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Von der Bewegung zur Begegnung - Die Bedeutung der Beziehung zwischen Jugendlichen und Betreuer in Individualpädagogischen Auslandsmaßnahmen der Jugendhilfe

Title: Von der Bewegung zur Begegnung - Die Bedeutung der Beziehung zwischen Jugendlichen und Betreuer in Individualpädagogischen Auslandsmaßnahmen der Jugendhilfe

Thesis (M.A.) , 2008 , 71 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Nicole Handrack (Author)

Pedagogy - Pedagogic Sociology
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Inspiriert von Erfahrungen während eines Praktikums in Nicaragua und einer erlebnispäda-gogischen Zusatzausbildung entstand das Thema für diese Arbeit. Bei der Recherche nach erlebnispädagogischen Projekten in Nicaragua stieß ich auf ein Projekt der Jugendhilfe, in dessen Rahmen eine Gruppe „schwer erziehbarer“ Jugendlicher durchschnittlich zwei Jahre im Dschungel des mittelamerikanischen Landes von deutschen Pädagogen betreut wird (vgl. Jaspersen 2006, In: ZfE, Heft10/2006, S. 58-60; www.bismunapedagogia.com/de/index/htm (Stand 18.10.07)). Diese exotische Idee weckte großes Interesse in mir und es ging auch eine gewisse Faszination von diesem ungewöhnlich und innovativ erscheinenden Ansatz aus, zumal ich mit dieser Thematik bis zu diesem Zeitpunkt in keiner Weise vertraut war. Im gleichen Atemzug stieß ich auf starke Kritik an den Projekten, was mein Interesse nur noch verstärkte. Leider war es nicht möglich, ein Projekt zu besuchen um dort Beobachtun-gen und Forschungen anzustellen, was unter anderem dadurch begründet wurde, dass die Projekte in der vergangenen Zeit einem starken öffentlichen Interesse ausgesetzt waren und man nun wieder zum „Alltag“ mit den Jugendlichen zurück kehren wolle.1 Von den meisten Trägern derartiger Projekte kam keine Reaktion auf meine Anfrage. Viele waren zu diesem Zeitpunkt bereits in die Befragung und Beobachtung durch Wissenschaftler der Universität Lüneburg eingebunden, welche momentan eine breit angelegte Erhebung und Befragung aller Träger durchführen (vgl. Pforte/Wendelin 2007, In: ZfE 2007, Heft 1, S. 23-41). End-gültige Ergebnisse dieser Studie werden aber erst Anfang des Jahres 2008 veröffentlicht. Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung im Ausland ist eine Maßnahme der Jugend-hilfe nach § 35 KJHG. Darin heißt es, dass die Einzelbetreuung in „Ausnahmefällen auch im Ausland durchgeführt werden“ kann (§ 35, Abs. 19, SGB VIII,). Obwohl die Auslands-maßnahmen nur 1,4% an den gesamten Jugendhilfemaßnahmen ausmachen (vgl. Pfor-te/Wendelin 2007, S. 125), haben sie in den letzten Jahren nicht nur in Fachkreisen heftige Diskussionen ausgelöst. Kritische Medienberichte und aufsehenserregende Vorfälle2 rück-ten die Projekte auch für die breite Öffentlichkeit ins Licht und setzten eine verstärkte wis-senschaftliche Debatte über Konzepte, Standards und Auswirkungen in Gang.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Forschungsstand

C. Der delinquente Jugendliche

1. Entwicklung und Entwicklungskrisen im Jugendalter

2. Bedürfnisse in der Adoleszenzphase

3. Abweichendes Verhalten von Jugendlichen

3.1 Ursachen von abweichendem Verhalten

3.2 Interiorisierendes und exteriorisierendes Risikoverhalten

4. Die Bedeutung einer stabilen Beziehung für die positive Entwicklung eines Jugendlichen

5. Merkmale einer pädagogischen Beziehung in der Intensiven sozialpädagogischen Einzelbetreuung

6. Zusammenfassung

D. Die Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung im Ausland

1. Die Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung im Ausland nach § 35 KJHG und weitere rechtliche Rahmenbedingungen

