Die Arbeit beantwortet die Fragestellung: „Wie kann man offenen Unterricht in Form eines Wochenplans im Rahmen des evangelischen Religionsunterrichts an Grundschulen im Kontext von Schüler*innen mit Lernstörungen gestalten?“ exemplarisch am Beispiel der Sintfluterzählung.
Immer wieder erscheinen pädagogische und psychologische Publikationen, die sich mit einzelnen Interaktionsformen innerhalb des Unterrichts an Schulen beschäftigen. Insgesamt haben diese gezeigt, dass das Konzept des Frontalunterrichts besonders an Grundschulen überholt, und nicht mehr zeitgemäß ist. Aus diesem Grund versuchen Lehrer*innen ihren Unterricht offener und abwechslungsreicher zu gestalten. Dies ist besonders vor dem Hintergrund einer heterogenen Klasse sinnvoll, weil so leichter auf die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Schüler*innen eingegangen werden kann. Eine Möglichkeit dafür ist das Konzept des offenen Unterrichts.
Die Arbeit gliedert sich dafür, exklusive Einleitung und Fazit, in drei Abschnitte. Der erste Teil widmet sich der Darstellung der theoretischen Grundlagen. In diesem Kontext wird auf das Thema Lernstörung und das Konzept des offenen Unterrichts eingegangen. Zunächst werden eine Begriffsdefinition und Merkmale für das Konzept des offenen Unterrichts herausgearbeitet. Darauf folgt eine Auswahl an Formen des offenen Unterrichts, welche an dieser Stelle kurz erläutert werden. Auch für den Begriff Lernstörung wird eine Definition formuliert. Zudem wird auf die Diagnostik, die Klassifikation und auf Ursachen, Erscheinungsbild und Auswirkungen einer Lernstörung eingegangen. Im Fokus des zweiten Kapitels steht die historisch-kritische Exegese der Sintfluterzählung in Genesis 6,5 – 9,17. Um die Intention des Textes herauszuarbeiten, wird der biblische Text inhaltlich und sprachlich untersucht. Neben dem Kontext der zugrundeliegenden Bibelstelle werden auch die Struktur und die Überlieferung der Geschichte untersucht. Ebenfalls werden verwendete Motive und Begriffe mit besonderer symbolischer Bedeutung näher betrachtet, um später interpretiert zu werden. Darauf folgt der Entwurf eines Wochenplans zum Thema Sintfluterzählung für Schüler*innen mit Lernstörungen, im Zuge des offenen Unterrichts. Bei diesem Wochenplanentwurf werden die zuvor herausgearbeiteten Erkenntnisse zur Sintfluterzählung berücksichtigt. Abschließend werden die Ergebnisse im Fazit gesammelt und die vorausgestellte Fragestellung versucht zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Offener Unterricht an Grundschulen
2.1 Definition und Merkmale des offenen Unterrichts
2.2 Formen des offenen Unterrichts
2.2.1 Freiarbeit/Freie Arbeit
2.2.2 Wochenplanarbeit
2.2.3 Projektarbeit
2.2.4 Stationenlernen
3. Schüler*innen mit Lernstörungen
3.1 Definition, Klassifikation und Diagnostik von Lernstörung
3.2 Ursachen, Erscheinungsbild und Auswirkungen von Lernstörungen
4. Exegetische Betrachtung der Sintfluterzählung (Gen 6,5 – 9,17) als Thema des Religionsunterrichts in der Grundschule
4.1 Hinführung
4.2 Analyse des Textes der Sintfluterzählung
4.2.1 Kontextanalyse
4.2.2 Strukturanalyse
4.2.3 Literarkritik
4.2.4 Begriffs- und Motivgeschichte
4.3 Vergleichende Analyse der Priesterschrift und der nichtpriesterlichen Quelle
4.3.1 Analyse der Priesterschrift (P)
4.3.2 Analyse der nichtpriesterliche Quelle/ Jahwist (J)
4.4 Interpretation der Sintfluterzählung
4.5 Fazit der Exegese
5. Entwurf eines Wochenplans zum Thema Sintfluterzählung für den Religionsunterricht der Grundschule
5.1 Ablauf des Wochenplans
5.2 Didaktische Überlegungen zum Wochenplan
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, wie offener Unterricht in Form eines Wochenplans innerhalb des evangelischen Religionsunterrichts an Grundschulen gestaltet werden kann, um insbesondere Schüler*innen mit Lernstörungen gezielt zu unterstützen und zu fördern.
- Theoretische Grundlagen zum Konzept des offenen Unterrichts
- Analyse von Lernstörungen und deren Auswirkungen auf den Lernprozess
- Historisch-kritische Exegese der Sintfluterzählung (Gen 6,5 – 9,17)
- Entwicklung eines zieldifferenten Wochenplans für heterogene Lerngruppen
- Didaktische Reflexion der Einsatzmöglichkeiten im Religionsunterricht
Auszug aus dem Buch
4.2.4 Begriffs- und Motivgeschichte
In der vorliegenden Bibelstelle befinden sich einige symbolische Begriffe und Motive, welche typisch für das Alte Testament sind. Diese werden im Folgenden näher betrachtet und erläutert. Da die betrachtete Erzählung sehr lang ist, werden im Folgenden nur einige wichtige Motive berücksichtigt.
