgewinne)
  • Wechselwirkung zwischen Inflation und Reparationsforderungen
  • Die Ruhrbesetzung als militärische Eskalation der Finanzpolitik
  • Die Rolle der Inflation als ökonomischer Konjunkturmotor
  • Analyse der sozioökonomischen Auswirkungen und Gewinner/Verlierer

Auszug aus dem Buch

3.1. Phase der zurückgestauten Inflation: 1914 – 1918

Aufgrund der Umstellung von Friedens- auf Kriegsproduktion und der damit einhergehenden sprunghaften Veränderung der aggregierten Güternachfrage kam es ab 1914 zu einer Verknappung ziviler Güter, insbesondere von Lebensmitteln, die Preiserhöhungen zur Folge gehabt hätten, wenn der Staat nicht regulierend durch Höchstpreisverordnungen eingegriffen hätte. Dies wiederum hatte Qualitätsverschlechterungen, Güterverknappung und damit verbundenes Schlangestehen vor Geschäften, sowie die Bildung eines Schwarzmarktes zur Folge. Die Güterknappheit war dabei nicht nur eine Folge von Angebots- und Nachfrageveränderungen, sondern auch von Produktionsstörungen, die durch die Einberufungen und kriegsbedingte Verwendung von Transportmitteln entstanden waren.

Da man bei Kriegsbeginn davon ausgegangen war, im Siegesfalle durch Entschädigungssummen der besiegten Länder alle Kosten wieder hereinzubekommen und andererseits die anfangs vorhandene Kriegsbegeisterung nicht durch Besteuerung zu dämpfen wollte, bot sich eine indirekte „Inflationssteuer“ an. Der „Münzgewinn“, wie Otto Neurath die inflationsbedingte Geldschöpfung bezeichnet, resultiert dabei aus der Zeitverzögerung zwischen der Emission der Banknoten und den damit korrespondierenden Preissteigerungen. Den quasi steuerlichen Effekt der Geldentwertung hatte bereits John Stuart Mill 1852 herausgehoben. Da die „Inflationssteuer“ wahllos jeden trifft, der Nettogläubigerpositionen in inländischer Währung hält, Inländer wie Ausländer, konnte man die Kriegslasten entsprechend verteilen, und zwar ohne, dass die Bevölkerung einen Verursacher hätte ausmachen können.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Darstellung der Problematik, die Inflation in klassische Wirtschaftskrisen einzuordnen, und Einführung der These, dass es sich um eine politische Krise mit ökonomischen Mitteln handelte.

2. URSACHEN: Diskussion verschiedener theoretischer Ansätze zur Inflation, die den ökonomischen Aspekt zwar beleuchten, aber soziale und politische Faktoren oft vernachlässigen.

3. VERLAUF: Detaillierte Untersuchung der drei Phasen der Inflation von 1914 bis 1923, unterteilt in zurückgestaute Inflation, Hochinflation und Hyperinflation sowie deren Beendigung.

4. GELDENTWERTUNG ALS WAFFE: Analyse der Inflation als politisches Instrument zur Beeinflussung der internationalen Reparationsforderungen und der militärischen Ruhrbesetzung.

5. KONFLIKTLÖSUNG: Erläuterung, wie das Kräftemessen in die Überarbeitung der Reparationsbedingungen durch den Dawes-Plan mündete.

6. ERGEBNISSE DER INFLATIONSPOLITIK: Betrachtung der Auswirkungen auf verschiedene gesellschaftliche Gruppen, von der Bildungsnachfrage über den Arbeitsmarkt bis hin zur Einkommensverteilung.

7. FAZIT: Zusammenfassende Beantwortung der Ausgangsfrage, dass die Inflation in ihren ersten Phasen eine bewusste Finanzierungsmaßnahme und später ein politisches Druckmittel darstellte.

Schlüsselwörter

Deutsche Inflation, 1914-1923, Wirtschaftskrise, Finanzkrise, Reparationen, Geldentwertung, Inflationssteuer, Ruhrbesetzung, Dawes-Plan, Kriegswirtschaft, Weimarer Republik, Kaufkraft, Zentralbank, Geldpolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die deutsche Inflation zwischen 1914 und 1923 und hinterfragt kritisch, ob dieses Ereignis als klassische Wirtschaftskrise oder primär als politisches Machtinstrument zu bewerten ist.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Kriegsfinanzierung, die Auswirkungen der Reparationsforderungen aus dem Versailler Vertrag, die Eskalation durch die Ruhrbesetzung sowie die sozialen Umverteilungseffekte der Inflation.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Überprüfung der These von Knut Borchardt, wonach die deutsche Inflation keine echte Wirtschaftskrise war, sondern eine politische Krise, die mit ökonomischen Mitteln ausgetragen wurde.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor stützt sich auf eine historische und ökonomische Analyse, indem er zeitgenössische Theorien sowie wirtschaftsgeschichtliche Konzepte auf den Zeitraum von 1914 bis 1924 anwendet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in den Verlauf der Inflation in drei Phasen, die strategische Nutzung der Geldentwertung als Waffe gegen alliierte Forderungen und die Analyse der Gewinner und Verlierer innerhalb der deutschen Gesellschaft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Inflation, Reparationen, Kriegswirtschaft, Inflationssteuer, Ruhrbesetzung, Dawes-Plan, Kaufkraftverlust und politische Krisenstrategie.

Welche Rolle spielte die Ruhrbesetzung bei der Inflation?

Die Ruhrbesetzung wird als militärische Eskalation dargestellt, bei der die französische Seite versuchte, Reparationszahlungen zu erzwingen, während Deutschland mit passivem Widerstand reagierte, was den Währungsverfall weiter beschleunigte.

Welche Erkenntnis bietet das Kapitel zu den Ergebnissen der Inflationspolitik?

Es zeigt auf, dass die Inflation keine rein destruktive Kraft war, sondern zu einer gewissen wirtschaftlichen Konjunktur, Vollbeschäftigung und einer überraschenden Umverteilung führte, von der bestimmte Industriezweige und Schuldner profitierten.

Warum war die Inflation laut Autor kein "Zufall"?

Der Autor argumentiert, dass die Reichsführung die Inflation durch die bewusste Entscheidung gegen Steuererhöhungen und für die Ausweitung der Geldmenge vorsätzlich herbeiführte, um die Kriegsbegeisterung nicht durch finanzielle Belastungen zu gefährden.

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Details

Title
Die deutsche Inflation 1914 - 1923: Eine Wirtschaftskrise?
Subtitle
Politische und ökonomische Fragen zur Geldentwertung nach dem 1. Weltkrieg
College
University of Frankfurt (Main)  (Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte)
Course
Wirtschaftskrisen: Analysen und Geschichte
Grade
1,7
Author
Matthias Wühle (Author)
Publication Year
2009
Pages
21
Catalog Number
V133339
ISBN (eBook)
9783640447077
ISBN (Book)
9783640447640
Language
German
Tags
Inflation Wirtschaftskrise
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Matthias Wühle (Author), 2009, Die deutsche Inflation 1914 - 1923: Eine Wirtschaftskrise?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133339
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