In dieser Fallstudie wird mit einer Analyse des Problems das Casemanagement in der Altenhilfe dargestellt. Dabei werden die notwendigen Schritte eines Casemanagers und den Möglichkeiten der Gesetzgebung beschrieben. Beratung, ärztliche Betreuung, Integration und Anteilnahme für alte Menschen werden anhand dieser Fallstudie mit wissenschaftlicher Literatur und dem SGB umfassend erläutert bzw. in der Darstellung auch kritisch betrachtet.
Folgender Fall wird betrachtet: Die Nachbarn einer vierundsiebzigjährigen Frau (Frau Müller) nehmen Kontakt zum Seniorenbüro auf. Sie teilen mit, dass Frau Müller kaum Außenkontakte zu haben scheint und es wirke, als ob sie vereinsamt. Frau Müller lebe in der Wohnung allein und habe weder Mann noch Kinder. Weiter würde zunehmend ein unangenehmer Geruch aus der Wohnung kommen. Bei einem kurzen Blick in die Wohnung konnte erkannt werden, dass diese zum Teil mit Zeitungen und zum Teil mit Unrat vollgestellt ist. Auch die eigene Körperpflege scheint Frau Müller schwer zu fallen, da sie aufgrund von Arthrose in bestimmten Bewegungsabläufen eingeschränkt ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Darstellung des Falls und Analyse des Problems
1.1. Falldarstellung
1.2. Analyse des Problems
2. Konzept Case Management Altenhilfe
2.1. Konzeptionelles und methodisches Handeln
3. Das Case Management – Klientin Fr. Müller
3.1. Anwendungsphasen des Case Managements
3.1.1. Klärungsphase
3.1.2. Falleinschätzung (Assessment)
3.1.3. Zielformulierung und Hilfeplanung
3.1.4. Umsetzung des Hilfeplans – Linking
3.1.5. Überprüfung des Hilfeplans – Monitoring
3.1.6. Evaluation
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit rekonstruiert eine Fallstudie im Bereich der Altenhilfe, um die Anwendung des Case Managements bei einer alleinstehenden, von Vereinsamung und gesundheitlichen Einschränkungen betroffenen Klientin wissenschaftlich zu analysieren. Ziel ist es, den gesamten Hilfeprozess von der Erstklärung bis zur Evaluation darzustellen und die Rolle des Fallmanagers in einem multiprofessionellen Kontext zu erörtern.
- Strukturierung von Fallmanagement-Prozessen in der Gerontosozialarbeit
- Die Bedeutung der sozialpädagogischen Anamnese für die Problemanalyse
- Methodik des Case Managements (Dimensionen: "Fall von", "Fall für", "Fall mit")
- Operative Umsetzung von Hilfeprozessen: Assessment, Linking und Monitoring
- Herausforderungen ethischer und rechtlicher Aspekte in der Altenhilfe
Auszug aus dem Buch
1.2. Analyse des Problems
Im Gespräch mit Frau Müllers Nachbarn notiert sich der Fallmanager (Case Manager) die für ihn wichtigen Informationen. Nach dieser Informationsaufnahme bespricht der Case Manager in einer Konferenz mit Kollegen aus dem Seniorenbüro Frau Müllers aktuelle Lage und trägt die bereits zur Verfügung stehenden Informationen vor. Im Anschluss wird die Kontaktaufnahme zu Frau Müller besprochen. Hierzu ziehen die Mitarbeiter des Seniorenbüros das Sozialgesetzbuch (§ 7a SGB XI) heran, um Hilfeangebote, wie etwa die Beratung (Pflegeberatung) im Vorfeld, entsprechend bereitzustellen (Michell-Auli 2008, S. 6).
Der Case Manager vereinbart (wenn möglich) einen Termin mit Frau Müller. Hier bespricht er die derzeitige Situation – erfragt gegebenenfalls, ob eine Pflege- und Krankenversicherung besteht und überprüft die angegebenen Informationen auf deren Wahrheitswert. Im weiteren Verlauf macht sich der Fallmanager ein Bild über den Gesundheitszustand von Frau Müller. In diesem Gespräch (methodisches Verfahren der multiperspektivischen Fallarbeit – sozialpädagogische Anamnese) mit Frau Müller sammelt der Case Manager die für ihn relevanten Informationen (vgl. Müller 2017, S.109).
