Political-Culture Forschung


Seminararbeit, 2002
20 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

I. Die Political-Culture Forschung
1. Eine Definition des Begriffes: Politische Kultur
2. Geschichte der Political-Culture Forschung
2.1 Begründung der Political-Culture Forschung
2.2 Ausgangspunkt und Grundlagen für Almond
2.3 Ansatz Gabriel Almonds
2.4 Die Civic Culture Studie
2.4.1 Allgemeines zur Studie
2.4.2 Idealtypen der Politischen Kultur nach Almond
2.4.3 Indikatoren der Politischen Kultur
3. Fazit zum Wert der Studie im Rahmen der weiteren Forschungsentwicklung

II. Betrachtung der Politischen Kulturen der USA und Deutschlands
1. Einführung in die Betrachtung
2. Nationale Identität
2.1 Nationale Identität der USA
2.2 Die schwierige Identität der Deutschen
3. Werte in der Bevölkerung
3.1 Liberale Tradition und die Bedeutung von Religion und Moral in den USA
3.2 Wertewandel in der BRD
3.2.1 Entwicklung des Wertewandels
3.2.2 Beispielaspekte des Wertewandels
4. Fazit der Betrachtung

Literatur

Einleitung

Wenn man Politikerreden verfolgt stößt man mit unter auf den Begriff Politische Kultur. So verwand ist dieser Begriff jedoch greifbar und umfasst einen weiten Deutungsspielraum. Der Begriff jedoch kommt ursprünglich aus der Politikwissenschaft. Politikwissenschaftler beschäftigen sich schon seit dem Ende des zweiten Weltkrieges mit diesem, damals neu aufgebrachten Begriff, und legten in ihrer Forschung bestimmte Abgrenzungen fest. Er bot eine bis dahin nicht gekannte Art des Vergleiches verschiedener Staaten. In meiner Arbeit möchte ich die Forschungsentwicklung zur Politischen Kultur beschreiben. Danach werde ich mich den zwei westlichen Demokratien USA und Deutschland zuwenden und ihre Politischen Kulturen gegenüberstellen.

I. Die Political-Culture Forschung

1. Eine Definition des Begriffes: Politische Kultur

Nach Almond und Verba ist die Politische Kultur die Gesamtheit aller grundsätzlichen Einstellungen und Verhaltensweisen der Bürger eines Staates gegenüber und in politische System.

2. Geschichte der Political-Culture Forschung

2.1 Begründung der Political-Culture Forschung

Die traditionelle Politikwissenschaft, damit meine ich die Wissenschaft vor dem zweiten Weltkrieg, untersuchte fast ausschließlich makropolitische Strukturen und Prozesse. Und das auch nur bei den westlichen Demokratien. Gegenstand ihrer Forschung waren die politischen Institutionen, Verfassungsordnungen und Rechtssysteme. Durch die wachsende Instabilität politischer Regime in vielen Ländern der Welt nach dem zweiten Weltkrieg und der Zerstörung demokratischer Systeme, wie der Weimarer Republik, durch den Faschismus, wurde die Kontrollierbarkeit und die Stabilität von Staaten zum politischen Problem. Die herkömmlichen Methoden der Untersuchung von makropolitischen Strukturen und Prozessen konnten die neuen Krisen, Entwicklungen und den Wandel in den Staaten nicht zufriedenstellend erklären. Nun rückte das Individuum in das Blickfeld der Politikwissenschaftler. Politische Einstellungen, Verhaltensweisen und politische Sozialisation rückten in den Vordergrund des Interesses. Die Anfänge der Political-Culture Forschung liegen am Ende der 50er und am Anfang der 60er, wenn man davon ausgeht wann der Begriff aufkam. Es gab jedoch schon frühere, ähnliche Forschungen. Diese sind unter dem Begriff Nationalcharakter bekannt, allerdings auch negativ aufgeladen. Der Nationalcharakter erhebt meistens den Anspruch unveränderbar zu sein. Wegbereiter der Political-Culture Forschung waren Gabriel Almond und Sydney Verba. Sie prägten den Begriff in ihrer 1963 veröffentlichten Studie Civic Culture.[1]

2.2 Ausgangspunkt und Grundlagen für Almond

Im Konzept der Politischen Kultur fließen für Almond drei intellektuelle Strömungen zusammen:

Als erstes ist die Soziologie Max Webers und Talcott Parsons zu nennen. In dieser wird die Bedeutung subjektiver Normen und ideeller Muster für die Herstellung von Übereinstimmung und Struktur in sozialen Systemen hervorgehoben. Des weiteren wirkte auf Almond die Ausstrahlung der Sozialpsychologie und der psychologisch orientierten Kulturanthropologie. Der wichtigste Ausgangspunkt für die Political­-Culture Forschung waren die neuen Möglichkeiten der Umfrageforschung in der „survey research methodology“. Dadurch wurde es möglich große Bevölkerungsbereiche zu erfassen und sie auszuwerten.[2]