2. Formen individualpädagogischer Auslandsmaßnahmen

2.1 Segel- bzw. Schiffsprojekte

2.2 Reiseprojekte

2.3 Standprojekte

3. Die Auslandsmaßnahmen aus erlebnispädagogischer Perspektive

3.1 Geschichte und Idee der Erlebnispädagogik

3.2 Erlebnispädagogik in den Hilfen zur Erziehung

4. Die beziehungsorientierte Perspektive der Auslandsmaßnahmen

5. Zusammenfassung

E. Interviewanalyse

1. Auswahl der Interviews und Methode

2. Serda

2.1 Objektive Daten Serda

2.2 Fallstrukturhypothesen nach Tautorat

2.3 Interpretation Serda (Zeile 377-392)

2.3.1 Thematische Einbettung der Textstelle

2.3.2 Interpretation

2.4 Zusammenfassung

3. Marcel

3.1 Objektive Daten Marcel

3.2 Fallstrukturhypothesen nach Tautorat

3.3 Analyse und Interpretation Marcel (Zeile 139-176)

3.3.1 Einbettung der Textstelle

3.3.2 Analyse und Interpretation

3.3.3 Weitere relevante Textstellen

3.4 Zusammenfassung

F. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die Beziehung zwischen Jugendlichen und ihrem Betreuer der entscheidende Wirkfaktor für den Erfolg einer Intensiven sozialpädagogischen Einzelbetreuung im Ausland ist. Dabei wird geprüft, ob erlebnispädagogische Elemente lediglich den Rahmen für diese notwendige Beziehungsarbeit bilden.

  • Bedeutung stabiler Beziehungen für delinquente Jugendliche
  • Strukturen und Rahmenbedingungen von Auslandsmaßnahmen der Jugendhilfe
  • Die Rolle der Erlebnispädagogik vs. beziehungsorientierter Ansätze
  • Analyse und Interpretation narrativer Interviews zweier Fallbeispiele

Auszug aus dem Buch

3.2 Interiorisierendes und exteriorisierendes Risikoverhalten

Risikoverhaltensweisen werden in interiorisierende und exteriorisierende Verhaltensweisen eingeteilt. Die interiorisierende Form äußert sich vor allem bei Mädchen in Form von Medikamentenkonsum, Suizid oder Fehlernährung. Jungen neigen eher zu exteriorisierenden Verhaltensweisen, z.B. Alkohol-, Drogen- oder Zigarettenkonsum sowie risikokonnotativen Aktivitäten wie Mutproben, S-/U-Bahn-Surfen usw.. Drogenkonsum gilt als Ausdruck der Devianz und ist somit im Kontext der geschlechts- (und milieu-) spezifischen Sozialisation zu verstehen (vgl. Raithel/Mansel 2003, S. 32-33).

Aus geschlechtstypischen Problem- bzw. Belastungsverarbeitungsformen die im Kontext einer „Kultur der Zweigeschlechtlichkeit“ zu verstehen sind, ergeben sich geschlechtstypische Differenzen. Männer und Frauen reproduzieren unterschiedliche Wirklichkeiten, Mädchen entwickeln und reproduzieren ihre Geschlechtsidentität hauptsächlich über ein integrierendes Körperverständnis, Jungen reproduzieren dies über ein instrumentelles Körperverständnis, was sich auch im Risikoverhalten widerspiegelt. Extreme Formen der öffentlichen Präsentation von Männlichkeit, die auf körperlicher Kraft und Dominanz beruhen, wählen insbesondere marginalisierte Jungen, gerade für solche aus sozial benachteiligten Milieus dient delinquentes Risikoverhalten und insbesondere die (körperbezogene) Gewalt als Geschlechtsidentitätsreproduktion (vgl. ebd., S. 33-34).

Beide Verhaltensweisen haben etwas Zerstörerisches an sich und sind Abweichungen einer produktiven Entwicklung: Die eine ist selbstschädigend, die andere schädigt andere, die erste besteht im Rückzug, in der Selbstreduktion, die zweite im Angriff. Beide Typen können Ausdruck derselben Problematik sein (vgl. Fend 2003, S. 422-442).

In der umfassenden und heterogenen Gruppe des Problemverhaltens nimmt das antisoziale, insbesondere aggressive Verhalten eine zentrale Stellung ein, wenn von Devianz gesprochen wird, kommt das Kriterium der Abweichung von einer sozialen Norm zum Tragen.

Zusammenfassung der Kapitel

A. Einleitung: Die Autorin begründet das Thema aus persönlichen Erfahrungen und der wissenschaftlichen Debatte um Auslandsprojekte und stellt ihre These zur zentralen Bedeutung der Betreuer-Jugendlichen-Beziehung auf.

B. Forschungsstand: Es wird dargelegt, dass die Praxis der theoretischen Fundierung voraus ist und kaum systematische Studien zur Wirksamkeit, abgesehen von wenigen Ausnahmen, vorliegen.

