Was hat der Prozess gegen den Templerorden im Mittelalter mit dem Camp Delta auf Guantánamo zu tun?
Existieren Parallen?
Schilling geht in der Arbeit der Frage nach, inwieweit die Gabe des Menschen zu differenzieren, ein Segen ist oder nicht (zT) auch ein Fluch.
Einerseits die Idee der Willensfreiheit, wonach ein Willensfreiheitskern selbst bei Folter nicht verletzt würde, andererseits Bushs Adlatus John YOO (et al), der zwischen verschiedenen Formen der Folter differenziert. (Und nur eine Form sei abzulehnen(!):
Ist das nicht Ausdruck der Problematik, dass theoretische Konstrukte und theoretische Differenzierungen Verbrechen an der Menschlichkeit rechtfertigen? Werden hier nicht Theoretiker - de facto - zu (hochgradig) Kriminellen?
Im Kontext besagter "Schreibtischtäter"-Thematik liefert
Schilling in dieser - hochgradig seriös-interdisziplinären, nicht bloß juristischen - Arbeit in Form einer im wesentlichen schroffen Gegenüberstellung, die unter anderem auf Fragen der scholastischen Willensfreiheits-Genesis eingeht, ein spannendes Konvolut an Fragen, ohne die bekannten pseudowissenschaftlichen und esoterischen Verschwörungstheorie-"Cercles" anzusteuern.
Vielmehr gelingt es Schilling in besagter Arbeit den Leser/die Leserin - in bekannt-bewährter Art - aufgrund präziser und sauber-sachlicher Quellenrecherche in das "Abenteuer Geschichte" - ohne belletristische "amuse geules" "aufzutischen" einzubinden, wobei er - durchaus anspruchsvoll - sowohl rechtstheoretische, erkenntnistheoretische, rechtsphilosophische, rechtsdogmatische, rechtsvergleichende, soziologische, politwissenschaftliche Fragestellungen aufwirft, ohne diese - und das wird auch als nicht "unbedeutendes" Verdienst dieser Arbeit zu werten sein - in "stylized fact"-Form "konvergent"-"harmonisch" (gleichsam "stromlinienförmig") "herunterzubrechen".
- Das Buch ist sowohl als wissenschaftlicher Text als auch als (sachlich-konstruktiver) Beitrag zu aktuellen Fragen einer - (globalen) Zivilgesellschaft, die sich um die Zukunft der Supermacht USA - eingedenk europäischer Abstrahlungseffekte - Sorgen macht, zu verstehen.
- Mit dem mediävalen Bezug - unter kritischer Behandlungen von (teils kühnen) Behauptungen Prof Dr. Johannes FRIEDs (sowie dem Augreifen einiger Fäden des Autors durch Prof Dr.a Gesa LINDEMANN) gelingt es dem Autor, (weithin) anerkannte Größen ihrer Disziplin sachlich und fachlich durchaus kritisch zu hinterfragen: so manche (gewagte)Behauptung wird (sachlich) in Frage gestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Einführung
1.2 Gang der Untersuchung
1.3 LINDEMANN über den Templerorden
1.4 RÜPING/JEROUSCHEK zur „Freiwilligkeit“ der Erklärung
2 Einleitung
2.1 George W. BUSHs „Camp Delta“ auf Guantánamo?
2.2 Zum „Informationswert“ unter Folter gemachter Aussagen?
2.3 HAMDAN vs RUMSFELD?
2.4 (Richard Bruce) „Dick“ CHENEY und John YOO?
2.5 „Mastermind“ John YOO?
3 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die historische und politische Verquickung von religiösen Aspekten und staatlichem Handeln, wobei sie eine Parallele zwischen den mittelalterlichen Templerprozessen und der US-amerikanischen Politik unter George W. Bush im Kontext von Guantánamo und Foltervorwürfen zieht. Das primäre Ziel ist es, den ideologischen Unterbau von Machtmissbrauch und die Rolle abstrakter philosophischer Konzepte wie der „Willensfreiheit“ bei der Rechtfertigung von Gewalt zu hinterfragen.
- Mittelalterliche Scholastik und die Rechtfertigung von Geständnissen unter Folter
- US-Außen- und Sicherheitspolitik unter der Regierung George W. Bush
- Kritische Analyse von Folter-Rechtfertigungen durch Juristen wie John Yoo
- Die Rolle der „Willensfreiheit“ in rechtsdogmatischen und historischen Kontexten
- Gegenüberstellung von staatlichem Machtmissbrauch in verschiedenen Epochen
Auszug aus dem Buch
1.1 Einführung
Verschwörungstheorien sind so unausrottbar wie Pseudowissenschaftlichkeit. Pseudowissenschaftliches findet sich gerade über den Templer-Orden. Diesen Weg schlägt diese Arbeit keinesfalls ein. Sie distanziert ausdrücklich hiervon. Vielmehr will sie wachrütteln, wenn es darum geht, wie sehr religiöse Aspekte mit politischen Aspekten (unsachlich) vermischt werden.
In dieser Arbeit soll einerseits ein prominenter erkenntnistheoretischer Aspekt des Mittelalters (Stichwort „Willensfreiheit“-Idee der Scholastik, Stichwort „Templer-Orden Prozesse“) knapp beleuchtet, andererseits die Schattenseiten der – ebenfalls prominenten – politisch-ideologischen, mit religiöser Symbolik sich umgebenden, an mittelalterliche Vorstellungswelten von Religion und Staat sich (teils stark) nähernden, US-Regierung unter George W. BUSH (Stichwort „Guantánamo“, Stichwort „Menschenrechtsverletzungen“, Stichwort „„Folter“-Rechtfertigungen ua durch Prof John YOO, Jay BYBEE und Steven BRADBURY“) dargelegt werden.