2.3 Ansatz Gabriel Abraham Almonds

Almond sagt, dass der Staat auf der einen und die Regierung auf der anderen Seite ein Handlungssystem (system of action) bilden. Diese Erklärung entspricht der eines Politischen Systems. Alle an diesem Handlungssystem beteiligten Einheiten müssen in die Überlegungen und Forschungen einfließen. Diese Einheiten sind für Almond Rollen und Rollenträger. Dieses System von Interdependenzen und Interaktionen der Handlungseinheiten muss zunächst analysiert werden. Diese Erklärungen sind bis hierher keine Neuerungen. Neu ist nun, dass Almond diesen Analyseansatz mit der politischen Orientierung verbindet. Politische Orientierungen sind politische Einstellungen, Werte, Bewusstsein, Ideologien usw. Und jedes politische System ist in eine Reihe von Bedeutungen und Absichten eingebettet.[3] Diese Verbindung von Analyse des politischen Systems und den politischen Orientierungen nennt er Politische Kultur. Almond begründet: „Every political system is embedded in a particular pattern of orientations to political actions. I have found it useful to refer to this as the political culture.”[4] Die Politische Kultur hat den Vorteil das sie weder nur das politische System noch den allgemeinen Kulturbegriff alleine beleuchtet. Sie geht vielmehr darüber hinaus und ermöglicht so einen tiefen Einblick in die Verhältnisse innerhalb eines politischen Systems. Gerade diese Verhältnisse zwischen Regierung und dem Staat sind aufschlussgebend über die Stabilität oder Instabilität eines politischen Systems.[5] In einem instabilen politischen System besitzt die Gesellschaft eine andere Orientierung als die Regierung. Das ist z.B. in der Weimarer Republik der Fall gewesen. Die Gesellschaft identifizierte sich nur gering oder gar nicht mit dem demokratischen Staat. In stabilen Staaten, wie den westlichen Demokratien, ist die Gesellschaft in ihren Orientierungen im Einklang mit der Regierung. Almond und Verba sehen die Demokratien Großbritannien und USA in ihrer Studie „Civic Culture“ als vorbildhafte Modelldemokratien und nennen die Politische Kultur dieser Demokratien „Civic Culture“. Die „Civic Culture“ ist der Garant für Stabilität und soll Vorbild für alle Demokratien sein.[6]

2.4 Die Civic Culture Studie

2.4.1 Allgemeines zur Studie

Die Civic Culture Studie von Gabriel Abraham Almond und Sydney Verba ist die bis dahin umfangreichste international vergleichende Erhebung zur Meinungsforschung. Sie basiert auf jeweils 10000 Interviews in den fünf untersuchten Ländern: USA, Großbritannien, Mexiko, Italien und der Bundesrepublik Deutschland. Alle Interviews wurde etwa gleichzeitig Mitte 1959 geführt. Um ihre Theorie von Politischer Kultur und dem Funktionieren politischer Systeme zu entwickeln generalisierten sie individuelle Berufe und beschrieben ein Netz sozialer, interpersonaler Beziehungen aus den individuellen Daten. Außerdem setzten sie das Vorhandensein einer Beziehung zwischen politischen Orientierungen und politischen Systeme voraus.[7]

2.4.2 Idealtypen der Politischen Kultur nach Almond

Die Civic Culture Studie wurde im Jahr 1963 von Gabriel Almond und Sydney Verba veröffentlicht. Diese Studie ist das grundlegende Werk der Political-Culture Forschung. Zunächst werden in der Studie drei Idealtypen der Politischen Kultur von Almond und Verba unterschieden: die Parochiale Kultur, die Untertanenkultur und die Partizipationskultur.

In der Parochialen Kultur sind die Orientierungen auf die ummittelbare Umgebung beschränkt. Es gibt keinerlei politische Einstellungen zum politischen System. In der Untertanenkultur gibt es zwar eine Beziehung zum politischen System, aber diese beruht nur auf der Erwartungshaltung an das System. Es gibt keine Möglichkeit der aktiven Beteiligung. In der Partizipationskultur ist nicht nur die passive sondern auch die aktive politische Beteiligung möglich. In der Realität gibt es keine der drei Idealtypen. Jeder der drei kann aber mit den anderen kombiniert werden. Eine Kombination aller drei, in einer stabilen Balance, ist nach Almond und Verba 1963 die „Civic Culture“ der USA und Großbritanniens. Wobei die BRD in dieser Studie noch sehr in der Nähe der Untertanenkultur angesiedelt wurde.[8]

[...]


[1] Greiffenhagen, Martin und Silvia, Prätorius, Rainer (Hrsg.), Handwörterbuch zur Politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland, Opladen, 1981, S.319 f.

[2] Iwand, Wolf-Michael, Paradigma Politische Kultur, Konzepte, Methoden, Ergebnisse der Political-Culture Forschung in der Bundesrepublik, Ein Forschungsbericht, Opladen 1985, S. .

[3] Greiffenhagen, Martin und Silvia, Prätorius, Rainer (Hrsg.), Handwörterbuch zur Politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland, Opladen, 1981, S. 320 ff.

[4] Iwand, Wolf-Michael, Paradigma Politische Kultur, Konzepte, Methoden, Ergebnisse der Political-Culture Forschung in der Bundesrepublik, Ein Forschungsbericht, Opladen 1985, S. 58 .

[5] Ebd., S. 58 f.

[6] Greiffenhagen, Martin und Silvia, Prätorius, Rainer (Hrsg.), Handwörterbuch zur Politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland, Opladen, 1981, S. 323.

[7] Iwand, Wolf-Michael, Paradigma Politische Kultur, Konzepte, Methoden, Ergebnisse der Political-Culture Forschung in der Bundesrepublik, Ein Forschungsbericht, Opladen 1985, S. 88-94.

[8] Greiffenhagen, Martin und Silvia, Prätorius, Rainer (Hrsg.), Handwörterbuch zur Politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland, Opladen, 1981, S.322 f.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Political-Culture Forschung
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
PS: Einführung in die Politikwissenschaft
Note
2,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
20
Katalognummer
V13350
ISBN (eBook)
9783638190305
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politische Kultur
Arbeit zitieren
Konrad Burckhardt (Autor), 2002, Political-Culture Forschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13350

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