Für eine objektive Analyse ist die sozialpädagogische Anamnese für den Fallmanager maßgebend. Das heißt, dass der Case Manager den Fall wie einen unbekannten Menschen kennenlernt, um einen besseren Zugang zu Frau Müller zu gelangen (vgl. Galuske 2003, S.194).
Dabei übernimmt der Fallmanager die Methode der rekonstruktiven Sozialpädagogik. Er benutzt die Technik des narrativen Interviews, um die Biografie der Klientin zu beleuchten, da er mehr über die Persönlichkeit bzw. persönlichen Bedarfe erfahren muss (vgl. Galuske 2003, S. 218). Der Case Manager erhält für die Problemanalyse in gesundheitlichen und psychosozialen Fragen hilfreiche Antworten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Darstellung des Falls und Analyse des Problems: Dieses Kapitel führt in die prekäre Lebenssituation der Klientin Frau Müller ein und erläutert die ersten Schritte der sozialpädagogischen Anamnese sowie der Problemdiagnose.
2. Konzept Case Management Altenhilfe: Hier wird das theoretische Fundament des Case Managements in der Gerontosozialarbeit beleuchtet, wobei methodische Dimensionen und professionelle Anforderungen skizziert werden.
3. Das Case Management – Klientin Fr. Müller: Dieser Hauptteil beschreibt detailliert die sechs Phasen des Case Managements, von der Klärung über die Hilfeplanung bis hin zum Monitoring und der Evaluation im konkreten Einzelfall.
4. Fazit: Das Fazit reflektiert die Rolle des Fallmanagers zwischen Unterstützungsauftrag, ökonomischen Erfordernissen und der ethischen Verpflichtung, eine würdevolle Begleitung trotz komplexer Interessenkonflikte sicherzustellen.
Schlüsselwörter
Case Management, Altenhilfe, Sozialpädagogische Anamnese, Multiperspektivische Fallarbeit, Pflegeberatung, SGB XI, Assessment, Hilfeplanung, Linking, Monitoring, Evaluation, Gesundheitsförderung, Soziale Teilhabe, Netzwerkarbeit, Empowerment.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Publikation befasst sich mit der praktischen Anwendung von Case Management-Methoden anhand einer Fallstudie einer älteren, isoliert lebenden Frau.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Kernpunkte sind die Strukturierung von Hilfeprozessen, die Koordination von Dienstleistern sowie die professionelle Gestaltung sozialpädagogischer Interventionen im Alter.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den methodischen Ablauf eines Case-Management-Prozesses in der Altenhilfe anhand konkreter Arbeitsschritte transparent und nachvollziehbar darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf die Methode der multiperspektivischen Fallarbeit und die Prinzipien der rekonstruktiven Sozialpädagogik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die sechs Phasen des Case Managements: Klärung, Assessment, Zielformulierung, Linking, Monitoring und Evaluation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Case Management, Altenhilfe, Anamnese, Hilfeplanung und Netzwerkarbeit.
Warum spielt die sozialpädagogische Anamnese bei Frau Müller eine so große Rolle?
Da Frau Müller isoliert lebt und an Arthrose leidet, dient die Anamnese dazu, eine objektive Basis für die Bedarfsermittlung zu schaffen und den Zugang zur Lebenswelt der Klientin zu ermöglichen.
Welche spezifische Herausforderung ergibt sich bei der Durchführung des Monitorings?
Eine zentrale Schwierigkeit besteht darin, trotz der Demenzerkrankung der Klientin eine verlässliche Kommunikation über die Effektivität erbrachter Hilfemaßnahmen sicherzustellen.
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- Anonym (Author), 2021, Fallmanagement in der Altenhilfe. Eine Fallstudie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1335411