Zur Diskussion steht, ob in dieser Gegenüberstellung etwas (lebenspraktisch) „Fruchtbares“ ist, und sei es („nur“) dahingehend, dass man/frau hierüber nachdenkt?
Eine gemeinsame Klammer mag darin gesehen werden, dass mediävale Elemente auch neuzeitliches Denken (teils) prägen dürfte.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Vermischung von Religion und Politik ein und skizziert die Untersuchung der Scholastik im Vergleich zur US-Regierung unter Bush.
1.1 Einführung: Die Einleitung erläutert die Absicht, die Schattenseiten politisch-ideologischer Machtausübung kritisch zu beleuchten.
1.2 Gang der Untersuchung: Hier wird der methodische Aufbau beschrieben, der von Lindemann über Rüping/Jerouschek bis hin zu Al Gore und Woodward reicht.
1.3 LINDEMANN über den Templerorden: Es wird analysiert, wie die Lehre vom freien Willen im 12. Jahrhundert die Einführung der Folter im Beweisrecht begünstigte.
1.4 RÜPING/JEROUSCHEK zur „Freiwilligkeit“ der Erklärung: Dieser Abschnitt behandelt die Wandlungen des Beweisverfahrens und wann eine Aussage im Mittelalter als „freiwillig“ galt.
2 Einleitung: Dieses zweite Einleitungskapitel leitet den Fokus auf die USA und die aktuelle Situation in Guantánamo über.
2.1 George W. BUSHs „Camp Delta“ auf Guantánamo?: Ein kritischer Blick auf die Folterpraktiken im US-Militärgefängnis und die ausbleibende Rechenschaftspflicht.
2.2 Zum „Informationswert“ unter Folter gemachter Aussagen?: Die moralische und rationale Ablehnung von Folter, selbst wenn sie als informationsbeschaffendes Mittel diskutiert wird.
2.3 HAMDAN vs RUMSFELD?: Die juristische Auseinandersetzung um die Rechte von Terrorverdächtigen auf einen Anwalt und ein ordentliches Verfahren.
2.4 (Richard Bruce) „Dick“ CHENEY und John YOO?: Die Untersuchung, wie juristische Argumente und Theorien in staatliches Handeln übersetzt wurden.
2.5 „Mastermind“ John YOO?: Eine kritische Betrachtung des Einflusses von Professoren und Juristen auf die Legitimation menschenrechtswidrigen Verhaltens.
3 Zusammenfassung und Ausblick: Der abschließende Teil regt zur kritischen Reflexion über die Parallelen zwischen historischer Inquisition und moderner Machtpolitik an.
Schlüsselwörter
Willensfreiheit, Templerorden, Guantánamo, Folter, Menschenrechtsverletzungen, Scholastik, Machtmissbrauch, George W. Bush, John Yoo, Rechtsdogmatik, Beweisrecht, Ideologie, Ethik, Völkerrecht, Mittelalter.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht kritisch die historische und politische Verquickung von religiösen und politischen Aspekten, indem sie Praktiken der US-Regierung unter Bush mit mittelalterlichen Prozessen gegen den Templerorden vergleicht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Anwendung von Folter, die philosophische Rechtfertigung durch Begriffe wie „Willensfreiheit“, sowie die Rolle von Juristen bei der Legitimierung von Machtmissbrauch.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Parallelen zwischen mediävalem Denken und moderner Machtpolitik aufzuzeigen und zum selbstständigen, kritischen Denken über die „Segen oder Fluch“-Frage der Differenzierungsfähigkeit des Menschen anzuregen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine interdisziplinäre Gegenüberstellung von historischen Fallanalysen (Templerprozesse) und zeitgenössischen politischen Ereignissen (Guantánamo), gestützt auf rechtswissenschaftliche und historische Literatur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Grundlagen der Folter-Rechtfertigung, kritisiert die US-Politik nach 9/11 und beleuchtet die Rolle von juristischen Beratern („Masterminds“) bei der Unterwanderung von Menschenrechten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Willensfreiheit, Guantánamo, Folter, Menschenrechtsverletzungen und die kritische Auseinandersetzung mit Scholastik und zeitgenössischer Ideologie.
Warum wird der Templerorden als Vergleich herangezogen?
Der Templerorden dient als historisches Exempel, um zu zeigen, wie bereits im Mittelalter scholastisches Gedankengut dazu genutzt wurde, unter Zwang erpresste Geständnisse als „freiwillig“ zu werten und somit Gewalt zu legitimieren.
Welche Rolle spielt Professor John Yoo in der Analyse?
John Yoo wird kritisch als einer derjenigen identifiziert, die durch ihre juristischen Ausarbeitungen das Fundament lieferten, um menschenrechtswidriges Verhalten der Bush-Regierung rechtlich zu „stützen“.
Was wird unter der „Schuld“ in der Arbeit verstanden?
Die Arbeit geht auch auf die rechtsdogmatische Dimension des Schuldstrafrechts ein und hinterfragt, wie der strafrechtliche Schuldvorwurf in einem Kontext funktioniert, in dem moralische und ethische Grenzen verschwimmen.
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- Mag. Georg Schilling (Author), 2009, Vom „Processus contra Templarios“ zu Bushs „9/11“-Camp Delta-Guantánamo?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133467