C. Der delinquente Jugendliche: Dieses Kapitel beleuchtet Entwicklungsrisiken, Bedürfnisse und die Ursachen delinquenten Verhaltens sowie die Bedeutung stabiler Bindungen als Schutzfaktor.

D. Die Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung im Ausland: Hier werden rechtliche Rahmenbedingungen, Projektformen sowie der erlebnispädagogische vs. beziehungsorientierte Ansatz der Auslandsmaßnahmen definiert.

E. Interviewanalyse: Anhand zweier Fallbeispiele wird mittels der dokumentarischen Methode untersucht, wie die Beziehung zwischen Betreuer und Jugendlichem den Verlauf und Erfolg der Maßnahme beeinflusst.

F. Resümee: Die Autorin bestätigt ihre These, dass eine tragfähige Beziehung der entscheidende Faktor für positive Veränderungen ist, wobei Erlebnispädagogik als bloßer Rahmen dient.

Schlüsselwörter

Individualpädagogische Auslandsmaßnahmen, Jugendhilfe, Erlebnispädagogik, pädagogische Beziehung, Delinquenz, Adoleszenz, Bindung, Intensivpädagogik, Fallanalyse, Sozialisation, Wirkfaktoren, Bindungsforschung, soziale Kompetenz, Krisenintervention, Biografiearbeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Wirksamkeit von Intensiven sozialpädagogischen Einzelbetreuungen im Ausland und hinterfragt, welche Faktoren für den Erfolg dieser Maßnahmen ausschlaggebend sind.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen die Entwicklungspsychologie delinquenter Jugendlicher, die Strukturen von Auslandsmaßnahmen, die Konzepte der Erlebnispädagogik und die Qualität der professionellen pädagogischen Beziehung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, ob die Beziehung zwischen Betreuer und Jugendlichen der entscheidende Wirkfaktor für eine positive Lebensbewältigung ist und ob die Erlebnispädagogik dabei nur als unterstützender Rahmen fungiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Neben einer umfassenden Literaturrecherche erfolgt eine qualitative Interviewanalyse zweier Fallbeispiele unter Anwendung der dokumentarischen Methode nach Bohnsack.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert theoretisch die Bedürfnisse Jugendlicher und rechtliche Rahmenbedingungen der Jugendhilfe und leitet daraus die Bedeutung des „pädagogischen Bezugs“ ab, gefolgt von einer praktischen Analyse von zwei Fallstudien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind Individualpädagogische Maßnahmen, Delinquenz, pädagogische Beziehung, Erlebnispädagogik und Bindung.

Warum ist die Unterscheidung zwischen Erlebnispädagogik und Individualpädagogik so zentral für die Arbeit?

Die Autorin argumentiert, dass Erlebnispädagogik oft als Etikett für solche Maßnahmen dient, die eigentliche Veränderung jedoch in der Beziehungsqualität liegt, weshalb sie zur „Individualpädagogik“ als präziserem Begriff tendiert.

Welche Bedeutung kommt der „Distanz zum Herkunftsmilieu“ zu?

Sie gilt als notwendige strukturelle Voraussetzung, damit sich der Jugendliche von belastenden alten Verhaltensmustern lösen und sich auf eine neue, korrigierende Beziehung zum Betreuer einlassen kann.

Was macht das Scheitern oder Gelingen der Maßnahmen in den Fallbeispielen aus?

Gelingen ist eng an eine professionelle, authentische und grenzensetzende Betreuer-Persönlichkeit geknüpft; ein Scheitern resultiert häufig aus der Unfähigkeit des Betreuers, Distanz zu wahren oder eine echte pädagogische Beziehung aufzubauen.

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Details

Title
Von der Bewegung zur Begegnung - Die Bedeutung der Beziehung zwischen Jugendlichen und Betreuer in Individualpädagogischen Auslandsmaßnahmen der Jugendhilfe
College
http://www.uni-jena.de/  (Institut für Erziehungswissenschaften)
Grade
1,3
Author
Nicole Handrack (Author)
Publication Year
2008
Pages
71
Catalog Number
V133451
ISBN (eBook)
9783640442331
ISBN (Book)
9783640442881
Language
German
Tags
Bewegung Begegnung Bedeutung Beziehung Jugendlichen Betreuer Individualpädagogischen Auslandsmaßnahmen Jugendhilfe
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nicole Handrack (Author), 2008, Von der Bewegung zur Begegnung - Die Bedeutung der Beziehung zwischen Jugendlichen und Betreuer in Individualpädagogischen Auslandsmaßnahmen der Jugendhilfe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133451
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