Wie kann autistischen Kindern das Leben in einer für sie fremden Welt, der Welt ohne Autismus, erleichtert werden. Früh einsetzende Unterstützung der betroffenen Kinder beim Hineinwachsen in die normale Welt, soll an dem Fördermodell, dem sogenannten TEACCH Ansatz, beispielhaft aufzeigt werden.
Zwar gibt es autismusspezifisch keine Beeinträchtigungen im Bereich der Sensorik, aber dennoch setzen Autisten ihre Sinne anders ein.
Um die einzelnen Förderbereiche des TEACCH Ansatzes zu verstehen, ist es wichtig, einen Überblick über die Entwicklung sowie die damit verbundenen Schwierigkeiten von Kindern mit dem Kanner-Syndrom zu haben. Letzlich werden die Effektivität des Modells und auch die Kritik daran dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen des Autismus
2.1 Die verschiedenen Formen des Autismus
2.2 Die Geschichte des Autismus
2.3 Die Ursachen des Autismus
3. Die Entwicklung von Kindern mit Autismus
3.1 Die Kommunikation
3.1.1 Die normale Sprachentwicklung
3.1.2 Die Sprachentwicklung beim autistischen Kind
3.2 Kognitive Besonderheiten
3.2.1 Der kognitive Stil
3.2.1.1 Aufmerksamkeit
3.2.1.2 Reizverarbeitung
3.2.1.3 Gedächtnis
3.2.1.4 Problemlösungsverhalten
3.3 Besonderheiten im Lernverhalten
3.4 Die soziale und emotionale Entwicklung
3.5 Das Spielverhalten
3.6 Die motorische Entwicklung
4. Der TEACCH Ansatz
4.1 Die TEACCH Philosophie
4.2 Structured Teaching
4.2.1 Strukturierung und Visualisierung
4.2.1.1 Raum
4.2.1.2 Zeit und Tagesablauf
4.2.1.3 Arbeit
4.2.1.4 Aufgaben und Tätigkeiten
4.2.1.5 Routinen
4.3 Die Förderdiagnostik
4.3.1 Formelle Entwicklungs- und Förderdiagnostik
4.3.2 Informelle Förderdiagnostik
4.3.3 Verfahren zur Erfassung bestimmter Fähigkeiten
4.4 Förderung der Sozialkompetenz
4.5 Förderung der Kommunikationskompetenz
4.6 Effektivität des TEACCH Ansatzes
5. Schlusswort und kritische Punkte
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht den frühkindlichen Autismus und analysiert, wie der TEACCH-Ansatz als pädagogisches Fördermodell dazu beitragen kann, betroffenen Kindern den Alltag in einer für sie fremden Welt zu erleichtern und ihre Selbstständigkeit zu fördern.
- Grundlagen des Autismus und seine verschiedenen Erscheinungsformen
- Entwicklungsspezifische Schwierigkeiten autistischer Kinder in den Bereichen Kommunikation, Kognition und Verhalten
- Die theoretische Basis und die Philosophie des TEACCH-Ansatzes
- Methoden der Strukturierung und Visualisierung im "Structured Teaching"
- Förderdiagnostik sowie gezielte Ansätze zur Förderung der Sozial- und Kommunikationskompetenz
Auszug aus dem Buch
3.2.1.1 Aufmerksamkeit
Verglichen mit gesunden Kinder haben autistische Kinder eine geringere Aufmerksamkeitsspanne (vgl. Kusch/Petermann, 1990: 73). Sie hängt nach Häußler (2008) von der Motivation der Kinder ab, sich mit der Sache zu beschäftigen. Die Aufmerksamkeitsdauer lässt sich somit durch Belohnungen verlängern. Dabei ist es von besonderer Bedeutung, welchen Reizen die autistischen Kinder Aufmerksamkeit schenken (sollen). Sie betrachten auf Bildern beispielsweise eher den Hintergrund, als das Hauptmotiv, bewerten die Wichtigkeit von Informationen anders als gesunde Kinder und zeigen unterschiedliche Reaktionen auf Reize. Da Autisten die Wichtigkeit von Informationen anders bewerten als gesunde Kinder, reagieren sie auch unterschiedlich. Auf die einen Reize reagieren sie extrem stark und auf die anderen nur sehr schwach oder auch gar nicht, wie beispielsweise bei sozialen Reizen (vgl. Häußler, 2008: 31). Eine weitere Auffälligkeit bezogen auf das Aufmerksamkeitsverhalten ist die Überselektivität, also die Neigung, nur wenige Reize vom gesamten Reizmuster zu beachten. Diese ist, nach Lovaas (1977), aber begrenzt und abhängig von der Ähnlichkeit sowie der Nähe der Reize. Auch mehrere Aspekte zu beachten, für die verschiedene Sinneskanäle benötigt werden, bereitet autistischen Kindern große Schwierigkeiten.