Das erste Motiv, dass genauer betrachtet wird, ist die Arche. Die Arche ist schon aufgrund ihrer Bauweise nicht als Schiff zu verstehen sondern ähnelt durch ihre Kastenform und ihren Maßen einem Tempelgebäude. Als Tempelgebäude stellt sie als Raum des Heiligen einen Schutzraum des Lebens dar. Grundsätzlich geht es bei der symbolischen Intention von Booten und Schiffen im biblischen Kontext meist um die Kirche und den damit verbundenen Glauben. Für die Gläubigen bieten Boote und Schiffe Schutz vor Bedrohungen. In der griechischen Mythologie wird mit dem Wort Boot oder Schiff zumeist der Übergang zu einem bestimmten Ziel oder auch die Überfahrt der Toten ins Reich der Toten assoziiert. Für die Sintfluterzählung bedeutet die Arche also zum einen den Schutz vor der Flut selbst und zum anderen wäre ohne die Auserwählung Noahs durch Gott die gesamte Schöpfung vernichtet worden, hätte also den Übergang ins Totenreich auch für alle Lebewesen auf der Arche zur Folge gehabt.
Fluten, und somit auch die Sintflut, werden im biblischen Verständnis als etwas Bedrohliches wahrgenommen, da diese Naturgewalt unberechenbar und gefährlich sein kann. In der Sintfluterzählung wird die Macht Gottes in der Gewalt der Natur zum Ausdruck gebracht, indem er als Strafe für die sündige Menschheit die Erde durch einen vierzehntägigen Regen überschwemmt. Das Wasser steht dabei für die Vernichtung des Bösen und den Beginn allen Lebens, weil durch die Sintflut alles Böse vernichtet wurde und so ein neues Leben auf der Erde ermöglicht wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit begründet die Abkehr vom Frontalunterricht und erläutert die Forschungsfrage hinsichtlich der Gestaltung eines Wochenplans für Schüler*innen mit Lernstörungen im Religionsunterricht.
2. Offener Unterricht an Grundschulen: Dieses Kapitel definiert offener Unterricht als Sammelbegriff für Reformansätze und erläutert verschiedene Methoden wie Freiarbeit, Wochenplanarbeit, Projektarbeit und Stationenlernen.
3. Schüler*innen mit Lernstörungen: Hier werden Definitionen, Klassifikationen sowie Ursachen und Erscheinungsbilder von Lernstörungen unter besonderer Berücksichtigung der Informationsverarbeitung und metakognitiven Defizite dargelegt.
4. Exegetische Betrachtung der Sintfluterzählung (Gen 6,5 – 9,17) als Thema des Religionsunterrichts in der Grundschule: Der Abschnitt umfasst eine umfassende historisch-kritische Analyse des biblischen Textes, inklusive Kontext-, Struktur- und literarkritischer Untersuchungen sowie einer Deutung zentraler Motive.
5. Entwurf eines Wochenplans zum Thema Sintfluterzählung für den Religionsunterricht der Grundschule: In diesem Kapitel wird ein konkreter Wochenplan für heterogene Lerngruppen vorgestellt, dessen didaktische Gestaltung auf die Bedürfnisse von Schüler*innen mit Lernstörungen eingeht.
6. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und beantwortet die eingangs formulierte Fragestellung im Kontext der Bedeutung des Wochenplans für die individuelle Förderung.
Schlüsselwörter
Offener Unterricht, Wochenplanarbeit, Religionsunterricht, Grundschule, Lernstörungen, Sintflut, Exegese, Genesis, Inklusion, Differenzierung, Lernstrategien, Schöpfungstheologie, Schülerselbstständigkeit, Heterogenität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Bachelorarbeit befasst sich mit der methodischen Anpassung des Religionsunterrichts an Grundschulen, um durch das Konzept des offenen Unterrichts den Bedürfnissen heterogener Lerngruppen, insbesondere von Schüler*innen mit Lernstörungen, gerecht zu werden.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Zentrale Felder sind die pädagogische Theorie des offenen Unterrichts, die psychologische Fundierung von Lernstörungen sowie die exegetische Analyse der biblischen Sintfluterzählung.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie man einen Wochenplan zum Thema Sintfluterzählung gestalten kann, der sowohl den Inhalten des evangelischen Religionsunterrichts entspricht als auch Schüler*innen mit Lernstörungen effektiv unterstützt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche und theoretischen Aufarbeitung sowie einer dezidierten historisch-kritischen Exegese des biblischen Urtextes in Genesis.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des offenen Unterrichts und von Lernstörungen, eine exegetische Untersuchung der Sintfluterzählung und einen praxisnahen Entwurf eines Wochenplans.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Wichtige Begriffe sind Offener Unterricht, Wochenplan, Lernstörungen, Inklusion, Sintfluterzählung, Differenzierung und Religionspädagogik.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Priesterschrift und Jahwist?
Die Arbeit analysiert beide Quellen hinsichtlich ihrer unterschiedlichen Gottesbilder, sprachlichen Stilmerkmale und inhaltlichen Divergenzen, etwa bei der Anweisung zum Bau der Arche oder der Anzahl der mitzunehmenden Tierarten.
Welche Rolle spielt der Wochenplan für lernschwache Kinder?
Der Wochenplan dient als Instrument zur inneren Differenzierung, das Individualisierung ermöglicht, Überforderung durch angepasste Aufgabenformate verhindert und der Lehrkraft Freiräume für gezielte Unterstützung bietet.
- Citation du texte
- Marie Weisemann (Auteur), 2022, Offener Unterricht im Religionsunterricht der Grundschule im Kontext von Schülern mit Lernstörungen. Exegetische Betrachtung der Sintfluterzählung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1333533