Ein weiteres Problem besteht in dem Aufmerksamkeitswechsel, also in dem Lösen von einem Reiz um einen anderen zu betrachten, vom Wechsel des einen Sinneskanals zu dem anderen oder auch im Wechsel von der Betrachtung eines Details zu Ganzen (vgl. Kusch/Petermann, 1990: 75). Diese Schwierigkeit, Einzelheiten hintenan zu stellen und vornehmlich das ganze Bild zu betrachten könnte der Grund für die, nach Frith (1992), Störung der zentralen Kohärenz, also dem Herstellen von Bezügen und Aufbau von Bedeutungen, sein. Probleme bereitet Autisten also die Beachtung des Gesamtzusammenhangs, wohingegen sie hervorragend Details entdecken und erarbeiten können (vgl. Häußler, 2008: 31).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, skizziert den frühkindlichen Autismus (Kanner-Syndrom) und stellt den TEACCH-Ansatz als Methode zur Unterstützung der Lebensbewältigung vor.
2. Grundlagen des Autismus: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Formen des Autismus, seine Forschungsgeschichte und diskutiert potenzielle organische sowie multifaktorielle Ursachen.
3. Die Entwicklung von Kindern mit Autismus: Hier werden die spezifischen Entwicklungsbeeinträchtigungen in den Bereichen Kommunikation, Kognition, Lernverhalten, soziale Entwicklung, Spielverhalten und Motorik detailliert analysiert.
4. Der TEACCH Ansatz: Dieses umfangreiche Kapitel beschreibt die Philosophie, das "Structured Teaching", die Methoden der Visualisierung und Strukturierung im Alltag sowie die verschiedenen Verfahren der Förderdiagnostik.
5. Schlusswort und kritische Punkte: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, bejaht den Nutzen des Modells für die Lebensvorbereitung und reflektiert kritisch über ethisch problematische Methoden in der Historie des Programms.
Schlüsselwörter
Autismus, Frühdiagnostik, Frühförderung, TEACCH-Ansatz, Structured Teaching, Kanner-Syndrom, Förderdiagnostik, soziale Kompetenz, Kommunikationskompetenz, kognitive Besonderheiten, Strukturierung, Visualisierung, Lebensbewältigung, pädagogisches Konzept, autismusspezifische Förderung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Frühdiagnostik und Frühförderung bei Kindern mit frühkindlichem Autismus (Kanner-Syndrom) und evaluiert den TEACCH-Ansatz hinsichtlich seiner Wirksamkeit für die Lebensgestaltung der Betroffenen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind das Verständnis autistischer Entwicklungsbesonderheiten, die methodische Umsetzung von Strukturierung und Visualisierung im TEACCH-Programm sowie die gezielte Förderung der Sozial- und Kommunikationskompetenz.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie autistischen Kindern durch ein spezielles Fördermodell (TEACCH) geholfen werden kann, in einer für sie oft unverständlichen Welt selbstständiger zu agieren und eine bessere gesellschaftliche Integration zu erreichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse wissenschaftlicher Studien, psychologischer Konzepte und pädagogischer Fachliteratur zum Thema Autismus basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der autismusspezifischen Entwicklungsdefizite und eine anschließende praxisorientierte Vorstellung des TEACCH-Ansatzes, einschließlich seiner pädagogischen Grundprinzipien und diagnostischen Instrumente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Autismus, TEACCH-Ansatz, Structured Teaching, Förderdiagnostik, kognitive Besonderheiten und soziale Integration beschreiben.
Wie unterscheidet sich die Kommunikation autistischer Kinder von gesunden Kindern?
Autistische Kinder zeigen oft Defizite in der verbalen und nonverbalen Kommunikation, Schwierigkeiten beim Blickkontakt, Probleme mit dem pragmatischen Sprachgebrauch (z.B. Sarkasmus oder Metaphern) sowie eine häufige Echolalie.
Welche Rolle spielt die Strukturierung beim TEACCH-Ansatz?
Die Strukturierung (räumlich, zeitlich und organisatorisch) dient als Orientierungshilfe für Autisten, um komplexe Situationen durchschaubarer zu machen, Sicherheitsgefühle zu vermitteln und die Selbstständigkeit bei der Bewältigung von Alltagsaufgaben zu erhöhen.
Warum wird im TEACCH-Ansatz Wert auf die Zusammenarbeit mit Eltern gelegt?
Eltern gelten als Spezialisten für ihre Kinder; ihre Einbeziehung als Co-Therapeuten ist entscheidend, um den Transfer der Förderung in den familiären Alltag zu gewährleisten und die Kompetenz der Eltern im Umgang mit den Besonderheiten ihres Kindes zu stärken.
Welche Kritik wird im Fazit am TEACCH-Ansatz geäußert?
Im Fazit wird kritisch angemerkt, dass in der Vergangenheit oder in bestimmten Institutionen auch fragwürdige oder als bestrafend empfundene Methoden eingesetzt wurden, weshalb eine Weiterentwicklung in Richtung gewaltfreierer Ansätze wünschenswert bleibt.
- Quote paper
- Anne Peter (Author), 2009, Autismus. Frühdiagnostik und Frühförderung. Der TEACCH Ansatz., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133469